Wenn ich über Korea spreche, geht es oft um Kultur, Essen oder Reisen. Doch dieses Mal geht es um etwas anderes: Politik. Denn am 3. Juni 2025 steht in Korea eine Wahl an, die das Land neu ausrichten wird.
Für mich ist das ein guter Anlass, einmal genauer zu schauen, wie das politische System dort eigentlich funktioniert – und was es von unserem in Deutschland unterscheidet.
In Korea steht der Präsident im Mittelpunkt. Er ist Staatsoberhaupt und Regierungschef in einer Person – mit deutlich mehr Verantwortung als ein Kanzler bei uns. Während in Deutschland der Bundestag den Kanzler wählt, entscheiden in Korea alle Bürgerinnen und Bürger direkt. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre, eine Wiederwahl ist nicht möglich.
Korea wählt früher als geplant, weil der bisherige Präsident Yoon Suk-yeol Anfang 2025 abgesetzt wurde. Er hatte versucht, mit einem umstrittenen Notstandsgesetz seine Macht auszuweiten. Das Parlament, die Nationalversammlung (Gukhoe), und später das Verfassungsgericht haben ihn gestoppt. Jetzt braucht das Land eine neue Führung.
Doch ganz gleich, wer am Ende Präsident wird – er kann das Land nicht allein führen. Auch in Korea braucht es ein Parlament, das über Gesetze bestimmt und den politischen Kurs mitgestaltet. Dieses Parlament heißt Nationalversammlung (Gukhoe) und hat 300 Abgeordnete. Sie diskutieren, beraten und stimmen über neue Gesetze ab. Der Präsident kann Vorschläge machen oder sein Veto einlegen, doch ohne die Zustimmung der Nationalversammlung geht nichts.
Das Gebäude der Nationalversammlung befindet sich auf Yeouido, am Hangang
In Deutschland läuft das ähnlich. Der Bundestag mit seinen aktuell 630 Abgeordneten ist dafür zuständig, Gesetze zu verabschieden. Allerdings braucht es bei uns oft auch die Zustimmung des Bundesrats, damit die Bundesländer mitentscheiden können. Diesen Schritt gibt es in Korea nicht.
Der Deutsche Bundestag hat seinen Sitz im Reichstag (Regierungsgebäude) in Berlin
Für mich persönlich wurde das politische System Koreas besonders erlebbar, als ich das Blaue Haus (Cheong Wa Dae) in Seoul besucht habe. Es war bis 2022 der Amtssitz und Wohnort des Präsidenten und seiner Familie. Ein riesiges Gelände mit Empfangshallen, Büros und privaten Wohnbereichen – alles abgeschirmt, jahrzehntelang für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.
Das Blaue Hause bis 2022 Präsidentensitz in Korea. Links Hauptgebäude, rechts Büro des Präsidenten
Erst nach dem Umzug des Präsidenten in ein neues Büro im Yongsan-Viertel wurde das Blaue Haus für Besucher geöffnet. Ich erinnere mich gut an meinen Besuch – für mich ein echtes Highlight. Ob der nächste Präsident wieder dorthin zurückkehrt, wird aktuell diskutiert.
Wer tritt an
Zur Wahl treten in diesem Jahr zwei bekannte Kandidaten an: Lee Jae-myung von der Democratic Party of Korea und Kim Moon-soo von der People Power Party. Wer am Ende das Rennen macht, entscheidet sich am 3. Juni.
Die koreanischen Kandidaten im Wahlkampf: DP Lee und PPP Kim (Bild: Screenshots Arirang TV)
Wie läuft die Wahl ab
Spannend finde ich, wie organisiert die Wahlen in Korea ablaufen. Viele nutzen dort die sogenannte Frühwahl, bei der man schon einige Tage vor dem Wahltag in speziellen Wahllokalen seine Stimme abgeben kann – ein Angebot, das mittlerweile fester Bestandteil der koreanischen Wahlen ist. Das erinnert mich ein wenig an die Briefwahl bei uns in Deutschland, bei der man ebenfalls vorab wählen kann, wenn man am Wahltag verhindert ist. Anders als bei uns geschieht das in Korea aber nicht per Post, sondern direkt vor Ort in speziellen Frühwahllokalen. Die Wahllokale sind lange geöffnet und technisch sehr modern ausgestattet. Auch wenn ich selbst noch keine Wahl in Korea erlebt habe, habe ich oft gehört, dass das alles sehr reibungslos abläuft.
Auch bei uns in Deutschland gab es Anfang 2025 Neuwahlen. Seit Mai haben wir mit Friedrich Merz einen neuen Kanzler. Der Unterschied bleibt: In Deutschland wählt der Bundestag den Kanzler – in Korea sind es die Menschen direkt, die über den Präsidenten entscheiden.
Für mich war das der perfekte Moment, um mich noch einmal intensiver mit dem politischen System Koreas zu beschäftigen. Und ich hoffe, dass ich euch damit ein paar interessante Einblicke geben konnte – egal, ob ihr gerade selbst in Korea seid, eine Reise plant oder euch einfach so für das Land interessiert.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/02/Wahlen-in-Korea.png500800ManuelManuel2026-02-13 07:22:262026-02-13 07:22:26Korea vor der Wahl – So funktioniert das politische System
Viele kennen Pojangmacha, abgekürzt auch Pocha genannt, vielleicht nur aus K-Dramen – diese kleinen, oft orangefarbenen Zelte, in denen die Hauptfiguren nachts bei Soju über das Leben philosophieren. Aber wer einmal selbst in Korea unterwegs war, merkt schnell: Pojangmacha sind viel mehr als nur eine Filmkulisse.
Ein typisches Pojangmacha – Straßenküche in Korea
Sie sind fester Bestandteil des koreanischen Alltags. Es gibt sie überall, an Straßenecken in Itawoen, in den Gassen von Hongdae oder in den kleineren Städten außerhalb von Seoul. Überall wird gegessen, getrunken und zusammen gelacht, ein Stück echtes Korea, das jeder erleben kann, der sich einfach dazu setzt.
Mein ganz besonderer Lieblingsort: Jongno 3-ga
Es gibt viele Ecken in Seoul, an denen man Pocha erleben kann. Aber Jongno 3-ga ist für mich der Ort schlechthin. Ich war dort schon unzählige Male und jedes Mal begeistert mich die besondere Atmosphäre aufs Neue. Die schmale Gasse ist dicht gefüllt mit Ständen, an denen es nach gebratenem Fleisch, Eintöpfen und frittierten Snacks duftet. Menschen sitzen dicht an dicht, lachen, trinken und genießen das Essen.
Liebevoll kocht die Ajuma das Essen für Ihren Pojangmacha
Wenn ich aus U-Bahn-Ausgang 3 nach oben komme, weiß ich schon, was mich erwartet: kleine Tische und bunte Plastikstühle, die direkt auf dem Gehweg oder sogar mitten auf der Straße aneinandergereiht stehen.
Anders als die typischen Zeltstände mit den bekannten Plastikplanen, die man in vielen anderen Stadtteilen findet, sind die Pochas hier meist offene Straßenstände. Nur wenn es regnet, werden notdürftig Planen gespannt. An den meisten Abenden aber sitzt man einfach draußen, mitten im Trubel der Stadt und genau das macht Jongno 3-ga für mich so besonders.
Nach Feierabend zieht es viele Koreaner vom Büro direkt zum Essen in ein Pocha
Typische Speisen und Anju – das perfekte Duo für einen langen Abend
Was ich besonders liebe: Hier isst man nicht einfach nur, hier wird gemeinsam getrunken und gegessen. In Korea gehört zu jedem Glas Bier oder Soju ein Anju, das sind kleine oder große Snacks, die perfekt zum Alkohol passen. Und davon gibt es im Pocha jede Menge.
Authentisches Essen in einem Pocha: Korean Fried Chicken, Rettich (Chicken Mu), Bier und Soju
Typische Speisen, die auf keiner Pocha-Tour fehlen dürfen
– Tteokbokki (떡볶이) Scharfe Reiskuchen in roter Chilipaste.
– Odeng (오뎅) Fischkuchen am Spieß in heißer Brühe.
– Sundae (순대) Koreanische Blutwurst, oft mit Leber und Lunge serviert.
– Dakbal (닭발) Scharf marinierte Hühnerfüße.
– Gegrillter Fisch Frisch auf dem Grill zubereitet.
– Kimchi Jeon (김치전) Herzhafter Kimchi-Pfannkuchen.
– Korean Fried Chicken (치킨) Knusprig und würzig, perfekt zum Bier.
Dazu ein frisches Bier oder klassischer Soju ohne Flavour und der Abend nimmt seinen Lauf.
Egal wie das Wetter ist, man genießt den Abend, die Gesellschaft und das Essen
Menschen treffen, Geschichten hören
Hier habe ich schon die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt. Angestellte, die nach Feierabend noch etwas essen und abschalten wollen, und junge Leute, die den Abend mit Freunden bei Bier und Soju genießen.
Immer wieder kommt es vor, dass ich spontan eingeladen werde, mich dazuzusetzen oder einen Snack zu probieren, den ich gar nicht bestellt habe. Auch wenn wir manchmal kaum dieselbe Sprache sprechen, kommt man doch irgendwie ins Gespräch.
Oft teilt man das Essen, stößt mit Soju an und manchmal erzählen mir die Leute ihre ganz eigenen Geschichten über das Leben in Seoul.
Solche Begegnungen machen Jongno 3-ga für mich zu einem Ort, an dem aus Fremden schnell Tischnachbarn werden und das liebe ich an diesen Abenden besonders.
Schnell lernt man neue Leute kennen und kommt ins Gespäch
Mehr als nur Streetfood
Natürlich ist ein Pocha kein feines Restaurant. Die Stühle sind klein und wackelig, die Tische stehen dicht an dicht, und manchmal riecht es nach Frittierfett. Aber genau das macht für mich den echten Charme aus. Es ist nicht perfekt, aber lebendig, offen und echt. Man muss sich nur trauen, sich dazu zu setzen und schon ist man mittendrin.
Ob in einem der vielen kleinen Sikdangs, wie links oder auf der Straße bei einem Pocha: die Koreaner lieben es.
Mein Tipp für dich
Wenn du einmal in Korea bist, dann geh nach Jongno 3-ga.
Setz dich einfach dazu, bestell dir Tteokbokki, Korean Fried Chicken oder einen Kimchi-Pfannkuchen, stoß mit deinen Sitznachbarn an und erlebe das echte Korea. Für mich gibt es keinen besseren Ort, um Land und Leute so unmittelbar zu erleben.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/02/Pocha-Teaser.png500800ManuelManuel2026-02-13 07:15:022026-02-13 07:15:02Straßenküche, Soju und Gespräche – Ein Blick auf Pojangmacha in Seoul
Han Kangs Romane wie Die Vegetarierin, Menschenwerk oder Unmöglicher Abschied haben viele in Deutschland bewegt. Wer diese Bücher gelesen hat, ist der Sprache von Dr. Ki-Hyang Lee begegnet. Sie hat sie übersetzt. Seit Jahren bringt sie koreanische Literatur in deutscher Sprache zum Leuchten. Über 30 Werke hat sie übertragen. Viele davon haben das literarische Bild Koreas im deutschsprachigen Raum überhaupt erst möglich gemacht.
Preisverleihung in besonderem Rahmen
Am 17. Mai 2025 wurde ihr dafür der Mirok-Li-Preis verliehen. Die feierliche Veranstaltung fand in der Erzabtei St. Ottilien statt. Ich war selbst vor Ort, als Korea-Begeisterter, Korea.net Honorary Reporter und Mitglied der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft. Und schon beim Ankommen spürte ich: Das würde kein gewöhnlicher Festakt werden. Getragen wurde die Verleihung von der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft (DKG). Besonders hervorzuheben ist die Unterstützung der Botschaft der Republik Korea in Deutschland, die nicht nur ideell, sondern auch finanziell zum Gelingen dieses besonderen Tages beigetragen hat.
Eine besondere Veranstaltung: Die Verleihung des Mirok-Li-Preises 2025 in der Erzabtei St. Ottilien Bild: Juliana Baron
Wer war Mirok Li?
Der Mirok-Li-Preis wird seit 1999 jährlich vergeben. Er wechselt jeweils zwischen der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft (DKG) und der Koreanisch-Deutschen Gesellschaft in Seoul. Benannt ist er nach dem Schriftsteller Mirok Li, der 1899 in Haeju geboren wurde. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der koreanischen Unabhängigkeitsbewegung floh er nach Deutschland. In München studierte er Medizin und Literatur. Mit seinem autobiografischen Werk Der Yalu fließt brachte er die Geschichte Koreas erstmals in deutscher Sprache einem breiteren Publikum nahe. Bis heute gilt es als eines der bedeutendsten Brückentexte zwischen Korea und Europa. Mirok Li starb 1950 in München. Er konnte nie in seine Heimat zurückkehren.
Ein Preis mit Geschichte
Der Preis, der seinen Namen trägt, wurde in den vergangenen Jahren an sehr unterschiedliche Persönlichkeiten vergeben. Wissenschaftler, Künstler, Politiker, Pädagogen, Kulturschaffende. Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderem Kang Sue-Jin, die Direktorin des Koreanischen Nationalballetts, der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk, die Koreanistin Prof. Dr. Eun-jeung Lee von der Freien Universität Berlin und der Benediktinerabt Dr. Notker Wolf. Was sie verbindet, ist ihr Engagement für den Austausch zwischen Deutschland und Korea.
Dr. Ki-Hyang Lee – mehr als Übersetzerin
Auch Dr. Ki-Hyang Lee steht in dieser Reihe. Sie wurde 1967 in Seoul geboren und gehört heute zu den renommiertesten Übersetzerinnen koreanischer Literatur ins Deutsche. Neben den Werken von Han Kang hat sie auch Bücher von Bora Chung und Cho Nam-Joo übertragen. Dass Han Kang in diesem Jahr mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, macht Dr. Lees Arbeit noch sichtbarer und zugleich deutlich, wie entscheidend Übersetzerinnen wie sie für den interkulturellen Dialog sind. Dr. Lee ist zudem Verlegerin des Münchner Märchenwald Verlags, der sich auf zweisprachige Kinderbücher spezialisiert hat. Darüber hinaus lehrt sie Koreanisch am Institut für Sinologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Dr. Ki-Hyang Lee bei Ihrer Dankesrede. Sie übersetzte unter anderem die Werke von Han Kang Bild: Juliana Baron
Ich hatte die Gelegenheit, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Sie ist eine stille, äußerst bescheidene Frau, die mit klarem Geist und großem Feingefühl arbeitet. Keine große Bühne, kein Pathos, sondern ein beeindruckend ruhiger Blick auf das, was sie tut. Eine Persönlichkeit, die Brücken nicht nur übersetzt, sondern selbst baut. Konsequent, uneitel und mit nachhaltiger Wirkung.
Ich konnte als Korea.net Honorary Reporter mit S.E. Botschafter Lim Sang-beom, der Preisträgerin Dr. Ki-Hyang Lee und dem Präsidenten der DKG, Rolf Mafael gute Gespräche über die deutsch-koreanische Beziehung, auch im Kulturbereich führen
Wertschätzung von höchster Stelle
Seine Exzellenz Lim Sang-beom, Botschafter der Republik Korea in Deutschland, war eigens aus Berlin angereist und würdigte die Preisträgerin mit anerkennenden Worten. „Wenn Dr. Mirok Li der Erste war, der koreanische Kultur durch Literatur nach Deutschland brachte, dann ist es Dr. Ki-Hyang Lee, die dieses Erbe fortsetzt und erweitert.“
Er erinnerte auch daran, wie anspruchsvoll die Werke Han Kangs zu übertragen seien. „In diesem Sinne wird Übersetzung selbst zu einem schöpferischen Akt.“
Ich hatte im Anschluss die Möglichkeit, mit ihm persönlich zu sprechen. In einem kurzen Austausch wurde spürbar, wie sehr ihm die Förderung des kulturellen Dialogs am Herzen liegt, nicht als Pflicht, sondern als echtes Anliegen.
S.E. Lim Sang-beom, Botschafter der Republik Korea in Deutschland hielt die Laudatio
Eine eigene Rede hielt auch Thomas Elster, Honorarkonsul der Republik Korea in München. Er sprach mit Klarheit und Überzeugung über die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Verbindungen zwischen Korea und Deutschland. Die Moderation des Festakts übernahm Frank Hollmann, Vorsitzender der DKG Bayern, der souverän durch das Programm führte.
Honorarkonsul der Republik Korea Thomas Elster (links) und der Vorsitzende der DKG-Bayern, Frank Hollmann gestalteten die Preisverleihung
Besonders eindrucksvoll waren die beiden Laudationes. Dr. Sylvia Bräsel sprach mit großer Wärme und Tiefe. Sie selbst wurde 2009 mit dem Mirok-Li-Preis ausgezeichnet, für ihre Verdienste um kulturelle Vermittlung, literarische Übersetzungen, wissenschaftliche Publikationen zur vergleichenden Literaturwissenschaft.
Rolf Mafael, Botschafter a. D. in Korea und heutiger Präsident der DKG, würdigte Dr. Lee als eine Persönlichkeit, die das literarische Verständnis zwischen Korea und Deutschland entscheidend geprägt habe.
Die beiden Laudatoren: Rolf Mafael, Botschafter a. D. in Korea und Präsident der DKG sowie Dr. Sylvia Bräsel, Dozentin i.R. Neuere Deutsche Literaturwissenschaften der Universität Erfurt Bild: Juliana Baron
Ein würdiger Abschluss
Musikalisch wurde die Preisverleihung von einem Ensemble hochkarätiger Künstler begleitet. Kibeom Nam (Gesang), Seonhye Song (Violine), Tackyoung Chung (Klavier), Jinseon Park (Gayageum) und Dr. Yookyung Nho-von Blumröder (Haegeum) gestalteten ein Programm, das Brücken zwischen klassischer Musik und traditioneller koreanischer Klangkultur schlug. Ein besonderer Moment entstand, als Arirang, das wohl bekannteste koreanische Volkslied, erklang. Das ganze Publikum sang mit. Es war ein Gänsehautmoment.
Die Musiker haben der Veranstaltung einen würdigen Rahmen gegeben
Damit ging die Veranstaltung zu Ende. Eine gelungene Veranstaltung, die nicht nur einen würdigen Rahmen für die Preisverleihung bot, sondern auch einen aktuellen Blick auf die Bedeutung koreanischer Literatur im deutschsprachigen Raum. Wer Han Kang heute auf Deutsch liest, liest die Sprache von Dr. Ki-Hyang Lee. Der Mirok-Li-Preis hat das sichtbar gemacht und daran erinnert, welchen Wert gute Literaturübersetzungen haben. Vielleicht ist genau das ein guter Anlass, mal wieder zu einem koreanischen Buch zu greifen.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/02/Preisverleihung.png500800ManuelManuel2026-02-13 07:11:472026-02-13 07:11:47Deutsch-Koreanische Kultur: Die Frau, die Han Kang auf Deutsch sprechen lässt mit Mirok-Li-Preis geehrt
Schon von weitem fällt er auf, schlank, elegant und scheinbar endlos hoch. Jedes Mal, wenn ich nach Seoul komme, zieht mich der Lotte World Tower magisch an. Dieses Gebäude ist nicht einfach nur ein Wolkenkratzer. Für mich ist es eines der Wahrzeichen der Stadt und verkörpert das moderne Korea auf beeindruckende Weise.
Ein Wahrzeichen der Stadt Seoul, dass man unbedingt besuchen sollte – der Lotte World Tower
Ein Wahrzeichen moderner Baukunst
Mit seinen 555 Metern Höhe überragt der Tower die Skyline von Seoul deutlich. Ich habe mir sagen lassen, dass seine Form von traditionellen koreanischen Keramiken inspiriert ist. Und tatsächlich, je länger ich ihn betrachte, desto mehr erkenne ich diese feine Eleganz in seiner Silhouette. Besonders abends, wenn die Lichter angehen, wirkt er fast wie ein Kunstwerk am Himmel.
Auch wenn man mit dem Auto in Seoul unterwegs ist, sieht man regelmäßig den Lotte World Tower
Was mich besonders beeindruckt: Der Bau dieses gigantischen Turms dauerte nur etwa sechs Jahre. 2011 wurde mit dem Fundament begonnen, schon 2016 stand die Struktur, und 2017 öffnete der Tower seine Türen für Besucher. Die Ingenieurskunst dahinter ist atemberaubend. Der Turm ist nicht nur hoch, sondern auch extrem widerstandsfähig. Er wurde so gebaut, dass er starken Winden und sogar Erdbeben standhält. Wenn man oben steht, fühlt man sich nicht unsicher, sondern eher geborgen, trotz der Höhe.
Der Lotte World Tower beleuchtet bei Nacht
Benannt ist der Turm nach dem Lotte-Konzern, einem der größten Unternehmen Koreas. Die Gruppe betreibt nicht nur die Mall, das Hotel, das Kino, das Aquarium und den Freizeitpark, sondern ist auch in Bereichen wie Autovermietung, Gastronomie und sogar Süßwarenproduktion aktiv. Ursprünglich von einem Koreaner in Japan gegründet, ist Lotte heute ein fester Bestandteil des koreanischen Wirtschaftslebens.
Der Lotte World Tower ist nicht nur ein Aussichtspunkt, sondern beherbergt auch Büros, ein Luxushotel, exklusive Wohnungen, ein Einkaufszentrum, ein Aquarium, ein Kino und verschiedene Freizeit- und Kultureinrichtungen.
Moderne und zeitlose Architektur auch im Inneren des Lotte World Tower auf dem Weg zu den Büros
Seoul aus der Vogelperspektive
Natürlich habe ich den Tower nicht nur von außen bestaunt, sondern auch mehrmals die Aussicht von ganz oben genossen. Die Fahrt mit dem Aufzug ist bereits ein Erlebnis für sich. Die Wände verwandeln sich in ein digitales Panorama, das die Geschichte Seouls erzählt, während man in atemberaubender Geschwindigkeit in die Höhe schießt. Kurz darauf steht man auf der 117. Etage im sogenannten Seoul Sky.
Wunderbare Aussicht auf den Hangang und die Silhouette der Stadt Seoul
Der Blick von dort oben ist schwer zu beschreiben. Seoul breitet sich unter einem aus wie eine lebendige Miniaturstadt. Der Blick reicht bis zu den Bergen am Horizont, über die gewundenen Straßen und den Han-Fluss hinweg, zu den Hochhäusern von Gangnam und noch viel weiter. Jedes Mal, wenn ich dort bin, entdecke ich neue Details.
Eine Aussicht zum Verlieben: Blick auf Seoul
Besonders aufregend ist der Moment, wenn man auf den Sky Deck tritt, einen Glasboden in über 500 Metern Höhe. Beim ersten Mal musste ich kurz durchatmen, aber die Erfahrung war es definitiv wert.
Nichts für schwache Nerven: man blickt 500 Meter nach unten
Ein Erlebnis steht für mich noch auf der Liste: der Sky Bridge Walk. Beim nächsten Besuch will ich ihn unbedingt ausprobieren. Die Vorstellung, hoch oben zwischen den oberen Turmbereichen im Freien über eine Brücke zu gehen, ist faszinierend. Und ein bisschen Nervenkitzel darf ruhig dabei sein.
Nachbarn des Lotte World Tower: Lotte World Adventure und Lotte Department Store (Mall)
Von der Mall bis zum Freizeitpark
Rund um den Tower gibt es noch viel mehr zu entdecken. Direkt nebenan befindet sich die Lotte World Mall, ein riesiges Einkaufszentrum mit über tausend Geschäften, Cafés und Restaurants. Ich bummle dort immer wieder gerne durch die Etagen, schaue mir neue Marken an oder genieße einfach das Treiben. Die kulinarische Vielfalt ist beeindruckend. Von koreanischer Hausmannskost bis hin zu internationalen Gerichten ist alles vertreten. Besonders gerne esse ich im Food Court im Untergeschoss, wo man sich durch verschiedenste Spezialitäten probieren kann.
Shopping auf vielen Etagen in der Lotte Mall
Auch das Lotte Aquarium befindet sich in der Mall. Es ist eines der größten Aquarien des Landes, mit mehreren Themenwelten und beeindruckenden Großbecken.
Nur wenige Gehminuten entfernt liegt außerdem der Lotte World Adventure Freizeitpark. Er besteht aus einem überdachten Bereich und einer künstlichen Insel auf dem See.
Ein Blick auf den Tower vom Lotte World Adventure
Ich war sowohl drinnen als auch draußen unterwegs und habe gemerkt, wie liebevoll der Park gestaltet ist. Die Attraktionen reichen von klassischen Karussells bis hin zu atemberaubende Achterbahnen. Es macht einfach Spaß, dort für ein paar Stunden in eine andere Welt einzutauchen.
Lotte World Adventure – Freizeitpark innen, neben dem Lotte World Tower
Öffnungszeiten und Eintrittspreise Lotte World Tower
Wer den Tower besuchen möchte, sollte die aktuellen Öffnungszeiten und Preise im Blick haben. Seoul Sky ist täglich geöffnet:
Sonntag bis Donnerstag: 10:30 bis 22:00 Uhr
Freitag, Samstag und an Feiertagen: 10:30 bis 23:00 Uhr
Letzter Einlass: eine Stunde vor Schließung
Der Eintritt kostet 31.000 Won für Erwachsene ab 13 Jahren, 27.000 Won für Kinder zwischen 3 und 12 Jahren. Für die Sky Bridge Tour gelten gesonderte Bedingungen. Kinder unter 36 Monaten haben freien Eintritt in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen mit Ausweis.
Nicht verpassen – meine Empfehlungen
Zum Schluss noch ein paar Empfehlungen, die für mich inzwischen fast zur Routine gehören, wenn ich den Tower besuche. Oben auf Etage 123 gibt es ein kleines Café. Ich nehme mir dort immer einen Americano, setze mich ans Fenster und lasse die Stadt für ein paar Minuten einfach unter mir weiterlaufen. Der Blick ist grandios, und in der stillen Atmosphäre dort oben wirkt Seoul ganz anders.
Viele schwärmen von der goldenen Stunde am späten Nachmittag. Dann soll das Licht besonders weich sein und Seoul in warme Farben tauchen. Für Fotografen lohnt sich diese Zeit besonders. Wer nicht direkt an den großen Glasflächen steht, sondern sich einen ruhigeren Platz etwas abseits sucht, hat bessere Chancen auf stimmungsvolle Aufnahmen ohne Spiegelungen.
Sonnenuntergang und Nachmittagssonne mit Blick vom Lotte World Tower
Wer es ganz ruhig mag, sollte direkt zur Öffnung auf die Aussichtsplattform fahren. Am Morgen ist der Andrang gering, die Sicht klar, und die Stadt unter einem noch im Aufwachen. Diese Stille ist selten in Seoul und hier oben fast greifbar.
Auch unten am Tower gibt es Orte, die viele übersehen. Direkt hinter dem Gebäude liegt der Seokchon-See. Besonders abends, wenn der Tower beleuchtet ist, spiegeln sich die Lichter im Wasser. Ich spaziere dann gerne einmal rundherum. Ein schöner Ausgleich nach einem Tag voller Eindrücke. Und wenn gerade das Kirschblütenfestival stattfindet, ist der See ein Erlebnis für sich.
Ein weiterer Rückzugsort liegt dort, wo man ihn am wenigsten vermutet, auf dem Dach der belebten Mall. Der Rooftop Garden ist über einen Fahrstuhl in der Nähe des Kinos erreichbar und bietet eine erstaunlich ruhige Ecke mit Pflanzen, Sitzplätzen und Blick auf den See. Für mich ist das oft der perfekte Ort, um einfach kurz durchzuatmen.
Der Rooftop Garden der Lotte World Mall bietet einen fantastischen Blick, besonders am Abend
Persönliches Fazit
Der Lotte World Tower ist kein Geheimtipp. Man kennt ihn, man sieht ihn, man hört von ihm. Trotzdem lohnt es sich, mehr als nur kurz vorbeizuschauen. Für mich ist er ein fester Teil meiner Aufenthalte in Seoul geworden.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/02/Teaser-Lotte-Tower.png500800ManuelManuel2026-02-13 07:10:272026-02-13 07:10:27Lotte World Tower: Architektur, Aussicht und Erlebnisse in luftiger Höhe
Serien gehören inzwischen ganz selbstverständlich zu Koreas kulturellem Selbstverständnis. Sie prägen das Bild des Landes nach außen, aber auch den Alltag vor Ort. Wer sich dafür interessiert, muss nicht lange suchen. Viele Orte, an denen gedreht wird oder die durch Serien bekannt geworden sind, lassen sich problemlos besuchen.
Bei meinen Aufenthalten in Korea habe ich über die Zeit hinweg verschiedene dieser Orte kennengelernt. Den Ondal Park zum Beispiel, der regelmäßig als historische Kulisse genutzt wird. Aber auch Studios in Seoul, in denen man Fernsehgeschichte und moderne Inszenierung nebeneinander findet. Und dann gab es diese kleinen Zufälle unterwegs, wie der Moment, in dem ich plötzlich vor dem Laden aus Parasite stand oder einen Dreh direkt auf der Straße beobachten konnte.
Historische Kulisse mit Serienvergangenheit
Der Ondal Park in der Provinz Chungcheongbuk-do liegt nahe der Stadt Danyang und wird oft für historische Dramen genutzt. Das Gelände ist weitläufig und bietet eine nachgebaute Festungsstadt aus der Zeit der Drei Reiche. Wer Serien wie Moon Lovers: Scarlet Heart Ryeo, Hwarang, Faith, The Flower in Prison, Iljimae oder Yeon Gaesomun kennt, wird einige der Gebäude wiedererkennen.
Bereits am Eingang erinnert vieles an die Serien und Filme, die im Ondal Park gedreht wurden.
Der Name des Parks bezieht sich auf die legendäre Figur Ondal, einen einfachen Mann, der laut Überlieferung durch seine Heirat mit Prinzessin Pyeonggang Teil des Königshofes wurde. Ihre Geschichte gehört bis heute zu den bekanntesten Volkserzählungen Koreas und wurde auch in modernen Dramen wie River Where the Moon Rises neu interpretiert.
Drehorte historischer Dramen im Ondal ParkHistorische Scheune im Ondal Park, oft genutzt als Kulisse für historische Dramen
Vor Ort hat mich vor allem die Atmosphäre beeindruckt. Die Architektur ist stimmig, das Gelände gepflegt, die Details sorgfältig umgesetzt. Auch ohne laufenden Dreh spürt man, warum dieser Ort so beliebt ist. Ich habe viele Fotos gemacht, besonders von den Palasthöfen und den traditionellen Holzbauten. Es sind Motive, die in Serien oft nur flüchtig zu sehen sind, die man vor Ort aber in aller Ruhe auf sich wirken lassen kann.
Ein Hauch von Joseon: Der Thronraum als eindrucksvolle Filmkulisse im Ondal ParkIm Inneren des Ondal Parks lassen sich originale Requisiten und traditionelle Kleidung aus historischen Dramen entdecken
Fernsehen zum Anfassen
In Seoul habe ich zwei der bekanntesten Rundfunkanstalten besucht: das KBS On Broadcasting Museum in Yeouido und das MBC World Erlebniszentrum.
Blick auf den Eingangsbereich der KBS Studios in Seoul, ein Ort für Fernsehgeschichte und Serienkultur
KBS präsentiert sich eher klassisch. Die Ausstellung zeigt Kostüme, Requisiten und zahlreiche Ausschnitte aus bekannten Produktionen. Einige Studios sind begehbar, und Besucher können selbst vor der Kamera stehen oder Nachrichten simulieren. Es ist ein Ort, der den Wandel des Fernsehens dokumentiert und zugleich einen Blick hinter die Kulissen erlaubt.
Kurze Rollenwechsel beim gemeinsamen Besuch im KBS-Studio: Foteini Chatzoudi, Honorary Reporterin aus Griechenland, als Kamerafrau und ich als Nachrichtensprecher der KBS News 9 NachrichtenManuel als Wetter-Moderator für KBS TVKBS zum Anfassen: In den Studios können Besucher selbst aktiv werden und echte TV-Studios erleben
MBC World
MBC World setzt stärker auf Interaktion. Digitale Technik, virtuelle Bühnenbilder und Augmented Reality stehen hier im Vordergrund. Man bewegt sich durch verschiedene Themenräume, die unterschiedliche Genres aufgreifen, darunter auch historische Dramen.
MBC am Sangam Cultural Square in Seoul
Alles ist visuell ansprechend gestaltet und spricht besonders ein jüngeres Publikum an. Für mich war es interessant zu sehen, wie stark das Medium hier mit Besucherbeteiligung arbeitet.
Kleiner Ausschnitt der MBC-Produktionen
Kleine Erinnerungen an Fotowänden schaffen
Drehort trifft Alltag
Wer durch Seoul geht, erkennt oft Gebäude oder Kulissen wieder, die in einer Serie oder einem Film eine Rolle gespielt haben. Die Stadtmauer von Seoul, das Ufer des Hangang, typische Seitengassen in Itaewon oder einfache Straßenzüge in Gangnam. Viele Orte tauchen regelmäßig in Dramen auf, ohne dass sie dafür extra hergerichtet werden müssen.
Beim Spazierengehen durch Seoul stand ich plötzlich vor einem kleinen Lebensmittelladen, den ich sofort erkannte. Es war der Laden aus dem Film Parasite. Der Besitzer war vor Ort und erzählte mir, wie stolz er auf den Bekanntheitsgrad seines Geschäfts ist. Seine Tochter war ebenfalls da und machte ein Foto von mir vor dem berühmten Treppenaufgang.
Laden aus dem Film Parasite mitten in Seoul
An der Rückseite des Ladens wird an Drehort erinnert
An einem anderen Tag beobachtete ich einen Dreh für ein modernes K-Drama. Der Bereich war klar erkennbar als Set vorbereitet, Kameras und Technik standen bereit, die Produktion lief ruhig und konzentriert.
Mitten in Hongdae werden Szenen für ein K-Drama gedreht
Auch den kleinen Buchladen aus der Serie True Beauty habe ich entdeckt. Die Szene mit Moon Ga-young wirkt vor Ort ganz alltäglich, ist für Serienfans aber sofort erkennbar.
Der Buchladen aus „True Beauty“ mit Moon Ga-young und Cha Eun-woo liegt in Jongno-gu, Seoul und zählt zu den bekanntesten Drehorten der Serie
Ein anderes Mal wurde mitten im Einkaufsviertel ein Werbespot gedreht. Rund zwanzig junge Frauen in auffälliger Kleidung führten eine einstudierte Tanzchoreografie auf, begleitet von einem Team, das Ton, Kamera und Regie koordiniert hat. Auch solche Szenen sind Teil des Stadtbildes.
Wer in Korea unterwegs ist, gerät manchmal unverhofft in eine laufende Produktion. Ob Serie, Film oder Werbespot, gedreht wird fast überall.
Für alle, die selbst auf Entdeckung gehen wollen
Wer sich für koreanische Serien interessiert, wird in Korea immer wieder auf vertraute Orte stoßen. Einige davon lassen sich gezielt besuchen, andere entdeckt man einfach unterwegs.
Die Studios von KBS und MBC sind beeindruckend und absolut sehenswert. Sie bieten spannende Einblicke für alle, die sich für Fernsehen, Kultur und kreative Produktion interessieren.
Der Ondal Park ist ein besonderer Ort für alle, die sich für historische Serien interessieren. Wer sich mit K-Dramen beschäftigt, sollte gezielt dorthin fahren. Die Region rund um Danyang ist landschaftlich reizvoll, und der Besuch lässt sich gut mit einem Ausflug verbinden. Die Kulisse ist detailreich und atmosphärisch, ganz gleich ob dort gerade gedreht wird oder nicht.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/02/Teaser-Filmkulissen.png500800ManuelManuel2026-02-13 07:09:132026-02-13 07:09:13Zwischen Palasttoren und Popkultur unterwegs im Korea der K-Dramen
Wenn sich auf dem Eis des Hwacheoncheon-Flusses im Norden Koreas täglich tausende Menschen versammeln, um Forellen zu fangen, dann findet das Hwacheon Sancheoneo Ice Festival statt. Das diesjährige Festival lief vom 10. Januar bis zum 2. Februar 2026 und ist gerade erst zu Ende gegangen.
Das Hwacheon Sancheoneo Ice Festival gilt als das größte Eisfischerei-Event der Welt und wurde 2011 von CNN zu den sieben Winterwundern der Welt gezählt. Jedes Jahr zieht es über eine Million Besucher an, um Forellen zu fangen und um Spaß zu haben. In diesem Jahr kamen mehr als 1,5 Millionen Menschen innerhalb von drei Wochen nach Hwacheon.
Wenn Angeln zum Riesen-Event wird
Der Hwacheoncheon ist vollständig zugefroren. Das Eis ist über 30 Zentimeter dick und die Temperaturen liegen oft bei minus 15 Grad. Das Gelände umfasst etwa 300.000 Quadratmeter und überall verteilt sitzen oder stehen Menschen an kleinen, runden Löchern im Eis. Die Angeln sind einfach, leicht und für jeden nutzbar. Man steht oder setzt sich an sein Loch, senkt die Schnur ins Wasser und wartet geduldig darauf, dass ein Fisch anbeißt.
Die Stimmung auf dem Eis ist entspannt und fröhlich zugleich. Wenn jemand eine Forelle fängt, wird sie hochgehalten, andere gratulieren, es wird gefilmt und fotografiert, Selfies inklusive.
Pro Person sind maximal drei Fische erlaubt, mehr darf nicht gefangen werden. Wer einen Fang gemacht hat, bringt ihn zu einer der Zubereitungsstationen. Dort wird der Fisch entweder als Sashimi geschnitten oder gegrillt. Die Zubereitung kostet 3.000 Won pro Fisch, und ein paar Minuten später liegt er fertig vor einem.
Der Sancheoneo ist eine Forellenart, die nur in sehr sauberem, kaltem Wasser lebt. Der Fisch ist bekannt für seinen feinen Geschmack und seine feste Konsistenz. Im Festival werden etwa 200.000 Fische in den Fluss eingesetzt und kommen aus Fischfarmen der Umgebung. Meine koreanischen Freunde sagen, der Fisch schmeckt direkt vom Eis besonders gut. Die Haut ist knusprig, das Fleisch fest und nussig im Geschmack.
Von einer Aktivität zur nächsten
Wer es extremer mag, geht zur Barfuß-Fisch-Fang-Zone, wo alle Teilnehmer orange T-Shirts tragen und direkt ins eiskalte Wasser steigen. Das Wasser steht ihnen bis zu den Knien, manchmal höher, und die Aufgabe besteht darin, Forellen mit bloßen Händen zu greifen. Die Fische sind extrem schnell und rutschig, kaum zu greifen mit nassen Händen. Wer hier mitmacht, braucht nicht nur Mut, sondern auch echte Ausdauer bei dieser Kälte. Drumherum stehen Zuschauer, die filmen, fotografieren oder die Teilnehmer anfeuern, während andere über die Schwierigkeit der Aufgabe lachen.
Von Schlittenfahren bis zu meterhohen Eisskulpturen
Das Festivalgelände ist riesig und erstreckt sich in verschiedene Zonen über die gesamte Eisfläche. In der Snow-Sledding-Zone sind Bahnen angelegt, auf denen Schlitten 40 Meter steile Abhänge hinunterfahren oder über eine 60 Meter lange Strecke direkt auf dem zugefrorenen Fluss rasen. Wer es ruhiger mag, geht zum Schlittschuhlaufen auf den großen, glatten Flächen oder probiert Curling und Eiskunstlauf aus.
In einer beheizten Indoor-Plaza stehen monumentale Eisskulpturen, die etwa 30 Künstler aus Harbin in China geschaffen haben. Die Figuren sind mehrere Meter hoch, zeigen Tiere, Gebäude und abstrakte Formen, sind von innen beleuchtet und leuchten in wechselnden Farben. Die Plaza bietet gleichzeitig die Möglichkeit, sich nach Stunden auf dem Eis richtig aufzuwärmen.
Zusätzlich gibt es das Ice Bear Castle, eine begehbare Eisfestung für Kinder, Santa’s Village für Familienfotos und einen Zipline-Parcours, bei dem man über Teile des Festivalgeländes schwebt.
An den Rändern des Geländes und zwischen den Aktivitätszonen stehen zahlreiche Essensstände mit Hotteok, Tteokbokki, heißem Eintopf, Chicken Skewers und Odeng. An jeder Ecke gibt es heißen Tee, Kaffee oder süße Getränke. Wer den ganzen Tag auf dem Eis bleibt, geht zwischendurch zu den Ständen, isst etwas Warmes, wärmt sich auf und kehrt dann zurück aufs Eis oder zur nächsten Aktivität.
Wenn die Dunkelheit kommt
Sobald die Sonne untergeht, schalten sich bunte Lichter ein, Projektionen laufen über die Eisflächen, und entlang der Seondeung Street hängen etwa 20.000 Laternen in Fischform, die den ganzen Weg in warmes, orangefarbenes Licht tauchen. Musik dröhnt aus Lautsprechern, an mehreren Stellen finden Konzerte oder kleinere Aufführungen statt. Viele bleiben bis spät in den Abend, weil das Festival in der Dunkelheit einen ganz anderen Charakter bekommt.
Wer in Hwacheon übernachtet, kann kostenlos am Nachtangeln teilnehmen, was besonders bei Einheimischen beliebt ist, weil das Gelände abends deutlich leerer und ruhiger wird.
Von der kleinen Veranstaltung zum größten Eisfest der Welt
Hwacheon ist eine kleine Stadt in Gangwon-do mit etwas mehr als 22.000 Einwohnern, etwa 90 Kilometer nordöstlich von Seoul und nur 25 Kilometer südlich der demilitarisierten Zone gelegen. Die Stadt ist ländlich geprägt, umgeben von Bergen und Wäldern. Während der Festivalwochen kommen regelmäßig Busse und Autos an und die Straßen sind belebt. Über mehrere Wochen hinweg strömen Menschen aus allen Teilen Koreas nach Hwacheon zum Festival. Von Seoul aus dauert die Fahrt mit Shuttlebussen etwa zwei bis drei Stunden. Viele entscheiden sich für einen Tagesausflug, andere bleiben über Nacht in Hwacheon selbst oder in den umliegenden Orten.
Das Festival wurde 2003 ins Leben gerufen, als Hwacheon mit Bevölkerungsrückgang und wirtschaftlicher Stagnation kämpfte. Was als kleine, lokale Veranstaltung für Angler aus der Region begann, wuchs mit den Jahren zu einem Event, das auch vom MCST (Koreanisches Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus) zum besten Festival des Landes gekürt wurde.
Die Organisatoren legten dieses Jahr mehr Wert auf längere Aufenthalte und Besucherzufriedenheit als auf reine Besucherzahlen. Ein Ansatz, der aufzugehen scheint. Das diesjährige Festival erreichte trotz schwieriger Wetterbedingungen etwa 1,5 Millionen Besucher, darunter rund 122.000 internationale Gäste.
Fazit
Das Hwacheon Sancheoneo Ice Festival zeigt, wie aus einer kleinen lokalen Idee etwas Großes entstehen kann. Was 2003 als Versuch begann, eine schrumpfende Stadt zu beleben, ist heute das weltweit größte Eisfischerei-Festival, das Menschen aus aller Welt anzieht. Das diesjährige Festival ist gerade zu Ende gegangen, doch wer im kommenden Winter nach Korea reist, sollte es einplanen. Es findet traditionell von Mitte Januar bis Anfang Februar statt und bietet ein Wintererlebnis, das sich deutlich von den üblichen Stadtbesuchen unterscheidet.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/02/teaser.jpeg500800ManuelManuel2026-02-13 06:57:152026-02-13 06:57:15Hwacheon Sancheoneo Ice Festival: Eisfischen, Skulpturen und viel Action
Diese drei Silben kennt in Korea jedes Kind. Ich hatte Arirang zwar schon oft gehört, im Fernsehen, bei öffentlichen Veranstaltungen oder in modernen Interpretationen, aber erst mit der Zeit habe ich verstanden, was es bedeutet.
Was wie ein altes Volkslied klingt, ist in Wahrheit viel mehr. Lange wusste ich nicht, wie tief dieses Lied in Korea verwurzelt ist.
Arirang ist kein einzelnes Lied, sondern ein kulturelles Erbe mit hunderten Gesichtern. Jede Region Koreas hat ihre eigene Version, jede Generation eine neue Interpretation. Was alle gemeinsam haben, sind die drei Silben am Anfang: Arirang, Arirang, Arariyo. Schon dieser Refrain lässt viele Koreanerinnen und Koreaner innerlich mitgehen, oft sogar mit Tränen in den Augen.
Arirang ist die inoffizielle Nationalhymne Koreas Photo: AI generated
Manche Versionen klingen sanft und traurig, andere lebendig und voller Energie. Die älteste überlieferte Form stammt aus Jeongseon in der Provinz Gangwon. Dort erzählt das Lied von einer Frau, die ihren Geliebten verliert, als er über einen Gebirgspass verschwindet. In der Fassung aus Jindo auf einer Insel im Süden wirkt alles fröhlicher, fast verspielt. Andere Varianten betonen Stolz, Heimat oder Überlebenswillen.
Das bekannteste Arirang ist wohl die sogenannte Bonjo-Version, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch den gleichnamigen Film von Na Un-gyu bekannt wurde. Obwohl das Lied keine direkte politische Botschaft enthält, wurde es in Zeiten der Fremdherrschaft als Ausdruck von Identität und innerem Widerstand empfunden.
Arirang hat seither Generationen begleitet. Es wurde bei Protesten gesungen, bei nationalen Feierlichkeiten, aber auch ganz privat, als Schlaflied, Trostspender oder Zeichen der Verbundenheit. Die UNESCO hat das Lied daher als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.
Für viele gilt Arirang bis heute als die heimliche Nationalhymne. Es ist ein Lied, das niemand erklären muss, weil es jeder kennt. Ein Lied, das keine Parolen braucht, weil es tief aus dem Herzen kommt.
Ein eindrucksvoller Moment war auch die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Arirang erklang vor einem weltweiten Publikum und wurde dabei nicht als Showelement eingesetzt. Es war ein kulturelles Herzstück, das allen Gästen einen Blick in die Seele Koreas eröffnete.
Was mich besonders beeindruckt: Arirang wird bis heute gesungen, gespielt, gecovert und weiterentwickelt.
Klassische Sängerinnen wie Sumi Jo haben es interpretiert, genauso wie Samulnori-Ensembles, K-Pop-Stars oder internationale Künstler auf Weltbühnen.
Auch BTS hat Arirang in einer beeindruckenden Live-Performance auf ihre Weise gewürdigt, modern, respektvoll und mit spürbarem Stolz.
Ich höre Arirang inzwischen mit anderen Ohren. Nicht, weil ich jedes Wort verstehe, sondern weil ich begreife, was dahintersteckt. Dieses Lied ist keine romantisierte Legende. Es ist gelebte Geschichte, ein Klang, der Korea atmet.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Arirang-MG.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:47:542026-01-30 17:47:54Arirang – das klingende UNESCO Kulturerbe Koreas
Wer einmal in Korea war, kennt sie: die kleinen Läden an jeder Ecke, die rund um die Uhr geöffnet haben, fast alles bieten, was man gerade braucht und ganz nebenbei auch in vielen K-Dramen eine feste Rolle spielen.
Bereits am Flughafen ICN wird man von einem Convenience Store begrüßt
Für mich gehören sie fest zum Alltag in Korea, egal ob ich mir morgens eine Bananenmilch hole, mittags einen schnellen Snack brauche oder nachts noch etwas einkaufen möchte. Koreas Convenience Stores sind praktisch, vielseitig und oft überraschend persönlich.
Besonders in Seoul findet man die Convenience Stores in fast jeder Straße
Ich bin regelmäßig dort. Besonders nachts, wenn mich der Hunger überkommt oder ich noch schnell etwas für den nächsten Morgen brauche. Die Läden sind rund um die Uhr geöffnet, an 365 Tagen im Jahr. Das ist keine Ausnahme, das ist Standard. Und genau das macht sie so besonders. Wo man in Deutschland oft vor verschlossenen Türen steht, ist in Korea selbst um drei Uhr morgens noch eine kalte Bananenmilch, ein Reisbällchen oder ein Ladegerät zu haben.
Die Stores sind auch ein idealer Ort für einen kleinen Snack
In ganz Korea gibt es über 40.000 Convenience Stores, allein in Seoul sind es rund 10.000. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich innerhalb von fünf Minuten gleich mehrere Stores sehe. Oft liegen zwei oder drei direkt nebeneinander, als würden sie um die Wette um meine Aufmerksamkeit buhlen. Und ja, manchmal entscheidet einfach nur das Bauchgefühl, ob ich zu GS25, 7-Eleven oder CU gehe.
Immer freundliche Mitarbeiter in den Convenience Stores
Das Sortiment ist erstaunlich vielfältig. Von heißem Ramyeon, das man direkt mit heißem Wasser aufgießen und vor Ort essen kann, über Instantkaffee, Hygieneartikel, Snacks aller Art bis hin zu Powerbanks und Gesichtsmasken, es gibt fast nichts, was man dort nicht findet. Im Angebot sind auch viele verschiedene Speisen, die man unterwegs oder spontan als kleine Mahlzeit essen kann. Auch gekochte Eier, frisches Obst in Portionen, kleine Salate und natürlich klassischer Soju stehen im Kühlregal bereit. So wird aus einem schnellen Einkauf ganz leicht ein kleiner Imbiss oder sogar ein spontaner Picknickvorrat.
Die Convenience Stores bieten unter anderem eine große Auswahl an Ramyeon
Ich persönlich greife am liebsten zur gelben Binggrae Bananenmilch. Und wenn ich Lust auf etwas Frisches habe, kombiniere ich sie gerne mit einem Iced Americano. Eisbecher, fertig gebrühter Kaffee im Beutel und dann einen Schuss Bananenmilch dazu, klingt verrückt, schmeckt aber überraschend gut.
Besonders an heißen Tagen praktisch: Becher gefüllt mit Eiswürfeln, die man in jedem Convenience Store kaufen kannEine große Auswahl an fertigem Kaffee, den man besonders mit Eiswürfeln genießen kann oder in Mikrowelle erwärmenMein persönlicher Favorit: Iced Americano mit BananenmilchIced Americano im Convenience Store selbst zubereitet
Was ich an den Convenience Stores besonders schätze, ist ihre Verlässlichkeit. Ich finde dort fast immer etwas, das zu meinem Hunger oder Bedarf passt, ob ein einfacher Reisbällchen-Snack, eine kalte Bananenmilch oder etwas Praktisches für den Alltag. Und wenn der kleine Hunger mitten in der Nacht kommt, weiß ich genau, wo ich noch fündig werde.
Die meisten Convenience Stores sind wie ein kleiner SupermarktOb Süßes oder Hygieneartikel, in den Convenience Stores findet man allesSelbstverständlich bekommt man auch Soju im Convenience Store
Auch im Alltag sind die Stores echte Helfer. Ein Pflaster, wenn ich mich am Schuh aufgescheuert habe, ein Regenschirm bei plötzlichem Schauer, eine Zahnbürste nach einem langen Ausflug, alles da. Sogar gegen einen Kater oder eine Erkältung findet man dort kleine Helfer wie Kopfschmerztabletten, Halspastillen oder einfache Erkältungsmittel. Und oft auch mit überraschend guter Qualität.
Ob gegen Erkältung oder eine Einmal-Powerbank, im Convenience Store findet man viele praktische Helfer
Was mich an den Convenience Stores in Korea so fasziniert, ist nicht nur die Vielfalt, sondern auch die Selbstverständlichkeit, mit der sie Teil des Lebens sind. Sie sind da, wenn man sie braucht. Ohne Schnickschnack, aber mit allem, was zählt und das meist freundliche und gutgelaunte Personal.
Bezahl wird im Convenience Store mit Karte oder BargeldSmalltalk im Convenience Store mit den Mitarbeiterinnen und ein ErinnerungsfotoDie Mitarbeiter lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn der Laden voll ist
Einmal war ein Store ganz leer, keinen Mitarbeiter zu sehen. An der Kasse lag ein handgeschriebener Zettel: „Ich gehe auf die Toilette, bitte warten Sie einen Moment“ Kein Zweifel, dass alles seine Ordnung hat. Es war einer dieser Momente, in denen man spürt, wie sehr in Korea gegenseitiges Vertrauen zum Alltag gehört.
Kleine Anekdote zum Schmunzeln: Das Personal ist mal schnell auf die Toilette gegangen und lässt den Store allein offen.
Convenience Stores gehören in Korea ganz selbstverständlich zum Leben dazu. Sie sind rund um die Uhr erreichbar, praktisch ausgestattet und doch viel mehr als nur Läden für den schnellen Einkauf. Für mich sind sie ein Ort, an dem Alltag, Verlässlichkeit und ein kleines Stück koreanisches Lebensgefühl zusammenkommen. Ganz gleich, ob früh am Morgen oder mitten in der Nacht.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Convenience-Stores.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:46:192026-01-30 17:47:16Immer offen, immer da: Convenience Stores in Korea
Als ich zum ersten Mal die schmalen Gassen des Bukchon Hanok Village betrat, war es, als würde ich eine andere Welt betreten. Die dunklen Ziegeldächer, die Holzfassaden, der Duft von altem Holz, alles fühlte sich an wie eine Reise zurück in die Zeit. Ich hatte mir vorgenommen, Koreas traditionelle Architektur nicht nur zu sehen, sondern wirklich zu erleben. Also zog ich los, um Orte wie Bukchon, das ruhige Eunpyeong Hanok Village, das Blaue Haus (Cheong Wa Dae), den Gyeongbokgung-Palast, Ikseon-dong und auch Insadong zu entdecken. Was ich fand, waren nicht nur Gebäude, sondern Geschichten von Menschen, Natur und einer Kultur, die Vergangenheit und Zukunft auf besondere Weise verbindet.
Bukchon Hanok Village
Das Bukchon Hanok Village in Seoul hat mich besonders fasziniert. Es befindet sich im Stadtteil Jongno, mitten im historischen Zentrum der Hauptstadt. In direkter Umgebung liegen der Ahnenschrein Jongmyo sowie die großen Paläste Gyeongbokgung und Changdeokgung. Ursprünglich war Bukchon das Wohnviertel für Adlige und hohe Beamte der Joseon-Dynastie, die Korea über Jahrhunderte hinweg geprägt hat. Heute leben hier etwa 6.000 Menschen. Einige der Hanoks wurden zu kleinen Gästehäusern, Cafés oder Läden für traditionelles Handwerk umgebaut. Andere sind weiterhin bewohnt. Besonders in den engen Gassen rund um die bekannten Fotospots wird deutlich, wie beliebt das Viertel bei Besuchern ist.
Beliebte Fotomotive im Bukchon Hanok Village in Seoul
Die traditionellen Holzhäuser mit ihren geschwungenen Ziegeldächern und kleinen Innenhöfen wirken wie ein Stück Vergangenheit mitten in der Großstadt. Beim Spazieren durch die Gassen hatte ich das Gefühl, durch die Geschichte zu gehen, auch wenn die Realität heute eine andere ist. Bukchon ist längst kein Geheimtipp mehr. Bukchon ist zweifellos sehenswert, doch der große Besucherandrang stellt das Viertel vor Herausforderungen. Gerade in den schmalen Gassen rund um die beliebten Fotospots ist Rücksicht wichtig.
Blick in einen Innenhof im Bukchon Hanok Village und rechts eine Mitarbeiterin, die für Ordnung sorgt
Die meisten Häuser sind bewohnt, viele Anwohner fühlen sich durch Lärm und unbedachtes Verhalten gestört. Um das Miteinander besser zu regeln, dürfen Touristengruppen das Viertel inzwischen nur noch zwischen 10 und 17 Uhr betreten. Ein System farblich markierter Zonen hilft dabei, die Wege klar zu strukturieren. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, muss mit einem Bußgeld rechnen. Auch die Haltestellen für Touristenbusse sollen künftig entfallen. Wer Bukchon besucht, sollte sich der besonderen Situation bewusst sein. Es ist kein Museum, sondern ein gewachsenes Wohnviertel mit Geschichte und Charakter. Ein Ort, der seine Atmosphäre dann besonders eindrucksvoll entfaltet, wenn man ihm mit Respekt begegnet.
Eunpyeong Hanok Village
Noch beschaulicher ist das Eunpyeong Hanok Village am Stadtrand von Seoul. Hier stehen moderne Hanoks, die traditionelle Bauweisen mit heutigem Komfort verbinden.
Die Holzkonstruktionen, Innenhöfe und das klassische Ondol-Heizsystem sind genauso präsent wie in alten Häusern, aber die Gebäude sind neu errichtet. Umgeben von bewaldeten Hügeln und mit Blick auf den Bukhansan liegt das Viertel in einer landschaftlich reizvollen Umgebung.
Moderne Hanoks in traditioneller Bauweisen im Eunpyeong Hanok Village
In unmittelbarer Nähe befindet sich der Jingwansa-Tempel, was der Gegend zusätzlich eine besondere Ruhe verleiht. Alles ist sehr grün, gepflegt und still. Die Straßen sind breiter als in Bukchon, und die Hanoks sind durchweg bewohnt.
Viele haben kleine Vorgärten oder bepflanzte Innenhöfe, was die Architektur noch stärker mit der Natur verbindet. Touristen habe ich dort nur vereinzelt gesehen.
Eunpyeong Hanok Village, Blick in einen privaten VorgartenKeine Filmkulisse, sondern eine reine Wohngegend
Ich konnte in aller Ruhe durch die Gassen gehen, beobachten, wie konsequent hier auf traditionelle Bauweise geachtet wurde, und die besondere Atmosphäre dieses Viertels auf mich wirken lassen. Für mich war das einer der eindrucksvollsten Orte, um zu erleben, wie Hanok-Architektur heute aussehen kann. Authentisch, unaufdringlich und lebendig.
Eunpyeong Hanok Village, ist ein Wohnviertel in Seoul, dass mir wirklich gut gefällt
Cheong Wa Dae – Das Blaue Haus
Cheong Wa Dae, das Blaue Haus, war bis 2022 der Amtssitz des koreanischen Präsidenten. Seitdem ist das Gelände für Besucher geöffnet, vermutlich nicht dauerhaft. Denn der am 3. Juni gewählte Präsident plant offenbar, seine Amtsgeschäfte wieder von dort aus zu führen.
Das traditionsreiche Cheong Wa Dae – Das Blaue Haus
Das Gelände selbst hat eine lange Geschichte. Bereits zur Zeit der Joseon-Dynastie befanden sich hier Nebengebäude des königlichen Palastes Gyeongbokgung. In der Folgezeit wurde das Areal mehrfach neu genutzt, bevor es nach der Gründung der Republik Korea zum Sitz der Präsidialverwaltung wurde. Das ursprüngliche Präsidentenhaus wurde im Koreakrieg zerstört und in den 1960er-Jahren neu aufgebaut. Seitdem entwickelte sich Cheong Wa Dae zum Zentrum der politischen Macht Koreas, mit mehreren Gebäuden, Sicherheitszonen und streng kontrollierten Zugängen.
Der Präsidentensitz Cheong Wa Dae passt sich perfekt in eine große, schön angelegte Parkanlage ein
Architektonisch ist Cheong Wa Dae ein bemerkenswerter Ort. Das Hauptgebäude mit seinen tiefblauen Ziegeln folgt klassischen Palastformen, ergänzt durch moderne Elemente. Die klar gegliederten Dächer, die Proportionen der Seitenflügel und die Verbindung zur umgebenden Landschaft zeigen, wie traditionelle koreanische Bauprinzipien auch im staatlichen Repräsentationsbau weiterleben. Die Pavillons und Gärten rundherum verstärken diesen Eindruck. Hier wurde mit Bedacht und Maß gebaut. Ein Ort, an dem sich Geschichte, Symbolik und Architektur auf besondere Weise verbinden.
Gyeongbokgung-Palast
Der Gyeongbokgung-Palast beeindruckt durch seine Größe und die Klarheit seiner Struktur. Erbaut im Jahr 1395 zu Beginn der Joseon-Dynastie, ist er das Herzstück der klassischen Palastarchitektur Koreas. Empfangshallen, Verwaltungsgebäude und Wohnquartiere sind streng hierarchisch angeordnet.
Ein Meisterwerk der Architektur, der Gyeongbokgung-Palast
Besonders die farbenfrohen Dancheong-Malereien an den Dächern stechen hervor. Sie sind nicht bloß dekorativ, sondern haben symbolische und schützende Funktionen. Jeder Baukörper steht in klarer Beziehung zum nächsten. Eine Ordnung, die bis heute nachvollziehbar ist.
Der Thronsaal ist vollende Baukunst aus der frühen Joseon-Dynastie
Ikseon-dong Hanok Street
Ein Kontrast dazu ist die Ikseon-dong Hanok Street, die sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Ausgehviertel entwickelt hat. Hier wurden viele Hanoks in Cafés, kleine Boutiquen oder Restaurants umgewandelt, ohne den ursprünglichen Charakter zu verlieren.
In der Ikseon-dong Hanok Street werden viele alte Häuser als Restaurants genutzt
Die Gassen sind schmal, das Viertel wirkt fast improvisiert. Gerade das macht es spannend. Die Architektur bleibt im Kern traditionell, wird aber zeitgemäß genutzt. Dass dieses Viertel vor wenigen Jahren noch vom Abriss bedroht war, ist heute kaum vorstellbar.
Ikseon-dong Hanok Street – Traditionelle Architektur bei Tag und Nacht
Insadong
Nicht weit entfernt liegt Insadong, ein Viertel, das Kultur auf andere Weise zeigt. Hier finden sich Teehäuser, Antiquitätenläden, Kunsthandwerk und traditioneller Bedarf. Auch in Insadong stößt man immer wieder auf Hanoks, die geschickt in die urbane Struktur integriert wurden.
Insadong hat seinen besonderen architektonischen Flair
Manche Gebäude stehen leicht zurückversetzt hinter Innenhöfen, andere wurden mit modernen Glas- und Stahlelementen ergänzt. Insadong wirkt dadurch nicht wie ein Museum, sondern wie ein Ort, an dem Vergangenheit ganz selbstverständlich im Alltag präsent bleibt.
Moderne Architektur in Gangnam
Natürlich durfte auch das moderne Korea nicht fehlen. In Gangnam, dem Inbegriff von Fortschritt, habe ich Hochhäuser, Shoppingmalls und futuristische Bürokomplexe gesehen. Auf den ersten Blick scheint dieser Stadtteil wenig mit der traditionellen Architektur zu tun zu haben. Doch bei genauerem Hinsehen entdeckte ich Parallelen. Viele moderne Gebäude nutzen Tageslicht bewusst, haben offene Räume, begrünte Dächer oder Natursteinfassaden. Es wirkt, als würde Korea auch hier Prinzipien bewahren, ohne sie plakativ zu wiederholen.
Moderne Architektur in Gangnam
Architektur mit Prinzipien
Was koreanische Architektur für mich auszeichnet, ist die Harmonie mit der Umgebung. Viele Hanoks folgen dem Baesanimsu-Prinzip, ein Berg im Rücken, Wasser vor dem Haus. Das sorgt nicht nur für Schutz, sondern auch für ein angenehmes Raumklima. Die verwendeten Materialien, Holz, Stein, Papier, Ton, sind atmungsaktiv und nachhaltig. Die tief gezogenen Dächer schützen vor Sonne und Regen, die flexiblen Schiebetüren lassen sich je nach Jahreszeit und Situation anpassen.
Das Ondol-System, bei dem warme Luft unter dem Fußboden zirkuliert, hat mich besonders beeindruckt. Es sorgt im Winter für angenehme Wärme, während der erhöhte Maru-Boden im Sommer kühlend wirkt. Diese Prinzipien werden auch in der Gegenwartsarchitektur aufgegriffen, sei es in öffentlichen Gebäuden wie der Seoul City Hall oder im Dongdaemun Design Plaza. Dort trifft Innovation auf Tradition, nicht als Widerspruch, sondern als Fortsetzung.
Wer Korea besucht, sollte sich Zeit für diese Bauten nehmen. Man versteht das Land besser, wenn man seine Räume kennt, nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten, sondern auch die stillen Übergänge dazwischen. Architektur in Korea ist kein Nebenschauplatz. Sie ist ein Spiegel der Gesellschaft, präzise, pragmatisch und offen für Veränderung.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Koreanische-Architektur-erleben.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:42:322026-01-30 17:42:32Koreanische Architektur erleben, Hanoks, Paläste und Geschichte zum Anfassen
In Korea gehört Ramyeon zum Alltag. Auch bei mir vergeht kaum ein Aufenthalt in Korea, ohne dass ich mindestens ein paar Packungen davon esse. Egal ob im Convenience Store, abends am Hangang-Ufer oder mal im Restaurant, Ramyeon ist für mich ein fester Bestandteil meiner Zeit in Korea. Nicht, weil es schnell geht, sondern weil es einfach gut schmeckt. Und weil es mehr ist als nur ein paar Instant-Nudeln.
Zubereitung von Ramyeon
Warum Ramyeon in Korea so beliebt ist
Ramyeon ist in Korea viel mehr als nur eine praktische Mahlzeit. Es steht für Bequemlichkeit, Wärme, Würze und ein Stück Alltagskultur. Besonders in den Jahren nach dem Koreakrieg war Ramyeon eine einfache und günstige Möglichkeit, satt zu werden. Die erste koreanische Marke kam 1963 auf den Markt, inspiriert von japanischem Ramen, aber mit eigenem Charakter. Sie war schärfer, unkomplizierter und auf koreanische Vorlieben zugeschnitten.
In den 1970er- und 1980er-Jahren fand Ramyeon seinen Weg in die Supermärkte, Schulmensen und Haushalte. Unterstützt durch Werbung und die neue Convenience-Kultur wurde es rasch zum festen Bestandteil des Alltags. Bis heute gilt es als unkomplizierte Lösung für zwischendurch, als schnelles Abendessen oder als kulinarische Kindheitserinnerung, die man gerne mit anderen teilt.
Oft stehen die Leute an der “Ramyeon-Station“ Schlange, um Ramyeon zuzubereiten
Im Unterschied zum japanischen Ramen, das meist frisch gekocht und mit aufwendiger Brühe serviert wird, basiert koreanisches Ramyeon fast immer auf Instant-Produkten. Die Zubereitung geht schnell, die Würzung ist kräftig, und der Zugang ist einfach, ob zu Hause, im Supermarkt oder im nächsten Convenience Store.
Ramyeon am Fluss
Einer meiner Lieblingsorte für eine Schale Ramyeon ist das Hangang-Ufer. Sobald es dämmert und die Lichter der Stadt angehen, zieht es mich an einen der Convenience Stores am Ufer. Dort gibt es kleine Kochstationen, an denen man das Ramyeon direkt zubereiten kann. Kurz warten, und schon steigt der würzige Dampf aus dem Becher. Ich setze mich dann nah ans Ufer, oder auf die Wiese oder auch einen der vielen Tische nahe der Ramyeon-Stationen. Der Blick über den Fluss, die warme Nudelsuppe in der Hand – das sind die Momente, die ich mit Korea verbinde.
Ein Muss bei einem Seoul Besuch: Ramyeon am Hangang essenWenn man satt ist, teilt man sich einfach eine Portion Ramyeon, denn kein Hangang Abend ohne Ramyeon
Nachtessen im Convenience Store
Ramyeon ist in Korea auch ein typisches Nachtessen. Wenn ich spät unterwegs war und noch Hunger bekomme, gehe ich oft in einen der vielen Convenience Stores. Dort finde ich nicht nur meine Lieblingssorte, sondern auch Toppings wie ein gekochtes Ei oder etwas Kimchi. Ich koche die Nudeln direkt im Store und setze mich auf einen der kleinen Plätze am Fenster. Während draußen das Leben weiterzieht, genieße ich drinnen mein Essen. Das hat fast schon etwas Beruhigendes.
Ramyeon im Restaurant
Wer denkt, Ramyeon sei nur ein günstiger Snack, hat die koreanischen Restaurants noch nicht erlebt. Dort wird Ramyeon oft frisch zubereitet und mit Zutaten wie Ei, Käse, Meeresfrüchten oder Fischkuchen ergänzt. Die Brühe ist kräftiger, die Nudeln etwas dicker, und das Ganze wirkt wie eine richtige Mahlzeit. Ich bestelle es besonders gerne an kühleren Tagen, wenn ich etwas Warmes brauche.
Egal ob im Store oder Restaurant: Beim Ramyeon Essen schlürft man
Welche Sorten es gibt
In Korea gibt es eine enorme Auswahl an Ramyeon. Die bekannteste Marke ist Shin Ramyeon von Nongshim. Es ist scharf, aber nicht übertrieben. Für mich der Klassiker. Wer es extremer mag, greift zu den Buldak Bokkeum Myeon von Samyang, auch als Fire Noodles bekannt. Diese Nudeln sind so scharf, dass sie schon fast Kultstatus erreicht haben. Jin Ramyeon von Ottogi ist etwas milder und in zwei Varianten erhältlich, scharf und mild. Neoguri wiederum bringt einen leicht fischigen Geschmack mit und hat dicke Nudeln, die fast wie Udon wirken.
Eine schier unendliche Ramyeon Auswahl in den Stores
Viele dieser Marken bekommt man inzwischen auch in Deutschland. Ich finde sie in Asia-Läden oder in koreanischen Supermärkten. Der Geschmack ist vergleichbar, aber ich bilde mir ein, dass sie in Korea immer etwas besser schmecken. Vielleicht liegt das an der Umgebung, vielleicht am Wasser, vielleicht ist es einfach die Stimmung.
Ramyeon in K-Dramen
In vielen K-Dramen taucht Ramyeon immer wieder auf. Es wird spätabends gekocht, oft in stillen Momenten oder in Szenen mit romantischer Spannung. Der Satz „Willst du Ramyeon bei mir essen?“ hat längst einen doppeldeutigen Bezug und ist inzwischen fester Bestandteil koreanischer Popkultur.
Kochen mit Technik
Auch wenn Ramyeon einfach aussieht, schwören viele Koreaner auf ihre ganz eigene Zubereitungsmethode. Manche kochen die Nudeln extra lange, andere geben das Pulver erst später dazu. Ich habe auch schon Varianten gesehen, bei denen Käse, Tofu, Wurst oder sogar Tteok hinzugefügt werden. Das Ganze wird dann zum kleinen Kochprojekt. Ich selbst halte es eher klassisch, aber ein Ei kommt bei mir fast immer dazu oder mal eine Scheibe Käse.
Egal wo man es isst, Ramyeon in Korea schmeckt immer
Warum Ramyeon für mich dazugehört
Ich esse Ramyeon nicht, weil ich keine Alternativen habe. Ich esse es, weil es für mich zu Korea gehört. Es ist unkompliziert, würzig, überall verfügbar und immer genau das Richtige, wenn der Moment passt.
Wer es noch nicht probiert hat, sollte es unbedingt nachholen, in Deutschland oder, noch besser, direkt vor Ort in Korea.
https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Ramyeon.png500800ManuelManuel2026-01-30 17:41:442026-01-30 17:41:44Ramyeon gehört in Korea einfach dazu