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Kimchi das Herzstück koreanischer Esskultur

Kein anderes Lebensmittel ist in Korea so präsent wie Kimchi. Es begleitet das Essen zu Hause genauso wie die Mahlzeit in der Kantine, das Menü im Restaurant oder das Lunchpaket für unterwegs. Für viele gehört es ganz selbstverständlich dazu. Und doch ist es viel mehr als nur eine Beilage.

Vielfalt auf dem Tisch
Je mehr ich in Korea gegessen habe, desto deutlicher wurde mir, wie unterschiedlich Kimchi schmecken kann. Manche Sorten sind noch jung und mild im Geschmack, andere kräftig, säuerlich oder deutlich gereift. Die Auswahl reicht von mildem Wasserkimchi bis zu kräftigem Rettich-Kimchi. Welche Sorte auf den Tisch kommt, hängt vom Gericht, der Jahreszeit und dem Restaurant ab. Nicht überall gibt es mehrere Varianten. Oft beschränkt sich das Angebot auf eine Sorte, die aber trotzdem mit Bedacht gewählt ist.

Kimchi Zubereitung kann man in Korea auch in Kochschulen lernen

Jede Familie hat ihr eigenes Rezept
Viele machen Kimchi zu Hause nach eigenem Rezept, oft weitergegeben über Generationen. Für manche ist es sogar ein kostbares Geheimnis, das gehütet und weitergegeben wird. Bereits kleine Abweichungen bei Zutaten wie Knoblauch, Ingwer oder der Menge an Chili sorgen für spürbare Geschmacksunterschiede. Mehrfach hörte ich von stolzen Koreanern, dass niemand besseres Kimchi zubereitet als die eigene Mutter oder Großmutter.

Kimchi als traditionelle Beilage

Einmal durfte ich ein Kimchi probieren, dass die Oma einer Bekannten gemacht hatte. Es war so scharf, dass „scharf“ kaum der richtige Ausdruck ist. In nur zehn Sekunden wechselte meine Gesichtsfarbe mehrfach. Die Oma jedoch lachte herzlich über meinen Zustand und amüsierte sich köstlich über den „Dogil Chingu“ den deutschen Freund.

Selbstgemachtes Kimchi kann man auch auf Märkten in Korea kaufen

Ein gesundes Lebensmittel mit Tradition
Kimchi schmeckt nicht nur gut, es ist auch äußerst gesund. Durch den Fermentationsprozess entstehen zahlreiche Milchsäurebakterien, die für die Darmgesundheit wichtig sind und das Immunsystem unterstützen. Gerade in den kalten Monaten, wenn frisches Gemüse knapp ist, versorgt Kimchi den Körper mit Vitaminen und Nährstoffen.

In Korea werden jährlich über zwei Millionen Tonnen Kimchi verzehrt. Das entspricht etwa 40 Kilogramm pro Person und Jahr. Die meisten Menschen essen es täglich, oft sogar mehrmals. Diese Zahlen zeigen, dass Kimchi nicht nur eine Beilage ist, sondern ein zentrales Grundnahrungsmittel.

Die Beilagen beim koreanischen Essen werden als Banchan (반찬) bezeichnet. Hier darf Kimchi nicht fehlen

In Supermärkten nehmen Kimchi-Produkte ganze Regalwände ein, von kleinen Einzelportionen bis hin zu Kiloeimern. Auch in jedem Convenience Store, egal wie klein, stehen mehrere Sorten Kimchi griffbereit in der Kühlung. Selbst in Hotels oder beim Flugzeugessen ist Kimchi meist Teil der Mahlzeit. Diese Allgegenwart unterstreicht, welchen Stellenwert es im koreanischen Alltag einnimmt.

Kimchi Ramyeon und fertiges Kimchi im Glas aus dem Supermarkt

Kimchi als Exporterfolg
Kimchi hat längst die Grenzen Koreas überschritten und erfreut sich weltweit steigender Beliebtheit. Im Jahr 2024 wurden 47.100 Tonnen Kimchi ins Ausland exportiert, was einem Anstieg von 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das zeigt, wie international gefragt Kimchi mittlerweile ist.

Die größten Importeure waren Japan, die USA, die Niederlande, Kanada und Australien.

Selbst an Board der koreanischen Airlines wird Kimchi serviert

Kimchi Tourismus Kulturerlebnis und Mitmachspaß
Kimchi ist nicht nur Alltag, sondern auch ein Kulturerlebnis für Besucher aus aller Welt. In Korea gibt es zahlreiche Angebote, bei denen Touristen selbst Kimchi herstellen können. Workshops in Städten wie Seoul oder Busan vermitteln die Grundlagen der traditionellen Zubereitung und geben Einblick in die vielfältigen Sorten.

Wer in Korea ist, sollte auch den berühmten Kimchi-Pfannkuchen probieren

Zudem feiern viele Regionen Kimchi Festivals, bei denen man nicht nur probieren, sondern auch mehr über Geschichte und Bedeutung erfahren kann. Einige Touristenziele bieten geführte Kimchi Touren an, die Besuche bei Bauern, in traditionellen Märkten und bei Familien umfassen, die ihr Rezept teilen.

Diese Angebote machen Kimchi für Reisende greifbar und lebendig, weit über das Essen hinaus.

Auch beim BBQ am Tischgrill ist Kimchi immer dabei

Gesund scharf und lebendig
Kimchi ist ein fermentiertes Lebensmittel. Der Herstellungsprozess lässt Milchsäurebakterien entstehen, die gut für die Verdauung sein sollen. Gleichzeitig enthält es viele Vitamine, Ballaststoffe und kaum Fett. Aber es wird in Korea nicht wegen seiner Gesundheitswirkung gegessen, sondern weil es dazugehört, wegen des Geschmacks, der Schärfe und der Textur.

Traditionelle koreanische Gerichte und Kimchi – so schmeckt es am besten

Kimchi im Tempel
Im Gunisa Tempel in der Provinz Chungcheongbuk do, etwa 170 Kilometer südöstlich von Seoul in den Sobaek Bergen, konnte ich sehen, wie Kimchi dort in großer Menge verarbeitet wird. Immer wieder fuhren Lastwagen mit frischem Kohl vor. Helfer luden die Ware ab, Mönche verteilten sie an verschiedene Arbeitsstationen im Hof. In großen Wannen wurde der Kohl gewaschen, gesalzen, gespült und anschließend sorgfältig mit einer roten Würzpaste bestrichen. Alles wurde von Hand gemacht, konzentriert, ohne Hektik, Schritt für Schritt.

Frischer Kohl für die Verarbeitung zu Kimchi
Die Kimchi-Zubereitung folgt einer alten Tradition. Die mit dem Bearbeiten des Kohls losgeht

Der vorbereitete Kohl wurde anschließend in große Tontöpfe geschichtet, die hinter dem Tempel aufgereiht standen. Dort beginnt die Fermentation, beeinflusst vom Wetter und der Umgebungstemperatur. Die Atmosphäre war ruhig, strukturiert und sehr bewusst. Kein Vergleich zu industrieller Verarbeitung und genau das macht diese Erfahrung so besonders.

Vom Waschen bis zu Fermentierung sitzt jeder Handgriff bei der Zubereitung von Kimchi
Ein Einblick bei der Kimchi Herstellung im Gunisa Tempel in der Provinz Chungcheongbuk do

Kimjang Kimchi für den Winter
Einmal im Jahr wird in vielen Haushalten und Nachbarschaften Kimchi für den Winter vorbereitet. Dieses gemeinsame Einlegen heißt Kimjang. Es ist Arbeit, aber auch gemeinschaftliches Ritual. Seit 2013 gehört Kimjang zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Kimchi wird in Onggi, koreanische Tontöpfe gelagert und fermentiert

Fazit
Kimchi ist fest verwurzelt in Korea in Kultur, Alltag und Gemeinschaft. Die Vielfalt der Rezepte und Geschmäcker zeigt, wie lebendig und wandelbar dieses Gericht ist. Wer Kimchi erlebt, entdeckt ein Stück Geschichte und Handwerk, das bis heute lebendig bleibt.

Ob als würziger Begleiter oder eigenständiges Gericht, Kimchi erzählt viel über Korea. Es lohnt sich, diesen Geschmack zu probieren, egal ob zu Hause oder auf Reisen. Kimchi ist mehr als Essen. Es ist gelebte Tradition, die Menschen verbindet.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Kimchi.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 11:35:222026-01-25 11:36:46Kimchi das Herzstück koreanischer Esskultur

Dojang – der persönliche Stempel im koreanischen Alltag

Inmitten von Insadong, wo sich Kunsthandwerk und Galerien aneinanderreihen, und wo viele Teehäuser, traditionelle Waren wie Keramik, Tee und handgeschöpftes Hanji-Papier, Antiquitäten und Souvenirs das Straßenbild prägen, bin ich auf eine kleine Werkstatt gestoßen, die ausschließlich Namensstempel herstellt.

Das ist mein persönlicher Dojang – mit meinem Namen auf Hanguel

Genau hier habe ich mir meinen eigenen Dojang anfertigen lassen. Ein handgeschnittener Stempel aus schwarzem Stein, der sich wie Marmor anfühlt und mit filigranen Kirschblüten verziert ist. Er trägt meinen Namen in koreanischer Schrift, Vorname und Nachname. Für mich ist das nicht nur ein schönes Souvenir, sondern ein Stück koreanischer Kultur, das tief verwurzelt ist im Alltag und in der Geschichte des Landes.

Der Dojang im Alltag
Ein Dojang ist mehr als ein Stempel. In Korea ersetzt er vielerorts nicht nur die Unterschrift, sondern ist in vielen Fällen verpflichtend. Er wird bei Kontoeröffnungen verwendet, bei Verträgen, bei Vollmachten und bei Anträgen. Auch auf Heiratsurkunden, Schulzeugnissen, Hochschuldiplomen und vielen anderen Urkunden findet sich oft ein kleiner, roter Abdruck. Der sogenannte Dojang gehört zum Alltag.

Offizielle Dokumente und Ernennungsurkunde mit dem Dojang des koreanischen Ministers MCST gestempelt

Von Königen und Kaufleuten – die Geschichte des Dojang
Der Ursprung des Dojang reicht weit zurück. Bereits während der Drei-Reiche-Zeit (etwa 1. bis 7. Jahrhundert) wurden in Korea Stempel zur Beglaubigung von Dokumenten verwendet. Der älteste bekannte Dojang des Landes stammt aus dem Jahr 57 v. Chr., ein goldener Siegelstempel, den der chinesische Kaiser einem koreanischen Herrscher überreichte. Auch Könige nutzten solche Siegel, um ihre Erlasse zu kennzeichnen. Später waren sie fester Bestandteil der Verwaltung: Beamte, Händler und Gelehrte nutzten ihre Siegel, um Dokumente zu beglaubigen. Mit der Zeit fanden Dojangs auch im privaten Bereich Verbreitung.

So entsteht ein Namensstempel
In der Werkstatt erklärte mir der Handwerker die einzelnen Schritte der Herstellung. Zuerst die Auswahl des Materials. Ich habe mich für einen schwarzen Stein entschieden, verziert mit Kirschblütenmustern, ein Design, das für mich Korea widerspiegelt und mir auf Anhieb gefallen hat. Dann wurde mein Name mit einem Pinsel auf das untere Ende des Rohlings geschrieben. Die Schriftzeichen, natürlich in Hangeul, hat der Stempelmacher anschließend von Hand eingeritzt.

Der Stein des Griffes wird für die Herstellung des Dojang gewaschen und poliert

Mit ruhiger Hand, millimetergenau. Jeder Schnitt saß. Danach wurde die Fläche noch einmal geglättet und eingefärbt. Zum Schluss zeigte er mir den ersten Abdruck auf weißem Papier. Deutlich, klar, unverwechselbar.

In Handarbeit wird der Name in Hanguel in den Stempel geschnitzt

Neben Modellen aus Stein gibt es auch Stempel aus Holz, mit anderen Formen und Gravurtechniken, je nach Stil und Verwendungszweck.

Registrierung und Regeln – was offiziell gilt
Wer seinen Dojang für offizielle Zwecke nutzen möchte, zum Beispiel bei Kontoeröffnungen, beim Abschluss von Miet- oder Kaufverträgen, bei Vollmachten oder wichtigen Anträgen, muss ihn bei der zuständigen Bezirksverwaltung registrieren lassen. Dort wird ein Abdruck archiviert, der bei juristischen Fragen oder Fälschungsverdacht als Referenz dient. Die Registrierung ist bei bestimmten Vorgängen gesetzlich vorgeschrieben, etwa beim Immobilienkauf, bei Firmengründungen oder bei notariellen Vereinbarungen. Für Ausländer ist die Registrierung nur mit Aufenthaltserlaubnis möglich. Der Name auf dem Stempel muss dabei in Hangeul geschrieben und identisch mit dem im Melderegister eingetragenen Namen sein. Viele Koreaner besitzen mehrere Stempel, für den Alltag, für Banken, für Eigentumssachen. Auch Paare und Unternehmen verwenden eigene Dojangs.

Warum in Korea nur rot gestempelt wird
In Korea wird für Dojangs traditionell rote Stempelfarbe verwendet. Sie steht symbolisch für Verbindlichkeit und wird von Behörden und Institutionen offiziell anerkannt. Anders als blaue oder schwarze Tinte ist sie im Druckbild auffälliger und schwerer zu kopieren. Durch die kräftige Farbe lässt sich der Abdruck auch auf Dokumenten deutlich erkennen und besser gegen Fälschung sichern.

Für einen Dojang nutzt man ein rotes Stempelkissen

Und obwohl es längst elektronische Signaturen, QR-Codes und biometrische Verfahren gibt, der physische Dojang wird weiter gebraucht. Viele Formulare sehen ihn vor. Auf manchen steht einfach: „Stempel erforderlich“. Kein Hinweis, keine Erklärung, es wird erwartet.

Fazit
Der Dojang ist mehr als ein Stempel, er ist ein fester Bestandteil des koreanischen Alltags. Seine Funktion ist klar geregelt, seine Verwendung gesetzlich verankert. Er begleitet alltägliche Vorgänge genauso wie offizielle Entscheidungen. Über Jahrhunderte hat er sich nicht über Tradition erhalten, sondern über seine Funktion: klar, eindeutig, anerkannt.

Und wenn ihr mal in Korea seid: Lasst euch in einer kleinen Werkstatt einen eigenen Dojang gravieren, mit eurem Namen in Hangeul. Das ist auf jeden Fall eine persönliche Erinnerung an Korea und auch ein sehr individuelles Geschenk für andere.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-11.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 11:34:442026-01-25 11:34:44Dojang – der persönliche Stempel im koreanischen Alltag

Über den Dächern von Seoul: Mein Flug mit dem Seouldal-Ballon

Ich war schon oft in Seoul unterwegs, und ich habe die Stadt auch schon von oben gesehen, vom Namsan Tower oder vom Lotte World Tower. Aber diesmal wollte ich sie aus einer anderen Perspektive erleben: nicht von einem Gebäude aus, sondern stehend in einem riesigen Heliumballon. Der Seouldal-Ballon im Yeouido Hangang Park macht genau das möglich.

Den Ballon gibt es erst seit dem Sommer 2024. Der Name „Seouldal“ setzt sich zusammen aus „Seoul“ und dem koreanischen Wort „Dal“, dass „Mond“ bedeutet. Ein passendes Bild für den weißen Riesen über dem Park.

Seoul von oben entdecken im Seouldal Ballon

Der erste Eindruck: groß, ruhig, fast lautlos
Der Ballon ist schon von weitem sichtbar. Weiß, rund und riesig hängt er wie ein stiller Punkt über dem Park. Es gibt keine Show, keine Animation, keine Musik, nur diese große Kugel über dem Rasen. Ich hatte keine Reservierung, sondern kaufte mein Ticket direkt vor Ort. Die Abläufe waren klar organisiert, die Wartezeit überschaubar.

Vor dem Abheben
Bevor es nach oben geht, wartet man in einem kleinen klimatisierten Aufenthaltsraum. Dort scannt man einen QR-Code, um ein kurzes Formular auszufüllen: Name, Geburtsdatum, die Bestätigung, dass man gesund ist und den Anweisungen des Personals folgt. Alles ist in mehreren Sprachen hinterlegt, der Ablauf wirkt gut durchdacht.

Einweisung auf Koreanisch und etwas Englisch vom „Ballon-Fahrer” und Zeit für ein Selfie

Das Personal war freundlich und hilfsbereit. Der Ballonführer hat mehrfach mit meinem eigenen Smartphone Fotos mit mir gemacht, damit ich nicht nur den Ausblick festhalte, sondern auch selbst gut im Bild bin. Der Ballon startet im Halbstundentakt, solange es die Wetterbedingungen zulassen. Zwischen Start und Landung vergeht kaum Zeit. Es geht zügig, aber ohne Hektik.

Bevor der Flug beginnt, müssen alle Taschen in einem Aufbewahrungsbereich außerhalb der Gondel gelassen werden. Man nimmt nur das Smartphone oder die Kamera mit an Bord.

Eine Ballonfahrt mit dem Seouldal kostet für Erwachsene 25.000 KRW, knapp 17 Euro

Schweben über der Stadt
Die Gondel ist offen, aber rundum gesichert. Etwa 20 bis 30 Personen haben darin Platz. Der Aufstieg beginnt langsam. Es gibt keine Erschütterung, keinen Luftzug, kein Motorengeräusch. Man merkt erst, wie hoch man ist, wenn man sich umdreht und der Boden weit entfernt scheint. Der Blick öffnet sich mit jedem Meter mehr.

Ein traumhafter Blick zum Hangang im Hintergrund der Namsan Tower

Von oben erkennt man den Hangang, die weiten Flächen von Yeouido, die Parlamentsgebäude, das große Gelände von KBS, den Fernsehturm auf dem Namsan. Auch die Skyline von Seoul tritt deutlich hervor, mit ihren markanten Hochhäusern und der dichten Struktur. An dem Tag, an dem ich dort war, war die Sicht so klar, dass ich auch die Berge rund um Seoul sehen konnte und sogar Incheon in der Ferne.

links: Gukhoe, die Nationalversammlung Koreas, rechts: Skyline Yeouido

Da sich der Ballon während des Fluges nicht dreht, bewegt man sich auf Anweisung im Uhrzeigersinn um die Plattform. So erhält man im Laufe des Flugs einen vollständigen 360-Grad-Blick auf die Stadt, mit allen Himmelsrichtungen, gut verteilten Perspektiven und viel Gelegenheit zum Fotografieren. Ich hatte genug Zeit, um alle wichtigen Ansichten festzuhalten und einfach zu schauen.

Yeouido ist ein grüner Stadtteil direkt am Hangang

Eine andere Art von Erlebnis
Die Fahrt dauert etwa 15 Minuten. Es passiert nicht viel, und genau das macht den Reiz aus. Man hat einen wunderbaren Blick auf Seoul und stellt einmal mehr fest, wie groß diese Stadt ist, aber auch, wie viele Grünflächen sie hat. Und wie schön Seoul in die umliegende Bergwelt eingebettet ist.

Ein Blick nach oben und zum Hangang 

Was mir besonders aufgefallen ist: Man steht oben nicht einfach nur still. Der Blick wandert, die Perspektive verändert sich. Und mit ihr auch der Eindruck von der Stadt. Von oben sieht Seoul nicht nur riesig aus, sie wirkt auch klarer und geordneter. Für einen Moment ist alles weit weg, obwohl es direkt unter einem liegt.

Die Fahrt mit dem Seouldal ist ein Erlebnis für Jung und Alt und sollte auf einer Travel-To-Do Liste fehlen

Ort, Zeiten und Ablauf
Der Seouldal-Ballon startet im Yeouido Hangang Park. Die nächstgelegenen U-Bahn-Stationen sind National Assembly (Linie 9) und Yeouinaru (Linie 5). Von beiden aus erreicht man das Gelände in etwa zehn Minuten zu Fuß.

Auch der Blick nach unten, wie rechts in den Park, ist eine spannende Perspektive

Der Betrieb läuft dienstags bis sonntags, jeweils etwa von 12 Uhr bis 22 Uhr. Montags ist der Ballon außer Betrieb. Bei starkem Wind oder Regen bleiben die Fahrten aus Sicherheitsgründen aus.

Ein Ticket für Erwachsene kostet 25.000 KRW, was etwa 17 Euro entspricht.

Statue König Sjong der Große im Yeouido Park von oben

 Fazit
Wer Seoul einmal anders erleben will, sollte den Seouldal nicht verpassen. Aus der Luft erkennt man, wie weit sich die Stadt ausdehnt, wie sie zwischen Fluss und Bergen liegt und wie viel es noch zu entdecken gibt. Die Aussicht, der Ablauf und das Gefühl dort oben haben einfach gepasst. Tickets kann man vorab online reservieren, was ich empfehle. Mit knapp 17 Euro ist das Ganze auch noch erstaunlich günstig.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Seouldal.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 08:10:512026-01-25 08:10:51Über den Dächern von Seoul: Mein Flug mit dem Seouldal-Ballon

[MISSION] Gwangbokjeol: 80 Jahre Befreiung Koreas

Am 15. August feiert Korea den Gwangbokjeol, den Tag der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft. Der Name bedeutet wörtlich „Tag der Wiedererlangung des Lichts“ und steht für das Ende einer 35-jährigen Fremdherrschaft, die tiefe Spuren im Land hinterlassen hat. Das Licht im Namen symbolisiert die wiedergewonnene Unabhängigkeit, die Rückkehr zu einer eigenen Regierung und die Hoffnung auf eine selbstbestimmte Zukunft.

Abkommen über die koreanische Annexion. Mit der Unterzeichnung des Vertrags wurde Korea zu einer japanischen Kolonie © Manuel Guthmann

Von der Kolonialzeit zur Unabhängigkeit
Japan annektierte Korea im Jahr 1910 und gliederte es als Kolonie in sein Kaiserreich ein. Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von wirtschaftlicher Ausbeutung, kultureller Unterdrückung und dem Versuch, die koreanische Identität auszulöschen. Die japanische Sprache wurde Pflicht in Schulen und Behörden, traditionelle Bräuche und die koreanische Schrift Hangul gerieten unter Druck. Trotz dieser Unterdrückung wuchs der Widerstand. Ein bekanntes Beispiel ist die landesweite Unabhängigkeitsbewegung vom 1. März 1919, die brutal niedergeschlagen wurde, das nationale Bewusstsein jedoch stärkte.

Das Koreanische Unabhängigkeitsmuseum in Chonan erinnert an die Zeit © Frank H. Lee

Der 15. August 1945 markierte schließlich das Ende dieser Fremdherrschaft. An diesem Tag gab der japanische Kaiser in einer landesweit ausgestrahlten Radioansprache die Annahme der Kapitulationsbedingungen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg bekannt. Für Korea bedeutete dieser Tag das Ende von 35 Jahren Kolonialherrschaft. Die Nachricht verbreitete sich schnell, zunächst über Radiosender, dann von Mund zu Mund. In vielen Orten, darunter auch Seoul, versammelten sich Menschen, gaben die Neuigkeit weiter und holten Taegukgi-Flaggen hervor, die während der Kolonialzeit verboten gewesen waren. Manche hatten sie selbst aus Stoffresten genäht, weil seit Jahrzehnten keine offiziellen Flaggen mehr erhältlich waren.

Historische Taegukgi-Flagge im Nationalmuseum für zeitgenössische Geschichte Koreas in Seoul © Manuel Guthmann

Historische Aufzeichnungen berichten von spontanen Kundgebungen, Gesängen und Reden. Gleichzeitig herrschte Unsicherheit darüber, wie das Land künftig regiert werden würde.

Mit der Befreiung begann auch eine neue, schwierige Phase: Korea wurde entlang des 38. Breitengrades in eine sowjetische und eine US-amerikanische Besatzungszone geteilt, was später zur Gründung zweier Staaten führte.

1941 warnte der spätere Erste Staatspräsident von Korea, Rhee Syng-man, in seinem Buch vor den 
Gefahren des japanischen Totalitarismus © Manuel Guthmann

Ein besonderes Jubiläum: 80 Jahre Freiheit
Das Jahr 2025 ist ein Meilenstein in der koreanischen Geschichte. 80 Jahre sind seit der Befreiung vergangen. In dieser Zeit hat sich Korea zu einer der führenden Industrienationen entwickelt, kulturell und technologisch weltweit Einfluss gewonnen und eine lebendige Demokratie aufgebaut.

Noch bis 16. November gibt es eine Sonderausstellung im Nationalmuseum für zeitgenössische Geschichte Koreas in Seoul © Manuel Guthmann

Das 80. Jubiläum wird daher nicht nur als Gedenktag verstanden, sondern auch als Moment, um die enorme gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung zu würdigen.

Impressionen der Sonderausstellung zum Tag der Befreiung im Nationalmuseum für zeitgenössische Geschichte Koreas in Seoul © Manuel Guthmann

Unterschiedliche Sichtweisen
Unter meinen koreanischen Freunden, viele im Alter zwischen 25 und 45 Jahren, gibt es ganz unterschiedliche Sichtweisen auf Japan, obwohl niemand von ihnen die Kolonialzeit selbst erlebt hat. Einige meiden bewusst japanische Restaurants, Produkte oder Marken, weil sie die historische Erfahrung noch sehr präsent haben, oft auch durch Erzählungen aus der Familie. Andere sehen Japan dagegen vor allem als Nachbarland und haben kaum persönlichen Bezug zur Kolonialzeit. Für sie stehen Austausch, Reisen und die moderne Popkultur im Vordergrund. Diese Spannbreite an Perspektiven zeigt, wie komplex die Erinnerung an die Kolonialzeit auch 80 Jahre später noch ist.

Feierlichkeiten in Seoul und im ganzen Land
Am Gwangbokjeol wehen landesweit die Nationalflaggen, und es finden offizielle Zeremonien und Gedenkveranstaltungen statt, bei denen oft auch hochrangige Politiker oder der Präsident anwesend sind.

Zahlreiche Museen, Gedenkstätten und Kulturzentren öffnen an diesem Tag mit Sonderprogrammen, teils mit freiem Eintritt, und Schulen greifen das Thema im Unterricht auf. Fernsehsender zeigen Dokumentationen und Specials rund um den Tag.

Die koreanische Flagge wird am 8. August an vielen Gebäuden und Häusern in Korea wehen © Manuel Guthmann

Wer zu dieser Zeit im Land unterwegs ist, begegnet dem Feiertag vielleicht auf einem Platz, in einem Museum oder in den Nachrichten.

Kora bereitet sich auf die Feierlichkeiten für Gwangbokjeol, den Tag der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft, vor © Manuel Guthmann

Bedeutung über den Tag hinaus
Für ältere Koreaner ist Gwangbokjeol ein Tag, der Erinnerungen an harte Zeiten wachruft. Für jüngere Generationen ist er ein Symbol für nationale Identität und Stolz. Der Feiertag erinnert daran, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist und dass die Unabhängigkeit das Ergebnis jahrzehntelangen Widerstands ist.

Auch 80 Jahre später bleibt die Zeit der Kolonialherrschaft für viele Koreaner ein sensibles Thema. Die Beziehung zu Japan ist dabei von Geschichte und Gegenwart gleichermaßen geprägt, auch wenn beide Länder heute wirtschaftlich eng miteinander verbunden sind. Der 15. August steht damit zugleich für Erinnerung, Aufarbeitung und den Blick in die Zukunft. Wer Korea kennt, weiß, wie tief dieser Tag im kollektiven Bewusstsein verankert ist.

Eingangsbereich des interessanten Koreanischen Unabhängigkeitsmuseums in Chonan © Frank H. Lee

Korea steht heute als selbstbewusstes, modernes Land da, das seine Geschichte kennt und ehrt. Der 15. August ist nicht nur ein Tag der Erinnerung, sondern auch ein Tag der Verantwortung. Diese Verantwortung besteht darin, die eigene Geschichte wachzuhalten, aus ihr zu lernen und auf dieser Basis eine friedliche Zukunft zu gestalten. Er ist zugleich ein Versprechen, die Werte von Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und kultureller Identität zu bewahren und an kommende Generationen weiterzugeben. Gerade in einer Zeit, in der nationale Identität und internationale Beziehungen immer wieder auf die Probe gestellt werden, ist dieser Tag ein starkes Zeichen dafür, was Korea ausmacht.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/01-1.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 08:10:042026-01-25 08:10:04[MISSION] Gwangbokjeol: 80 Jahre Befreiung Koreas

Besuch in einem koreanischen Jjimjilbang

Koreas Jjimjilbangs sind Oasen des Alltags. Ich kannte sie bisher nur aus K-Dramen oder von Bildern in sozialen Netzwerken. Obwohl ich schon oft in Korea war und längst einmal selbst einen ganzen Tag in einem Jjimjilbang verbringen wollte, hatte es sich nie ergeben.

Mit Freunden unterwegs in eine koreanische Sauna. Ein Erlebnis, welches ich bisher nur aus K-Dramen kannte

Jetzt war es so weit. Ich war mit sehr guten Freunden in einem Jjimjilbang, einer koreanischen Sauna, die so viel mehr ist als nur ein Ort zum Schwitzen. Schon beim Ankommen hatte ich das Gefühl, dass hier alles nach festen Abläufen funktioniert.

Ankommen, umziehen, eintauchen
Ich war in einem Jjimjilbang in Incheon, deshalb sind wir mit dem Auto gekommen. Das angeschlossene Parkhaus war am Sonntagnachmittag fast voll, was keine Überraschung ist, denn an Wochenenden und bei Regen entscheiden sich viele für einen Besuch.

Nach dem Bezahlen erhält man die typische Kleidung, Handtuch und einen Schlüssel für den Spind und zum Bezahlen vor Ort 

Natürlich gibt es auch in Seoul sehr viele dieser Badehäuser, und mit der Naver Maps App lassen sich passende Orte leicht in der Nähe finden. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, erreicht die meisten Jjimjilbangs bequem mit Bus oder U-Bahn.

Schon im Eingangsbereich ziehen alle Besucher ihre Schuhe aus. An der Rezeption zahlt man den Eintritt und erhält ein Armband mit Chip. Dazu gibt es die typische Kleidung: ein T-Shirt und Shorts aus Baumwolle. Männer und Frauen tragen oft unterschiedliche Farben, die Größen reichen meist von Small bis 8XL.

Schon vor Betreten des Eingangs zieht man seine Schuhe aus.

Die Chipnummer führt zu einem kleinen Spind für die Schuhe, weiter hinten stehen große Schränke für Kleidung und Wertsachen bereit. Innerhalb des Jjimjilbangs dient der Chip auch als Zahlungsmittel für Essen oder Zusatzangebote. Bezahlt wird beim Verlassen.

Man erhält einen Chip-Schlüssel zum Bezahlen und für den Schuhschrank sowie den Kleiderspind 
Nach dem Duschen und Umziehen, fährt man zum eigentlichen SPA Bereich nach oben

Im Herzen des Jjimjilbangs
Männer und Frauen gehen zunächst getrennte Wege. Die Umkleide- und Duschbereiche sind geschlechtergetrennt. Viele Gäste duschen erst am Ende ihres Aufenthalts. Nach dem Umziehen beginnt der eigentliche Besuch im gemischten Bereich. Dort begegnet man Paaren, Kindern, Großeltern, Alleinreisenden und Freundesgruppen. Die Atmosphäre ist ruhig, selbst wenn viele Menschen gleichzeitig anwesend sind. Niemand ist laut, niemand hetzt.

Einblicke in ein typisches Jjimjilbang in Korea

Der Jjimjilbang in diesem Fall erstreckt sich über mehrere Etagen. Es gibt große Liegebereiche mit beheiztem Boden, Schlafräume, Fernsehnischen, abgedunkelte Ruheräume und sogar einen Spielbereich mit Kletterelementen und Rutsche.

 Jjimjilbangs sind ein idealer Ort, um zu entspannen, lesen oder mit Freunden reden

Heiß, kalt und meist ruhig
Im Zentrum eines Jjimjilbangs stehen die Sauna- und Ruheräume. Trockensaunen mit unterschiedlichen Temperaturen wechseln sich ab mit Kälteräumen, die auf etwa 10 Grad heruntergekühlt sind. Viele Besucher wechseln gezielt zwischen Hitze und Kälte. Die Räume sind unterschiedlich gestaltet, oft mit Holz oder Stein. Gespräche sind selten, die Stimmung meditativ.

60 Grad in der kleinen Sauna. Die Smartphones müssen vorher abgelegt werden

Wir haben den Raum mit 60 Grad ausprobiert. Der Steinboden war so heiß, dass man spürte, wie der ganze Körper von unten aufgewärmt wurde. Danach ging es direkt in den eiskalten Kühlraum. Der Kontrast war gewollt und tat erstaunlich gut.

Essen gehört dazu
Auch das Essen gehört zum Konzept. Der kleine Foodcourt bietet typische Gerichte an: Ramyeon, gebratener Reis, Tteokbokki, hartgekochte Eier, kaltes Shikhye. Die Ausgabe erfolgt an einfachen Theken.

Die berühmten Eier und ein Shikhye dürfen in der Sauna nicht fehlen
Auch Süßes gibt es im Jjimjilbang und eine Ramyeon-Station darf auch nicht fehlen

Natürlich haben wir auch die berühmten Eier gegessen, die in der Hitze gegart werden. Sie sind hart, warm und schmecken leicht rauchig. Dazu ein kaltes Getränk, genau richtig nach dem Wechsel zwischen Hitze und Kälte.

Zur Erfrischung haben wir uns nach ein paar Stunden im Jjimjilbang ein Bierr gegönnt

Am Abend hatten wir uns gemeinsam fürs Essen entschieden. Wie in Korea üblich bestellt nicht jeder für sich selbst, sondern man isst gemeinsam. Neben typischen Beilagen hatten wir Chicken, Bibimbap und Miyeok-guk, eine Algensuppe, die besonders stärken soll.

Chicken, Miyeok-guk (Algensuppe) und Beilagen. Die Auswahl im Jjimjilbang war reichlich
Essen hat einen hohen Stellenwert in Korea. Und mit Freunden isst man auch mal länger im Jjimjilbang und tauscht sich in entspannter Atmosphäre aus

Das Handtuch auf dem Kopf
Natürlich hatte ich auch mein Handtuch dabei, gerollt und auf dem Kopf getragen, wie es in Korea Tradition ist. Diese Technik nennt sich Yangmeori, also Schafskopf. Ich hatte das bisher nur aus K-Dramen gekannt, war aber begeistert, dass es hier viele so machen.

Das Handtuch wird speziell gefaltet: Yangmeori, also Schafskopf

Massagestühle auf einem anderen Level
Ein echtes Highlight waren die Massagestühle. Was in Deutschland oft wie ein müdes Rütteln wirkt, ist in Korea eine nahezu professionelle Massage. Die Technik ist so ausgefeilt, dass man meint, ein Mensch würde massieren. Rücken. Schultern. Beine. Alles wird systematisch und kraftvoll bearbeitet. Ich hätte ewig darin sitzen können.

Koreanische Massagestühle sind Highend und das nächste Level der Entspannung. Ich kann es nur empfehlen
In diesem Jjimjilbang gab es auch eine kleine Bibliothek, da die Koreaner sehr gerne lesen

Rückzugsort mit Geschichte
Der Jjimjilbang ist für viele Koreaner ein Rückzugsort. Man kann essen, schlafen, fernsehen, sich pflegen lassen oder einfach nur in Ruhe schwitzen. Manche bleiben ein paar Stunden, andere die ganze Nacht.

Die Geschichte reicht weit zurück. Öffentliche Bäder, Mokyoktang, existierten bereits in der Joseon-Zeit. Sie waren funktional, schlicht und öffentlich. Später entwickelten sich größere Badehäuser mit Dampfbädern und Saunen. In den 1990er Jahren entstanden dann die heutigen Jjimjilbangs, rund um die Uhr geöffnet, mit Freizeitangeboten, Schlafmöglichkeiten und Gastronomie.

Im Inneren gab es noch eine kleine Oase zum Entspannen

Wer Korea erleben will, sollte hierhin gehen
Der Besuch dauerte fast fünf Stunden. Beim Verlassen wird geduscht, die Kleidung zurückgegeben, das Armband abgegeben. Dann verlässt man den Jjimjilbang erstaunlich erholt.

Ein Jjimjilbang ist ein Erlebnis, das sich kaum mit dem deutschen Begriff Sauna beschreiben lässt. Auch die Preise sind im Vergleich zu Deutschland sehr günstig. Hier war der Eintritt 11.000 KRW pro Person und 2.000 KRW für die Kleidung, gesamt also rund 8 Euro. Dafür kann man 24 Stunden bleiben, wenn man will.

Wer Korea besucht, sollte sich dafür Zeit nehmen. Auch allein ist das problemlos möglich und lohnt sich.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/00-Teaser.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 08:06:482026-01-25 08:06:48Besuch in einem koreanischen Jjimjilbang

Tax Free in Korea: praktische Tipps für Reisende

Beim Bezahlen in Korea werde ich an vielen Kassen gefragt: „Tax Free oder Tax Refund?“ Diese kurze Frage öffnet für Touristen die Tür zu einem einfachen Vorteil. Korea erstattet die Mehrwertsteuer von zehn Prozent auf viele Einkäufe, wenn man nur vorübergehend als Gast im Land ist. Für mich als Reisender bedeutet das, dass ich schon bei kleineren Summen sparen kann, wenn man den Ablauf kennt.

Besonders beliebt: Shopping bei Olive Young. Hier erhält man die Mehrwertsteuer bei Vorlage des Reisepasses sofort zurück

Bei meinem letzten Aufenthalt habe ich mir zum Beispiel 53.000 KRW zurückerstatten lassen, das sind rund 37 Euro. Daran sieht man, wie schnell sich mehrere Einkäufe summieren. Weil das so unkompliziert war, habe ich mir den Ablauf genau angesehen.

Wer ist berechtigt und was gilt grundsätzlich
Tax Free gilt für ausländische Besucher, die mit einem Touristenvisum eingereist sind oder mit einem anderen Visum weniger als sechs Monate in Korea bleiben. Auch im Ausland lebende Koreaner können die Rückerstattung nutzen, wenn sie seit mindestens zwei Jahren im Ausland leben und sich weniger als drei Monate in Korea aufhalten. Die gekaufte Ware muss unbenutzt bleiben und innerhalb von drei Monaten nach dem Kauf wieder ausgeführt werden.

Ob zum Beispiel bei Artbox, Line Friends, Kakao Friends oder im K-Pop Store sowie in einem der zahlenreichen Department Stores, die Erstattung funktioniert hier reibungslos

Ab welchem Betrag gilt Tax Free
Jeder Einkauf muss mindestens 15.000 KRW betragen, ungefähr 10 Euro. Pro Beleg sind bis zu 1.000.000 KRW möglich, etwa 700 Euro. Während des gesamten Aufenthalts dürfen alle Einkäufe zusammen 5.000.000 KRW nicht überschreiten, das sind ungefähr 3.500 Euro.

Wo es zuverlässig angeboten wird
Besonders einfach erlebe ich Tax Free in großen Department Stores wie Lotte, Hyundai und Shinsegae. In Ketten wie Olive Young und in Stores von Kakao Friends gehört der Service zum Standard und wird aktiv angeboten. An der Tür oder an der Kasse hängen gut sichtbare Hinweise mit Tax Free oder Instant Tax Refund. Kleine Boutiquen, Märkte und Convenience Stores sind oft nicht angeschlossen. Nur registrierte Geschäfte dürfen eine Erstattung anbieten.

In kleinen Läden, Boutiquen oder an Ständen, wie hier auf dem Bild ist Tax Free 7 Tax Refund nicht möglich

Die drei Varianten im Überblick
Sofortabzug im Geschäft: In teilnehmenden Läden wird die Steuer direkt an der Kasse abgezogen. Ich zeige meinen Reisepass, der reduzierte Betrag erscheint sofort auf dem Bon. Habe ich den Pass nicht dabei, gibt es keinen Sofortrabatt, ich bekomme aber eine Tax Free Quittung im Umschlag für später.

Quittung mit Barcode oder QR-Code für später: In registrierten Geschäften ohne Sofortsystem zahle ich den vollen Preis und bekomme eine Quittung mit Barcode oder QR-Code, meist im Umschlag. Mit diesem Code hole ich mir die Erstattung später an einem Automaten oder Schalter, in bar in KRW oder als Rückbuchung auf meine Kreditkarte.
Kein Tax Free: Läden, die nicht am System teilnehmen, bieten weder Sofortrabatt noch eine Tax Free Quittung. Eine normale Kassenquittung reicht nicht für eine Erstattung.

Ausweis vergessen? Kein Problem, ich bin vor Abflug zum Refund Kiosk im Department Store und habe schon mal die meisten Quittungen gescannt

Scan Automaten in der Stadt und am Flughafen
Tax Free Automaten stehen oft in großen Hotels und Kaufhäusern. Ich nutze zum Beispiel den Automaten im Hyundai Department Store in Sinchon, Ebene B2. Dieser Standort hat aktuell nur ein Gerät; dieses ist an einen bestimmten Erstattungsanbieter gebunden und scannt daher nur dessen Quittungen.

Das Scannen der Quittungen am Tax Refund Automaten geht recht schnell und unkompliziert

Schritt 1: Reisepass bereithalten, Kreditkarte bereitlegen, Quittungen mit Barcode oder QR-Code sortieren.

Schritt 2: Am Automaten zuerst den Reisepass vorlegen, dann die Kreditkarte, danach jede Quittung einzeln scannen.

Schritt 3: Berechtigte Beträge werden sofort ausgezahlt. Je nach Gerät kann ich zwischen KRW wählen, teils sind auch US-Dollar oder Euro möglich. Der Automat in Sinchon bot auch Euro an.

Schritt 4: Ich erhalte zusätzlich eine Bestätigungsquittung. Diese muss ich bei der Ausreise am Flughafen am Tax Free Automaten final scannen.
Wichtig: Wenn ich den finalen Scan am Flughafen vergesse, wird der zuvor ausgezahlte Betrag nach einigen Wochen von meiner Kreditkarte wieder abgebucht.

Man sollte die eigenen Quittungen vorab schon sortieren, damit es beim Scannen, besonders am Flughafen schneller geht

Am Flughafen stehen bereits vor der Sicherheitskontrolle viele Tax Free Automaten. Diese Geräte lesen in der Regel die Codes aller Anbieter. Auch hier gilt die Reihenfolge: zuerst Ausweis scannen, dann alle Belege und gegebenenfalls die Quittung, die ich schon im Kaufhaus erzeugt habe. Belege mit direktem Tax Free Abzug wie zum Beispiel bei Olive Young brauche ich nicht erneut zu scannen.

Tax Refund Automaten am Flughafen Incheon bei den Abflug Check-in Schaltern

Zoll und Erstattung am Flughafen
Bei größeren Rückerstattungen oder teuren Artikeln kann der Kiosk eine Zollprüfung verlangen. Folge der Anzeige am Gerät und gehe bei Bedarf mit Pass, Belegen und unbenutzter Ware zum Zoll.

Wenn auf einer Quittung eine Zollprüfung vermerkt ist, gehe ich vor dem Check-in zur Zollfreigabe und zeige Ware, Quittungen und Reisepass. Danach gebe ich mein Gepäck auf und passiere die Sicherheitskontrolle.

Die Erstattung erhält man nach der Sicherheitskontrolle, hier nahe Gate 28

Hinter der Kontrolle gehe ich zum Tax Free Schalter in der Nähe von Gate 28. Wenn ich alle Schritte vorher erledigt habe, kann ich mit der finalen Quittung und meinem Ausweis direkt zum Schalter und erhalte dort Fremdwährung, in der Regel keine Euro. Alternativ nutze ich erneut einen Automaten, scanne Ausweis und Quittung und bekomme die Auszahlung in koreanischen Won. Ich lasse mir das Geld meist in KRW auszahlen, weil ich es bei der nächsten Reise gleich wieder verwenden kann.

Am Schalter erhält man hier in Fremdwährung seine Erstattung zurück, an den Automaten daneben (nicht auf dem Bild) kann man koreanische Won erhalten

 

Manchmal geht es schnell, zu Stoßzeiten sollte man etwas Zeit für die Erstattung einplanen

Welche Produkte sind steuerfrei
Besonders häufig nutze ich Tax Free bei Kosmetik, Mode, Accessoires, Elektronik, Schmuck und Souvenirs. Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs sind in der Regel ausgeschlossen. Wichtig ist, dass die Ware bis zur Ausreise unbenutzt bleibt.

Fazit
Mit Tax Free bekommen Reisende bei vielen Einkäufen etwas Geld zurück, und der Ablauf ist mit Pass, Quittungen und einem kurzen Stopp am Automaten wirklich einfach. Beim Shoppen den Reisepass am besten immer dabeihaben. Für die Rückreise nach Deutschland an die Einfuhrgrenzen denken: Bei Flugreisen sind pro Person ab 15 Jahren Waren bis 430 Euro abgabenfrei, unter 15 Jahren gelten 175 Euro. So bleibt die Ersparnis auch nach der Landung erhalten.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-10.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 08:03:482026-01-25 08:03:48Tax Free in Korea: praktische Tipps für Reisende

Koreas Universitäten gehören zur akademischen Weltspitze

Korea gehört längst nicht mehr nur wirtschaftlich zur Weltspitze. Auch seine Universitäten sind international gefragt und akademisch führend. In Rankings, in Ausstattung und durch ihre Ausstrahlung auf Studierende aus aller Welt haben sie sich einen festen Platz erarbeitet.

Vor allem in Seoul nimmt die Zahl internationaler Bewerberinnen und Bewerber seit Jahren deutlich zu. Auch bei deutschen Studierenden wächst das Interesse, an einer koreanischen Universität zu lernen oder zu forschen.

Bei meinem Besuch in Seoul habe ich zwei Hochschulen kennengelernt, die besonders hervorstechen: die Ewha Womans University und die Yonsei University. Beide zählen zu den renommiertesten Universitäten des Landes, bieten spezielle Programme für internationale Gäste und zeigen ganz unterschiedliche Seiten des koreanischen Bildungswesens. Sie liegen nur wenige Minuten voneinander entfernt – im Herzen des Stadtteils Sinchon.

Imposante Gebäude der Ewha Womans University (links) und Yonsei University (rechts) ins Seoul

Ewha Womans University: Bildung für Frauen mit Tradition und Perspektive
Der Campus der Ewha Womans University ist ein architektonisches Highlight. Die abgesenkte Hauptachse mit ihren Glasfassaden wirkt fast wie ein modernes Museum.

Weitreichender und großer Campus der Ewha Womans University

Historische Backsteingebäude und großzügige Grünflächen verbinden sich mit klarer Gestaltung und schaffen eine eindrucksvolle Atmosphäre. Der Campus ist öffentlich zugänglich und zieht viele Besucher an, die sich für Architektur, Geschichte und Bildung interessieren.

Ewha Womans University mit ihrem riesigen und schönen Campus

Gegründet wurde Ewha 1886 von der amerikanischen Missionarin Mary Scranton. Sie war die erste moderne Bildungseinrichtung für Frauen in Korea. Heute ist Ewha die größte Frauenuniversität der Welt. Ein reguläres Studium ist ausschließlich Frauen vorbehalten. Männer können lediglich an Sprachkursen oder Austauschprogrammen teilnehmen.

Der Ewha Womans University Campus wirkt fast unendlich
Wie ein kleiner Stadtteil verfügt der Ewha-Campus mit seinen über 132 Hektar über Restaurants, Geschäfte und eine eigene Infrastruktur, die ihn zu einer Art „Universität in der Stadt“ macht

Akademisch bietet die Universität eine breite Auswahl. Es gibt elf Fakultäten mit rund 67 Studienrichtungen sowie zusätzliche Programme für Master- und Promotionsstudierende. Besonders gefragt sind Internationale Studien, Pharmazie, Modedesign, Musik, Kommunikationswissenschaft, Künstliche Intelligenz und koreanische Sprache. In mehreren Fachbereichen wird auf Englisch unterrichtet. Das internationale College richtet sich gezielt an ausländische Studierende.

Yonsei University: Internationale Spitzenforschung auf historischem Boden
Die Yonsei University wurde 1885 gegründet und zählt zu den traditionsreichsten und angesehensten Universitäten des Landes.

Neben den historischen Gebäuden finden sich auch moderne Strukturen wie das SK Global House, die New Millennium Hall und das International House

Sie ist Teil der sogenannten SKY-Gruppe, einer in Korea etablierten Bezeichnung für die drei führenden Universitäten: Seoul National, Korea University und Yonsei. Yonsei unterhält Partnerschaften mit Hochschulen auf der ganzen Welt und bietet ein breites Spektrum an Studienrichtungen an, viele davon auch auf Englisch.

Der Hauptcampus der Yonsei University ist nicht nur groß, sondern auch sehr grün

Die Universität umfasst 13 Fakultäten mit über 100 Studienrichtungen im Bachelorbereich sowie 15 spezialisierte Graduate Schools für Master- und Promotionsstudiengänge. Das Spektrum reicht von Medizin über Ingenieurwesen bis zu Geisteswissenschaften und internationalen Studien. Viele Programme werden auch auf Englisch angeboten.

Der Sinchon-Hauptcampus der Yonsei-Universität ist etwa 100 Hektar

Besonders stark ist Yonsei im medizinischen Bereich. Das angeschlossene Severance Hospital gehört zu den führenden Kliniken Koreas und ist eng mit Forschung und Lehre verzahnt. Ergänzt wird dieser Bereich durch Studiengänge in Zahnmedizin, Pflegewissenschaft, Public Health und Biomedizinischer Technik.

Die Fakultäten sind auch architektonische Meisterwerke

Auch in Wirtschaft, internationalen Beziehungen, Ingenieurwesen, Informatik, Sozial- und Geisteswissenschaften genießt Yonsei einen hervorragenden Ruf.

Das Underwood International College bietet zahlreiche Studienprogramme vollständig auf Englisch, die sich gezielt an ausländische Studierende richten. Zudem unterhält Yonsei ein großes Sprachinstitut, das besonders bei internationalen Gästen beliebt ist.

Das Hauptgebäude der Yonsei University ist nicht nur beeindruckend, sondern auch eine oft genutzte Kulisse für zahlreiche K-Dramen

Der Campus besticht durch seine Weitläufigkeit und eine Mischung aus westlichen Backsteinbauten und moderner Architektur. Mehrere bekannte K-Dramen wurden hier gedreht, darunter Reply 1994, Snowdrop, Extraordinary You, Romance is a Bonus Book, Undercover High School und Teile von True Beauty. Die Kulisse zieht nicht nur Filmteams, sondern auch viele Besucher an.

Der Campus bietet eine Vielfalt an Cafés, Bäckereien und koreanischen Restaurants, sowie Convenience Stores
Im Zentrum des Campus gibt es auch eine Bank, eine Post, einen Friseur, eine Schuhreparatur eine große Bibliothek sowie eine Faben nur mit Merchandising Artikel der Yonsei Universität 

Studieren in Seoul 
Beeindruckend ist nicht nur das akademische Angebot, sondern auch die internationale Ausrichtung beider Universitäten. Sowohl Ewha als auch Yonsei bieten Austauschprogramme, englischsprachige Studiengänge und zahlreiche Möglichkeiten für ausländische Bewerber.

Vor allem für deutsche Studierende, die ein Auslandssemester oder ein komplettes Studium in Korea erwägen, lohnt sich der Blick auf die Webseiten der beiden Universitäten. Die Zulassungsbedingungen sind klar strukturiert, der internationale Anteil an Studierenden wächst stetig, insbesondere in den Bereichen Sozialwissenschaften, Wirtschaft, Ingenieurwissenschaften und Koreanistik.

Beide Universitäten liegen im Herzen von Sinchon, einem lebendigen Viertel in Seoul, das als ideales Umfeld für Studierende gilt. Die zentrale Lage, viele Cafés, Buchhandlungen, günstige Restaurants und ein junges kulturelles Leben machen Sinchon zu einem Ort, an dem sich Studium und Alltag auf angenehme Weise verbinden lassen.

Zwei Universitäten, die Eindruck hinterlassen
Ewha und Yonsei gehören zu den profiliertesten Universitäten Koreas. Sie stehen exemplarisch für die Qualität, Offenheit und internationale Ausrichtung der koreanischen Universitätslandschaft. Wer sich für ein Studium in Korea interessiert, findet hier zwei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen beeindruckende Orte der akademischen Bildung.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Artikel-Teaser-2.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 08:02:172026-01-25 08:02:17Koreas Universitäten gehören zur akademischen Weltspitze

Ashotchu ein Getränk das man in Korea nicht verpassen sollte

In Korea kommt man am Iced Americano nicht vorbei. Er ist überall und wird eiskalt getrunken. Daneben gibt es ein Getränk, das viele gar nicht kennen, aber unbedingt probieren sollten: Ashotchu. Die Mischung aus süßem Pfirsich-Eistee und kräftigem Espresso wird in zahlreichen Cafés angeboten. Ashotchu ist einfach, ungewöhnlich und genau das Richtige, wenn man sich bei Hitze erfrischen will.

Ashotchu: Pfirsich-Eistee und kräftigem Espresso

Der Name 아샷추, ausgesprochen „A-schott-tschu“, ist eine Abkürzung für „A(ice tea) + Shot + Chu(ga)“, also Pfirsich-Eistee mit einem zusätzlichen Espresso. Serviert wird Ashotchu in einem Glas mit Eis. Erst kommt der Pfirsichtee, dann wird der Espresso darüber gegossen.

Werbeschilder an koreanischen Cafés für Eistee und Ashotchu

Auch wenn man nicht genau sagen kann, wann Ashotchu entstanden ist, deuten Spuren auf eine Entwicklung seit etwa 2018 hin. Der Trend entwickelte sich parallel zur sogenannten Modisumer-Bewegung. Das ist die Lust junger Menschen, Getränke kreativ umzugestalten und so zu neuen Trends zu machen. Kaffee und Eistee sind in Korea Alltag, aber die Kombination war ungewöhnlich genug, um online Aufmerksamkeit zu erzeugen. Große Ketten wie A Twosome Place nahmen das Getränk schließlich offiziell auf.

Ashotchu passt auch gut zu Küchen oder zur Erfrischung bei einem Frühstück

Klare Mischung, klarer Eindruck
In vielen Cafés steht Ashotchu längst ganz selbstverständlich auf der Karte, darunter auch bei großen Ketten wie Mega Coffee, Compose Coffee, Paik’s Coffee und Twosome Place. Serviert wird überall dieselbe Variante: Pfirsichtee mit einem Espresso. Andere Versionen sind nicht üblich.

Wer in Korea ist, sollte unbedingt mal einen Ashotchu probieren

Der Geschmack ist leicht süß, mit einer klaren Kaffeebasis. Je nach Mischverhältnis fällt die eine oder andere Komponente stärker auf. Das Getränk wirkt nicht überladen, sondern direkt. Eine ungewöhnliche, aber stimmige Kombination, die sich gut trinken lässt.

Bleibender Bestandteil der Getränkekultur
Im Sommer 2024 verkaufte Twosome Place bereits über 4,7 Millionen Ashotchu. In den ersten beiden Wochen nach der Einführung waren es bereits mehr als 300.000. Diese Zahlen zeigen, dass Ashotchu nicht nur ausprobiert, sondern auch dauerhaft bestellt wird. Das Getränk hat sich etabliert, nicht als Mode, sondern als feste Größe im Alltag.

Ashotchu begegnet einem in unterschiedlichsten Cafés und bei verschiedenem Publikum. Es ist ein Getränk, das einfach schmeckt. Nicht zu süß, nicht zu stark, sondern genau richtig.

Ich liebe Ashotchu in koreanischen Cafés zur Erfrischung

Keine reine Sommersache
Auch wenn Ashotchu oft als Sommergetränk beschrieben wird, passt er nicht nur zur Hitze. Die Kombination aus Süße und Koffein funktioniert unabhängig von der Jahreszeit. Es ist ein Getränk, das man nicht saisonal denken muss.

Für alle außerhalb Koreas
Wer Ashotchu gerade nicht in Korea probieren kann, muss nicht verzichten. Das Getränk lässt sich ganz einfach selbst zubereiten. Man braucht nur Eiswürfel, fertigen Pfirsich-Eistee und einen frischen Espresso. Zuerst den Eistee in ein Glas mit Eis geben, dann den Espresso darüber gießen. Fertig ist die Mischung.

Unbedingt in Korea probieren
Wer in Korea unterwegs ist, sollte Ashotchu einmal probieren. Es ist eine Mischung, die überrascht und zeigt, wie kreativ Kaffee hier serviert wird.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/teaser-9.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 08:00:082026-01-25 08:00:08Ashotchu ein Getränk das man in Korea nicht verpassen sollte

Besuch in einer koreanischen Kochschule

Korea bietet eine beeindruckende Vielfalt: alte Tempel und Paläste, moderne Architektur und Hochhäuser, geschäftige Märkte, ruhige Parks und eine Popkultur, die weltweit begeistert. Doch wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass noch etwas anderes eine zentrale Rolle spielt. Küche und Essen sind fester Bestandteil des Alltags, bedeuten Gemeinschaft und haben einen hohen kulturellen Stellenwert.

Der Besuch eines koreanischen Kochkurses in Seoul ist ein besonderes Erlebnis

Diese Erfahrung können Gäste nicht nur im Restaurant machen. In vielen Städten wie Busan oder Daegu öffnen Kochschulen ihre Türen und laden dazu ein, die koreanische Küche aktiv kennenzulernen. Besonders groß ist das Angebot in Seoul. Solche Kurse dauern meist zwei bis drei Stunden und lassen sich daher gut in eine Reise einplanen.

Hier habe ich selbst an einem zweieinhalbstündigen Kurs teilgenommen und mein eigenes Bibimbap zubereitet. Es war ein Erlebnis, das mir einen ganz neuen Zugang zur koreanischen Esskultur eröffnet hat. Es hat mir Spaß gemacht und war eine Bereicherung. Ich liebe koreanische Küche und koche auch zu Hause gern koreanisch. Umso schöner war es, dass einmal direkt in Korea zu erleben und dabei zu lernen.

Natürlich durfte auch der Spaß nicht fehlen. 

Die Kochschule in Seoul und ihre Kochlehrerin
Mein Kurs fand bei Food & Culture Korea in Seoul statt. Geleitet wird die Schule seit 2023 von Hyewon „Ellie“ Lee, die auch meinen Kurs geleitet hat.

Bekannt ist sie in Korea vor allem als Food Stylistin. Das bedeutet: Sie kocht und richtet Gerichte so an, dass sie in K-Dramen, Filmen oder Shows vor der Kamera perfekt aussehen. Alles, was die Zuschauer auf dem Bildschirm sehen, vom dampfenden Eintopf bis zum gedeckten Familientisch, muss frisch, stimmig und realistisch wirken. Ellie erzählte mir von einer Szene mit Korean Fried Chicken. Für wenige Sekunden im Bild wurde sechs Stunden lang gearbeitet, bis das Gericht exakt so aussah, wie es der Regisseur wollte.

Meine Kochlehrerin ist auch Food Stylistin für K-Dramen und TV-Serien und kocht auch mit Celebrities

In Fachkreisen gilt sie deshalb als Koryphäe. Ihre Referenzen reichen von Squid Game 3 und Pachinko über Kingdom, Mr. Queen und XO, Kitty bis zu Chicken Nugget, Behind Your Touch und The Devil Judge. Genau diese Erfahrung bringt sie in den Unterricht mit. Das merkt man an jedem Handgriff und an den vielen kleinen Tipps, die sonst nur am Set geteilt werden.

Das Who is Who Koreas hat schon mit Hyewon „Ellie“ Lee gekocht

Schritt für Schritt zum eigenen Gericht
Ellie empfing uns herzlich und schuf sofort eine entspannte Atmosphäre. Unser Kurs drehte sich um Bibimbap, eines der bekanntesten traditionellen Gerichte Koreas. Der Name bedeutet wörtlich „gemischter Reis“. 비비다 (bibida) heißt mischen, 밥 (bap) steht für Reis.

Bevor wir an den Herd gingen, stellte Ellie die Zutaten vor: frisches Gemüse, Reis, Eier, Gochujang und auch dünn geschnittenes Rindfleisch. Alles war sorgfältig ausgewählt und von ihr persönlich geprüft. Man merkte, dass sie großen Wert auf Qualität legt und nur das Beste für ihre Teilnehmer vorbereitet.

Dann kochte sie eine Schale Bibimbap vor, Schritt für Schritt, damit wir sehen konnten, wie alles zusammengehört. Besonders wichtig war dabei die Reihenfolge. Gemüse und Fleisch müssen nacheinander in der richtigen Hitze gebraten werden, damit nichts verkocht oder zu trocken wird. Schon kleine Unterschiede bei der Garzeit machen am Ende den Geschmack aus.

Wir wurden in lockerer Atmosphäre an der kochen herangeführt

Erst danach waren wir an der Reihe. Wir schnitten Gemüse, brieten Fleisch und Beilagen an, richteten alles an und legten die Zutaten in unsere Schalen. Wer unsicher war, bekam Hinweise. Wer Fragen hatte, erhielt sofort eine Antwort. Ellie korrigierte behutsam und gab Tipps, die nur jemand mit ihrer Erfahrung kennt.

Am Ende stand vor jedem von uns eine Schale Bibimbap, die wir selbst Schritt für Schritt zubereitet hatten.
Bibimbap ist mehr als nur gemischter Reis. Wer eine Schale sieht, bemerkt sofort, dass die Zutaten nicht zufällig angeordnet sind. Dahinter steckt die Idee der fünf Farben. Weiß steht für Reis oder Sprossen, Grün für Spinat oder Zucchini, Gelb für Ei oder Karotte, Schwarz für Pilze oder Seetang und Rot für die Gochujang-Paste. In Korea gehört dieses Prinzip ganz selbstverständlich dazu, weil es für Harmonie und Ausgewogenheit steht.

Das A und O sind die Zutaten und die Reihenfolge der Bearbeitung

Im Kurs haben wir diese Farben Schritt für Schritt eingebaut. Normalerweise übernehmen Shiitake-Pilze den dunklen Anteil. Da ich keine Pilze esse, habe ich Rettich genommen und gemerkt, dass auch damit die Balance erhalten bleibt. So entstand ein Gericht, das Tradition und persönliche Note zugleich vereinte.

Selbstgemacht und gemeinsam gegessen
Das Essen war der gelungene Abschluss. Bevor man Bibimbap isst, werden alle Zutaten gründlich vermischt. Daher auch der Name, der wörtlich „gemischter Reis“ bedeutet. Nachdem ich meine Schale so vorbereitet hatte, habe ich sie gegessen. Sie schmeckte besonders gut, weil ich jeden Schritt selbst gemacht hatte.

Ellie und ihr Team hatten dazu noch Beilagen vorbereitet, unter anderem ein selbst gemachtes Kimchi. Zum Abschluss gab es eine kleine Nachspeise: Yagwha, ein frittiertes Honiggebäck, das in Korea traditionell gern bei Festen gereicht wird.

Zum Abschluss ein Vergleich meines Bibimbap und das “Master” der Kochlehrerin 

Zum Abschluss bekam jeder Teilnehmer eine Urkunde. Für mich war das eine schöne Erinnerung an diesen Tag. Und jetzt kann ich mit einem Augenzwinkern sagen: Ich bin ein koreanisch zertifizierter Bibimbap-Koch.

Nun bin ich “offiziell” ein koreanisch-zertifiziert Bibimbap Koch, nach erhalt meine Abschlusszertifikats

Warum sich ein Kurs lohnt
Kochkurse wie dieser werden in Korea vielerorts angeboten. Besonders in Seoul ist die Auswahl groß. Sie sind eine schöne Möglichkeit, die Küche nicht nur zu probieren, sondern selbst aktiv zu werden. Ich kann es jedem empfehlen, so einen Kurs selbst zu machen, weil man dabei Korea authentisch erlebt und es einfach Spaß macht.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/teaser-kochschule.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 07:58:532026-01-25 07:58:53Besuch in einer koreanischen Kochschule

Eunpyeong Hanok Village: Tradition vor den Bergen Seouls

Wer Korea besucht, interessiert sich meist auch für Orte, an denen traditionelle Architektur und Geschichte spürbar sind. Das Eunpyeong Hanok Village ist zwar vergleichsweise neu, bietet aber ein besonderes Erlebnis. Am Fuß des Bukhansan gelegen, verbindet es die Bauweise der Joseon-Dynastie mit moderner Nutzung und ist dadurch anders als andere Hanok-Viertel in Seoul.

Eunpyeong Hanok Village ist ein Wohnviertel am Stadtrand von Seoul im traditionellen Baustil

Ein neues Hanok-Dorf mit Tradition
Im Gegensatz zu Bukchon, das organisch aus alten Wohnvierteln gewachsen ist, oder Namsangol, dass ein rekonstruiertes Museumsdorf darstellt, wurde Eunpyeong Hanok Village erst in den 2010er-Jahren errichtet.

In diesem Viertel Leben und arbeiten die Menschen wie in anderen Stadtteilen auch

Die Stadt Seoul wollte hier ein Viertel schaffen, das den Baustil der Joseon-Dynastie bewahrt, aber gleichzeitig modernen Wohnkomfort bietet. Die Dächer aus dunklen Ziegeln, die Holzfassaden und die Innenhöfe erinnern an die klassische Hanok-Architektur, doch viele der Häuser sind tatsächlich bewohnt.

Das Viertel umfasst rund 160 bis 200 Hanoks. Viele von ihnen haben kleine Vorgärten oder bepflanzte Innenhöfe, was die Architektur noch stärker mit der Natur verbindet. Eunpyeong ist ein Viertel, in dem Menschen leben. Mit kleinen Cafés, Handwerksläden und Gästehäusern wirkt es lebendig und gleichzeitig ruhig, fernab der touristischen Menschenmassen.

Das Eunpyeong Hanok Village ist ein sehr grüner Stadtteil mit vielen Wiesen

Ein Neubauviertel im Hanok-Stil
Die Häuser von Eunpyeong werden als Neo-Hanoks bezeichnet. Damit sind Neubauten gemeint, die sich eng an der traditionellen Bauweise orientieren, aber moderne Materialien und heutige Standards einbeziehen.

Besucher sollten die Privatsphäre der Anwohner im Eunpyeong Hanok Village immer respektieren

Auch im Inneren greifen sie typische Elemente auf: Die Räume sind wie in alten Hanoks um einen Innenhof angeordnet. Türen und Fenster sind teilweise mit Hanji bespannt, einem traditionellen koreanischen Papier, das weiches Licht in die Räume lässt. Das sichtbare Holz prägt die Gestaltung, ergänzt durch moderne Isolierung. Besonders wichtig ist das Ondol-Heizsystem, bei dem die Wärme durch den Fußboden geleitet wird. Diese jahrhundertealte Technik sorgt bis heute in fast allen koreanischen Wohnungen für ein angenehmes Wohngefühl.

Für mich macht gerade diese Verbindung den Reiz aus. Hier wird deutlich, wie sich alte Wohnkultur in die Gegenwart übertragen lässt und dort weitergelebt wird, ohne ihren Charakter zu verlieren.

Mannche Bewohner haben einen eigenen kleinen Gemüsegarten

Umgeben von Bergen
Besonders eindrucksvoll ist die Lage. Wenn man durch die Gassen läuft, ragen im Hintergrund die Felswände des Bukhansan empor. Das Dorf wirkt dadurch eingebettet in die Natur und vermittelt eine andere Stimmung als Hanok-Viertel im Zentrum Seouls. Wer möchte, kann den Besuch mit einer Wanderung im Nationalpark verbinden, da mehrere Aufgänge in der Nähe beginnen.

Am Fuß des Bukhansan in Seoul liegt das Eunpyeong Hanok Village

Ganz in der Nähe liegt zudem der Jingwansa-Tempel, einer der ältesten Tempel Seouls. Diese Umgebung verstärkt die besondere Ruhe, die ich beim Gehen durch das Viertel gespürt habe. Gerade am Nachmittag, wenn die Sonne hinter den Bergen verschwindet, liegt ein besonderes Licht über den Dächern.

Obwohl es wie aus der Joseon-Zeit wirkt, wurde das Wohnviertel erst gegen 2010 erbaut

Unterschiede zu anderen Hanok-Dörfern
Eunpyeong unterscheidet sich von anderen Hanok-Gebieten in Korea in mehreren Punkten. Es ist neuer, strukturierter angelegt und deutlich weniger überlaufen. Während andere Orte stark auf Tourismus ausgerichtet sind, versteht sich Eunpyeong eher als Wohnviertel mit kulturellen Angeboten.

Tagsüber wirkt es sehr ruhig im Eunpyeong Hanok Village

Es gibt ein Hanok-Museum, das die Bauweise erklärt, sowie Teehäuser und Ausstellungen. Auch kleine Pensionen laden Gäste dazu ein, selbst in einem Hanok zu übernachten. Für mich war spannend zu sehen, wie Tradition hier bewusst neu interpretiert wird.

Auch ein CU, ein Cafè und andere Stores gib es im Eunpyeong Hanok Village

Anreise und praktische Tipps
Am einfachsten erreicht man das Eunpyeong Hanok Village mit dem Bus. Von der U-Bahnstation Gupabal auf Linie 3 fahren mehrere Linien in Richtung des Viertels. Besonders praktisch sind die Busse 7211 und 7723, die fast direkt am Eingang halten. Auch ein Taxi ist eine gute Möglichkeit, da die Fahrt von der Station nur wenige Minuten dauert.

Da es sich um ein bewohntes Viertel handelt, sollten Besucher respektvoll und zurückhaltend auftreten und die Privatsphäre der Menschen dort achten.

Ein Blick in einen privaten Vorgarten im Eunpyeong Hanok Village auf den die Besitzer stolz sind. Das Haus haben Sie gekauft, wie sie mir im persönlichen Gespräch sagten

Respektvoll entdecken
Für mich ist das Eunpyeong Hanok Village eine der eindrucksvollsten Möglichkeiten, traditionelle Architektur in Seoul zu erleben. Es ist kein Freilichtmuseum, sondern ein echtes Wohngebiet, das zugleich Kultur und Geschichte bewahrt. Die Stadt Seoul und die Bewohner sind stolz auf ihr Viertel und hoffen auf Besucher, die diesen Ort mit Achtsamkeit und Respekt entdecken. Wer Hanoks erleben möchte, findet hier einen Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart in einem harmonischen Umfeld zusammenkommen.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/teaser-8.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 07:56:292026-01-25 07:56:29Eunpyeong Hanok Village: Tradition vor den Bergen Seouls
Seite 8 von 17«‹678910›»

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