Diese drei Silben kennt in Korea jedes Kind. Ich hatte Arirang zwar schon oft gehört, im Fernsehen, bei öffentlichen Veranstaltungen oder in modernen Interpretationen, aber erst mit der Zeit habe ich verstanden, was es bedeutet.
Was wie ein altes Volkslied klingt, ist in Wahrheit viel mehr. Lange wusste ich nicht, wie tief dieses Lied in Korea verwurzelt ist.
Arirang ist kein einzelnes Lied, sondern ein kulturelles Erbe mit hunderten Gesichtern. Jede Region Koreas hat ihre eigene Version, jede Generation eine neue Interpretation. Was alle gemeinsam haben, sind die drei Silben am Anfang: Arirang, Arirang, Arariyo. Schon dieser Refrain lässt viele Koreanerinnen und Koreaner innerlich mitgehen, oft sogar mit Tränen in den Augen.
Arirang ist die inoffizielle Nationalhymne Koreas Photo: AI generated
Manche Versionen klingen sanft und traurig, andere lebendig und voller Energie. Die älteste überlieferte Form stammt aus Jeongseon in der Provinz Gangwon. Dort erzählt das Lied von einer Frau, die ihren Geliebten verliert, als er über einen Gebirgspass verschwindet. In der Fassung aus Jindo auf einer Insel im Süden wirkt alles fröhlicher, fast verspielt. Andere Varianten betonen Stolz, Heimat oder Überlebenswillen.
Das bekannteste Arirang ist wohl die sogenannte Bonjo-Version, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch den gleichnamigen Film von Na Un-gyu bekannt wurde. Obwohl das Lied keine direkte politische Botschaft enthält, wurde es in Zeiten der Fremdherrschaft als Ausdruck von Identität und innerem Widerstand empfunden.
Arirang hat seither Generationen begleitet. Es wurde bei Protesten gesungen, bei nationalen Feierlichkeiten, aber auch ganz privat, als Schlaflied, Trostspender oder Zeichen der Verbundenheit. Die UNESCO hat das Lied daher als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.
Für viele gilt Arirang bis heute als die heimliche Nationalhymne. Es ist ein Lied, das niemand erklären muss, weil es jeder kennt. Ein Lied, das keine Parolen braucht, weil es tief aus dem Herzen kommt.
Ein eindrucksvoller Moment war auch die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Arirang erklang vor einem weltweiten Publikum und wurde dabei nicht als Showelement eingesetzt. Es war ein kulturelles Herzstück, das allen Gästen einen Blick in die Seele Koreas eröffnete.
Was mich besonders beeindruckt: Arirang wird bis heute gesungen, gespielt, gecovert und weiterentwickelt.
Klassische Sängerinnen wie Sumi Jo haben es interpretiert, genauso wie Samulnori-Ensembles, K-Pop-Stars oder internationale Künstler auf Weltbühnen.
Auch BTS hat Arirang in einer beeindruckenden Live-Performance auf ihre Weise gewürdigt, modern, respektvoll und mit spürbarem Stolz.
Ich höre Arirang inzwischen mit anderen Ohren. Nicht, weil ich jedes Wort verstehe, sondern weil ich begreife, was dahintersteckt. Dieses Lied ist keine romantisierte Legende. Es ist gelebte Geschichte, ein Klang, der Korea atmet.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Arirang-MG.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:47:542026-01-30 17:47:54Arirang – das klingende UNESCO Kulturerbe Koreas
Wer einmal in Korea war, kennt sie: die kleinen Läden an jeder Ecke, die rund um die Uhr geöffnet haben, fast alles bieten, was man gerade braucht und ganz nebenbei auch in vielen K-Dramen eine feste Rolle spielen.
Bereits am Flughafen ICN wird man von einem Convenience Store begrüßt
Für mich gehören sie fest zum Alltag in Korea, egal ob ich mir morgens eine Bananenmilch hole, mittags einen schnellen Snack brauche oder nachts noch etwas einkaufen möchte. Koreas Convenience Stores sind praktisch, vielseitig und oft überraschend persönlich.
Besonders in Seoul findet man die Convenience Stores in fast jeder Straße
Ich bin regelmäßig dort. Besonders nachts, wenn mich der Hunger überkommt oder ich noch schnell etwas für den nächsten Morgen brauche. Die Läden sind rund um die Uhr geöffnet, an 365 Tagen im Jahr. Das ist keine Ausnahme, das ist Standard. Und genau das macht sie so besonders. Wo man in Deutschland oft vor verschlossenen Türen steht, ist in Korea selbst um drei Uhr morgens noch eine kalte Bananenmilch, ein Reisbällchen oder ein Ladegerät zu haben.
Die Stores sind auch ein idealer Ort für einen kleinen Snack
In ganz Korea gibt es über 40.000 Convenience Stores, allein in Seoul sind es rund 10.000. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich innerhalb von fünf Minuten gleich mehrere Stores sehe. Oft liegen zwei oder drei direkt nebeneinander, als würden sie um die Wette um meine Aufmerksamkeit buhlen. Und ja, manchmal entscheidet einfach nur das Bauchgefühl, ob ich zu GS25, 7-Eleven oder CU gehe.
Immer freundliche Mitarbeiter in den Convenience Stores
Das Sortiment ist erstaunlich vielfältig. Von heißem Ramyeon, das man direkt mit heißem Wasser aufgießen und vor Ort essen kann, über Instantkaffee, Hygieneartikel, Snacks aller Art bis hin zu Powerbanks und Gesichtsmasken, es gibt fast nichts, was man dort nicht findet. Im Angebot sind auch viele verschiedene Speisen, die man unterwegs oder spontan als kleine Mahlzeit essen kann. Auch gekochte Eier, frisches Obst in Portionen, kleine Salate und natürlich klassischer Soju stehen im Kühlregal bereit. So wird aus einem schnellen Einkauf ganz leicht ein kleiner Imbiss oder sogar ein spontaner Picknickvorrat.
Die Convenience Stores bieten unter anderem eine große Auswahl an Ramyeon
Ich persönlich greife am liebsten zur gelben Binggrae Bananenmilch. Und wenn ich Lust auf etwas Frisches habe, kombiniere ich sie gerne mit einem Iced Americano. Eisbecher, fertig gebrühter Kaffee im Beutel und dann einen Schuss Bananenmilch dazu, klingt verrückt, schmeckt aber überraschend gut.
Besonders an heißen Tagen praktisch: Becher gefüllt mit Eiswürfeln, die man in jedem Convenience Store kaufen kannEine große Auswahl an fertigem Kaffee, den man besonders mit Eiswürfeln genießen kann oder in Mikrowelle erwärmenMein persönlicher Favorit: Iced Americano mit BananenmilchIced Americano im Convenience Store selbst zubereitet
Was ich an den Convenience Stores besonders schätze, ist ihre Verlässlichkeit. Ich finde dort fast immer etwas, das zu meinem Hunger oder Bedarf passt, ob ein einfacher Reisbällchen-Snack, eine kalte Bananenmilch oder etwas Praktisches für den Alltag. Und wenn der kleine Hunger mitten in der Nacht kommt, weiß ich genau, wo ich noch fündig werde.
Die meisten Convenience Stores sind wie ein kleiner SupermarktOb Süßes oder Hygieneartikel, in den Convenience Stores findet man allesSelbstverständlich bekommt man auch Soju im Convenience Store
Auch im Alltag sind die Stores echte Helfer. Ein Pflaster, wenn ich mich am Schuh aufgescheuert habe, ein Regenschirm bei plötzlichem Schauer, eine Zahnbürste nach einem langen Ausflug, alles da. Sogar gegen einen Kater oder eine Erkältung findet man dort kleine Helfer wie Kopfschmerztabletten, Halspastillen oder einfache Erkältungsmittel. Und oft auch mit überraschend guter Qualität.
Ob gegen Erkältung oder eine Einmal-Powerbank, im Convenience Store findet man viele praktische Helfer
Was mich an den Convenience Stores in Korea so fasziniert, ist nicht nur die Vielfalt, sondern auch die Selbstverständlichkeit, mit der sie Teil des Lebens sind. Sie sind da, wenn man sie braucht. Ohne Schnickschnack, aber mit allem, was zählt und das meist freundliche und gutgelaunte Personal.
Bezahl wird im Convenience Store mit Karte oder BargeldSmalltalk im Convenience Store mit den Mitarbeiterinnen und ein ErinnerungsfotoDie Mitarbeiter lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn der Laden voll ist
Einmal war ein Store ganz leer, keinen Mitarbeiter zu sehen. An der Kasse lag ein handgeschriebener Zettel: „Ich gehe auf die Toilette, bitte warten Sie einen Moment“ Kein Zweifel, dass alles seine Ordnung hat. Es war einer dieser Momente, in denen man spürt, wie sehr in Korea gegenseitiges Vertrauen zum Alltag gehört.
Kleine Anekdote zum Schmunzeln: Das Personal ist mal schnell auf die Toilette gegangen und lässt den Store allein offen.
Convenience Stores gehören in Korea ganz selbstverständlich zum Leben dazu. Sie sind rund um die Uhr erreichbar, praktisch ausgestattet und doch viel mehr als nur Läden für den schnellen Einkauf. Für mich sind sie ein Ort, an dem Alltag, Verlässlichkeit und ein kleines Stück koreanisches Lebensgefühl zusammenkommen. Ganz gleich, ob früh am Morgen oder mitten in der Nacht.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Convenience-Stores.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:46:192026-01-30 17:47:16Immer offen, immer da: Convenience Stores in Korea
Als ich zum ersten Mal die schmalen Gassen des Bukchon Hanok Village betrat, war es, als würde ich eine andere Welt betreten. Die dunklen Ziegeldächer, die Holzfassaden, der Duft von altem Holz, alles fühlte sich an wie eine Reise zurück in die Zeit. Ich hatte mir vorgenommen, Koreas traditionelle Architektur nicht nur zu sehen, sondern wirklich zu erleben. Also zog ich los, um Orte wie Bukchon, das ruhige Eunpyeong Hanok Village, das Blaue Haus (Cheong Wa Dae), den Gyeongbokgung-Palast, Ikseon-dong und auch Insadong zu entdecken. Was ich fand, waren nicht nur Gebäude, sondern Geschichten von Menschen, Natur und einer Kultur, die Vergangenheit und Zukunft auf besondere Weise verbindet.
Bukchon Hanok Village
Das Bukchon Hanok Village in Seoul hat mich besonders fasziniert. Es befindet sich im Stadtteil Jongno, mitten im historischen Zentrum der Hauptstadt. In direkter Umgebung liegen der Ahnenschrein Jongmyo sowie die großen Paläste Gyeongbokgung und Changdeokgung. Ursprünglich war Bukchon das Wohnviertel für Adlige und hohe Beamte der Joseon-Dynastie, die Korea über Jahrhunderte hinweg geprägt hat. Heute leben hier etwa 6.000 Menschen. Einige der Hanoks wurden zu kleinen Gästehäusern, Cafés oder Läden für traditionelles Handwerk umgebaut. Andere sind weiterhin bewohnt. Besonders in den engen Gassen rund um die bekannten Fotospots wird deutlich, wie beliebt das Viertel bei Besuchern ist.
Beliebte Fotomotive im Bukchon Hanok Village in Seoul
Die traditionellen Holzhäuser mit ihren geschwungenen Ziegeldächern und kleinen Innenhöfen wirken wie ein Stück Vergangenheit mitten in der Großstadt. Beim Spazieren durch die Gassen hatte ich das Gefühl, durch die Geschichte zu gehen, auch wenn die Realität heute eine andere ist. Bukchon ist längst kein Geheimtipp mehr. Bukchon ist zweifellos sehenswert, doch der große Besucherandrang stellt das Viertel vor Herausforderungen. Gerade in den schmalen Gassen rund um die beliebten Fotospots ist Rücksicht wichtig.
Blick in einen Innenhof im Bukchon Hanok Village und rechts eine Mitarbeiterin, die für Ordnung sorgt
Die meisten Häuser sind bewohnt, viele Anwohner fühlen sich durch Lärm und unbedachtes Verhalten gestört. Um das Miteinander besser zu regeln, dürfen Touristengruppen das Viertel inzwischen nur noch zwischen 10 und 17 Uhr betreten. Ein System farblich markierter Zonen hilft dabei, die Wege klar zu strukturieren. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, muss mit einem Bußgeld rechnen. Auch die Haltestellen für Touristenbusse sollen künftig entfallen. Wer Bukchon besucht, sollte sich der besonderen Situation bewusst sein. Es ist kein Museum, sondern ein gewachsenes Wohnviertel mit Geschichte und Charakter. Ein Ort, der seine Atmosphäre dann besonders eindrucksvoll entfaltet, wenn man ihm mit Respekt begegnet.
Eunpyeong Hanok Village
Noch beschaulicher ist das Eunpyeong Hanok Village am Stadtrand von Seoul. Hier stehen moderne Hanoks, die traditionelle Bauweisen mit heutigem Komfort verbinden.
Die Holzkonstruktionen, Innenhöfe und das klassische Ondol-Heizsystem sind genauso präsent wie in alten Häusern, aber die Gebäude sind neu errichtet. Umgeben von bewaldeten Hügeln und mit Blick auf den Bukhansan liegt das Viertel in einer landschaftlich reizvollen Umgebung.
Moderne Hanoks in traditioneller Bauweisen im Eunpyeong Hanok Village
In unmittelbarer Nähe befindet sich der Jingwansa-Tempel, was der Gegend zusätzlich eine besondere Ruhe verleiht. Alles ist sehr grün, gepflegt und still. Die Straßen sind breiter als in Bukchon, und die Hanoks sind durchweg bewohnt.
Viele haben kleine Vorgärten oder bepflanzte Innenhöfe, was die Architektur noch stärker mit der Natur verbindet. Touristen habe ich dort nur vereinzelt gesehen.
Eunpyeong Hanok Village, Blick in einen privaten VorgartenKeine Filmkulisse, sondern eine reine Wohngegend
Ich konnte in aller Ruhe durch die Gassen gehen, beobachten, wie konsequent hier auf traditionelle Bauweise geachtet wurde, und die besondere Atmosphäre dieses Viertels auf mich wirken lassen. Für mich war das einer der eindrucksvollsten Orte, um zu erleben, wie Hanok-Architektur heute aussehen kann. Authentisch, unaufdringlich und lebendig.
Eunpyeong Hanok Village, ist ein Wohnviertel in Seoul, dass mir wirklich gut gefällt
Cheong Wa Dae – Das Blaue Haus
Cheong Wa Dae, das Blaue Haus, war bis 2022 der Amtssitz des koreanischen Präsidenten. Seitdem ist das Gelände für Besucher geöffnet, vermutlich nicht dauerhaft. Denn der am 3. Juni gewählte Präsident plant offenbar, seine Amtsgeschäfte wieder von dort aus zu führen.
Das traditionsreiche Cheong Wa Dae – Das Blaue Haus
Das Gelände selbst hat eine lange Geschichte. Bereits zur Zeit der Joseon-Dynastie befanden sich hier Nebengebäude des königlichen Palastes Gyeongbokgung. In der Folgezeit wurde das Areal mehrfach neu genutzt, bevor es nach der Gründung der Republik Korea zum Sitz der Präsidialverwaltung wurde. Das ursprüngliche Präsidentenhaus wurde im Koreakrieg zerstört und in den 1960er-Jahren neu aufgebaut. Seitdem entwickelte sich Cheong Wa Dae zum Zentrum der politischen Macht Koreas, mit mehreren Gebäuden, Sicherheitszonen und streng kontrollierten Zugängen.
Der Präsidentensitz Cheong Wa Dae passt sich perfekt in eine große, schön angelegte Parkanlage ein
Architektonisch ist Cheong Wa Dae ein bemerkenswerter Ort. Das Hauptgebäude mit seinen tiefblauen Ziegeln folgt klassischen Palastformen, ergänzt durch moderne Elemente. Die klar gegliederten Dächer, die Proportionen der Seitenflügel und die Verbindung zur umgebenden Landschaft zeigen, wie traditionelle koreanische Bauprinzipien auch im staatlichen Repräsentationsbau weiterleben. Die Pavillons und Gärten rundherum verstärken diesen Eindruck. Hier wurde mit Bedacht und Maß gebaut. Ein Ort, an dem sich Geschichte, Symbolik und Architektur auf besondere Weise verbinden.
Gyeongbokgung-Palast
Der Gyeongbokgung-Palast beeindruckt durch seine Größe und die Klarheit seiner Struktur. Erbaut im Jahr 1395 zu Beginn der Joseon-Dynastie, ist er das Herzstück der klassischen Palastarchitektur Koreas. Empfangshallen, Verwaltungsgebäude und Wohnquartiere sind streng hierarchisch angeordnet.
Ein Meisterwerk der Architektur, der Gyeongbokgung-Palast
Besonders die farbenfrohen Dancheong-Malereien an den Dächern stechen hervor. Sie sind nicht bloß dekorativ, sondern haben symbolische und schützende Funktionen. Jeder Baukörper steht in klarer Beziehung zum nächsten. Eine Ordnung, die bis heute nachvollziehbar ist.
Der Thronsaal ist vollende Baukunst aus der frühen Joseon-Dynastie
Ikseon-dong Hanok Street
Ein Kontrast dazu ist die Ikseon-dong Hanok Street, die sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Ausgehviertel entwickelt hat. Hier wurden viele Hanoks in Cafés, kleine Boutiquen oder Restaurants umgewandelt, ohne den ursprünglichen Charakter zu verlieren.
In der Ikseon-dong Hanok Street werden viele alte Häuser als Restaurants genutzt
Die Gassen sind schmal, das Viertel wirkt fast improvisiert. Gerade das macht es spannend. Die Architektur bleibt im Kern traditionell, wird aber zeitgemäß genutzt. Dass dieses Viertel vor wenigen Jahren noch vom Abriss bedroht war, ist heute kaum vorstellbar.
Ikseon-dong Hanok Street – Traditionelle Architektur bei Tag und Nacht
Insadong
Nicht weit entfernt liegt Insadong, ein Viertel, das Kultur auf andere Weise zeigt. Hier finden sich Teehäuser, Antiquitätenläden, Kunsthandwerk und traditioneller Bedarf. Auch in Insadong stößt man immer wieder auf Hanoks, die geschickt in die urbane Struktur integriert wurden.
Insadong hat seinen besonderen architektonischen Flair
Manche Gebäude stehen leicht zurückversetzt hinter Innenhöfen, andere wurden mit modernen Glas- und Stahlelementen ergänzt. Insadong wirkt dadurch nicht wie ein Museum, sondern wie ein Ort, an dem Vergangenheit ganz selbstverständlich im Alltag präsent bleibt.
Moderne Architektur in Gangnam
Natürlich durfte auch das moderne Korea nicht fehlen. In Gangnam, dem Inbegriff von Fortschritt, habe ich Hochhäuser, Shoppingmalls und futuristische Bürokomplexe gesehen. Auf den ersten Blick scheint dieser Stadtteil wenig mit der traditionellen Architektur zu tun zu haben. Doch bei genauerem Hinsehen entdeckte ich Parallelen. Viele moderne Gebäude nutzen Tageslicht bewusst, haben offene Räume, begrünte Dächer oder Natursteinfassaden. Es wirkt, als würde Korea auch hier Prinzipien bewahren, ohne sie plakativ zu wiederholen.
Moderne Architektur in Gangnam
Architektur mit Prinzipien
Was koreanische Architektur für mich auszeichnet, ist die Harmonie mit der Umgebung. Viele Hanoks folgen dem Baesanimsu-Prinzip, ein Berg im Rücken, Wasser vor dem Haus. Das sorgt nicht nur für Schutz, sondern auch für ein angenehmes Raumklima. Die verwendeten Materialien, Holz, Stein, Papier, Ton, sind atmungsaktiv und nachhaltig. Die tief gezogenen Dächer schützen vor Sonne und Regen, die flexiblen Schiebetüren lassen sich je nach Jahreszeit und Situation anpassen.
Das Ondol-System, bei dem warme Luft unter dem Fußboden zirkuliert, hat mich besonders beeindruckt. Es sorgt im Winter für angenehme Wärme, während der erhöhte Maru-Boden im Sommer kühlend wirkt. Diese Prinzipien werden auch in der Gegenwartsarchitektur aufgegriffen, sei es in öffentlichen Gebäuden wie der Seoul City Hall oder im Dongdaemun Design Plaza. Dort trifft Innovation auf Tradition, nicht als Widerspruch, sondern als Fortsetzung.
Wer Korea besucht, sollte sich Zeit für diese Bauten nehmen. Man versteht das Land besser, wenn man seine Räume kennt, nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten, sondern auch die stillen Übergänge dazwischen. Architektur in Korea ist kein Nebenschauplatz. Sie ist ein Spiegel der Gesellschaft, präzise, pragmatisch und offen für Veränderung.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Koreanische-Architektur-erleben.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:42:322026-01-30 17:42:32Koreanische Architektur erleben, Hanoks, Paläste und Geschichte zum Anfassen
In Korea gehört Ramyeon zum Alltag. Auch bei mir vergeht kaum ein Aufenthalt in Korea, ohne dass ich mindestens ein paar Packungen davon esse. Egal ob im Convenience Store, abends am Hangang-Ufer oder mal im Restaurant, Ramyeon ist für mich ein fester Bestandteil meiner Zeit in Korea. Nicht, weil es schnell geht, sondern weil es einfach gut schmeckt. Und weil es mehr ist als nur ein paar Instant-Nudeln.
Zubereitung von Ramyeon
Warum Ramyeon in Korea so beliebt ist
Ramyeon ist in Korea viel mehr als nur eine praktische Mahlzeit. Es steht für Bequemlichkeit, Wärme, Würze und ein Stück Alltagskultur. Besonders in den Jahren nach dem Koreakrieg war Ramyeon eine einfache und günstige Möglichkeit, satt zu werden. Die erste koreanische Marke kam 1963 auf den Markt, inspiriert von japanischem Ramen, aber mit eigenem Charakter. Sie war schärfer, unkomplizierter und auf koreanische Vorlieben zugeschnitten.
In den 1970er- und 1980er-Jahren fand Ramyeon seinen Weg in die Supermärkte, Schulmensen und Haushalte. Unterstützt durch Werbung und die neue Convenience-Kultur wurde es rasch zum festen Bestandteil des Alltags. Bis heute gilt es als unkomplizierte Lösung für zwischendurch, als schnelles Abendessen oder als kulinarische Kindheitserinnerung, die man gerne mit anderen teilt.
Oft stehen die Leute an der “Ramyeon-Station“ Schlange, um Ramyeon zuzubereiten
Im Unterschied zum japanischen Ramen, das meist frisch gekocht und mit aufwendiger Brühe serviert wird, basiert koreanisches Ramyeon fast immer auf Instant-Produkten. Die Zubereitung geht schnell, die Würzung ist kräftig, und der Zugang ist einfach, ob zu Hause, im Supermarkt oder im nächsten Convenience Store.
Ramyeon am Fluss
Einer meiner Lieblingsorte für eine Schale Ramyeon ist das Hangang-Ufer. Sobald es dämmert und die Lichter der Stadt angehen, zieht es mich an einen der Convenience Stores am Ufer. Dort gibt es kleine Kochstationen, an denen man das Ramyeon direkt zubereiten kann. Kurz warten, und schon steigt der würzige Dampf aus dem Becher. Ich setze mich dann nah ans Ufer, oder auf die Wiese oder auch einen der vielen Tische nahe der Ramyeon-Stationen. Der Blick über den Fluss, die warme Nudelsuppe in der Hand – das sind die Momente, die ich mit Korea verbinde.
Ein Muss bei einem Seoul Besuch: Ramyeon am Hangang essenWenn man satt ist, teilt man sich einfach eine Portion Ramyeon, denn kein Hangang Abend ohne Ramyeon
Nachtessen im Convenience Store
Ramyeon ist in Korea auch ein typisches Nachtessen. Wenn ich spät unterwegs war und noch Hunger bekomme, gehe ich oft in einen der vielen Convenience Stores. Dort finde ich nicht nur meine Lieblingssorte, sondern auch Toppings wie ein gekochtes Ei oder etwas Kimchi. Ich koche die Nudeln direkt im Store und setze mich auf einen der kleinen Plätze am Fenster. Während draußen das Leben weiterzieht, genieße ich drinnen mein Essen. Das hat fast schon etwas Beruhigendes.
Ramyeon im Restaurant
Wer denkt, Ramyeon sei nur ein günstiger Snack, hat die koreanischen Restaurants noch nicht erlebt. Dort wird Ramyeon oft frisch zubereitet und mit Zutaten wie Ei, Käse, Meeresfrüchten oder Fischkuchen ergänzt. Die Brühe ist kräftiger, die Nudeln etwas dicker, und das Ganze wirkt wie eine richtige Mahlzeit. Ich bestelle es besonders gerne an kühleren Tagen, wenn ich etwas Warmes brauche.
Egal ob im Store oder Restaurant: Beim Ramyeon Essen schlürft man
Welche Sorten es gibt
In Korea gibt es eine enorme Auswahl an Ramyeon. Die bekannteste Marke ist Shin Ramyeon von Nongshim. Es ist scharf, aber nicht übertrieben. Für mich der Klassiker. Wer es extremer mag, greift zu den Buldak Bokkeum Myeon von Samyang, auch als Fire Noodles bekannt. Diese Nudeln sind so scharf, dass sie schon fast Kultstatus erreicht haben. Jin Ramyeon von Ottogi ist etwas milder und in zwei Varianten erhältlich, scharf und mild. Neoguri wiederum bringt einen leicht fischigen Geschmack mit und hat dicke Nudeln, die fast wie Udon wirken.
Eine schier unendliche Ramyeon Auswahl in den Stores
Viele dieser Marken bekommt man inzwischen auch in Deutschland. Ich finde sie in Asia-Läden oder in koreanischen Supermärkten. Der Geschmack ist vergleichbar, aber ich bilde mir ein, dass sie in Korea immer etwas besser schmecken. Vielleicht liegt das an der Umgebung, vielleicht am Wasser, vielleicht ist es einfach die Stimmung.
Ramyeon in K-Dramen
In vielen K-Dramen taucht Ramyeon immer wieder auf. Es wird spätabends gekocht, oft in stillen Momenten oder in Szenen mit romantischer Spannung. Der Satz „Willst du Ramyeon bei mir essen?“ hat längst einen doppeldeutigen Bezug und ist inzwischen fester Bestandteil koreanischer Popkultur.
Kochen mit Technik
Auch wenn Ramyeon einfach aussieht, schwören viele Koreaner auf ihre ganz eigene Zubereitungsmethode. Manche kochen die Nudeln extra lange, andere geben das Pulver erst später dazu. Ich habe auch schon Varianten gesehen, bei denen Käse, Tofu, Wurst oder sogar Tteok hinzugefügt werden. Das Ganze wird dann zum kleinen Kochprojekt. Ich selbst halte es eher klassisch, aber ein Ei kommt bei mir fast immer dazu oder mal eine Scheibe Käse.
Egal wo man es isst, Ramyeon in Korea schmeckt immer
Warum Ramyeon für mich dazugehört
Ich esse Ramyeon nicht, weil ich keine Alternativen habe. Ich esse es, weil es für mich zu Korea gehört. Es ist unkompliziert, würzig, überall verfügbar und immer genau das Richtige, wenn der Moment passt.
Wer es noch nicht probiert hat, sollte es unbedingt nachholen, in Deutschland oder, noch besser, direkt vor Ort in Korea.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Ramyeon.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:41:442026-01-30 17:41:44Ramyeon gehört in Korea einfach dazu
Wer in den vergangenen Monaten das Blaue Haus (kor. 청와대) besucht hat, spürte sofort die besondere Atmosphäre dieses Ortes. Die Tore zu Koreas früherem Präsidentensitz standen offen. Etwas, das bis 2022 undenkbar gewesen wäre. Jahrzehntelang galt Cheong Wa Dae als abgeschirmter Ort politischer Macht, unzugänglich für die Bevölkerung. Erst seit dem Umzug der Präsidialverwaltung in ein Ministeriumsgebäude ist das Gelände für Besucher frei zugänglich. Für viele war das eine kleine Sensation. Ein historisch bedeutender Ort, der plötzlich allen offenstand. Das Blaue Haus entwickelte sich schnell zu einem beliebten Ziel für Einheimische und Touristen.
Mit der Wahl von Lee Jae-myung zum neuen Präsidenten am 03. Juni 2025 ist nun klar, dass das Blaue Haus wieder offizieller Regierungssitz werden soll. Der Beschluss zur Rückverlegung ist gefasst, die Vorbereitungen laufen. Seit Anfang Juni sind erste Bereiche für Besucher gesperrt. Ab dem 01. August wird das gesamte Gelände einschließlich Hauptgebäude wohl bis auf Weiteres geschlossen. Diese Nachricht trieb die Besucherzahlen in den letzten Wochen und Tagen immens in die Höhe.
Die Korea.net-Ehrenberichterstatter Manuel Guthmann und Jasmin Mikolay waren auf getrennten Touren durch das Blaue Haus unterwegs und sammelten dabei jeweils ganz eigene Eindrücke. Ihre unterschiedlichen Perspektiven spiegeln die Vielfalt dessen wider, was dieser geschichtsträchtige Ort bei seinen Besuchern auslöst.
Kurz vor der möglichen und historischen Wieder-Schließung des Blauen Hauses als öffentlicher Ort fassen sie in diesem Artikel ihre Erfahrungen und Gedanken zusammen als einen gemeinsamen Rückblick auf einen einzigartigen Moment koreanischer Zeitgeschichte.
Jasmin, du warst nach der Öffnung für die Öffentlichkeit im Blauen Haus. Was hat dich bei diesem Besuch am meisten beeindruckt?
Der Besuch im Blauen Haus war für mich eine wahre Reizüberflutung und das im positiven Sinne gemeint. Schon im Eingangsbereich wusste ich kaum, wohin ich zuerst blicken sollte. Alles war so eindrucksvoll: die ganzen Holzelemente, die überall dezent eingearbeiteten koreanischen Symbole, von der Türklinke bis zum Teppichboden. Jedes Detail schien eine Geschichte zu erzählen. Erst beim Durchschreiten dieser Räume wurde mir klar, warum dieses Haus einst Ort bedeutender Staatsempfänge war. Es war faszinierend, einen Blick hinter Türen zu werfen, die so lange der Öffentlichkeit verschlossen geblieben sind. Das Interieur ist nicht nur beeindruckend schön, sondern trägt auf stille Weise die Würde und Geschichte des Ortes in sich.
Manuel, wie hast du das Gelände des Blauen Hauses bei deinem Besuch erlebt?
Ich war überrascht, wie ruhig und weitläufig es dort ist. Die gesamte Anlage wirkte fast wie ein gepflegter öffentlicher Park. Besonders die Kombination aus klarer Wegführung, offenen Gartenflächen und traditioneller Architektur hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Verbindung von Natur und Baukunst war sehr harmonisch. Alles hatte eine besondere Würde, ohne aufdringlich zu wirken. Ganz typisch koreanisch.
Jasmin, gab es einen Moment, der für dich besonders symbolisch oder emotional war?
Ein besonders symbolischer Moment für mich war der Besuch im Frauenbereich des Blauen Hauses, bei dem die First Ladies Koreas als Porträts an den Wänden verewigt sind. Bewegend fand ich, dass Franziska Donner – eine gebürtige Österreicherin – als erste First Lady in die Geschichte der Republik Korea einging. Dass eine Frau aus Europa, so weit entfernt von ihrer Heimat, Teil der koreanischen Geschichte wurde, hat mich stark beeindruckt. Es war faszinierend, Zeitgeschichte auf diese persönliche Weise zu erleben. Das Blaue Haus mit eigenen Augen zu sehen und durch die verschiedenen historischen Räume zu gehen, war ein einmaliges Erlebnis, das mir lange in Erinnerung bleiben wird.
Manuel, du kanntest das Blaue Haus also schon vor deinem Besuch?
Ja, absolut. Ich hatte mich schon früh mit der politischen Geschichte Koreas beschäftigt und das Blaue Haus war mir als Symbol dieser Geschichte sehr präsent. Auch aus vielen K-Dramen war es mir bekannt. Aber als ich dann wirklich davorstand, war es trotzdem ein besonderer Moment. Es war beeindruckend, plötzlich an einem Ort zu stehen, den man bisher nur von Bildern und aus der Ferne kannte.
Jasmin, was denkst du über die Entscheidung, das Blaue Haus wieder zum Regierungssitz zu machen und magst Du uns die Geschichte des Hauses in Erinnerung rufen?
Das Blaue Haus ist ein Symbol koreanischer Geschichte und Identität. Über Jahrzehnte hinweg diente es als Regierungssitz und offizieller Wohnsitz der Präsidenten seit 1948. Zugleich war es ein Ort politischer Entscheidungen, diplomatischer Begegnungen und nicht zuletzt auch stiller Macht. Dass es nach der Öffnung im Mai 2022 für die Öffentlichkeit nun wieder als Regierungssitz in Betracht gezogen wird, sehe ich mit gemischten Gefühlen. Einerseits verstehe ich den Wunsch, an die historische Bedeutung des Hauses anzuknüpfen. Andererseits war die Öffnung ein starkes Zeichen von Transparenz und Bürgernähe. Das hat es vielen Menschen ermöglicht, Geschichte selbst hautnah zu erleben und einmal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Ich persönlich empfinde es als etwas Besonderes, dass ich das Blaue Haus in dieser offenen Phase besuchen durfte. Es wäre schön, wenn auch zukünftige Generationen diesen Zugang behalten könnten, weil es schon ein Ort der Begegnung zwischen Vergangenheit und Gegenwart repräsentiert.
Ein gemeinsamer Blick zurück: Ein Ort zwischen Geschichte und Gegenwart
Die persönlichen Eindrücke von Jasmin Mikolay und Manuel Guthmann machen deutlich, wie vielfältig und vielschichtig ein Besuch im Blauen Haus werden kann. Es ist eine Begegnung mit koreanischer Geschichte in all ihren Facetten: politisch, architektonisch, kulturell und emotional. Ob durch die Augen einer Besucherin, die sich von Details und Symbolen bewegen ließ, oder aus der Perspektive eines langjährigen Korea-Interessierten, der nun erstmals selbst vor Ort stand: Beide Erfahrungsberichte zeigen, wie stark Cheong Wa Dae als kultureller Gedächtnisort wirkt.
Gerade jetzt, da das Blaue Haus erneut als Regierungssitz vorbereitet wird und sich seine Tore womöglich bald dauerhaft schließen, bekommt dieser Rückblick besondere Relevanz. In dieser aktuellen Phase des Wandels wird spürbar, wie wertvoll die kurze Zeit war, in der dieser geschichtsträchtige Ort für alle offenstand und wie unmittelbar Geschichte erlebbar wird, wenn sie nicht hinter Mauern verborgen bleibt.
Fazit und Ausblick
Ein Besuch im Blauen Haus lohnt sich gerade jetzt ganz besonders, denn seine Zukunft als öffentlich zugänglicher Ort ist ungewiss. Noch bis zum 14. Juli 2025 sind reguläre Besichtigungen möglich, vom 16. bis 31. Juli 2025 gelten eingeschränkte Besuchszeiten. Ab dem 1. August 2025 wird das Gelände voraussichtlich wieder für die Öffentlichkeit geschlossen. Ob und wann eine erneute Öffnung erfolgen kann, bleibt offen und hängt stark von sicherheitspolitischen und baulichen Entscheidungen ab.
Vielleicht war es wirklich ein letzter Blick, bevor sich die Tore des Blauen Hauses erneut dauerhaft schließen. Umso bedeutungsvoller ist es, diesen Ort jetzt zu besuchen und die Eindrücke in Bildern, Gedanken und Erinnerungen festzuhalten. Das Blaue Haus ist nicht nur ein Schauplatz politischer Geschichte, sondern auch ein emotionales Symbol der koreanischen Identität. Wer es besucht, nimmt ein Stück davon mit.
Für all jene, die es nicht mehr persönlich nach Seoul schaffen, bieten digitale Rundgänge und offizielle Tourvideos dennoch eine Möglichkeit, sich einen Eindruck von der Atmosphäre und Bedeutung dieses geschichtsträchtigen Ortes zu verschaffen. Das Blaue Haus bleibt – ob virtuell oder real – ein Fenster zur Seele der koreanischen Nation.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Blaues-Haus.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:40:462026-01-30 17:40:46Ein letztes Mal durch das Blaue Haus?
Wer Märkte in Korea erleben will, kommt an Gwangjang nicht vorbei. Zentral gelegen, bekannt für Streetfood, voller Leben und für viele die erste Adresse in Seoul. Ganz anders der Gugyeong Market in Danyang, einer kleineren Stadt am Fluss Namhangang, deren Markt kaum auf klassischen Reiserouten steht, aber genau deshalb interessant ist.
Zwei Märkte, die nicht nur geografisch weit auseinanderliegen, sondern auch atmosphärisch. Der eine voll und gedrängt, der andere überschaubar und bodenständig. Beide sind auf ihre Weise typisch und zeigen, wie vielseitig Marktbesuche in Korea sein können.
Gwangjang Market: Viel zu sehen, viel zu erleben
Wenn ich durch den Gwangjang Market gehe, muss ich mich konzentrieren, um nicht mit anderen Besuchern zu kollidieren. Die Gänge sind eng, die Geräuschkulisse ist hoch. In der Mitte sitzen Menschen auf kleinen Hockern vor Imbissständen. Manche schauen auf ihre Telefone, andere filmen oder fotografieren.
Ich bin bei jedem Besuch in Seoul auch auf dem Markt, und natürlich esse ich dort immer etwas Traditionelles Koreanisches, etwas Herzhaftes und etwas Süßes.
Der Markt wurde 1905 gegründet und zählt heute zu den ältesten und größten Märkten des Landes. Mit einer Geschichte, die bis in die Joseon-Dynastie zurückreicht, ist er ein geschäftiger Mittelpunkt von Kultur, Küche und Handel. Er erstreckt sich über rund 42.000 Quadratmeter und bietet mehr als 5.000 Verkaufsstände, die täglich von etwa 65.000 Menschen besucht werden.
Neben Streetfood gibt es frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch. Außerdem werden Textilien, Hanbok, Haushaltswaren und traditionelle Produkte angeboten. Die oberen Etagen sind bekannt für Stoffe, Bettwäsche und Schneidereien.
Einige Stände sind auch durch die Netflix-Serie „Street Food: Asia“ bekannt geworden. Besonders die Nudelverkäuferin Cho Yonsoon, die ihre handgezogenen Kalguksu-Nudeln in einer kleinen Gasse innerhalb des Marktes zubereitet und deren Stand sich gleich am Eingang in der Nähe von Jongno 5-ga befindet, ist heute eine Art Sehenswürdigkeit.
Danyang: Platz, Ruhe und regionale Spezialitäten
Danyang liegt in der Provinz Chungcheongbuk-do, rund zwei Stunden südöstlich von Seoul. Der Markt befindet sich im Zentrum der Stadt, unweit des Flusses Namhangang und ist ein lokaler Treffpunkt für die Menschen aus der Region.
Der Hauptmarkt in Danyang heißt Danyang Gugyeong Traditional Market, oft einfach Danyang Gugyeong Markt genannt. Er wurde als einer der „K‑Tourism Markets“ ausgezeichnet, ein Zeichen seiner Bedeutung als Touristenziel.
Der Markt in Danyang wirkt offener als der Gwangjang Markt in Seoul. Weniger Stände, breitere Wege, mehr Raum zum Schauen und Stehen.
Ich war mit Freunden abends auf dem Markt. Wir schlenderten durch die Gänge, probierten einige der angebotenen Speisen und entscheiden uns schließlich für Mandu. Später entdeckten wir Croissants mit Knoblauchpaste, die wir unbedingt probieren mussten.
Der Markt ist berühmt für Knoblauch‑Küche: von knusprig gebratener Knoblauchhühnergangjeong über Knoblauch‑Pfannkuchen, Knochenbrühe, Knoblauch‑Mandu bis hin zu schwarzem Knoblauch‑Gebäck. Alles made in Danyang.
Das Angebot ist vielfältig: Gemüse, Obst, frischer Fisch, Fleisch, Tteok, Speisen zum Mitnehmen und einige Haushaltswaren. Viele kaufen Zutaten für zu Hause, nicht nur fertiges Essen. Auffällig ist das Angebot an Knoblauchprodukten, eine Spezialität der Region. Der Markt besteht aus drei überdachten Gängen mit insgesamt einigen hundert Ständen und ist vor allem für Bewohner aus Danyang und Umgebung gedacht.
Marktvielfalt in Korea und Deutschland
In ganz Korea gibt es rund 1.400 traditionelle Märkte. In Seoul reihen sich neben dem Gwangjang Market noch weitere zentrale Märkte wie Namdaemun, Noryangjin, Tongin, Gyeongdong oder Bangsan aneinander. In Busan sorgen Märkte wie Jagalchi, Gukje oder Haeundae für regional ganz eigene Markt-Kultur.
Außerdem findet man Märkte in fast jeder Kleinstadt und ländlichen Region. Sie bieten hauptsächlich frische Lebensmittel, regionale Spezialitäten und Haushaltswaren. Diese Märkte gehören fest zum koreanischen Alltag und erfüllen auch heute noch eine wichtige Funktion in der Nahversorgung.
Im Vergleich zu Deutschland wirken Koreas Märkte deutlich lebendiger und vielfältiger, nicht nur im Angebot, sondern auch durch die Häufigkeit. Während Wochenmärkte in deutschen Städten meist an ein oder zwei Tagen pro Woche stattfinden, gibt es in Korea an fast jedem Tag irgendwo einen Markt. Und nicht selten sind sie überdacht, wettergeschützt und mit Infrastruktur wie Parkplätzen, Toiletten und Sitzbereichen ausgestattet.
Standorte und Öffnungszeiten
Der Gwangjang Market liegt im Stadtteil Jongno in zentraler Lage von Seoul. Die nächste U-Bahn-Station ist Jongno 5-ga, erreichbar mit den Linien 1 und 2. Der Markt ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Streetfoodstände haben in der Regel bis etwa 23 Uhr geöffnet. Sonntags konzentriert sich das Geschehen auf den unteren Bereich mit Imbissständen, während die oberen Etagen mit Textilien meist geschlossen bleiben.
Der Gugyeong Market in Danyang befindet sich im Zentrum der Stadt, etwa zehn Gehminuten vom Intercity Bus Terminal entfernt. Die Öffnungszeiten sind täglich von 8 bis 20 Uhr, samstags bis 21:30 Uhr. Besonders am Wochenende ist der Markt gut besucht.
Fazit
Märkte in Korea sind mehr als nur Orte zum Essen. Viele Stände bieten neben traditionellen Speisen auch kostenlose Kostproben an, kleine Snacks oder Beilagen, die man sonst vielleicht nie probiert hätte. Doch es geht nicht nur ums Probieren. Auch die Atmosphäre, das Sortiment, die Gespräche und das Miteinander machen einen Marktbesuch besonders.
In Seoul ist alles enger, lauter und schneller. In Danyang geht es ruhiger und alltäglicher zu. Beide Orte zeigen, wie unterschiedlich der Marktalltag in Korea aussehen kann.
Wer Korea wirklich erleben möchte, sollte sich mindestens einen Markt anschauen. Es lohnt sich und manchmal entdeckt man dabei mehr, als man vorher erwartet hätte.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Marktbesuche-in-Korea.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:35:222026-01-30 17:35:22Zwei Märkte, zwei Gesichter – Marktbesuche in Korea
Mitten im dichten Verkehr der Megastadt Seoul gibt es einen Ort, der überrascht. Er liegt auf einer alten Autobrücke, die einst dazu diente, Menschen und Autos möglichst schnell durch die Stadt zu schleusen. Heute schlendere ich genau dort entlang, zwischen Bäumen, Blumen und Bänken. Die Rede ist von Seoullo 7017, einem Hochpark direkt neben dem Hauptbahnhof von Seoul.
Ich war zum ersten Mal auf der Seoullo 7017, als mich Bekannte nach dem Essen dorthin mitgenommen haben. Sie mochten den Ort und ich wusste gar nicht, wo ich bin oder was mich erwartet. Plötzlich war ich mittendrin, irgendwo oberhalb der Straße, zwischen Pflanzen und entfernten Stadtgeräuschen.
Die Straße unter uns war voller Autos, doch hier oben war es ruhig. Große runde Pflanzkübel, kleine Bäume, Musik irgendwo aus der Ferne und ein ganz eigener Blick auf die Stadt. Alles wirkte entspannter, fast wie eine kleine grüne Insel über dem Asphalt. Damit hatte ich mitten im Zentrum von Seoul wirklich nicht gerechnet.
Vom Autoverkehr zum Fußwegparadies
Der Name Seoullo 7017 ist nicht einfach irgendein Titel. Die Zahl 70 steht für das Jahr 1970, in dem die Brücke ursprünglich gebaut wurde. Und 17 verweist auf das Jahr 2017, in dem sie als Fußgängerzone und städtischer Garten neu eröffnet wurde. Dazu kommt noch ein schönes Wortspiel. Seoullo bedeutet so viel wie Seouls Weg oder Weg durch Seoul.
Was mich an diesem Ort fasziniert, ist der Wandel. Unten rollen Autos, oben flaniert man zwischen kleinen Ahornbäumen, Rosmarinbeeten und Kunstinstallationen. Über 20 000 Pflanzen und über 200 verschiedene Arten wurden hier auf einer Länge von rund einem Kilometer angepflanzt. In großen, runden Pflanzkübeln stehen sie in alphabetischer Reihenfolge, wie ein botanisches Wörterbuch zum Durchlaufen.
Ideal für einen kurzen Stopp oder einen entspannten Spaziergang
Seoullo 7017 ist kein klassischer Park, in dem man sich stundenlang auf der Wiese niederlässt. Es ist eher ein Weg, der einlädt, sich treiben zu lassen. Für mich ist es ein perfekter Ort, um kurz zur Ruhe zu kommen, Fotos zu machen oder Seoul aus einer neuen Perspektive zu erleben.
Ein Symbol für den Wandel Seouls
Für mich steht Seoullo 7017 auch sinnbildlich für das moderne Seoul. Hier wird nicht einfach abgerissen und neu gebaut. Stattdessen verwandelt man etwas Altes in etwas völlig Neues. Eine Straße wird zum Garten, Beton zum Ort der Begegnung. Und genau das liebe ich an Korea, diese kreative Art, Stadtentwicklung zu denken.
Wie kommt man zu Seoullo 7017
Seoullo 7017 liegt direkt an der Seoul Station, dem zentralen Bahnhof der Stadt. Mehrere U-Bahn-Linien halten dort, darunter Linie 1, Linie 4, die Airport Express-Linie AREX und die Gyeongui-Jungang-Linie. Am besten nutzt man Ausgang 1 oder 2, von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zum Beginn des Skygardens. Auch Ausgang 7 im Bereich AREX oder Gyeongui-Jungang sowie Hoehyeon Station (Linie 4, Ausgang 5) sind gut erreichbar.
Wer lieber mit dem Bus fährt, findet rund um die Station zahlreiche Haltestellen. Linien wie 1711, 7011 oder 7016 halten ganz in der Nähe und bringen einen bequem bis zum Eingang des Parks. Auch von Namdaemun oder dem Lotte Outlet aus ist es nur ein kurzer Spaziergang.
Öffnungszeiten
Die Brücke ist täglich 24 Stunden kostenlos geöffnet.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Namdaemun Gate (Sungnyemun): das große historische Stadttor liegt gleich um die Ecke. Ebenso Seoul Station 284, ein ehemaliges Bahnhofsgelände, das heute als Kulturzentrum dient. Auch der Namdaemun Market, einer der ältesten und quirligsten Märkte der Stadt, der ideal für Snacks und Souvenirs ist, ist nicht weit entfernt. Wer weiterlaufen möchte, erreicht nach etwa fünfzehn bis zwanzig Minuten Fußweg die Talstation der berühmten Namsan-Seilbahn, hinauf zum N Seoul Tower.
Nicht verpassen
Wenn du Seoul einmal aus einem anderen Blickwinkel erleben möchtest, dann lohnt sich ein Spaziergang über Seoullo 7017. Für mich war es eine dieser Entdeckungen, die unerwartet kamen und genau deshalb in Erinnerung geblieben sind.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Seoullo-TEASER.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:34:372026-01-30 17:34:37Seoul von oben: Spaziergang über die Seoullo 7017 Skygarden
Wenn ich an meine kulinarischen Reisen durch Korea denke, fällt mir ein Gericht immer wieder ein: Fried Chicken. Oder wie man hier sagt: 치킨, Chikin. Ein simples Wort, hinter dem sich eine ganze Kultur verbirgt. Kaum ein anderes Gericht ist in Korea so allgegenwärtig, so kreativ interpretiert und so sehr mit dem modernen Alltagsleben verbunden wie dieses knusprige Stück Hähnchen.
Ein Klassiker in Korea: Chimaek = Chicken & Maekju (Bier)
Ich erinnere mich noch gut an mein erstes echtes Chikin-Erlebnis in Korea. Es war ein lauer Abend in einem Chicken-Restaurant in Hongdae. Ich saß mit Freunden und auf unserem Tisch standen mehrere frisch zubereitete Varianten von Fried Chicken: dampfend, duftend und unwiderstehlich. Dazu eisgekühltes Bier. Chimaek, die legendäre Kombination aus Chicken und Maekju (Bier), war geboren, zumindest für mich. In Wahrheit ist diese Kombi längst ein fester Bestandteil koreanischer Ausgehkultur. Sie steht für Geselligkeit, für unkomplizierte Treffen, für das Teilen und Genießen. Und wer mag, greift nicht nur zum Bier, sondern rundet das Ganze mit einer Flasche Soju ab. Diese Kombination ist in Korea genauso beliebt wie gefährlich lecker.
Bei einem Abend mit Freunden, trinkt man oft auch Soju zum Chicken
Der Weg zum Kultgericht
Dabei hat sich Chikin in Korea über die Jahrzehnte von einem einfachen Gericht zu einer echten Alltagsikone entwickelt. Ursprünglich in den 1960er Jahren als eher seltene Mahlzeit eingeführt, wurde frittiertes Hähnchen durch wirtschaftliches Wachstum und technologische Entwicklungen, insbesondere Fritteusen, immer beliebter. Spätestens seit den 1980er Jahren, als die ersten spezialisierten Chicken-Franchise-Restaurants entstanden, ist das Gericht nicht mehr aus dem koreanischen Alltag wegzudenken.
In vielen Restaurants in Koreas bestellt man am Terminal, oft holt man auch die Getränke selbst
Chicken überall und jederzeit
In Korea bekommt man wirklich überall Chicken: in belebten Straßen, in ruhigen Wohnvierteln, in kleinen Imbissen, in trendigen Restaurants, am Hangang-Ufer und sogar im Baseballstadion, wo es vor dem Spiel oder in den Pausen frisch verkauft wird.
Chicken als Snack bei einem Baseballspiel der Hanwha Eagles
Egal wo man ist, irgendwo in der Nähe brutzelt garantiert gerade Chicken. Und wer abends keine Lust hat, rauszugehen, bestellt einfach per App mit wenigen Klicks. Die Lieferung gehört längst zum Alltag.
Lieferdienste prägen nicht nur das Straßenbild, sondern auch den Alltag der Koreaner, die regelmäßig Essen bestellen
Besonders nach Feierabend sieht man viele Koreaner mit einer Tüte Chicken und ein paar Dosen Bier auf dem Heimweg. Für viele ist das mehr als nur ein Abendessen. Es ist ein vertrauter Moment zum Abschalten und Genießen. Chicken ist in Korea eben nicht nur ein Gericht, sondern fast schon ein Lebensgefühl.
Vielfalt mit Biss
Besonders fasziniert mich die Vielfalt. Es gibt das klassische, knusprig panierte Original, das süß-scharfe Yangnyeom Chicken mit roter Gochujang-Soße, die mit Knoblauch veredelte Variante oder Chicken mit Käse überbacken. Manche sind knusprig und trocken, andere werden zweimal frittiert, um die perfekte Balance zwischen Saftigkeit und Crunch zu erreichen.
Chicken mit verschiedenen Saucen oder mit Käse überbacken
Es gibt boneless Chicken, Wings, Drumsticks und ja, sogar vegane Alternativen sind inzwischen im Kommen. Jeder Anbieter hat sein eigenes Rezept, seine eigene Handschrift. Und genau das macht es spannend. Jedes neue Restaurant ist wie eine kleine kulinarische Schatzsuche.
Ein Gericht für jede Gelegenheit
Was mich an Chikin aber besonders begeistert, ist nicht nur der Geschmack, sondern die soziale Komponente. Es ist kein Gericht, das man allein bestellt. Man teilt es mit Freunden, mit Kollegen nach der Arbeit, bei Spieleabenden oder zum Finale einer K-Drama-Serie. Fried Chicken ist in Korea mehr als Fast Food. Es ist ein Stück Alltag, ein Ritual.
Ob mit Knochen oder boneless: das koreanische Chicken muss man probiert haben
Ein beliebter Spruch sagt: Wenn du nicht weißt, was du essen sollst, iss Chicken. Und das stimmt. Es passt immer, ob zum Feierabendbier, als Trostessen nach einem anstrengenden Tag oder als Highlight eines gemütlichen Abends. Chicken ist immer die richtige Wahl.
Das koreanische Fried Chicken ist Kult und in Korea äußerst beliebt
Das moderne Herz der koreanischen Esskultur
Für viele ist Kimchi das Nationalgericht Koreas, und das zurecht. Doch wer durch Korea reist, merkt schnell: Fried Chicken ist mindestens genauso präsent. Es gehört zum Alltag, zu Abenden mit Freunden, zu Gesprächen bei Bier und Soju. Es ist unkompliziert, ehrlich und voller Geschmack. Wer Korea wirklich erleben will, kommt an Chicken nicht vorbei.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Knusprig-saftig-Kult.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:33:382026-01-30 17:33:38Knusprig, saftig, Kult: Warum Korea verrückt nach Fried Chicken ist
Wer in Korea auf der Suche nach einem Ort ist, an dem Natur, Abenteuer und eine Portion Nervenkitzel aufeinandertreffen, landet früher oder später beim Mancheonha Skywalk.
Der Mancheonha Skywalk ist eine faszinierende architektonische Aussichtsplattform
Der Blick über das Tal von Danyang und den Namhangang, eingerahmt von grünen Bergen und weiten Feldern, war bereits vom Parkplatz aus beeindruckend. Doch was einen oben wirklich erwartet, lässt sich von unten kaum erahnen. Ich hatte keine Vorstellung, wie eindrucksvoll der Ausblick und das Erlebnis dort oben tatsächlich sein würden. Das wurde mir erst beim Aufstieg bewusst.
Schon am Parkplatz kann man die Schönheit der Natur und des Ausblicks erahnenDieser gigantische Ausblick erwartet einen oben vom Mancheonha Skywalk
Schon der Aufstieg war Teil des Erlebnisses. Über eine lange Holztreppe lief ich wie in einer Spirale nach oben, immer höher hinauf, vorbei an Kiefern und Laubbäumen. Immer wieder blitzten durch die Bäume Teile der Glasplattform, die das Ziel dieser besonderen Wanderung markierten.
Der Aufstieg ist spiralenförmig nach oben
Oben angekommen stand ich plötzlich 80 Meter über dem Fluss, nur eine Glasscheibe trennte mich vom scheinbar endlosen Abgrund. Ich wagte den ersten Schritt. Mein Blick fiel durch das transparente Glas direkt hinunter auf die sich windenden Wassermassen des Namhangang. Es fühlte sich an, als würde ich schweben.
Ein traumhafter Ausblick schon beim Aufstieg
Ein Gefühl von Freiheit
Der Mancheonha Skywalk besteht aus drei Auslegern, die sich wie Finger in die Landschaft strecken. Die Plattform ist so gebaut, dass man fast vergisst, dass man eigentlich festen Boden unter den Füßen hat. Jeder Schritt auf dem Glasboden war ein kleiner Adrenalinkick und gleichzeitig eine Einladung, kurz stehenzubleiben und die atemberaubende Kulisse zu genießen. Um mich herum sah ich viele begeisterte Besucher, die den Ausblick genossen und immer wieder ihr Handy für Selfies und Fotos zückten. Es war sofort zu spüren, wie sehr allen der Skywalk gefiel.
Ein perfekter Ort für Selfies und gute Fotomotive, ob wie hier im Herbst oder auch im Frühjahr oder Sommer
Tempo, Kurven, Nervenkitzel: Die spektakuläre Rutsche
Doch der Skywalk bot noch mehr als den grandiosen Ausblick. Ein echtes Highlight für mich war die lange, kurvige Röhre, die sogenannte Mancheonha Slide. In einer Art Schlafsack liegend, startete ich oben auf der Plattform und sauste dann in rasanter Fahrt durch die sehr steile und extrem kurvige Röhre talwärts. Bis zu 50 Kilometer pro Stunde sind hier möglich, das spürt man. Während der rasanten Abfahrt bekam man vom Drumherum allerdings nichts mit, denn die Röhre ist komplett geschlossen und nicht durchsichtig.
Mit Highspeed-Geschwindigkeit und dem Adrenalinkick ins Tal
Wer es lieber gemächlicher mochte, konnte mit dem Alpine Coaster durch den Wald fahren. Gerade für Familien mit Kindern ist der Skywalk ein abwechslungsreiches Ausflugsziel.
Architektur trifft Natur
Mich hat besonders beeindruckt, wie sich der Skywalk trotz seiner modernen Architektur harmonisch in die Natur eingefügt hat. Dort oben, hoch über dem Tal, habe ich wieder einmal gespürt, wie facettenreich und beeindruckend Korea ist. Der Mancheonha Skywalk war für mich kein Ort für einen schnellen Fotostopp. Hier lohnte es sich, Zeit zu verbringen und den Moment wirklich auszukosten.
80 Meter über dem Fluss auf einer Glasplattform, die aus dem Skywalk herausragt
Das Stehen auf dem Glasboden hoch über dem Fluss hatte für mich einen ganz besonderen Reiz. Die Perspektive auf die Landschaft war einmalig und ich habe es genossen, diesen Ausblick ganz in Ruhe auf mich wirken zu lassen.
Mancheonha Skywalk liegt in der Nähe der Stadt Danyang
Die Region Danyang entdecken
Der Mancheonha Skywalk liegt in der Nähe der Stadt Danyang in der Provinz Chungcheongbuk-do. Die Region ist berühmt für ihre spektakulären Felsformationen, Höhlen und Flusstäler und gilt als eines der schönsten Naturparadiese Koreas. Viele verbinden den Skywalk-Besuch mit einem Ausflug zu den berühmten Acht Aussichten von Danyang, Wanderungen im Sobaeksan-Nationalpark oder Bootsfahrten auf dem Namhangang.
Danyang ist von Seoul aus bequem mit dem Zug oder dem Intercity-Bus erreichbar. Vom Bahnhof oder Busbahnhof Danyang fahren regelmäßig Shuttlebusse oder Taxis zum Mancheonha Skywalk. Wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist, findet vor Ort ausreichend Parkmöglichkeiten.
Ich kann den Besuch am Mancheonha Skywalk zu jeder Jahreszeit wirklich empfehlen. Der Ausblick und die moderne Bauweise sind beeindruckend und bleiben im Gedächtnis. Für mich war es ein besonders schöner Ausflug, abwechslungsreich, beeindruckend und definitiv eines der Highlights meiner Reise durch Korea.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Skywalk.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:31:322026-01-30 17:31:32Schwindelerregend schön: Der Mancheonha Skywalk in Korea
Ein sanfter Ruck und ich schwebe lautlos über die Baumwipfel. Hinter mir breitet sich der Cheongpungho aus, ein großer See in der Region Jecheon, dessen glitzernde Wasserflächen zwischen Hügeln und Inseln liegen. Die Fahrt mit der Cheongpung Lake Cable Car bringt mich zum 531 Meter hohen Bibongsan. Während der Auf- und natürlich auch der Abfahrt bietet sie eine atemberaubende Aussicht.
Hier an der Talstation geht es los
Die Region rund um den Cheongpungho liegt in Chungcheongbuk-do, einer eher ländlich geprägten Provinz in der Landesmitte. Wer Korea meist nur mit Seoul oder Busan verbindet, entdeckt hier eine ganz andere Seite des Landes. Ruhiger, naturnaher und doch gut erreichbar.
Ein Blick zurück auf die Talstation kurz nach dem Start
Über Wälder hinweg zum Gipfel
Die Seilbahn verbindet das Tal in Multae-ri mit dem 531 Meter hohen Gipfel des Bibongsan. In gerade einmal zehn Minuten bringt mich eine der modernen Kabinen durch eine grüne Hügellandschaft hinauf zum Gipfel. Die Strecke ist 2,3 Kilometer lang. Insgesamt sind 43 Gondeln im Einsatz, zehn davon mit gläsernem Boden. Ich habe mich für eine normale Kabine entschieden, aber selbst die bietet genug Ausblick, um die Fahrt als echtes Panoramaerlebnis zu empfinden.
Ausblick während der Auffahrt mit der Cheongpung Lake Cable CarOben angekommen erwartet einen kurz nach dem Aussteigen ein unbeschreibliches Panorama
Der Blick vom Gipfel mit unendlicher Weite und Stille
Oben angekommen lasse ich den Blick einfach schweifen. Der Cheongpungho liegt in warmes Abendlicht getaucht. Ein weiter, offener Blick über See, Berge und das weite Land. Ich habe den Sonnenuntergang erwischt, und es hat sich gelohnt. Je nach Tageszeit verändert sich die Stimmung. Manchmal sanft und golden, manchmal klar und weit.
Ein gigantischer Sonnenuntergang in einer traumhaften Natur
Ein Ort, der mehr kann als nur Aussicht
Mich hat fasziniert, wie unkompliziert und gleichzeitig eindrucksvoll dieser Ort erlebbar ist. Die Seilbahn bringt einen bequem hinauf, und oben erwartet mich mehr als nur ein schöner Blick. Die Plattform am Gipfel ist großzügig angelegt, mit mehreren Ebenen und freien Sichtachsen in alle Richtungen. Ich konnte mich kaum entscheiden, wo ich zuerst hinschauen sollte. Jede Perspektive wirkt anders.
Die Auszeichnung „한국관광의 별“ („Tourismusstern Koreas“) wird jährlich an besonders herausragende touristische Orte in Korea vergeben. In diesem Fall wurde die Cheongpung Lake Cable Car vom MCST 2020 damit ausgezeichnet.
Wer Lust auf noch mehr Eindrücke hat, kann unten an der Talstation das kleine Besucherzentrum mit seinem 360-Grad-Kino besuchen oder eine Bootsfahrt auf dem See anschließen. Das lässt sich auch als Kombiticket buchen.
Natürlich gibt es auch Hotspots für coole Social Media Fotos
In Korea hat sich die Cheongpung Lake Cable Car längst einen Namen gemacht. Sie steht für einen Ausflug, der sich unkompliziert umsetzen lässt. Vielleicht gerade deshalb ist sie inzwischen kein Geheimtipp mehr. Auch viele Koreaner besuchen den Ort gern, ob als Tagesausflug von Seoul oder als Etappe auf einer Rundreise durch das Land.
Öffnungszeiten, Preise und Anreise im Überblick
Die Seilbahn verkehrt das ganze Jahr über und ist täglich von 9:30 Uhr bis 17:30 Uhr geöffnet. Bei schlechtem Wetter wird der Betrieb aus Sicherheitsgründen ausgesetzt. Die einfache Fahrt kostet aktuell 18.000 Won für Erwachsene. Eine Hin- und Rückfahrt in einer Kabine mit Glasboden liegt bei 23.000 Won. Kinder und Senioren zahlen jeweils etwas weniger. An Wochenenden kann es gerade vormittags voll werden. Wer Wartezeiten vermeiden will, bucht am besten online vor.
Eine Fahrt mit der Cheongpung Lake Cable Car führt auf den Bibongsan lohnt sich definitiv
Die Cheongpung Lake Cable Car liegt in der Provinz Chungcheongbuk-do, in der Stadt Jecheon. Von Seoul aus ist sie in etwa zwei Stunden mit dem Auto erreichbar. Alternativ fährt man mit dem Zug bis Jecheon Station und nimmt von dort ein Taxi oder einen Linienbus zur Talstation. Die genaue Adresse lautet 166 Munhwajae-gil, Cheongpung-myeon. Das Navi erkennt den Ort problemlos.
Nur zwei Autostunden von Seoul entfernt und zu jeder Jahreszeit etwas Besonderes
Ein Ziel für alle, die Koreas Landschaft erleben wollen
Für mich war dieser Ausflug eine gelungene Mischung aus Entspannung, Naturerlebnis und Aussicht. Wer Korea abseits der bekannten Hotspots entdecken möchte, sollte sich diesen Ort vormerken. Manchmal braucht es keine Höhenrekorde, sondern nur einen guten Blickwinkel. Und genau den bietet der Cheongpungho in seiner ganzen Schönheit.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Cheongpung-Lake-Cable-Car.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:30:412026-01-30 17:32:36Mit der Cheongpung Lake Cable Car auf den Bibongsan