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Ein letztes Mal durch das Blaue Haus?

Wer in den vergangenen Monaten das Blaue Haus (kor. 청와대) besucht hat, spürte sofort die besondere Atmosphäre dieses Ortes. Die Tore zu Koreas früherem Präsidentensitz standen offen. Etwas, das bis 2022 undenkbar gewesen wäre. Jahrzehntelang galt Cheong Wa Dae als abgeschirmter Ort politischer Macht, unzugänglich für die Bevölkerung. Erst seit dem Umzug der Präsidialverwaltung in ein Ministeriumsgebäude ist das Gelände für Besucher frei zugänglich. Für viele war das eine kleine Sensation. Ein historisch bedeutender Ort, der plötzlich allen offenstand. Das Blaue Haus entwickelte sich schnell zu einem beliebten Ziel für Einheimische und Touristen.

Mit der Wahl von Lee Jae-myung zum neuen Präsidenten am 03. Juni 2025 ist nun klar, dass das Blaue Haus wieder offizieller Regierungssitz werden soll. Der Beschluss zur Rückverlegung ist gefasst, die Vorbereitungen laufen. Seit Anfang Juni sind erste Bereiche für Besucher gesperrt. Ab dem 01. August wird das gesamte Gelände einschließlich Hauptgebäude wohl bis auf Weiteres geschlossen. Diese Nachricht trieb die Besucherzahlen in den letzten Wochen und Tagen immens in die Höhe.

Cheong Wa Dae heißt Besucher:innen im Herzen der Geschichte willkommen ©  Guthmann, Mikolay

Die Korea.net-Ehrenberichterstatter Manuel Guthmann und Jasmin Mikolay waren auf getrennten Touren durch das Blaue Haus unterwegs und sammelten dabei jeweils ganz eigene Eindrücke. Ihre unterschiedlichen Perspektiven spiegeln die Vielfalt dessen wider, was dieser geschichtsträchtige Ort bei seinen Besuchern auslöst.

Kurz vor der möglichen und historischen Wieder-Schließung des Blauen Hauses als öffentlicher Ort fassen sie in diesem Artikel ihre Erfahrungen und Gedanken zusammen als einen gemeinsamen Rückblick auf einen einzigartigen Moment koreanischer Zeitgeschichte.

Kulturelle Tiefe Koreas in jedem kleinsten Detail des Blauen Hauses © Jasmin Mikolay

Jasmin, du warst nach der Öffnung für die Öffentlichkeit im Blauen Haus. Was hat dich bei diesem Besuch am meisten beeindruckt? 
Der Besuch im Blauen Haus war für mich eine wahre Reizüberflutung und das im positiven Sinne gemeint. Schon im Eingangsbereich wusste ich kaum, wohin ich zuerst blicken sollte. Alles war so eindrucksvoll: die ganzen Holzelemente, die überall dezent eingearbeiteten koreanischen Symbole, von der Türklinke bis zum Teppichboden. Jedes Detail schien eine Geschichte zu erzählen. Erst beim Durchschreiten dieser Räume wurde mir klar, warum dieses Haus einst Ort bedeutender Staatsempfänge war. Es war faszinierend, einen Blick hinter Türen zu werfen, die so lange der Öffentlichkeit verschlossen geblieben sind. Das Interieur ist nicht nur beeindruckend schön, sondern trägt auf stille Weise die Würde und Geschichte des Ortes in sich.

Wo Architektur und Natur verschmelzen: Das Blaue Haus und sein weitläufiges Gelände © Manuel Guthmann

Manuel, wie hast du das Gelände des Blauen Hauses bei deinem Besuch erlebt?
Ich war überrascht, wie ruhig und weitläufig es dort ist. Die gesamte Anlage wirkte fast wie ein gepflegter öffentlicher Park. Besonders die Kombination aus klarer Wegführung, offenen Gartenflächen und traditioneller Architektur hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Verbindung von Natur und Baukunst war sehr harmonisch. Alles hatte eine besondere Würde, ohne aufdringlich zu wirken. Ganz typisch koreanisch.

Jasmin, gab es einen Moment, der für dich besonders symbolisch oder emotional war?
Ein besonders symbolischer Moment für mich war der Besuch im Frauenbereich des Blauen Hauses, bei dem die First Ladies Koreas als Porträts an den Wänden verewigt sind. Bewegend fand ich, dass Franziska Donner – eine gebürtige Österreicherin – als erste First Lady in die Geschichte der Republik Korea einging. Dass eine Frau aus Europa, so weit entfernt von ihrer Heimat, Teil der koreanischen Geschichte wurde, hat mich stark beeindruckt. Es war faszinierend, Zeitgeschichte auf diese persönliche Weise zu erleben. Das Blaue Haus mit eigenen Augen zu sehen und durch die verschiedenen historischen Räume zu gehen, war ein einmaliges Erlebnis, das mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Die First Ladies im Überblick, bei denen auch eine Österreicherin dabei ist ©  Jasmin Mikolay

Manuel, du kanntest das Blaue Haus also schon vor deinem Besuch?
Ja, absolut. Ich hatte mich schon früh mit der politischen Geschichte Koreas beschäftigt und das Blaue Haus war mir als Symbol dieser Geschichte sehr präsent. Auch aus vielen K-Dramen war es mir bekannt. Aber als ich dann wirklich davorstand, war es trotzdem ein besonderer Moment. Es war beeindruckend, plötzlich an einem Ort zu stehen, den man bisher nur von Bildern und aus der Ferne kannte.

Das Areal vom Blauen Haus in Seoul ist weitreichend © Manuel Guthmann

Jasmin, was denkst du über die Entscheidung, das Blaue Haus wieder zum Regierungssitz zu machen und magst Du uns die Geschichte des Hauses in Erinnerung rufen?
Das Blaue Haus ist ein Symbol koreanischer Geschichte und Identität. Über Jahrzehnte hinweg diente es als Regierungssitz und offizieller Wohnsitz der Präsidenten seit 1948. Zugleich war es ein Ort politischer Entscheidungen, diplomatischer Begegnungen und nicht zuletzt auch stiller Macht. Dass es nach der Öffnung im Mai 2022 für die Öffentlichkeit nun wieder als Regierungssitz in Betracht gezogen wird, sehe ich mit gemischten Gefühlen. Einerseits verstehe ich den Wunsch, an die historische Bedeutung des Hauses anzuknüpfen. Andererseits war die Öffnung ein starkes Zeichen von Transparenz und Bürgernähe. Das hat es vielen Menschen ermöglicht, Geschichte selbst hautnah zu erleben und einmal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Ich persönlich empfinde es als etwas Besonderes, dass ich das Blaue Haus in dieser offenen Phase besuchen durfte. Es wäre schön, wenn auch zukünftige Generationen diesen Zugang behalten könnten, weil es schon ein Ort der Begegnung zwischen Vergangenheit und Gegenwart repräsentiert.

Schreibtisch und Besprechungsraum: Orte koreanischer Diplomatie © Manuel Guthmann

Ein gemeinsamer Blick zurück: Ein Ort zwischen Geschichte und Gegenwart 
Die persönlichen Eindrücke von Jasmin Mikolay und Manuel Guthmann machen deutlich, wie vielfältig und vielschichtig ein Besuch im Blauen Haus werden kann. Es ist eine Begegnung mit koreanischer Geschichte in all ihren Facetten: politisch, architektonisch, kulturell und emotional. Ob durch die Augen einer Besucherin, die sich von Details und Symbolen bewegen ließ, oder aus der Perspektive eines langjährigen Korea-Interessierten, der nun erstmals selbst vor Ort stand: Beide Erfahrungsberichte zeigen, wie stark Cheong Wa Dae als kultureller Gedächtnisort wirkt.

Gerade jetzt, da das Blaue Haus erneut als Regierungssitz vorbereitet wird und sich seine Tore womöglich bald dauerhaft schließen, bekommt dieser Rückblick besondere Relevanz. In dieser aktuellen Phase des Wandels wird spürbar, wie wertvoll die kurze Zeit war, in der dieser geschichtsträchtige Ort für alle offenstand und wie unmittelbar Geschichte erlebbar wird, wenn sie nicht hinter Mauern verborgen bleibt.

Vielleicht in Zukunft nur noch von außen erlebbar, das Yeongbin Gate am Haupteingang © Manuel Guthmann

Fazit und Ausblick
Ein Besuch im Blauen Haus lohnt sich gerade jetzt ganz besonders, denn seine Zukunft als öffentlich zugänglicher Ort ist ungewiss. Noch bis zum 14. Juli 2025 sind reguläre Besichtigungen möglich, vom 16. bis 31. Juli 2025 gelten eingeschränkte Besuchszeiten. Ab dem 1. August 2025 wird das Gelände voraussichtlich wieder für die Öffentlichkeit geschlossen. Ob und wann eine erneute Öffnung erfolgen kann, bleibt offen und hängt stark von sicherheitspolitischen und baulichen Entscheidungen ab.

Vielleicht war es wirklich ein letzter Blick, bevor sich die Tore des Blauen Hauses erneut dauerhaft schließen. Umso bedeutungsvoller ist es, diesen Ort jetzt zu besuchen und die Eindrücke in Bildern, Gedanken und Erinnerungen festzuhalten. Das Blaue Haus ist nicht nur ein Schauplatz politischer Geschichte, sondern auch ein emotionales Symbol der koreanischen Identität. Wer es besucht, nimmt ein Stück davon mit.

Für all jene, die es nicht mehr persönlich nach Seoul schaffen, bieten digitale Rundgänge und offizielle Tourvideos dennoch eine Möglichkeit, sich einen Eindruck von der Atmosphäre und Bedeutung dieses geschichtsträchtigen Ortes zu verschaffen. Das Blaue Haus bleibt – ob virtuell oder real – ein Fenster zur Seele der koreanischen Nation.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Blaues-Haus.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-30 17:40:462026-01-30 17:40:46Ein letztes Mal durch das Blaue Haus?

Zwei Märkte, zwei Gesichter – Marktbesuche in Korea

Wer Märkte in Korea erleben will, kommt an Gwangjang nicht vorbei. Zentral gelegen, bekannt für Streetfood, voller Leben und für viele die erste Adresse in Seoul. Ganz anders der Gugyeong Market in Danyang, einer kleineren Stadt am Fluss Namhangang, deren Markt kaum auf klassischen Reiserouten steht, aber genau deshalb interessant ist.

Zwei Märkte, die nicht nur geografisch weit auseinanderliegen, sondern auch atmosphärisch. Der eine voll und gedrängt, der andere überschaubar und bodenständig. Beide sind auf ihre Weise typisch und zeigen, wie vielseitig Marktbesuche in Korea sein können.

Der Eingang zum Gwangjang in Seoul führt einen in Labyrinth aus Markt- und Streetfood Ständen © Manuel Guthmann
Der Eingang zum lokalen Markt in Danyang in der nördlichen Hälfte der Provinz Chungcheongbuk-do © Manuel Guthmann

Gwangjang Market: Viel zu sehen, viel zu erleben
Wenn ich durch den Gwangjang Market gehe, muss ich mich konzentrieren, um nicht mit anderen Besuchern zu kollidieren. Die Gänge sind eng, die Geräuschkulisse ist hoch. In der Mitte sitzen Menschen auf kleinen Hockern vor Imbissständen. Manche schauen auf ihre Telefone, andere filmen oder fotografieren.

Traditionelles koreanisches Essen, so weit das Auge reicht. Beliebt bei Einheimischen und Touristen © Manuel Guthmann

Ich bin bei jedem Besuch in Seoul auch auf dem Markt, und natürlich esse ich dort immer etwas Traditionelles Koreanisches, etwas Herzhaftes und etwas Süßes.

Ob Fleisch-, Fisch- oder vegetarische Gerichte. Hier findet man alles. © Manuel Guthmann
Viele Koreaner kaufen hier am Markt frische Waren © Manuel Guthmann

Der Markt wurde 1905 gegründet und zählt heute zu den ältesten und größten Märkten des Landes. Mit einer Geschichte, die bis in die Joseon-Dynastie zurückreicht, ist er ein geschäftiger Mittelpunkt von Kultur, Küche und Handel. Er erstreckt sich über rund 42.000 Quadratmeter und bietet mehr als 5.000 Verkaufsstände, die täglich von etwa 65.000 Menschen besucht werden.

Natürlich dürfen Kimchi und klassische koreanische Beilegen nicht fehlen © Manuel Guthmann
Es gibt über 5.000 Verkaufsstände am Gwangjang Markt, über ein Drittel nur mit Essen © Manuel Guthmann

Neben Streetfood gibt es frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch. Außerdem werden Textilien, Hanbok, Haushaltswaren und traditionelle Produkte angeboten. Die oberen Etagen sind bekannt für Stoffe, Bettwäsche und Schneidereien.

Stoff in alle Variationen findet man ebenfalls an den Ständen im Gwangjang Markt © Manuel Guthmann

Einige Stände sind auch durch die Netflix-Serie „Street Food: Asia“ bekannt geworden. Besonders die Nudelverkäuferin Cho Yonsoon, die ihre handgezogenen Kalguksu-Nudeln in einer kleinen Gasse innerhalb des Marktes zubereitet und deren Stand sich gleich am Eingang in der Nähe von Jongno 5-ga befindet, ist heute eine Art Sehenswürdigkeit.

Berühmt aus der Netflix-Serie „Streetfood: Asia” und ein Publikumsmagnet am Markt © Manuel Guthmann

Danyang: Platz, Ruhe und regionale Spezialitäten
Danyang liegt in der Provinz Chungcheongbuk-do, rund zwei Stunden südöstlich von Seoul. Der Markt befindet sich im Zentrum der Stadt, unweit des Flusses Namhangang und ist ein lokaler Treffpunkt für die Menschen aus der Region.

Der Hauptmarkt in Danyang heißt Danyang Gugyeong Traditional Market, oft einfach Danyang Gugyeong Markt genannt. Er wurde als einer der „K‑Tourism Markets“ ausgezeichnet, ein Zeichen seiner Bedeutung als Touristenziel.

Eher ruhig und beschaulich geht es am Danyang Gugyeong Markt in den Abendstunden zu © Manuel Guthmann
Auf dem Markt viel fangfrischer Fisch aus der Region verkauft © Manuel Guthmann

Der Markt in Danyang wirkt offener als der Gwangjang Markt in Seoul. Weniger Stände, breitere Wege, mehr Raum zum Schauen und Stehen.

Ich war mit Freunden abends auf dem Markt. Wir schlenderten durch die Gänge, probierten einige der angebotenen Speisen und entscheiden uns schließlich für Mandu. Später entdeckten wir Croissants mit Knoblauchpaste, die wir unbedingt probieren mussten.

So lecker: Mandu, koreanische Teigtaschen am Markt in Danyang © Manuel Guthmann

Der Markt ist berühmt für Knoblauch‑Küche: von knusprig gebratener Knoblauchhühnergangjeong über Knoblauch‑Pfannkuchen, Knochenbrühe, Knoblauch‑Man­du bis hin zu schwarzem Knoblauch‑Gebäck. Alles made in Danyang.

Premiere: das erste Mal mit Knoblauchpaste gefüllte Croissants, die eine lokale Spezialität sind, essen © Manuel Guthmann

Das Angebot ist vielfältig: Gemüse, Obst, frischer Fisch, Fleisch, Tteok, Speisen zum Mitnehmen und einige Haushaltswaren. Viele kaufen Zutaten für zu Hause, nicht nur fertiges Essen. Auffällig ist das Angebot an Knoblauchprodukten, eine Spezialität der Region. Der Markt besteht aus drei überdachten Gängen mit insgesamt einigen hundert Ständen und ist vor allem für Bewohner aus Danyang und Umgebung gedacht.

In Danyang sind gut die Hälfte aller Stände Streetfoodstände © Manuel Guthmann

Marktvielfalt in Korea und Deutschland
In ganz Korea gibt es rund 1.400 traditionelle Märkte. In Seoul reihen sich neben dem Gwangjang Market noch weitere zentrale Märkte wie Namdaemun, Noryangjin, Tongin, Gyeongdong oder Bangsan aneinander. In Busan sorgen Märkte wie Jagalchi, Gukje oder Haeundae für regional ganz eigene Markt-Kultur.

Was mir gefällt: fast überall kann man gratis etwas probieren © Manuel Guthmann

Außerdem findet man Märkte in fast jeder Kleinstadt und ländlichen Region. Sie bieten hauptsächlich frische Lebensmittel, regionale Spezialitäten und Haushaltswaren. Diese Märkte gehören fest zum koreanischen Alltag und erfüllen auch heute noch eine wichtige Funktion in der Nahversorgung.

Im Vergleich zu Deutschland wirken Koreas Märkte deutlich lebendiger und vielfältiger, nicht nur im Angebot, sondern auch durch die Häufigkeit. Während Wochenmärkte in deutschen Städten meist an ein oder zwei Tagen pro Woche stattfinden, gibt es in Korea an fast jedem Tag irgendwo einen Markt. Und nicht selten sind sie überdacht, wettergeschützt und mit Infrastruktur wie Parkplätzen, Toiletten und Sitzbereichen ausgestattet.

Zum Vergleich der Viktualienmarkt in meiner Heimatstadt München © Manuel Guthmann

Standorte und Öffnungszeiten
Der Gwangjang Market liegt im Stadtteil Jongno in zentraler Lage von Seoul. Die nächste U-Bahn-Station ist Jongno 5-ga, erreichbar mit den Linien 1 und 2. Der Markt ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Streetfoodstände haben in der Regel bis etwa 23 Uhr geöffnet. Sonntags konzentriert sich das Geschehen auf den unteren Bereich mit Imbissständen, während die oberen Etagen mit Textilien meist geschlossen bleiben.

Der Gugyeong Market in Danyang befindet sich im Zentrum der Stadt, etwa zehn Gehminuten vom Intercity Bus Terminal entfernt. Die Öffnungszeiten sind täglich von 8 bis 20 Uhr, samstags bis 21:30 Uhr. Besonders am Wochenende ist der Markt gut besucht.

Fazit
Märkte in Korea sind mehr als nur Orte zum Essen. Viele Stände bieten neben traditionellen Speisen auch kostenlose Kostproben an, kleine Snacks oder Beilagen, die man sonst vielleicht nie probiert hätte. Doch es geht nicht nur ums Probieren. Auch die Atmosphäre, das Sortiment, die Gespräche und das Miteinander machen einen Marktbesuch besonders.

In Seoul ist alles enger, lauter und schneller. In Danyang geht es ruhiger und alltäglicher zu. Beide Orte zeigen, wie unterschiedlich der Marktalltag in Korea aussehen kann.

Wer Korea wirklich erleben möchte, sollte sich mindestens einen Markt anschauen. Es lohnt sich und manchmal entdeckt man dabei mehr, als man vorher erwartet hätte.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Marktbesuche-in-Korea.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-30 17:35:222026-01-30 17:35:22Zwei Märkte, zwei Gesichter – Marktbesuche in Korea

Seoul von oben: Spaziergang über die Seoullo 7017 Skygarden

Mitten im dichten Verkehr der Megastadt Seoul gibt es einen Ort, der überrascht. Er liegt auf einer alten Autobrücke, die einst dazu diente, Menschen und Autos möglichst schnell durch die Stadt zu schleusen. Heute schlendere ich genau dort entlang, zwischen Bäumen, Blumen und Bänken. Die Rede ist von Seoullo 7017, einem Hochpark direkt neben dem Hauptbahnhof von Seoul.

Ausblick von Seoullo 7017 im Abendrot © Manuel Guthmann

Ich war zum ersten Mal auf der Seoullo 7017, als mich Bekannte nach dem Essen dorthin mitgenommen haben. Sie mochten den Ort und ich wusste gar nicht, wo ich bin oder was mich erwartet. Plötzlich war ich mittendrin, irgendwo oberhalb der Straße, zwischen Pflanzen und entfernten Stadtgeräuschen.

Die Straße unter uns war voller Autos, doch hier oben war es ruhig. Große runde Pflanzkübel, kleine Bäume, Musik irgendwo aus der Ferne und ein ganz eigener Blick auf die Stadt. Alles wirkte entspannter, fast wie eine kleine grüne Insel über dem Asphalt. Damit hatte ich mitten im Zentrum von Seoul wirklich nicht gerechnet.

Seoullo 7017 Skygarden bei Tag und bei Nacht © STO

Vom Autoverkehr zum Fußwegparadies
Der Name Seoullo 7017 ist nicht einfach irgendein Titel. Die Zahl 70 steht für das Jahr 1970, in dem die Brücke ursprünglich gebaut wurde. Und 17 verweist auf das Jahr 2017, in dem sie als Fußgängerzone und städtischer Garten neu eröffnet wurde. Dazu kommt noch ein schönes Wortspiel. Seoullo bedeutet so viel wie Seouls Weg oder Weg durch Seoul.

Besucher von Seoullo 7017 blicken auf den darunter vorbeifahrenden Verkehr © Kang Gahui, Korea.net

Was mich an diesem Ort fasziniert, ist der Wandel. Unten rollen Autos, oben flaniert man zwischen kleinen Ahornbäumen, Rosmarinbeeten und Kunstinstallationen. Über 20 000 Pflanzen und über 200 verschiedene Arten wurden hier auf einer Länge von rund einem Kilometer angepflanzt. In großen, runden Pflanzkübeln stehen sie in alphabetischer Reihenfolge, wie ein botanisches Wörterbuch zum Durchlaufen.

Meine Freunde Jeong-sim und In-gyu haben mich durch Seoullo 7017 geführt © Manuel Guthmann

Ideal für einen kurzen Stopp oder einen entspannten Spaziergang
Seoullo 7017 ist kein klassischer Park, in dem man sich stundenlang auf der Wiese niederlässt. Es ist eher ein Weg, der einlädt, sich treiben zu lassen. Für mich ist es ein perfekter Ort, um kurz zur Ruhe zu kommen, Fotos zu machen oder Seoul aus einer neuen Perspektive zu erleben.

Ein Symbol für den Wandel Seouls
Für mich steht Seoullo 7017 auch sinnbildlich für das moderne Seoul. Hier wird nicht einfach abgerissen und neu gebaut. Stattdessen verwandelt man etwas Altes in etwas völlig Neues. Eine Straße wird zum Garten, Beton zum Ort der Begegnung. Und genau das liebe ich an Korea, diese kreative Art, Stadtentwicklung zu denken.

links: Alle Pflanzen stehen in alphabetischer Reihenfolge und sind beschriftet, rechts: Straßencafés und Restaurants neben Seoullo 7017 © Manuel Guthmann

Wie kommt man zu Seoullo 7017
Seoullo 7017 liegt direkt an der Seoul Station, dem zentralen Bahnhof der Stadt. Mehrere U-Bahn-Linien halten dort, darunter Linie 1, Linie 4, die Airport Express-Linie AREX und die Gyeongui-Jungang-Linie. Am besten nutzt man Ausgang 1 oder 2, von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zum Beginn des Skygardens. Auch Ausgang 7 im Bereich AREX oder Gyeongui-Jungang sowie Hoehyeon Station (Linie 4, Ausgang 5) sind gut erreichbar.

Wer lieber mit dem Bus fährt, findet rund um die Station zahlreiche Haltestellen. Linien wie 1711, 7011 oder 7016 halten ganz in der Nähe und bringen einen bequem bis zum Eingang des Parks. Auch von Namdaemun oder dem Lotte Outlet aus ist es nur ein kurzer Spaziergang.

Öffnungszeiten
Die Brücke ist täglich 24 Stunden kostenlos geöffnet.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Namdaemun Gate (Sungnyemun): das große historische Stadttor liegt gleich um die Ecke. Ebenso Seoul Station 284, ein ehemaliges Bahnhofsgelände, das heute als Kulturzentrum dient. Auch der Namdaemun Market, einer der ältesten und quirligsten Märkte der Stadt, der ideal für Snacks und Souvenirs ist, ist nicht weit entfernt. Wer weiterlaufen möchte, erreicht nach etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten Fußweg die Talstation der berühmten Namsan-Seilbahn, hinauf zum N Seoul Tower.

Nicht verpassen
Wenn du Seoul einmal aus einem anderen Blickwinkel erleben möchtest, dann lohnt sich ein Spaziergang über Seoullo 7017. Für mich war es eine dieser Entdeckungen, die unerwartet kamen und genau deshalb in Erinnerung geblieben sind.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Seoullo-TEASER.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-30 17:34:372026-01-30 17:34:37Seoul von oben: Spaziergang über die Seoullo 7017 Skygarden

Knusprig, saftig, Kult: Warum Korea verrückt nach Fried Chicken ist

Wenn ich an meine kulinarischen Reisen durch Korea denke, fällt mir ein Gericht immer wieder ein: Fried Chicken. Oder wie man hier sagt: 치킨, Chikin. Ein simples Wort, hinter dem sich eine ganze Kultur verbirgt. Kaum ein anderes Gericht ist in Korea so allgegenwärtig, so kreativ interpretiert und so sehr mit dem modernen Alltagsleben verbunden wie dieses knusprige Stück Hähnchen.

Ein Klassiker in Korea: Chimaek = Chicken & Maekju (Bier)

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes echtes Chikin-Erlebnis in Korea. Es war ein lauer Abend in einem Chicken-Restaurant in Hongdae. Ich saß mit Freunden und auf unserem Tisch standen mehrere frisch zubereitete Varianten von Fried Chicken: dampfend, duftend und unwiderstehlich. Dazu eisgekühltes Bier. Chimaek, die legendäre Kombination aus Chicken und Maekju (Bier), war geboren, zumindest für mich. In Wahrheit ist diese Kombi längst ein fester Bestandteil koreanischer Ausgehkultur. Sie steht für Geselligkeit, für unkomplizierte Treffen, für das Teilen und Genießen. Und wer mag, greift nicht nur zum Bier, sondern rundet das Ganze mit einer Flasche Soju ab. Diese Kombination ist in Korea genauso beliebt wie gefährlich lecker.

Bei einem Abend mit Freunden, trinkt man oft auch Soju zum Chicken

Der Weg zum Kultgericht
Dabei hat sich Chikin in Korea über die Jahrzehnte von einem einfachen Gericht zu einer echten Alltagsikone entwickelt. Ursprünglich in den 1960er Jahren als eher seltene Mahlzeit eingeführt, wurde frittiertes Hähnchen durch wirtschaftliches Wachstum und technologische Entwicklungen, insbesondere Fritteusen, immer beliebter. Spätestens seit den 1980er Jahren, als die ersten spezialisierten Chicken-Franchise-Restaurants entstanden, ist das Gericht nicht mehr aus dem koreanischen Alltag wegzudenken.

In vielen Restaurants in Koreas bestellt man am Terminal, oft holt man auch die Getränke selbst

Chicken überall und jederzeit
In Korea bekommt man wirklich überall Chicken: in belebten Straßen, in ruhigen Wohnvierteln, in kleinen Imbissen, in trendigen Restaurants, am Hangang-Ufer und sogar im Baseballstadion, wo es vor dem Spiel oder in den Pausen frisch verkauft wird.

Chicken als Snack bei einem Baseballspiel der Hanwha Eagles

Egal wo man ist, irgendwo in der Nähe brutzelt garantiert gerade Chicken. Und wer abends keine Lust hat, rauszugehen, bestellt einfach per App mit wenigen Klicks. Die Lieferung gehört längst zum Alltag.

Lieferdienste prägen nicht nur das Straßenbild, sondern auch den Alltag der Koreaner, die regelmäßig Essen bestellen

Besonders nach Feierabend sieht man viele Koreaner mit einer Tüte Chicken und ein paar Dosen Bier auf dem Heimweg. Für viele ist das mehr als nur ein Abendessen. Es ist ein vertrauter Moment zum Abschalten und Genießen. Chicken ist in Korea eben nicht nur ein Gericht, sondern fast schon ein Lebensgefühl.

Vielfalt mit Biss
Besonders fasziniert mich die Vielfalt. Es gibt das klassische, knusprig panierte Original, das süß-scharfe Yangnyeom Chicken mit roter Gochujang-Soße, die mit Knoblauch veredelte Variante oder Chicken mit Käse überbacken. Manche sind knusprig und trocken, andere werden zweimal frittiert, um die perfekte Balance zwischen Saftigkeit und Crunch zu erreichen.

Chicken mit verschiedenen Saucen oder mit Käse überbacken

Es gibt boneless Chicken, Wings, Drumsticks und ja, sogar vegane Alternativen sind inzwischen im Kommen. Jeder Anbieter hat sein eigenes Rezept, seine eigene Handschrift. Und genau das macht es spannend. Jedes neue Restaurant ist wie eine kleine kulinarische Schatzsuche.

Ein Gericht für jede Gelegenheit
Was mich an Chikin aber besonders begeistert, ist nicht nur der Geschmack, sondern die soziale Komponente. Es ist kein Gericht, das man allein bestellt. Man teilt es mit Freunden, mit Kollegen nach der Arbeit, bei Spieleabenden oder zum Finale einer K-Drama-Serie. Fried Chicken ist in Korea mehr als Fast Food. Es ist ein Stück Alltag, ein Ritual.

Ob mit Knochen oder boneless: das koreanische Chicken muss man probiert haben

Ein beliebter Spruch sagt: Wenn du nicht weißt, was du essen sollst, iss Chicken. Und das stimmt. Es passt immer, ob zum Feierabendbier, als Trostessen nach einem anstrengenden Tag oder als Highlight eines gemütlichen Abends. Chicken ist immer die richtige Wahl.

Das koreanische Fried Chicken ist Kult und in Korea äußerst beliebt

Das moderne Herz der koreanischen Esskultur
Für viele ist Kimchi das Nationalgericht Koreas, und das zurecht. Doch wer durch Korea reist, merkt schnell: Fried Chicken ist mindestens genauso präsent. Es gehört zum Alltag, zu Abenden mit Freunden, zu Gesprächen bei Bier und Soju. Es ist unkompliziert, ehrlich und voller Geschmack. Wer Korea wirklich erleben will, kommt an Chicken nicht vorbei.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Knusprig-saftig-Kult.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-30 17:33:382026-01-30 17:33:38Knusprig, saftig, Kult: Warum Korea verrückt nach Fried Chicken ist

Schwindelerregend schön: Der Mancheonha Skywalk in Korea

Wer in Korea auf der Suche nach einem Ort ist, an dem Natur, Abenteuer und eine Portion Nervenkitzel aufeinandertreffen, landet früher oder später beim Mancheonha Skywalk.

Der Mancheonha Skywalk ist eine faszinierende architektonische Aussichtsplattform

Der Blick über das Tal von Danyang und den Namhangang, eingerahmt von grünen Bergen und weiten Feldern, war bereits vom Parkplatz aus beeindruckend. Doch was einen oben wirklich erwartet, lässt sich von unten kaum erahnen. Ich hatte keine Vorstellung, wie eindrucksvoll der Ausblick und das Erlebnis dort oben tatsächlich sein würden. Das wurde mir erst beim Aufstieg bewusst.

Schon am Parkplatz kann man die Schönheit der Natur und des Ausblicks erahnen
Dieser gigantische Ausblick erwartet einen oben vom Mancheonha Skywalk

Schon der Aufstieg war Teil des Erlebnisses. Über eine lange Holztreppe lief ich wie in einer Spirale nach oben, immer höher hinauf, vorbei an Kiefern und Laubbäumen. Immer wieder blitzten durch die Bäume Teile der Glasplattform, die das Ziel dieser besonderen Wanderung markierten.

Der Aufstieg ist spiralenförmig nach oben 

Oben angekommen stand ich plötzlich 80 Meter über dem Fluss, nur eine Glasscheibe trennte mich vom scheinbar endlosen Abgrund. Ich wagte den ersten Schritt. Mein Blick fiel durch das transparente Glas direkt hinunter auf die sich windenden Wassermassen des Namhangang. Es fühlte sich an, als würde ich schweben.

Ein traumhafter Ausblick schon beim Aufstieg

Ein Gefühl von Freiheit
Der Mancheonha Skywalk besteht aus drei Auslegern, die sich wie Finger in die Landschaft strecken. Die Plattform ist so gebaut, dass man fast vergisst, dass man eigentlich festen Boden unter den Füßen hat. Jeder Schritt auf dem Glasboden war ein kleiner Adrenalinkick und gleichzeitig eine Einladung, kurz stehenzubleiben und die atemberaubende Kulisse zu genießen. Um mich herum sah ich viele begeisterte Besucher, die den Ausblick genossen und immer wieder ihr Handy für Selfies und Fotos zückten. Es war sofort zu spüren, wie sehr allen der Skywalk gefiel.

Ein perfekter Ort für Selfies und gute Fotomotive, ob wie hier im Herbst oder auch im Frühjahr oder Sommer

Tempo, Kurven, Nervenkitzel: Die spektakuläre Rutsche
Doch der Skywalk bot noch mehr als den grandiosen Ausblick. Ein echtes Highlight für mich war die lange, kurvige Röhre, die sogenannte Mancheonha Slide. In einer Art Schlafsack liegend, startete ich oben auf der Plattform und sauste dann in rasanter Fahrt durch die sehr steile und extrem kurvige Röhre talwärts. Bis zu 50 Kilometer pro Stunde sind hier möglich, das spürt man. Während der rasanten Abfahrt bekam man vom Drumherum allerdings nichts mit, denn die Röhre ist komplett geschlossen und nicht durchsichtig.

Mit Highspeed-Geschwindigkeit und dem Adrenalinkick ins Tal 

Wer es lieber gemächlicher mochte, konnte mit dem Alpine Coaster durch den Wald fahren. Gerade für Familien mit Kindern ist der Skywalk ein abwechslungsreiches Ausflugsziel.

Architektur trifft Natur
Mich hat besonders beeindruckt, wie sich der Skywalk trotz seiner modernen Architektur harmonisch in die Natur eingefügt hat. Dort oben, hoch über dem Tal, habe ich wieder einmal gespürt, wie facettenreich und beeindruckend Korea ist. Der Mancheonha Skywalk war für mich kein Ort für einen schnellen Fotostopp. Hier lohnte es sich, Zeit zu verbringen und den Moment wirklich auszukosten.

80 Meter über dem Fluss auf einer Glasplattform, die aus dem Skywalk herausragt

Das Stehen auf dem Glasboden hoch über dem Fluss hatte für mich einen ganz besonderen Reiz. Die Perspektive auf die Landschaft war einmalig und ich habe es genossen, diesen Ausblick ganz in Ruhe auf mich wirken zu lassen.

Mancheonha Skywalk liegt in der Nähe der Stadt Danyang 

Die Region Danyang entdecken
Der Mancheonha Skywalk liegt in der Nähe der Stadt Danyang in der Provinz Chungcheongbuk-do. Die Region ist berühmt für ihre spektakulären Felsformationen, Höhlen und Flusstäler und gilt als eines der schönsten Naturparadiese Koreas. Viele verbinden den Skywalk-Besuch mit einem Ausflug zu den berühmten Acht Aussichten von Danyang, Wanderungen im Sobaeksan-Nationalpark oder Bootsfahrten auf dem Namhangang.

Danyang ist von Seoul aus bequem mit dem Zug oder dem Intercity-Bus erreichbar. Vom Bahnhof oder Busbahnhof Danyang fahren regelmäßig Shuttlebusse oder Taxis zum Mancheonha Skywalk. Wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist, findet vor Ort ausreichend Parkmöglichkeiten.

Ich kann den Besuch am Mancheonha Skywalk zu jeder Jahreszeit wirklich empfehlen. Der Ausblick und die moderne Bauweise sind beeindruckend und bleiben im Gedächtnis. Für mich war es ein besonders schöner Ausflug, abwechslungsreich, beeindruckend und definitiv eines der Highlights meiner Reise durch Korea.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Skywalk.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-30 17:31:322026-01-30 17:31:32Schwindelerregend schön: Der Mancheonha Skywalk in Korea

Mit der Cheongpung Lake Cable Car auf den Bibongsan

Ein sanfter Ruck und ich schwebe lautlos über die Baumwipfel. Hinter mir breitet sich der Cheongpungho aus, ein großer See in der Region Jecheon, dessen glitzernde Wasserflächen zwischen Hügeln und Inseln liegen. Die Fahrt mit der Cheongpung Lake Cable Car bringt mich zum 531 Meter hohen Bibongsan. Während der Auf- und natürlich auch der Abfahrt bietet sie eine atemberaubende Aussicht.

Hier an der Talstation geht es los

Die Region rund um den Cheongpungho liegt in Chungcheongbuk-do, einer eher ländlich geprägten Provinz in der Landesmitte. Wer Korea meist nur mit Seoul oder Busan verbindet, entdeckt hier eine ganz andere Seite des Landes. Ruhiger, naturnaher und doch gut erreichbar.

Ein Blick zurück auf die Talstation kurz nach dem Start

Über Wälder hinweg zum Gipfel
Die Seilbahn verbindet das Tal in Multae-ri mit dem 531 Meter hohen Gipfel des Bibongsan. In gerade einmal zehn Minuten bringt mich eine der modernen Kabinen durch eine grüne Hügellandschaft hinauf zum Gipfel. Die Strecke ist 2,3 Kilometer lang. Insgesamt sind 43 Gondeln im Einsatz, zehn davon mit gläsernem Boden. Ich habe mich für eine normale Kabine entschieden, aber selbst die bietet genug Ausblick, um die Fahrt als echtes Panoramaerlebnis zu empfinden.

Ausblick während der Auffahrt mit der Cheongpung Lake Cable Car
Oben angekommen erwartet einen kurz nach dem Aussteigen ein unbeschreibliches Panorama

Der Blick vom Gipfel mit unendlicher Weite und Stille
Oben angekommen lasse ich den Blick einfach schweifen. Der Cheongpungho liegt in warmes Abendlicht getaucht. Ein weiter, offener Blick über See, Berge und das weite Land. Ich habe den Sonnenuntergang erwischt, und es hat sich gelohnt. Je nach Tageszeit verändert sich die Stimmung. Manchmal sanft und golden, manchmal klar und weit.

Ein gigantischer Sonnenuntergang in einer traumhaften Natur

Ein Ort, der mehr kann als nur Aussicht
Mich hat fasziniert, wie unkompliziert und gleichzeitig eindrucksvoll dieser Ort erlebbar ist. Die Seilbahn bringt einen bequem hinauf, und oben erwartet mich mehr als nur ein schöner Blick. Die Plattform am Gipfel ist großzügig angelegt, mit mehreren Ebenen und freien Sichtachsen in alle Richtungen. Ich konnte mich kaum entscheiden, wo ich zuerst hinschauen sollte. Jede Perspektive wirkt anders.

Die Auszeichnung „한국관광의 별“ („Tourismusstern Koreas“) wird jährlich an besonders herausragende touristische Orte in Korea vergeben. 
In diesem Fall wurde die Cheongpung Lake Cable Car vom MCST 2020 damit ausgezeichnet.

Wer Lust auf noch mehr Eindrücke hat, kann unten an der Talstation das kleine Besucherzentrum mit seinem 360-Grad-Kino besuchen oder eine Bootsfahrt auf dem See anschließen. Das lässt sich auch als Kombiticket buchen.

Natürlich gibt es auch Hotspots für coole Social Media Fotos

In Korea hat sich die Cheongpung Lake Cable Car längst einen Namen gemacht. Sie steht für einen Ausflug, der sich unkompliziert umsetzen lässt. Vielleicht gerade deshalb ist sie inzwischen kein Geheimtipp mehr. Auch viele Koreaner besuchen den Ort gern, ob als Tagesausflug von Seoul oder als Etappe auf einer Rundreise durch das Land.

Öffnungszeiten, Preise und Anreise im Überblick
Die Seilbahn verkehrt das ganze Jahr über und ist täglich von 9:30 Uhr bis 17:30 Uhr geöffnet. Bei schlechtem Wetter wird der Betrieb aus Sicherheitsgründen ausgesetzt. Die einfache Fahrt kostet aktuell 18.000 Won für Erwachsene. Eine Hin- und Rückfahrt in einer Kabine mit Glasboden liegt bei 23.000 Won. Kinder und Senioren zahlen jeweils etwas weniger. An Wochenenden kann es gerade vormittags voll werden. Wer Wartezeiten vermeiden will, bucht am besten online vor.

Eine Fahrt mit der Cheongpung Lake Cable Car führt auf den Bibongsan lohnt sich definitiv

Die Cheongpung Lake Cable Car liegt in der Provinz Chungcheongbuk-do, in der Stadt Jecheon. Von Seoul aus ist sie in etwa zwei Stunden mit dem Auto erreichbar. Alternativ fährt man mit dem Zug bis Jecheon Station und nimmt von dort ein Taxi oder einen Linienbus zur Talstation. Die genaue Adresse lautet 166 Munhwajae-gil, Cheongpung-myeon. Das Navi erkennt den Ort problemlos.

Nur zwei Autostunden von Seoul entfernt und zu jeder Jahreszeit etwas Besonderes

Ein Ziel für alle, die Koreas Landschaft erleben wollen
Für mich war dieser Ausflug eine gelungene Mischung aus Entspannung, Naturerlebnis und Aussicht. Wer Korea abseits der bekannten Hotspots entdecken möchte, sollte sich diesen Ort vormerken. Manchmal braucht es keine Höhenrekorde, sondern nur einen guten Blickwinkel. Und genau den bietet der Cheongpungho in seiner ganzen Schönheit.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Cheongpung-Lake-Cable-Car.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-30 17:30:412026-01-30 17:32:36Mit der Cheongpung Lake Cable Car auf den Bibongsan

[MISSION] K-Beauty in Korea: Teil des Alltags und neuer Tourismusfaktor

Koreanische Kosmetik hat weltweit an Bedeutung gewonnen. Wer durch die Straßen von Seoul geht, merkt schnell, wie selbstverständlich hier auf Hautpflege geachtet wird. Nicht aus Eitelkeit, sondern weil es einfach dazugehört. In Myeong-dong, Gangnam, Hongdae und vielen anderen Stadtteilen reihen sich Kosmetikläden, Drogeriemärkte und Hautpflege-Studios aneinander. Genauso selbstverständlich sind in Korea auch Angebote für Nagel- und Fußpflege. Nicht als Luxus, sondern als Teil gepflegten Auftretens. Pflegeprodukte sind präsent, bezahlbar und auffallend gut durchdacht. Wer hier lebt oder das Land besucht, kommt kaum daran vorbei, ganz gleich ob Mann oder Frau.

Neben dem bekannten Olive Young gibt es zahlreiche Kosmetikläden, Drogeriemärkte und Hautpflege-Studios in Korea

K-Beauty im Alltag und als Erlebnis für Besucher
Ich beschäftige mich schon seit einiger Zeit mit koreanischer Kosmetik. Nicht intensiv, aber aufmerksam. Vor allem durch Gespräche mit koreanischen Freunden, durch zufällige Entdeckungen bei Olive Young oder durch Empfehlungen, wenn es um gute Pflege ging. Während Hautpflege in Korea zum Alltag gehört, gibt es auch Orte, an denen K-Beauty gezielt für Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland erlebbar gemacht wird. Einer davon ist „Beauty Play“, ein öffentlich gefördertes Erlebniszentrum mit Standorten in Myeong-dong und Hongdae. Betrieben wird es vom Korea Cosmetics-Industry-Institute mit Unterstützung des Ministeriums für Gesundheit und Wohlfahrt.

Kostenlose Beratung im Beauty Play-Zentrum, das vom Ministerium für Gesundheit unterstützt wird.

Anders als viele Kosmetikläden bietet Beauty Play keine Verkaufsfläche, sondern Programme. Es gibt kostenlose Hautanalysen, Farbberatungen, Make-up-Services nach vorheriger Anmeldung sowie Produktempfehlungen passend zum eigenen Hauttyp.

Kostenlose Schminktipps und Farbberatung im Beauty Play in Myeong-dong oder Hongdae 

Wer möchte, kann auch an Seminaren oder kleinen Workshops teilnehmen. Viele davon richten sich explizit an ausländische Gäste. Die Atmosphäre ist professionell, aber entspannt.

Kostenlose Hautanalyse und Empfehlungen für passende Pflegeprodukte im Beauty Play

Für mich war das ein guter Ort, um ohne Kaufdruck mehr über Wirkstoffe, Anwendungsformen und Trends koreanischer Kosmetik zu lernen. Auch im Vergleich zu dem, was man im Alltag in Drogerien wie Olive Young sieht.

Ein Einblick in das Beauty Play in Myeong-dong

Korea Beauty Festival 2025 – Pflege wird zum kulturellen Erlebnis
Das zeigt sich einmal mehr beim Korea Beauty Festival, das vom 19. Juni bis 18. Juli 2025 stattfindet. Organisiert wird es vom Kulturministerium (MCST), der Korea Tourism Organization und dem Visit Korea Committee. Die zentrale Eröffnung fand vom 19. bis 22. Juni in der Dongdaemun Design Plaza statt. Es gab Live-Demonstrationen, Produkttests, Workshops und geführte Programme für interessierte Gäste.

Das offizielle Plakat vom “Korea Beauty Festival 2025“ © Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus

Auch über die Eröffnung hinaus ist das Festival noch in der ganzen Stadt präsent. In Myeong-dong, Seongsu, Gangnam und anderen Stadtteilen gibt es mobile Erlebnisstationen, Fotospots und Rabattaktionen. Besonders im Fokus stehen internationale Besucher, die Korea nicht nur bereisen, sondern auch erleben wollen.

Tourismus mit Konzept und wirtschaftlicher Wirkung
Das koreanische Kulturministerium (MCST) verfolgt eine klare Linie. K-Beauty ist ein fester Bestandteil der koreanischen Kultur und wird international bewusst als solcher präsentiert. Ziel ist es, authentische Erlebnisse zu schaffen, die über klassische Tourismusangebote hinausgehen. Nach Angaben des Ministeriums ist der Umsatz mit ausländischen Kundinnen in koreanischen Kosmetikstudios im vergangenen Jahr um das Achtfache gestiegen. Hautpflege wird dabei als kultureller Zugang verstanden. Und als Chance, das moderne Korea auf eine persönliche, nahbare Weise kennenzulernen.

Olive Young ist ein wahres K-Beauty Paradies für Koreaner und auch für Gäste

Pflege im Alltag
Immer wenn ich in Korea bin, gehört ein Besuch bei Olive Young für mich fest dazu. Als größter und bekanntester Drogeriemarkt des Landes ist die Kette fast überall präsent. Aber auch kleinere Läden und andere Anbieter gehören für mich dazu. Selbst bei Daiso, dem beliebten Discountladen, finde ich immer wieder kostenbewusste Produkte, die durchdacht und wirkungsvoll sind.

Meine gute Freundin Ae-rim berät mich im Olive Young

Ich decke mich dort mit Pflegeprodukten ein, die es in ähnlicher Form zwar auch in Deutschland gibt. Die mich in Korea aber deutlich mehr überzeugen. Die Marken setzen andere Schwerpunkte, die Texturen sind oft angenehmer, und viele Produkte passen einfach besser zu meinem Hauttyp. Oft begleitet mich dabei eine gute Freundin aus Seoul. Wir vergleichen Produkte, sprechen über Wirkstoffe und tauschen Tipps aus. In diesen Gesprächen lerne ich jedes Mal etwas Neues.

Ob für mich selbst oder als Mitbringsel für andere, bei Olive Young werde ich immer fündig
Auch bei Daiso und in Apotheken bekommt man oft günstige und sehr gute kosmetische Produkte

Ich selbst nutze für meine tägliche Pflegeroutine als Mann einen Cleanser, Toner, ein Serum, eine Gesichtscreme und Sonnenschutz. Denn UV-Schutz fürs Gesicht ist nicht nur wichtig, sondern für mich selbstverständlich. In Sachen Sonnenschutz bietet Korea aus meiner Sicht die besten Produkte weltweit. Die Rezepturen sind auf unterschiedliche Hauttypen abgestimmt, angenehm in der Anwendung und wirken zuverlässig. Das überzeugt mich jedes Mal. Abends verwende ich gerne auch Produkte mit Retinol. Einmal pro Woche steht ein Peeling an, und regelmäßig greife ich zu koreanischen Gesichtsmasken. Eine einfache, aber wirkungsvolle Möglichkeit, der Haut etwas Gutes zu tun.

Gesichts- und Fußpflegemasken sind in allen Variationen und überall in Korea erhältlich

Auch die Frisur gehört dazu
Wer in Korea durch die Einkaufsstraßen oder U-Bahnstationen geht, merkt schnell, dass auch Frisuren eine wichtige Rolle im gepflegten Erscheinungsbild spielen. Friseursalons gibt es an jeder Ecke, sie sind modern, stilvoll und oft auf bestimmte Looks spezialisiert. Was mich besonders beeindruckt: Viele Salons bieten nicht nur Haarschnitte, sondern auch umfassende Pflegeprogramme an, zum Beispiel Kopfhautbehandlungen oder Glanzkuren. Wer will, bekommt spontan einen Termin und geht mit einem Look hinaus, der zum eigenen Stil passt und gleichzeitig dem koreanischen Schönheitsverständnis entspricht. Auch das gehört für mich inzwischen zur K-Beauty-Erfahrung.

Auch ein Friseurbesuch ist in Korea professionell und mit Style-Beratung sowie im Vergleich zu Deutschland sehr günstig
Oft arbeiten unterschiedliche Friseur-Teams gleichzeitig an einem Kunden

Maniküre und Pediküre – gepflegt bis in die Fingerspitzen
In Korea sind gepflegte Hände und Füße selbstverständlich. Nagelstudios gehören genauso zum Stadtbild wie Cafés oder Kosmetikläden. Dabei geht es nicht nur um Farbe und Design, sondern auch um intensive Pflege. Viele Studios bieten Behandlungen für Nagelhaut, Hornhaut und Hautpflege an. Ob schlicht und elegant oder aufwendig verziert, die Auswahl ist groß und die Umsetzung professionell.

Auch ich nutze die Gelegenheit manchmal für eine Maniküre oder Pediküre. Es ist nicht nur angenehm, sondern zeigt mir jedes Mal, wie selbstverständlich Körperpflege in Korea auch über das Gesicht hinausgedacht wird.

Maniküre und Pediküre gehört zum Alltag in Korea und ich genieße es auch
Manuel als Stammkunde: Jedes Mal in Seoul freue ich mich auf die kosmetischen Behandlungen sowie Maniküre und Pediküre

K-Beauty als Mitbringsel
Wenn ich in Korea bin, werde ich oft gebeten, bestimmte Produkte mitzubringen. Meist Pflegeprodukte, aber vor allem auch Kosmetik. Die Wünsche sind meist sehr konkret: bestimmte Marken, genaue Farbtöne oder Lieblingsprodukte, die in Deutschland schwer zu bekommen sind. Ich schaue dann gezielt danach. Nicht als Souvenir, sondern weil diese Produkte geschätzt werden und viele wissen, dass ich zuverlässig das Richtige finde.

Ein beliebtes Mitbringsel sind auch Concealer. Hier muss der Farbton exakt getroffen werden

Pflege als Haltung
Was mich an K-Beauty besonders fasziniert, ist nicht der Hype, sondern das Selbstverständnis dahinter. Hautpflege wird in Korea nicht als Luxus verstanden, sondern als Ausdruck von Achtsamkeit. Im Umgang mit sich selbst und dem eigenen Alltag. Es geht nicht um schnelle Effekte, sondern um Kontinuität und eine Haltung, die man sehen und spüren kann. Genau das macht koreanische Kosmetik für mich so besonders. Sie ist Teil einer Kultur, die Wert auf Details legt, ohne oberflächlich zu sein. Und vielleicht begeistert sie deshalb inzwischen Menschen auf der ganzen Welt, mich eingeschlossen.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/teaser-13.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-30 13:43:302026-01-30 13:43:30[MISSION] K-Beauty in Korea: Teil des Alltags und neuer Tourismusfaktor

[MISSION] Sommer in Seoul zwischen Sonne, Regenzeit und Stadtabenteuern

Der Sommer ist für viele die naheliegende Zeit zum Reisen, sei es wegen der Ferien, längerer Urlaubstage oder einfach, weil der Wunsch nach einem Tapetenwechsel in den warmen Monaten besonders groß ist. Wer überlegt, Korea im Sommer zu besuchen, stellt sich früher oder später die Frage: Wie fühlt sich diese Jahreszeit in der Hauptstadt Seoul an?

Ich war zu verschiedenen Jahreszeiten in Korea und besonders in Seoul unterwegs, darunter mehrfach im Sommer. Wer in dieser Zeit die Hauptstadt besucht, sollte das Wetter und die Regenzeit kennen. Mit den richtigen Tipps und einer Portion Abenteuerlust wird die Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Gangman Style bei 34 Grad im Sommer in Seoul. Heiß, aber großartig © Manuel Guthmann

Der Sommer hat zwei Gesichter: Hitze und Regenzeit
Der Sommer in Seoul ist intensiv. Temperaturen über 30 Grad sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Besonders im Juli und teils noch bis Anfang August prägt die Regenzeit das Wettergeschehen. Es regnet nicht ununterbrochen, aber oft heftig. Regen tritt sowohl tagsüber als auch abends auf. Regenschirme gehören deshalb zur Standardausrüstung, genauso wie Flipflops oder Sandalen, denn nasse Socken in Sneakers machen bei 30 Grad keinen Spaß. Die heißeste Zeit des Jahres ist der August mit durchschnittlich 30 Grad. Es wurden aber auch schon 38 Grad in Seoul gemessen.

Im Juli und August gibt es in Seoul gut 15 Regentage pro Monat. Man sollte immer einen Regenschirm dabeihaben © Manuel Guthmann
Sehr praktisch, dass man den Regenschirm, bevor man ein Café, Restaurant oder Shop betritt, trocken oder in eine Plastikhülle stecken kann © Manuel Guthmann

Trotz der Hitze gibt es durchschnittlich nur sechs bis sieben Sonnenstunden am Tag. An manchen Tagen kann es abends spürbar auf bis zu 14 Grad abkühlen. Aktuell ist es allerdings mit 30 bis 35 Grad in Seoul ziemlich heiß. Auch nachts liegen die Temperaturen kaum unter 23 Grad.

Zwischendurch ein Iced Americano oder ein Eis erfrischt im Sommer sehr © Manuel Guthmann

Packen mit Plan: Tipps für den Koffer
Wer Korea im Sommer besucht, sollte neben luftiger Kleidung unbedingt Sonnencreme, eine Cap oder einen Hut sowie Sonnenbrille einpacken und vor allem viel trinken. Ein tragbarer Fächer oder Taschenventilator gehört für viele Koreaner zum Alltag.

Ob im Hotel, AirBnB oder der eigenen Wohnung: Eine Klimaanlage ist ein Segen, besonders Nachts © Manuel Guthmann

Praktische Lösungen gegen Hitze im Stadtalltag
Was mich aber besonders beeindruckt hat, ist, wie gut Seoul mit dieser Jahreszeit umgeht. Es sind keine großen Worte, sondern praktische Lösungen, die den Alltag angenehmer machen.

An vielen Ampeln stehen fest installierte Sonnenschirme, die Fußgänger vor der direkten Sonne schützen. Man merkt sofort, wie viel angenehmer es ist, wenn man nicht in der Hitze auf das grüne Licht warten muss.

Eine Innovation: Sonnenschirme an den Ampelanlagen in Seoul, die vor Sonne und Hitze schützen © Manuel Guthmann

Noch besser sind die Bushaltestellen, die ich so sonst nirgends gesehen habe. In mehreren Stadtteilen gibt es Haltestellen mit Klimaanlagen oder Lüftungssystemen. An manchen wird über feine Düsen kühlender Wasserdampf versprüht, sobald sich jemand darunterstellt. Die Technik funktioniert berührungslos und sorgt sofort für spürbare Erfrischung. Bushaltestellen als kleine klimatisierte Rückzugsorte gehören für mich zu den besten Beispielen dafür, wie technologische Lösungen den Alltag tatsächlich verbessern können.

In Seoul findet man an Bushaltestellen sehr oft eine Klimaanlage © Manuel Guthmann

Auch an anderen Stellen der Stadt gibt es praktische Ideen, die funktionieren. In vielen Wohnvierteln und an stark frequentierten Kreuzungen wurden große Sonnendächer installiert. Auf Plätzen wie dem Gwanghwamun Square sorgen feine Wasserdüsen dafür, dass sich die Umgebung bei Sommerhitze spürbar abkühlt. Auf einigen öffentlichen Gebäuden wurden Dächer weiß gestrichen, um die Sonneneinstrahlung zu reflektieren und Innenräume angenehm zu kühlen.

Ein gutes Beispiel ist Seoullo 7017, die umgebaute ehemalige Autobrücke bei Seoul Station. Dort wurden für den Sommer zusätzliche Schattenflächen geschaffen und Zonen mit Sprühnebel eingerichtet, die die Lufttemperatur messbar senken. Diese durchdachten Maßnahmen machen den Aufenthalt im Sommer deutlich angenehmer. Man merkt, dass Seoul den warmen Monaten aktiv begegnet, ohne das öffentliche Leben einzuschränken.

Schon ein paar Wasserspritzer am Gwanghwamun-Platz können erfrischen, wie hier an der Statue von Admiral Yi Sun-sin. © Manuel Guthmann

Von Park bis Brücke: Sommerorte in der Stadt
Wer gut vorbereitet ist, kann den Sommer in Seoul in vollen Zügen genießen. Trotz der Hitze und gelegentlicher Regenschauer spielt sich vieles draußen, in Parks, am Fluss, auf Märkten oder im Nachtleben ab. Die folgenden Tipps und Eindrücke zeigen, wie abwechslungsreich und lebendig sich die Stadt in dieser Jahreszeit präsentiert.

Hangang: Das sommerliche Wohnzimmer der Stadt
Egal ob bei Hitze oder nach einem Regenschauer, ein Ort zieht mich im Sommer in Seoul immer wieder an: der Hangang River. Entlang des Flusses gibt es zahlreiche Parks, Fahrradwege, Sportplätze und Picknickflächen.

Auf dem Weg zum Hangang Ufer in Yeouinaru um den Tag zu genießen © Manuel Guthmann
Ob bei Tag oder Nacht, ob unter der Woche oder am Wochenende, die Ufer des Hangang River sind immer gut besucht © Manuel Guthmann

Der Hangang Park lockt mit grünen Liegewiesen viele Menschen an und am Wochenende sieht man hier Familien unter Zeltdächern, Pärchen mit Picknickdecken und Gruppen von Freunden, die Hühnchen und Bier aus dem Convenience Store genießen. Viele Koreaner genießen den Sonnenuntergang oder beobachten die Lichter der Stadt.

Die Koreaner genießen den Sommer gerne im Hangang Park © Manuel Guthmann

Magische Momente an der Banpo-Brücke
Ein Highlight des Sommers ist die Moonlight Rainbow Fountain Show an der Banpo-Brücke. Zwischen April und Oktober verwandelt sich die Brücke jeden Abend in ein farbenfrohes Wasserspektakel mit Musik. Besonders an warmen Sommerabenden ist die Atmosphäre hier einzigartig. Die Shows finden mehrmals täglich statt und gehören zu den beliebtesten Attraktionen an warmen Abenden.

Wechselnde Beleuchtung bei der Moonlight Rainbow Fountain Show an der Banpo-Brücke © Manuel Guthmann
Im Sommer zieht es viele Menschen zu Festen oder an die Banpo-Brücke © Manuel Guthmann

Kultur, Shopping und Nachtleben
Wenn die Mittagshitze zu intensiv wird, finde ich in klimatisierten Einrichtungen wie der COEX-Mall oder Museen eine willkommene Abwechslung. Auch ein Besuch im Seoul Museum of Art oder ein Spaziergang entlang der alten Stadtmauer bieten angenehme Momente der Ruhe.

Sommeralltag in Seoul: Ob volle U-Bahn oder im beim entspannen Spielen in der Stadt © Manuel Guthmann

Shopping-Fans und Streetfood-Fans zieht es in die bunten Straßen von Myeongdong, während Nachtschwärmer das kreative und energiegeladene Nachtleben in Hongdae entdecken, mit Clubs und Straßenmusik bis tief in die Nacht.

Die Koreaner lieben BBQ. Oft sind die Restaurants nach außen offen © Manuel Guthmann

Sommergenuss auf Koreanisch: Leichtes, Herzhaftes und Essen unter freiem Himmel
Essen spielt in Korea zu jeder Jahreszeit eine zentrale Rolle, doch im Sommer bekommt es einen ganz eigenen Charakter. Viele Gerichte sind leichter, kühler oder besonders erfrischend. Beliebt sind zum Beispiel Naengmyeon, kalte Buchweizennudeln in eisiger Brühe, oder frisch zubereitete Banchan, die vielfältigen Beilagen, die zu jeder Mahlzeit gehören. Auch gegrillter Fisch, saisonales Gemüse und gekühlte Getränke sorgen für kulinarische Abkühlung.

Besonders erfrischend im Sommer: Naengmyeon, kalte Buchweizennudeln in eisiger Brühe © Manuel Guthmann

Und zum Nachtisch? Bingsu, ein beliebtes Eis-Dessert mit feinem, schneeartigem Eis, Kondensmilch, Früchten oder süßen Bohnen, gehört im Sommer einfach dazu.

Koreanisches Bingsu ist Erfrischung pur © Manuel Guthmann

Doch nicht nur das Was ist wichtig, auch das Wo. In den warmen Abendstunden verlagert sich das kulinarische Leben nach draußen. Überall in der Stadt sieht man Menschen beim Korean BBQ draußen sitzen, auf Restaurantterrassen, in kleinen Gassen oder an Tischen mit eingebautem Grill, wo direkt am Platz über Holzkohle oder Gas gegrillt wird. Auch die traditionellen Pojangmacha, mobile Straßenstände mit Plastikplanen, sind in dieser Zeit besonders gefragt. Hier trifft man sich unter freiem Himmel, bestellt verschiedene kleine Gerichte und stößt mit Soju oder Bier auf den Abend an.

Egal bei welchem Wetter. Beim Essen in den Pocha herrscht gute Stimmung © Manuel Guthmann

Für Gäste, die im Sommer nach Seoul kommen, ist es eine schöne Möglichkeit, ganz unkompliziert mit der lokalen Küche und den Menschen in Kontakt zu kommen. Oft geschieht das spontan und immer authentisch.

Sommerhighlights für alle Sinne
Ein Bingsu oder Matcha, eine Baseball-Nacht im Stadion oder ein Besuch beim Waterbomb Festival, der Sommer in Seoul bietet eine Vielfalt an Erlebnissen. Wer es ruhiger mag, kann in einem der Tempel zur Ruhe kommen oder entlang des Cheonggyecheon spazieren, einem kühlen Wasserlauf mitten in der Stadt. Auch Lotusblütenfeste oder nächtliche Stadtführungen sorgen für Abwechslung.

Knapp 11 Kilometer ist der  Cheonggyecheon Stream in Seoul. Viele halten im Sommer gerne ihre Füße rein © Manuel Guthmann

Mein kurzes Fazit
Die koreanische Hauptstadt Seoul lebt im Sommer, mit allem, was dazugehört, und ist ein einziges Abenteuer: laut, bunt, nass, heiß.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Sommer-Teaser.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 12:03:592026-01-25 12:05:15[MISSION] Sommer in Seoul zwischen Sonne, Regenzeit und Stadtabenteuern

[Interview] Koreanisch lernen: Zwischen Motivation und Methode

Koreanisch gilt als eine der komplexeren Sprachen der Welt. Die Grammatik unterscheidet sich deutlich vom Deutschen, das Alphabet Hangeul ist zwar logisch aufgebaut, aber dennoch ungewohnt und viele Vokabeln entziehen sich vertrauten Lautstrukturen. Trotzdem wächst weltweit das Interesse, diese Sprache zu lernen, nicht zuletzt durch den anhaltenden Erfolg von K-Dramen, K-Pop und koreanischen Filmen.

Ich selbst habe vor einiger Zeit angefangen, Koreanisch zu lernen und ziemlich schnell gemerkt, wie schwer es ist, den Überblick zu behalten. Es gibt unzählige Bücher, Onlinekurse, VHS-Angebote, Sprachschulen, YouTube-Videos und Lern-Apps. Alle versprechen Fortschritt, aber nicht alle funktionieren gleich gut.

Dies ist nur ein Bruchteil der Bücher und Lernmaterialien, die in Deutsch erhältlich sind © Manuel Guthmann

Gerade am Anfang stellt sich die Frage: Wo fängt man an? Was hilft wirklich, und was macht es eher komplizierter?
Um besser zu verstehen, wie man sinnvoll lernt, worauf es ankommt und welche Fehler sich vermeiden lassen, habe ich mit Sara Chanmi Na gesprochen.

Sie lebt in Wien, ist Koreanerin, zweisprachig aufgewachsen und hat an der Universität Wien Koreanologie studiert. Bereits während ihres Studiums war sie als Universitätsassistentin tätig und unterstützte unter anderem bei der Entwicklung von Lehrmaterialien. Später arbeitete sie als Sprachtrainerin am Sprachenzentrum der Universität Wien und unterrichtete dort mehrere Jahre Koreanisch für deutschsprachige Lernende.

Heute ist sie allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Dolmetscherin und war unter anderem beim Besuch des ehemaligen koreanischen Präsidenten Moon Jae-in in Österreich im Einsatz. Sie dolmetschte auch für Bundespräsident Alexander Van der Bellen und den damaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Darüber hinaus gründete sie ihre eigene Sprachschule und bietet seit 2022 mit „Flüssig Koreanisch“ einen Onlinekurs an, der das aktive Sprechen von Beginn an in den Mittelpunkt stellt. Auf Instagram, TikTok und in ihrem Podcast „Sauerkraut und Kimchi“ gibt sie regelmäßig praktische Tipps rund ums Koreanisch lernen, verständlich, motivierend und auf Augenhöhe.

Interview mit „Flüssig Koreanisch“ Gründerin Sara Chanmi Na © Sara Chanmi Na

Manuel:
Sara, du unterrichtest seit vielen Jahren koreanisch, was ist deiner Meinung nach der wichtigste erste Schritt, wenn man Koreanisch lernen will?

Sara:
Das Wichtigste beim Sprachenlernen ist, einen klaren roten Faden zu haben.
Wie du in deinem Artikel bereits beschrieben hast, gibt es mittlerweile eine riesige Auswahl an Lernangeboten, Materialien und Videos. Die Gefahr dabei ist, dass man von überall ein bisschen etwas aufschnappt, hier ein Video, dort ein Beitrag, aber keinen strukturierten Lernweg verfolgt. So konsumiert man zwar unterhaltsame Koreanisch-Inhalte, lernt dabei aber kaum aktiv.

Ein klarer roter Faden bedeutet auch: Bleib nicht zu lange bei einer App, die dir Sätze beibringt wie „Ich werfe mit der Schüssel.“ Setz dich vor dem Koreanisch lernen einmal bewusst hin und überleg dir: Wohin möchtest du eigentlich? Wenn du nach Korea reisen und dort mit Menschen in Kontakt kommen willst, dann such dir Lernmaterialien, mit denen du alltagsnahe und nützliche Sätze lernst, wie zum Beispiel: „Können Sie mir das bitte noch einmal sagen?“, oder „Entschuldigung, das habe ich nicht verstanden.“ Gerade die kleinen Lernerfolge helfen dir dabei, auch beim Erlernen einer schwierigen Sprache motiviert zu bleiben. Dabei trägst du selbst eine wichtige Verantwortung für deinen Erfolg.

Manuel:
Warum sollten Lernende deiner Erfahrung nach Hangeul von Anfang an lernen und nicht erst auf die Umschrift/Romanisierung setzen?

Sara:
Wenn man ausschließlich mit der Umschrift lernt, läuft man Gefahr, die korrekte Aussprache nie wirklich zu beherrschen. Denn es gibt im Koreanischen Laute, die es im Deutschen (oder in anderen westlichen Sprachen) so gar nicht gibt, die Umschrift kann diese nur annähernd wiedergeben. Wer sich daran gewöhnt, nur mit der Umschrift zu lernen, gewöhnt sich damit auch an eine ungenaue Aussprache. Und wie wir wissen: Einmal eingeübte Gewohnheiten sind schwer wieder zu korrigieren.

Spätestens ab dem Moment, in dem du Koreaner kennenlernst und ihre Namen falsch oder seltsam aussprichst, entsteht eine gewisse Distanz, auch wenn sie das vielleicht nicht direkt zeigen. Gerade Namen sind etwas sehr Persönliches, und wer sie korrekt aussprechen kann, zeigt Respekt und echtes Interesse an der Sprache und Kultur. Deshalb ist es so wichtig, sich früh mit der richtigen Aussprache und Hangeul zu beschäftigen, das schafft Nähe und echte Verbindung.

Manuel:
Gibt es typische Fehler, die man am Anfang unbedingt vermeiden sollte?

Sara:
In meinen Kursen begegnen mir immer wieder zwei ganz unterschiedliche Lerntypen. Die erste Gruppe nimmt das Koreanisch lernen sehr ernst, manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu ernst. Du gehörst vielleicht dazu, wenn du viel Zeit und Energie investierst, aber schnell frustriert bist, sobald die Fortschritte nicht deinen Erwartungen entsprechen. Gerade weil du so fleißig lernst, fühlt sich jeder Rückschlag besonders schwer an. Mein Tipp: Sei nicht zu streng mit dir. Koreanisch zu lernen ist ein langer Weg, und zu viel Druck nimmt dir schnell die Freude am Lernen. Frag dich lieber, ob du deine Lernweise vielleicht anpassen kannst, statt an dir selbst zu zweifeln.

Die zweite Gruppe gibt oft zu schnell auf. Meistens dann, wenn es plötzlich schwieriger wird. Wenn du dich hier wiedererkennst, hast du Koreanisch vielleicht eher aus einem oberflächlichen Interesse an K-Dramen oder K-Pop entdeckt. Das ist völlig in Ordnung. Nicht jeder muss die Sprache bis ins letzte Detail beherrschen. Entscheidend ist, dass du für dich selbst klärst, wie tief du wirklich eintauchen möchtest und ob du bereit bist, dranzubleiben, wenn es mal anspruchsvoll wird.

Blick in eine Online – Unterrichtseinheit “Flüssig Koreanisch” via Zoom Screenshot by Manuel Guthmann

Manuel:
Wie wichtig ist aus deiner Sicht regelmäßiges Sprechen, auch wenn man noch, so wie ich, viele Fehler macht?

Sara:
Ich kenne tatsächlich Menschen, die seit 4 bis 6 Jahren Koreanisch lernen, aber kaum sprechen können, einfach weil sie es nie wirklich geübt haben.

Ein Beispiel ist eine Bekannte von mir, die wie ich in Wien geboren wurde und deren Eltern aus Korea stammen. Sie versteht problemlos, was ihre Eltern auf Koreanisch sagen, aber sie kann nicht auf Koreanisch antworten, weil sie das Sprechen nie bewusst trainiert hat.

Manuel:
Kann man mit YouTube und koreanischen Serien oder auch Apps, meist KI-gesteuert, überhaupt sinnvoll Koreanisch lernen?

Sara:
Ja, bis zu einem gewissen Niveau geht das. Wenn du sehr zielgerichtet lernst, kannst du mit Apps systematisch Vokabeln lernen und regelmäßig wiederholen. Beim Schauen koreanischer Serien hast du einen enormen Lernerfolg, wenn du zwischendurch auf Pause drückst und einzelne Sätze laut nachsprichst. Mit der Zeit kann das allerdings den Sehfluss stören und dann wird das konsequente Üben schwieriger.

Auch auf YouTube findest du gute Erklärvideos zur Grammatik. Wichtig ist aber: Du musst selbst darauf achten, alle Sprachkompetenzen „Sprechen, Hören, Schreiben, Grammatik und Lesen“ regelmäßig und ausgewogen zu trainieren.

ChatGPT ist inzwischen eine der besten Übersetzungshilfen, aber: Die Übersetzungen sind oft noch zu wörtlich. Für professionelle Übersetzungen ersetzt es keine echte Fachperson. KI-gestützte Apps sind mittlerweile auf einem beeindruckenden Niveau, man kann damit tatsächlich schon einfache Dialoge führen.

Aber was meines Erachtens wie vor unersetzbar ist, ist der persönliche Austausch mit jemandem, der dir erklären kann, warum etwas so funktioniert, wie es funktioniert.

Gerade weil die koreanische und die deutsche Grammatik grundlegend verschieden sind und es Strukturen im Koreanischen gibt, die es im Deutschen so gar nicht gibt, kommt man mit Büchern oder automatisierten Lernhilfen oft nur bis zu einem bestimmten Punkt.

Dann braucht es jemanden, der die sprachlichen und kulturellen Feinheiten erklären kann und genau da liegt der Wert von gutem Unterricht.

Ich habe Sara Chanmi Na in München getroffen und das erlernte Koreanisch sprechen gleich ausprobiert © Manuel Guthmann

Manuel:
Was ist dein ultimativer Lern-Tipp?

Sara:
Verabschiede dich vom klassischen Schul-Sprachunterricht.
Wenn du kein Vollzeitstudent bist, solltest du realistisch einplanen, dass es etwa fünf Jahre dauern kann, bis du wirklich fließend Koreanisch sprichst.

Sei dir von Anfang an bewusst: Sprachenlernen ist ein langfristiger Prozess. Deshalb ist es wichtig, gleich zu Beginn dein persönliches Ziel zu definieren und dein Lernen genau darauf abzustimmen.

Willst du zum Beispiel einfach eine Reise nach Korea machen, konzentriere dich auf die wichtigsten Redewendungen und Alltagssituationen. Das motiviert, bringt schnelle Erfolgserlebnisse und macht das Lernen deutlich angenehmer.

Manuel:
Als letzte Frage: Du hast nun auch ein Buch veröffentlicht, „Sieben Tage Seoul“. Ist das nun ein Reiseführer, ein Lesebuch oder ein Sprachkurs? Magst Du uns das Buch kurz vorstellen?

Sara:
Dieses Buch richtet sich an alle, die Koreanisch lernen möchten. Es basiert auf der Erzählung eines gemeinsamen Urlaubs in Seoul, an dem auch Julia Fischer teilnahm. Sie hat bei dem Buch auch mitgewirkt und ist gleichzeitig meine Social Media Managerin.

Das Buch ist für Lernende auf dem Niveau B1 konzipiert und verbindet authentische Erlebnisse mit einem durchdachten Lernkonzept. Aufgeteilt in neun Kapitel, bietet es auf jeder Doppelseite links den deutschen Originaltext und rechts die koreanische Übersetzung, ideal zum parallelen Lesen und Verstehen.

Um den Lernprozess zu erleichtern, sind zentrale Vokabeln in beiden Sprachen fett gedruckt und wichtige Grammatikstrukturen unterstrichen. Am Ende jedes Kapitels finden sich zusätzlich verständliche Erklärungen zu den behandelten Grammatikpunkten sowie eine zweisprachige Vokabelliste.

„Sieben Tage Seoul“ Authentische Erlebnisse und Koreanisch lernen in einem, mit dem Lernbuch von Sara Chanmi Na ©Sara Chanmi Na

Fazit:
Koreanisch zu lernen ist eine Herausforderung, aber eine, die sich lohnt. Wer neugierig ist, sich nicht vom ungewohnten Satzbau oder einem neuen Alphabet abschrecken lässt und bereit ist, regelmäßig zu üben, wird spürbare Fortschritte machen. Und mit Menschen wie Sara Chanmi Na an der Seite, die nicht nur Sprache, sondern auch Kultur vermitteln, bekommt das Lernen eine besondere Tiefe.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-12.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 11:38:432026-01-25 11:38:43[Interview] Koreanisch lernen: Zwischen Motivation und Methode

The 15th Honorary Reporters: Vom Blog zum globalen Netzwerk

Vor ein paar Tagen habe ich als Korea.net Honorary Reporter meine neue PRESS ID Card erhalten, eine kleine, aber symbolträchtige Geste zur Unterstützung unserer Arbeit. Als Geschenk lag ein pinkfarbenes Pocket-Notizbuch bei. Auf dem Cover steht in schwarzer Schrift: The 15th Honorary Reporters. Dieser Moment hat mir noch einmal bewusst gemacht, wie lang es dieses Programm bereits gibt und dass ich selbst inzwischen einen festen Platz darin habe.

Korea.net Honorary Reporters Press ID und Notizbuch in coolem pink © Manuel Guthmann

Ich bin seit drei Jahren Teil des Korea.net Honorary Reporters Programms mit seiner langen Geschichte, das inzwischen in seine fünfzehnte Saison geht. Was ursprünglich als Blogprojekt begann, hat sich längst zu einer Plattform entwickelt, auf der Tausende von Menschen über koreanische Kultur, Gesellschaft und Geschichte berichten. Dieser Artikel wirft einen Blick auf die Entwicklung des Programms, seine Bedeutung und warum es weit mehr ist als nur ein Ehrenamt.

Ein ambitionierter Start
Das Korea.net Honorary Reporters Programm nahm seinen offiziellen Anfang mit der Ernennung der ersten Gruppe von 42 Reportern am 29. März 2011. Obwohl „The Korea Blog“ als Plattform bereits im Januar 2011 startete, markiert der 29. März 2011 den Moment, in dem die ersten „Worldwide Korea Bloggers“, die Vorläufer der heutigen Honorary Reporters, offiziell ihre Arbeit aufnahmen und somit das Programm mit seinen aktiven Teilnehmern ins Leben gerufen wurde.

Das Ziel war klar formuliert: die weltweite Popularität der Hallyu, der koreanischen Welle, zu unterstützen und weiter auszubauen. Die koreanische Regierung wollte nicht nur informieren, sondern den kulturellen Austausch mit der Welt gezielt fördern, durch persönliche Stimmen und internationale Perspektiven.

Rekrutiert wurden engagierte Bloggerinnen und Blogger aus dem In- und Ausland, die in ihren Heimatsprachen über Kultur, Gesellschaft, Alltag und Reisen in Korea berichteten. Schon im ersten Jahr entstand eine beeindruckende Vielfalt an Inhalten.

Screenshot 2011: Worldwide Korea Bloggers – Der Beginn der heutigen Honorary Reporters by Manuel Guthmann

Ausbau und Professionalisierung des Programms
Ein Jahr später, 2012, wuchs das Programm weiter. 50 neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ländern wie den USA, Indien, Kanada, Ungarn oder den Philippinen wurden als „kulturelle Botschafter Koreas“ ernannt, ein Ausdruck, der bis heute sinnbildlich für unsere Rolle als Honorary Reporters steht.

Im Jahr 2015 wurde das Programm grundlegend neu strukturiert und erhielt seinen heutigen Namen: Korea.net Honorary Reporters. Die inhaltliche Bandbreite wurde erweitert und die Beiträge erscheinen seither nicht mehr nur auf dem Blog, sondern direkt im offiziellen Nachrichtenbereich von Korea.net. Die Teilnehmenden konnten sich nun gezielt auf Text, Fotografie oder Video spezialisieren. Ein Schritt, der die Professionalisierung sichtbar vorantrieb.

Zugleich wurden die Aktivitäten umfangreicher. Reporter berichteten über Großveranstaltungen wie das Busan International Film Festival, besuchten Regionen wie Jeonju oder Dokdo und begleiteten sogar politische Ereignisse wie den innerkoreanischen Gipfel 2018. Ein Teil der Honorary Reporters wurde für einwöchige Kulturreisen nach Korea eingeladen, mit Stationen in Seoul, Busan und Tongyeong.

Mitarbeiter von Korea.net und die zweite Gruppe der Worldwide Korea Bloggers am 23. März 2012 während einer Diskussion in der von KOCIS in Seoul organisierten Begrüßungszeremonie © Korea.net

Zeremonien, Symbole und globale Präsenz
Von Jahr zu Jahr entwickelte sich das Programm weiter. 2018 bestand die siebte Gruppe aus 270 Reporterinnen und Reportern aus 55 Ländern. 2019 erreichte das Programm einen neuen Höhepunkt mit 591 Teilnehmenden aus 73 Ländern, die bislang größte Gruppe in seiner Geschichte. In Seoul wählte man für die feierliche Ernennungszeremonie einen besonders symbolischen Ort. Sie fand im damaligen Präsidentensitz Cheong Wa Dae statt, auch bekannt als das Blaue Haus. Die damalige First Lady Kim Jung-sook begrüßte uns persönlich. Ein eindrucksvolles Zeichen für die Wertschätzung, die das Programm auf höchster Ebene erfährt.

Die damalige First Lady Kim Jung-sook lädt am 20. Mai 2019 die Gruppe von Korea.net-Ehrenberichterstatter anlässlich des Weltbürgertags zum Cheong Wa Dae ein. © Korea.net

Ein wichtiges Symbol war auch das erste offizielle Logo des Programms, das 2019 von einer russischen Teilnehmerin entworfen wurde und bis heute sinnbildlich für das Programm steht. Die gleichzeitige Durchführung von Ernennungszeremonien in mehreren Koreanischen Kulturzentren weltweit zeigte, wie sehr das Programm inzwischen international verankert ist.

Seit 2019 gibt es ein eigenes Logo für die Honorary Reporters © Manuel Guthmann

Im selben Jahr startete KOCIS zudem ein eigenes Webportal für den „Talk Talk Korea“-Wettbewerb. Auch wenn dieser unabhängig vom Honorary Reporters Programm läuft, stärkt er die internationale Vernetzung und bietet eine zusätzliche Plattform für den kreativen Austausch. Für uns bedeutete das vor allem bessere Teamarbeit, mehr Transparenz im Einreichungsprozess und die Chance, unsere Inhalte noch professioneller zu gestalten.

Anerkennung auf Augenhöhe
Im Laufe der Jahre ist das Programm immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, sowohl in Korea als auch international. Honorary Reporters berichteten über bedeutende Ereignisse aus nächster Nähe, darunter die Olympischen Winterspiele in PyeongChang 2018 und der innerkoreanische Gipfel im April desselben Jahres. Solche Anlässe zeigten, dass unsere Beiträge nicht nur beobachtend, sondern aktiv eingebunden waren.

Ein Beispiel wie 2019 die Ausschreibung auf Korea.net aussah © Korea.net

Ein weiterer Meilenstein war die Einrichtung eines eigenen Nachrichtenbereichs auf Korea.net. Seitdem erscheinen unsere Beiträge nicht mehr im Blogformat, sondern gleichberechtigt neben den redaktionellen Artikeln des Portals. Das hat die Sichtbarkeit und Relevanz der Inhalte spürbar erhöht und zeigt, wie sehr KOCIS auf unsere Perspektiven vertraut.

Weitere Programme unter dem Dach von KOCIS
Neben dem Honorary Reporters Programm betreibt KOCIS weitere internationale Programme zur Förderung koreanischer Kultur.

Das K-Influencer Programm, das 2020 gestartet wurde, richtet sich gezielt an Video-Creators. Während die Honorary Reporters eher journalistisch arbeiten, konzentrieren sich K-Influencer auf Kurzvideos, Vlogs und Reels, meist auf Plattformen wie YouTube oder Instagram. Sie behandeln Themen wie K-Food, K-Beauty, Reisen oder Popkultur und setzen dabei stark auf Bewegtbildformate. Beide Programme arbeiten thematisch eng zusammen, bleiben aber organisatorisch getrennt.

Screenshot: Das Korea.net Portal am 05. März 2020. Die Honorary Reporter Artikel stehen unten rechts by Manuel Guthmann

Das Team hinter dem Programm
Hinter dem Honorary Reporters Programm steht ein engagiertes Team bei Korea.net. Kal Hong ist Chief Managerin des Programms. Sie hat einen Bachelorabschluss in Politikwissenschaft und Diplomatie sowie einen Master of Business Administration (MBA) mit dem Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre von der Ewha Womans University. Nach mehreren Jahren in der Unternehmenskommunikation wechselte sie 2021 zu Korea.net, wo sie das Honorary Reporters Programm leitet und kontinuierlich weiterentwickelt.

Seit 2021 bei Korea.net: Die Chef-Managerin des Honorary Reporters Programm Kal Hong im Gespräch mit mir © Manuel Guthmann

Lee Da Som ist die verantwortliche Managerin für den gesamten deutschsprachigen Bereich von Korea.net. Sie ist auch für die Betreuung der deutschsprachigen Honorary Reporters verantwortlich. Sie hat unter anderem in Bonn studiert und bringt ein tiefes Verständnis für interkulturelle Kommunikation mit. Als Redakteurin recherchiert und verfasst sie eigene qualitätsvolle Artikel für Korea.net, die auch in anderen Sprachversionen veröffentlicht werden. Außerdem übersetzt sie Beiträge ihrer Kolleginnen und Kollegen für die deutschsprachige Version des Portals.

Die Leiterin der deutschen Redaktion und verantwortlich für die deutschsprachigen Honorary Reporters Lee Da Som mit Manuel Guthmann © Manuel Guthmann

Misun Jeon ist Managerin für den englischsprachigen Bereich von Korea.net und verantwortet dort auch das Honorary Reporters Programm. Sie war mehrere Jahre Co-Managerin und stellvertretende Leiterin des Programms unter Kal Hong. Als Redakteurin verfasst sie regelmäßig Beiträge für Korea.net, die sich durch journalistische Tiefe und redaktionelle Qualität auszeichnen.

Misun Jeon verantwortet den englischsprachigen und damit den größten Bereich der Honorary Reporters © Manuel Guthmann

Für jede der insgesamt zehn Sprachversionen auf Korea.net gibt es eigene Managerinnen oder Manager, die jeweils als Redakteurinnen und Redakteure tätig sind und zusätzlich für die Betreuung der Honorary Reporters in ihrer Sprache verantwortlich zeichnen. Unterstützt werden sie dabei von Assistentinnen und Koordinatoren, die unter anderem die eingereichten Beiträge der Honorary Reporters prüfen, Rückmeldungen geben und für die Veröffentlichung freigeben.

Darüber hinaus gehören zum Team weitere Verantwortliche in den Bereichen Verwaltung, Social Media, Marketing und Fotografie. Chefredakteur von Korea.net ist Kang Seong Chul.

Einblicke in die tägliche Arbeit von Misun Jeon und Kal Hong sowie Korea.net Teamleiter, Kang Seong Chul © Manuel Guthmann
Hinter den Kulissen: Blick in die Redaktionsräume von Korea.net © Manuel Guthmann

Persönlich und professionell zugleich
Für mich ist das Honorary Reporters Programm eine besondere Verbindung. Es vereint journalistisches Arbeiten mit persönlicher Erfahrung, individuelle Perspektive mit globaler Reichweite. Ich kann Themen wählen, die mir wichtig sind, Beiträge gestalten, die fundiert sind und gleichzeitig den Dialog zwischen Korea und dem deutschsprachigen Raum fördern.

Dass das Programm dabei offen ist für unterschiedliche Hintergründe, Sprachniveaus und Stile, macht es besonders zugänglich. Was zählt, ist die Haltung: echtes Interesse, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, Korea aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, nicht oberflächlich, sondern neugierig, differenziert und verantwortungsvoll.

Fazit
Mit der 15. Saison ist das Korea.net Honorary Reporters Programm längst mehr als ein Projekt zur Imagepflege. Es ist ein internationales Netzwerk, das Korea auf glaubwürdige und vielschichtige Weise in die Welt trägt. Für mich ist es eine Plattform, auf der ich nicht nur schreiben, sondern auch mitgestalten kann. Und ich bin sicher: Die spannendsten Beiträge liegen noch vor uns.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/15th-HR-Teaser.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-25 11:38:022026-01-25 11:38:02The 15th Honorary Reporters: Vom Blog zum globalen Netzwerk
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