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Ein Ausflug, wie ihn viele Koreaner lieben

Freizeit in Korea hat viele Gesichter. Die Freizeitwünsche und Aktivitäten der Koreaner sind sehr vielfältig. Manche verbringen den Tag im Café oder beim Shopping, andere genießen ihre Zeit in Freizeitparks wie Everland, Lotte World oder im Zoo. Viele zieht es in Seoul an den Hangang, oft für den ganzen Tag bis spät in den Abend. Andere verbringen ihre freie Zeit am Meer. Viele suchen auch die Berge, gehen campen, treffen sich zum gemeinsamen Grillen oder unternehmen Ausflüge an Orte, an denen sie mehrere Stunden zusammen sein können.

Im kalten Quellwasser des Flusses: eine Abkühlung, die zum Outdoor-Jjimjilbang dazugehört

Beliebt ist auch der Besuch in einem Jjimjilbang, einer Art Badehaus und Sauna. Ich selbst habe das auch schon in Seoul gemacht. Doch es gibt auch eine Art Outdoor-Jjimjilbang. Für einen solchen Ausflug habe ich mich mit Freunden verabredet, zwischen anderthalb und zwei Stunden nördlich von Seoul. Unser Ziel heißt Jangheung Chamsutgama in Yangju, direkt am Fluss. Solche Orte sind vor allem bei Koreanern beliebt und viele verbringen dort gerne ihre Zeit, meist mit Partner, Familienangehörigen oder Freunden.

Anfahrt nach Yangju und Ankunft auf dem Parkplatz des Jjimjilbang

Wer nach Korea reist und vielleicht sogar einen Mietwagen gebucht hat, weil der Ort mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen ist, sollte einen Besuch in einem Outdoor-Jjimjilbang unbedingt einplanen. Vor Ort kommen die Wärme aus holzbefeuerten Räumen, das kalte Wasser des Flusses und das gemeinsame Essen unter Dach an einem Platz zusammen.

Gut bepackt: Jeder bringt sein eigenes Grillgut und Getränke mit. Am Eingang bezahlt man den Eintritt und herhält die typische Kleidung

So beginnt unser Tag in der Natur
Am Parkplatz geben wir unser Auto ab, es wird entfernt abgestellt und später wieder vorgefahren. Am Eingang bezahlen wir den Eintritt und bekommen die typische orangefarbene Kleidung, die Männer und Frauen gleichermaßen tragen. In Körben liegen Schlappen in allen Größen, jeder nimmt sich ein Paar. Dazu gibt es einen Schlüsselchip für die Spinde.

Der Eingangsbereich mit Kasse und Schließfächern für die persönlichen Sachen

Auf dem Gelände liegt vieles dicht beieinander: ein Kiosk mit Getränken und Kleinigkeiten, ein großer Raum zum Entspannen, der überdachte Grillbereich, mehrere Saunen und ein separater Raum, in dem auch Verkaufsveranstaltungen stattfinden. Gegenüber vom Parkplatz fließt der Fluss. Wir suchen uns im Hauptgebäude einen Platz, breiten Matten aus, stellen Kühlboxen daneben und packen Getränke, Snacks und Grillgut aus. Da wir zur Mittagszeit angekommen sind, war natürlich schon viel los. Einige waren bereits am Grillen, andere schon fertig oder in der Sauna. Familien mit Kindern waren genauso da wie Paare in jedem Alter und Freundesgruppen.

Im Hauptbereich: Besucher in der typischen orangen Kleidung, die zum Jjimjilbang gehört
Überdachte Plätze zum Essen und Ausruhen in den Pausen zwischen Sauna und Fluss

Warum alle die gleiche Kleidung tragen
Die Kleidung besteht aus einem orangefarbenen T-Shirt und einer langen Hose, die Männer und Frauen gleichermaßen tragen. In den getrennten Umkleiden zieht sie jeder nach dem Duschen an, dazu kommen die einfachen Schlappen aus den Körben. Es gibt sie für alle Größen, selbst für kleine Kinder und bis hin zu 8XL.

In einheitlicher Kleidung ist Baden und Spielen im klaren Flusswasser für viele das Highlight des Tages

Die einheitliche Kleidung hat ihre Wurzeln in den koreanischen Badehäusern. Der Sinn liegt nicht nur in der Bequemlichkeit. Es ist hygienischer, wenn alle frische Kleidung tragen, und niemand trägt Unterwäsche oder BH darunter. Der Schnitt sitzt so, dass man nichts sieht, was man nicht sehen soll. Vor allem aber steckt eine klare Vorstellung dahinter: Gleichheit und Rücksicht im öffentlichen Raum.

Selbst die Kleinsten tragen die typische Kleidung und wickeln die Handtücher im Jjimjilbang-Stil
Im Fluss mit Freunden und ihren Kindern ist für mich ein gemeinsames Erlebnis pur

Abkühlung im klaren Quellwasser
Die Saunaräume sind aus Lehm gemauert und werden mit Holz befeuert. Die Hitze ist stark, man bleibt nicht lange, sondern geht nach kurzer Zeit wieder hinaus. Zum Fluss hinführt eine Treppe. Viele breiten dort auf den Steinen ihre Matten aus, um näher am Wasser zu sein. Der Fluss ist flach, klar und stammt aus den Bergen, reines Quellwasser, das sich sanft abwärts bewegt. Mit Steinen ist er so gestaltet, dass man sich hineinstellen oder hinsetzen kann.

Der Flusslauf mit kleinen Stufen, an denen man sitzen oder spielen kann

Wir saßen auf einem Steinwall im Wasser, die kleinen Kinder meiner Freunde auf unserem Schoß. Sie spritzten sich selbst nass und hatten großen Spaß dabei. Das steckte uns Erwachsene an, und schließlich begannen auch wir, uns gegenseitig nasszuspritzen. Wir waren an diesem Tag oft im Fluss. Dazwischen sind wir in die Sauna gegangen, haben gegrillt, uns ausgeruht, bei einer Verkaufsveranstaltung vorbeigeschaut und mit den Kindern ein Eis gegessen. Immer wieder zog es uns dann zurück ins Wasser, weil das kalte Quellwasser die beste Abkühlung war.

Steine und Wasser bilden den natürlichen Bereich am Fluss

Grillen im Stil eines koreanischen BBQ
Der Grillbereich ist überdacht und wirkt wie ein typisches koreanisches BBQ-Restaurant, nur größer. In der Mitte steht ein großer Grill, bei dem das Personal sich um die Kohle und die Glut kümmert. Dort werden Fleisch und Fisch vorbereitet. Die Tischauflagen und die heiße Grillkohle für die eigenen Grills holt man draußen an der Feuerstelle. Dabei muss man genau aufpassen, was man tut.

Vorbereitungen für das Grillen – die Glut wird heiß gemacht

Wir hatten Kühlboxen voller Getränke, Snacks und Beilagen dabei. Auf den Tischgrills brutzelten Schweinefleisch, Würste, Knoblauch, Kimchi und sogar Ananas. Dazu gab es Salatblätter, in die man das Fleisch einwickeln konnte. Schon nach kurzer Zeit standen die ersten Teller auf dem Tisch. Ich habe selbst gegrillt und wurde dabei teilweise interessiert beobachtet. Viele waren überrascht, dass ein Nicht-Koreaner am Grill stand und es genauso machte wie sie. Manche sprachen mich an, einige wollten sogar Selfies mit mir.

Draußen an der Feuerstelle holt und befüllt man einen Eimer mit Grillkohle für den Tischgrill

Beim Grillen bleibt man am Platz, bis man fertig ist. Man legt Fleisch und Beilagen auf, isst zusammen und räumt danach auf. Erst dann macht man den Tisch für die nächsten frei. In Stoßzeiten kann es passieren, dass man auf einen freien Grill warten muss. Zu trinken hatten wir Apfelsaft und Energy-Drinks ohne Kalorien, bei der Hitze war es wichtig, viel Flüssigkeit zu haben.

Am Grill: Fleisch und Gemüse selbst zubereiten gehört dazu und macht so Spaß

Nett war auch, wie mich zwei ältere ajummas wohlwollend und interessiert beim Essen mit den Stäbchen beobachtet haben. Sie waren ganz begeistert, dass nichts herunterfiel und ich sogar kleinste Mengen gut greifen konnte. Sie nickten mir freundlich zu, was einer kleinen respektvollen Verbeugung gleichkommt, und lachten. Immer wenn wir uns sahen, schenkten sie mir ein Lächeln. Als sie gingen, wünschten sie mir noch einen schönen Tag. Das war sehr herzlich und zeigt, dass man auch als Gast willkommen ist.

Volle Grillstationen im Innenraum, überall duftet es nach BBQ

Wenn eine Verkaufsveranstaltung zur Show wird
Plötzlich bemerkte ich, wie Mitarbeiter kleine Tüten verteilten. Zuerst war ich überrascht, doch meine Freunde nahmen mich schnell mit in den Nebenraum, und auch ich bekam eine Tüte in die Hand gedrückt. Ohne es zu wissen, war ich mitten in einer Verkaufsveranstaltung gelandet. Bisher kannte ich so etwas nur aus K-Dramen, und ich war begeistert, wie das Verkaufsteam die Produkte präsentierte und die Leute mit einbezog. Es wurde erklärt, gelacht, Vorteile hervorgehoben und vom Publikum bestätigt. Auf die Frage „Wollt ihr lange gesund bleiben?“ antworteten alle im Chor mit einem lauten „Ne“, was auf Koreanisch einfach „Ja“ bedeutet.

Die Verkaufsveranstaltung im Nebenraum samt Geschenk ist für mich eine ganz neue Erfahrung

Typisch koreanisch war auch die Reaktion des Publikums. Immer wieder riefen die Leute „Oh“ oder „Ah“ und taten so, als seien sie überrascht oder völlig überzeugt. Es gehört dazu, den Verkäufer zu unterstützen und die Veranstaltung lebendig wirken zu lassen. Verkaufsveranstaltungen sind in Korea sehr beliebt. Sie sind immer auch eine kleine Show, und natürlich mögen die Koreaner sie auch, weil es am Ende Geschenke gibt.

Angeboten wurden Ginsengpräparate, Seife, Zahnpasta, Nahrungsergänzungsmittel und viele andere Dinge. Ich selbst habe zwar nicht alles verstanden, aber es war lustig, und am Ende bekam ich viele kleine Geschenke. Damit hatte ich nicht gerechnet, schließlich bin ich als Gast kein potenzieller Stammkunde. Doch ich wurde von allen behandelt, als wäre ich ein einheimischer ajusshi.

Die Lehmsaunen, stark beheizt und traditionell gebaut. Daneben der “Aufenthaltsbereich“ zum Entspannen

Was Gäste unbedingt wissen sollten
Wer als Tourist Korea besucht, sollte sich unbedingt auch für einen Tag in ein Outdoor-Jjimjilbang wagen. Für mich war es vielleicht einfacher, weil meine Freunde regelmäßig dorthin fahren und mich mitgenommen haben. Aber wenn ich vorher gewusst hätte, wie viel Spaß es macht, wie unkompliziert alles ist und wie herzlich man als Gast aufgenommen wird, hätte ich es längst auch allein gemacht. Und wenn meine Freunde einmal keine Zeit haben, würde ich es ohne Zögern auch alleine tun.

장흥참숯가마 (Jangheung Chamsutgama)
400 Gwonnyul-ro, Jangheung-myeon, Yangju-si, Gyeonggi-do, Korea
경기 양주시 장흥면 권율로 400

Öffnungszeiten: täglich, 24 Stunden
Eintritt: Erwachsene ca. 15.000 Won, Kinder ca. 11.000 Won

Von Seoul aus dauert die Fahrt je nach Verkehr anderthalb bis zwei Stunden. Koreaner fahren in der Regel mit dem eigenen Wagen. Für Touristen ist ein Mietauto die einfachste Möglichkeit, da die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln recht umständlich ist.

Im Wasser spielen oder am Ufer sitzen und die Sonne genießen

Fazit
Für mich war dieser Tag ein besonderes Erlebnis, ein ganzer Tag mit Freunden, mitten im koreanischen Alltag. Kein touristisches Programm, sondern ein Ort, an dem man bleibt, isst, badet, redet und die Zeit miteinander verbringt.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Ausflug.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-21 15:16:342026-01-21 15:16:34Ein Ausflug, wie ihn viele Koreaner lieben

Sinchon ist ein lebendiges Viertel im Herzen von Seoul

Sinchon gehört zu den Stadtteilen in Seoul, die man leicht erreicht und die sofort eine besondere Atmosphäre vermitteln, weil sich hier alles nach koreanischem Alltag anfühlt. Es liegt zentral, direkt zwischen mehreren Universitäten, die alle fußläufig erreichbar sind. Wenn man aus der U-Bahn-Station Sinchon kommt, ist man sofort mitten im Geschehen. Restaurants, Läden und helle Schilder bestimmen den ersten Eindruck, dazu viele junge Menschen, die unterwegs sind, zur Uni gehen oder sich mit Freunden treffen.

Unübersehbar der Hyundai Department Store in Sinchon

Sinchon zentral und abwechslungsreich in Seoul
Wenn ich in Seoul bin, wohne ich gerne in Sinchon. Das Viertel ist zentral, und vieles liegt direkt in der Nähe. Diese zentrale Lage ist einer der Gründe, warum Sinchon auch so beliebt ist.

Das ehrwürdige Kirchengebäude links und rechts das Sinchon Parang Whale, ein öffentlicher Kulturraum. Beide zeigen wie Geschichte und modernes Leben in Sinchon ineinanderfließen

Der Yonsei-Campus liegt direkt vor Ort, und gleich daneben erhebt sich das Severance Hospital, eines der größten Krankenhäuser Koreas. Das Hauptgebäude der Yonsei University ist außerdem bekannt, weil es oft als Kulisse in K-Dramen genutzt wird. Die Ewha Womans University liegt gleich nebenan, und auch die Sogang University ist in Laufweite. Ein Stück weiter erreicht man die Hongik University. Diese Dichte an Hochschulen macht das Viertel zu einem Treffpunkt für Studenten, die hier ihren Alltag verbringen.

Das Hauptgebäude der Yonsei University, oft Kulisse in K-Dramen

Sinchon ist für Touristen und Gäste ein guter Ausgangspunkt. Sinchon bietet viele Unterkünfte: Es gibt Hotels unterschiedlicher Kategorien, zahlreiche günstige Hostels und eine große Auswahl an AirBnBs. Wer für längere Zeit in Seoul bleibt, findet hier auch Longstay-Angebote oder kleine Wohnungen. Durch den regelmäßigen Wechsel der Studenten werden immer wieder Unterkünfte frei.

Wer hier übernachtet, hat Restaurants, Cafés, Shopping und Unterhaltung direkt in der Nähe.

Im Haus links wohne ich im 11. Stock, wenn ich in Seoul bin. Rechts ein mobiler Eiswagen, der regelmäßig in Sinchon unterwegs ist

Shopping in Sinchon ist abwechslungsreich und praktisch. Boutiquen bieten Kleidung für junge Leute, daneben gibt es Sport- und Schuhgeschäfte. Kosmetikläden wie Olive Young sind mehrfach vertreten, und Daiso hat Filialen mit einer erstaunlichen Vielfalt. Wer es größer mag, besucht das Hyundai Department Store am Ende der Sinchon-ro, unweit des Bahnhofs Sinchon.

Links und rechts verzweigen sich kleine Straßen zum Shoppen und Essen. Ohne Straßenverkehr, ähnlich wie Fußgängerzonen
In Sinchon kann man wunderbar shoppen, ohne dass es überlaufen ist. Die Atmosphäre ist sehr entspannt. An den Wochenenden werden Straßen teilweise für den Autoverkehr gesperrt

Mit der U-Bahn-Linie 2 und zahlreichen Buslinien ist man schnell in anderen Stadtteilen unterwegs. So erlebt man das Leben in Seoul aus einer zentralen Perspektive, ohne weite Wege in Kauf nehmen zu müssen.

Sinchon liegt zentral an der U-Bahn Linie 2 (grüne Linie) und hat auch einen süßen Wartebereich im Untergrund
Wenn man aus der U-Bahn aussteigt, ist man nach ein paar Metern mitten im Herzen von Sichon mit den vielen Restaurants, Cafés und Läden und Beautysalons

Essen und Trinken in allen Varianten
Das Angebot an Essen und Trinken in Sinchon ist riesig. Entlang der Sinchon-ro und in den vielen kleineren Straßen des Viertels reiht sich ein Lokal an das nächste. Es gibt alle Arten koreanischer Restaurants, von kleinen Suppenküchen über große Barbecue-Restaurants bis hin zu modernen Lokalen. Dazu kommen Pizzerien, italienische Pasta-Restaurants, chinesische und mexikanische Küchen.

In Sinchon kann man günstig, viel und sehr gut essen. Wer will lernt hier auch schnell neue Leute kennen
Auch Take-away und Streetfood findet man zahlreich in Sinchon

Ein typisches Bild in Sinchon sind die Bierhöfe, die fast an jeder Ecke zu finden sind. Manche servieren Chicken und Bier, andere bieten kleine Speisen an, wieder andere konzentrieren sich ganz auf das Trinken. Abends sind sie gut besucht, die Stimmung ist locker und man kommt leicht ins Gespräch.

In den vielen kleinen Nebenstraßen von Sinchon ist abends immer was los

Cafés sind in Sinchon ebenfalls allgegenwärtig. Manche sind groß und modern, andere klein und gemütlich. Viele werden zum Arbeiten, Lernen oder für Treffen genutzt, andere nur für einen schnellen Kaffee oder eine Pause. Ich mag besonders die Vielfalt: vom einfachen To-go-Laden bis zum Designer-Café ist alles dabei.

Seoul ist geprägt von einer wunderbaren Café-Kultur. Auch in Sinchon findet man zahlreiche Cafés mit Kuchen, kleinen Speisen, oder wie hier mit Bagels

Unterhaltung und Freizeit im Viertel
Sinchon ist nicht nur ein Ort zum Essen und Einkaufen, sondern auch ein Unterhaltungsviertel. Es gibt Noraebang (Karaoke-Räume), PC-Bangs zum Spielen am Computer, Billardhallen und Spielcenter. Wer ausgehen möchte, findet neben den vielen Lokalen und Bier-Hofs auch Bars und Clubs, aber auch Orte, die entspannter sind.

Sinchon bei Nacht
In Sinchon erlebt man auch schon mal eine kurze TV Live-Reportage, hier für denTV Sender SBS

Photo Booths gehören ebenfalls fest zum Freizeitbild. Sie sind bei Koreanern extrem beliebt, fast schon Kult. Gruppen von Freunden oder Paare machen dort Bilder, die gleich ausgedruckt werden. Ich mag Photo Booths auch sehr gerne, für mich bleiben es Erinnerungen allein oder mit Freunden mit vielen lustigen und coolen Posen.

Ein paar Impressionen aus Sinchon
Kleine Straßen, bunte Schilder und das Gewirr aus Leitungen geben dem Viertel sein eigenes Gesicht

Fazit

Sinchon ist für mich mehr als nur ein Univiertel. Es ist ein lebendiger Stadtteil in Seoul, der durch die Nähe zu den Universitäten jung bleibt, viele Restaurants und Cafés bietet und ein abwechslungsreiches Nachtleben hat.

Ich fühle mich in Sinchon wie zu Hause und genieße Alltag, Freizeit, die zentrale Lage und die Vielfalt an Essen, Shopping und Unterhaltung.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/sinchon-Teaser.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-21 15:03:512026-01-21 15:03:51Sinchon ist ein lebendiges Viertel im Herzen von Seoul

Ein Rundgang durch Koreas moderne Geschichte

Das National Museum of Korean Contemporary History liegt mitten in Seoul und zeigt die Geschichte des Landes von der Kolonialzeit bis in die Gegenwart. Wer das Haus besucht, trifft nicht nur auf Dokumente zur Befreiung und zum Koreakrieg, sondern auch auf Zeugnisse des Wiederaufbaus, der Demokratisierung und der Alltagskultur vergangener Jahrzehnte.
Neben alten Exponaten, Plakaten und Collagen gibt es überraschend moderne Bezüge wie die BTS Time Capsule, die 2020 der Sammlung übergeben wurde. So verbindet das Museum Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf eine Weise, die für Besucher jeden Alters interessant ist.

Blick auf das National Museum of Korean Contemporary History in Seoul

Das Gebäude ist modern gestaltet und gut zugänglich. Mehrere Stockwerke führen durch unterschiedliche Epochen, und auf dem Dach gibt es eine Terrasse mit Blick auf Gyeongbokgung und die umliegende Stadt. Für mich war das ein schöner Moment, weil die Geschichte drinnen und die Gegenwart draußen direkt nebeneinander standen.

Im Foyer markieren Tafeln gleich die wichtigsten Jahre der Zeitgeschichte

Vergangenheit von der Kolonialzeit bis zur Demokratisierung
Der Rundgang beginnt mit der Kolonialzeit unter Japan. Zeitungen, Fotos und Dokumente aus den Jahren 1894 bis 1945 machen deutlich, wie stark Korea unter Kontrolle stand. Gezeigt werden auch Materialien von Widerstandsbewegungen, an denen Studenten, Frauen und Bauern beteiligt waren. Besonders aufgefallen ist mir der Teil über die Koreanische Sprachgesellschaft. Dort geht es um den Versuch, Hangul zu schützen und weiterzuentwickeln, obwohl die Nutzung der eigenen Sprache massiv eingeschränkt war.

Erklärungstafel zur Kolonialzeit mit Hinweis auf Unterdrückung und Diskriminierung

Daran schließt sich die Befreiung von 1945 an. An den Wänden sind Zeitungen ausgestellt, die diesen historischen Moment dokumentieren. Schlagzeilen und Kommentare zeigen, wie groß die Hoffnung war, aber auch, wie ungewiss die Zukunft wirkte.

Dokumente aus der Zeit vor 1945, die von Kolonialherrschaft und Kontrolle erzählen
Ausstellung zur japanischen Besatzungszeit mit Fotos von Widerstandskämpfern

Dann folgt der Koreakrieg. Modelle und Karten zeigen die Frontverläufe, doch es sind die persönlichen Dinge, die am stärksten wirken: Uniformen, Briefe und Fotos. Sie machen sichtbar, dass es nicht nur um militärische Strategien ging, sondern darum, den Alltag unter schwierigsten Bedingungen zu überstehen.

Fotowand mit Aufnahmen aus dem Koreakrieg, die Soldaten der Vereinten Nationen und Koreas im Einsatz und Szenen des Alltags an der Front zeigen

Der nächste Bereich widmet sich dem Wiederaufbau. Fotos zeigen zerstörte Städte, daneben Bauarbeiter auf Gerüsten, Frauen in Fabriken und Händler auf Märkten. Tafeln erklären, wie Schulen, Wohnungen und Straßen neu errichtet wurden. Besucher erfahren auch, warum diese Zeit später als „Miracle on the Han River“ bezeichnet wurde.

Zum Abschluss dieses Abschnitts geht es um die Demokratisierungsbewegung. Fotos von Demonstrationen, Flugblätter und Plakate dokumentieren, wie viel Mut dafür nötig war. Auf Monitoren laufen historische Aufnahmen, die spürbar machen, dass politische Freiheit in Korea nicht selbstverständlich war, sondern hart erkämpft werden musste.

Mit der Straßenszene und Schildern wird an die Zeit nach dem Krieg und den Wiederaufbau erinnert

Alltagskultur im Wandel
Nach den ernsten Kapiteln öffnen sich Räume, in denen das tägliche Leben im Mittelpunkt steht. Die Ausstellung ist nach Jahrzehnten aufgebaut und lässt Besucher in die jeweilige Zeit eintreten.

Hier findet man eine Mischung aus Mode, Freizeit und Konsum. Plakate und Collagen zeigen Anzüge der Nachkriegszeit, Frisuren der 1970er Jahre oder Trainingsjacken der 1990er. Viele Besucher bleiben davor stehen, vergleichen, lachen oder erinnern sich an Details aus ihrer Jugend.

Interaktive Chipkartenstation, mit der Besucher ein Jahrzehnt auswählen können, um sich darüber ausführlich informieren zu lassen
Hier kann man Fernsehprogramme vergangener Jahrzehnte auswählen und ansehen und hat die Wahl zwischen Nachrichten und Unterhaltung der jeweiligen Zeit

Essen ist ein weiteres Thema. An einer interaktiven Station können Kinder und Erwachsene Zutaten auswählen und sehen, welche Mahlzeiten in früheren Jahrzehnten typisch waren. Auch Berufsbilder sind vertreten. Tätigkeiten, die verschwunden sind, wie der Fahrkartenkontrolleur im Bus, stehen neben modernen Berufen, die erst durch Digitalisierung und Globalisierung entstanden sind.

Familien erkunden gemeinsam die Stationen und probieren digitale Angebote aus

Zwischen diesen Stationen stehen auch Fernseher, die Nachrichten, Serien und Werbung aus den jeweiligen Zeiten abspielen. Sie sind nur ein Element unter vielen und helfen, die Atmosphäre einer Epoche einzufangen.

Eine alte koreanische Telefonzelle. Wenn man “angerufen” wird, hört man Informationen aus der Zeit.

Im Museum findet man als besonderes Highlight auch einen Hyundai Pony, das erste in Korea entwickelte Auto. Die Produktion begann 1975, das ausgestellte Modell stammt von 1982. Für Korea markierte er den Beginn einer eigenen Automobilindustrie. Nicht nur geschichtsinteressierte Besucher bleiben davor stehen, auch Autoliebhaber finden es spannend, dieses Stück Industriegeschichte aus nächster Nähe zu sehen.

Der Hyundai Pony als erstes selbst entwickeltes Auto Koreas wird hier im Museum ausgestellt

Die Räume sind lebendig. Kinder laufen von Station zu Station, Erwachsene vergleichen Eindrücke, Schulklassen probieren Spiele aus. Anders als in vielen Museen geht es hier nicht still zu, sondern neugierig und bewegt.

Die BTS Time Capsule
Zwischen vielen historischen Objekten fällt ein moderner Beitrag besonders auf: die BTS Time Capsule. Sie wurde 2020 zum ersten Jugendtag in Korea an Präsident Moon Jae-in übergeben und kam kurz darauf ins Museum. Die violette Box mit dem BTS Logo trägt den Titel „Gift of 2039“, weil sie erst in diesem Jahr wieder geöffnet werden soll.

Videoausschnitt, in dem BTS-Mitglieder ihre Botschaft an junge Menschen richten

Für viele jüngere Besucher ist das einer der spannendsten Punkte. BTS hat weltweit Millionen Fans, und plötzlich findet man inmitten der Geschichte des Landes einen direkten Bezug zur eigenen Gegenwart. Die Box enthält Gegenstände, die die Mitglieder selbst ausgewählt haben und die ihre Botschaften an die nächste Generation symbolisieren.

Die violette BTS Time Capsule, übergeben 2020 und für 2039 verschlossen

Sonderausstellung bis 16. November 2025
Neben der Dauerausstellung zeigt das Museum regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen. Derzeit läuft eine Schau anlässlich des 80. Jahrestags der Befreiung Koreas. Sie trägt den Titel „Our Shared Journey with the Taegeukgi“ und ist noch bis zum 16. November 2025 zu sehen.

Taegukgi mit den Unterschriften von US-Soldaten, die im Koreakrieg gekämpft haben.

Im Mittelpunkt steht die koreanische Nationalflagge, die Taegeukgi. Besucher können verschiedene historische Flaggen betrachten und erfahren, welche Rolle sie im Widerstand gegen die japanische Kolonialherrschaft, in der Unabhängigkeitsbewegung und in der Erinnerungskultur gespielt hat. Damit ergänzt die Ausstellung die Dauerausstellung um eine besonders symbolträchtige Perspektive.

Praktische Informationen
Das Museum liegt direkt am Gwanghwamun Square mit den Statuen von König Sejong und Admiral Yi Sun sin. Gleich um die Ecke befindet sich Gyeongbokgung. Ein Besuch lässt sich gut mit einem Rundgang über den Platz und durch den Palast verbinden.

Adresse: 198 Sejong daero, Jongno gu, Seoul
Öffnungszeiten: täglich 10:00 bis 18:00, mittwochs und samstags bis 21:00, montags geschlossen
Koreanischer Name: 대한민국역사박물관
Eintritt: frei
Anfahrt: U Bahnlinie 5 bis Gwanghwamun Station, Ausgang 2 oder 4. Buslinien 109, 606 und 706 halten am Platz.

Blick von der Dachterrasse auf den Gyeongbokgung Palast bei Regen

Fazit
Das National Museum of Korean Contemporary History verbindet auf gelungene Weise Geschichte und Gegenwart. Von der Kolonialzeit über Befreiung, Krieg, Wiederaufbau und Demokratisierung bis hin zu modernen Bezügen wie der BTS Time Capsule und interaktiven Stationen zur Alltagskultur deckt es viele Facetten ab. Wer sich für Korea interessiert, findet hier einen Ort, an dem Vergangenheit lebendig wird und Gegenwart sichtbar bleibt.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-2.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-21 15:03:092026-01-21 15:03:09Ein Rundgang durch Koreas moderne Geschichte

Ein Fluss mitten in Seoul erzählt seine Geschichte

Der Cheonggyecheon ist einer der Orte in Seoul, an denen Stadtgeschichte, Alltag und Erholung zusammenkommen. Mitten im Zentrum verläuft er über fast elf Kilometer, begleitet von Wegen, Treppen und Brücken. Ich habe ihn schon mehrfach besucht und jedes Mal war es ein anderes Erlebnis. Mal war es der späte Abend mit Lichtern und Musik, ein anderes Mal der frühe Morgen, wenn nur wenige Menschen unterwegs sind.

Ein erster Blick auf den Cheonggyecheon, wo Grünstreifen und Wege direkt am Wasser entlangführen

Von der Überdeckung zur Freilegung
Der Cheonggyecheon war lange Zeit kein sichtbarer Fluss. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde er nach und nach überdeckt. Auf seiner Strecke verlief schließlich eine sechsspurige Hochstraße. Wer heute am klaren Wasser entlangläuft, kann sich kaum vorstellen, dass hier Jahrzehnte lang nur Beton und Autolärm zu sehen waren. Erst Anfang der 2000er-Jahre entschloss sich die Stadt zu einem radikalen Schritt: Der Fluss wurde wieder freigelegt. 2005 war die Eröffnung. Damit begann eine neue Geschichte, die bis heute fortgeschrieben wird.

Jeder Abschnitt des Flusses hat seine eigene Wirkung und macht ihn zu etwas Besonderem

Ein Ort für Spaziergänge und Pausen
Ich gehe gerne ein Stück am Wasser entlang. Schon nach wenigen Schritten verändert sich die Atmosphäre. Unten am Fluss nimmt man den Verkehr nur selten wahr, und je nach Abschnitt wirkt es fast abgeschirmt von der Stadt. Der Fluss fließt ruhig. Die Wege sind mit Natursteinen ausgelegt, Treppen führen hinunter, Brücken spannen sich über den Fluss. Manchmal gehe ich über die großen Steine im Wasser auf die andere Seite. Oft sitze ich einfach da, beobachte die Menschen und halte meine Füße zur Erfrischung ins Wasser.

Über die großen Steine im Wasser lässt sich der Fluss auf einfache Weise überqueren

Manchmal mache ich eine Pause mit einem Samgak Kimbap, das ist ein dreieckiges Gimbap aus dem Convenience Store, und einem Iced Americano. An anderen Tagen lese ich ein bisschen, während um mich herum das Leben der Stadt weiterläuft.

Kleine Pause am Ufer mit Samgak Kimbap und Iced Americano

Viele Menschen haben ähnliche Rituale. Angestellte aus den umliegenden Büros kommen in ihrer Mittagspause hierher, manche in Anzug und Krawatte, und essen ein schnelles Mittagessen am Rand. Junge Leute machen Fotos. Touristen setzen sich für eine kurze Pause oder genießen den Blick in den Flussverlauf und die Atmosphäre. Der Cheonggyecheon ist dadurch nicht nur ein Ort für Besucher, sondern Teil des Alltags in Seoul.

Gleich am Cheonggye Plaza beginnt der Weg, wo Wasser und Stadtgeschichte zusammenkommen

Veranstaltungen am Wasser
Entlang des Cheonggyecheon gibt es über das Jahr verteilt verschiedene Veranstaltungen. Am bekanntesten ist das Seoul Lantern Festival im November. Dann schwimmen Laternen in allen möglichen Formen auf dem Wasser, und viele Besucher gehen in den Abendstunden den Weg entlang. Die Figuren zeigen Szenen aus der koreanischen Geschichte, Tiere oder moderne Symbole, und der Fluss verwandelt sich in eine lange Lichterbahn.

Die breiten Stufen laden dazu ein, sich niederzulassen und den Blick ins Wasser schweifen zu lassen

Architektur und Brücken
Es gibt rund zwanzig Brücken über den Cheonggyecheon, jede mit eigener Form. Manche sind schmal, andere breit. Einige führen direkt in Geschäftsviertel, andere zu Plätzen, an denen Straßenkünstler auftreten. Besonders interessant ist die Gwangtonggyo, eine historische Brücke, die nach dem Wiederaufbau wieder Teil des Flusswegs ist. Ich bin mehrmals darüber gegangen und habe beobachtet, wie viele Menschen stehenbleiben, um Fotos zu machen.

Im Schatten der Brücke lässt sich die Hitze der Stadt für einen Moment vergessen

Natur mitten in der Stadt
Der Cheonggyecheon ist nicht nur ein künstlich geformter Wasserlauf, sondern auch ein Stück Natur im Zentrum von Seoul. Entlang des Wegs wachsen Pflanzen, im Wasser sieht man Fische. Vögel haben den Fluss ebenfalls als Lebensraum entdeckt. Für viele ist das eine Pause vom dichten Straßenverkehr und den hohen Gebäuden ringsum. Ich selbst habe hier schon Momente erlebt, in denen die Stadt weit weg schien, obwohl ich mich mitten im Zentrum befand.

Der Cheonggyecheon ist auch eine beliebte Kulisse für Szenen in K-Dramen

Geschichte und Symbolik
Für Seoul hat der Cheonggyecheon eine besondere Bedeutung. Die Freilegung gilt als Symbol für einen modernen Umgang mit Stadtplanung. Man hat eine stark befahrene Straße abgerissen und durch Wasserwege ersetzt. Das ist nicht nur eine bauliche Entscheidung, sondern auch ein Zeichen für Veränderung. In Korea spricht man oft davon, dass der Fluss die Lebensqualität verbessert hat. Ich kann das nachvollziehen. Wenn man am Wasser sitzt und die Menschen beobachtet, versteht man, warum dieser Ort für die Stadt wichtig ist.

Abends sitzen Menschen am Ufer und genießen die Stimmung im Licht der Laternen
Nachts spiegeln sich die Farben der Stadt im ruhigen Wasser

Zugang und praktische Informationen
Der Cheonggyecheon beginnt am Cheonggye Plaza nahe des Rathauses von Seoul. Von dort fließt er durch mehrere Stadtteile, bis er in den Hangang mündet. Der Zugang ist kostenlos und rund um die Uhr möglich. U-Bahn-Stationen wie Gwanghwamun oder Jonggak liegen direkt am Fluss. Abends ist der Weg beleuchtet, sodass man auch nach Sonnenuntergang sicher spazieren kann.

Das Abendlicht auf dem Cheonggyecheon und die Beleuchtung sorgen für eine friedliche Stimmung

Unterschiede zu Flüssen in Deutschland
Für mich ist der Cheonggyecheon nicht vergleichbar mit Flüssen in deutschen Städten. In Deutschland denkt man bei Flussläufen eher an breite Ufer oder große Parks. Hier in Seoul ist es ein schmaler Streifen Wasser mitten im dichten Zentrum, eingefasst von Mauern, aber offen zugänglich. Die Kombination aus Natur, Geschichte und moderner Stadtplanung macht ihn zu etwas Eigenem.

Die Weite des Flusses wird abends noch deutlicher, wenn es ruhiger und leerer wird

Ein Fluss, den man nicht vergisst
Für mich gehört der Cheonggyecheon zu den Orten, die man in Seoul sehen sollte. Nicht, weil er laut oder groß ist, sondern weil er den Alltag zeigt. Hier sieht man, wie Menschen ihre Mittagspause verbringen, wie Touristen Fotos machen oder den Blick in den Fluss genießen. Es ist ein Stück Stadt, das viele Gesichter hat. Wer in Seoul unterwegs ist, kann hier ohne Aufwand vorbeikommen. Es lohnt sich.

Mitten im Cheonggyecheon hat auch ein Reiher seinen Platz gefunden

Fazit
Der Cheonggyecheon ist ein Beispiel dafür, wie Stadtentwicklung und Alltag zusammenfinden. Für mich bleibt er ein Ort, den ich immer wieder gerne aufsuche.r ein Ort, den ich immer wieder gerne aufsuche.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Cheonggyecheon.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-21 15:00:472026-01-21 15:00:47Ein Fluss mitten in Seoul erzählt seine Geschichte

Versteckte Oase in der Stadt: Dogok-dong, das Paris von Gangnam

Wenn man an Gangnam denkt, entstehen sofort Bilder von gläsernen Wolkenkratzern, Designer-Malls, vollen Straßen und einer ununterbrochenen Hektik. Doch mitten in diesem Bezirk liegt ein Stadtteil, der eine ganz andere Stimmung hat. Dogok-dong gehört offiziell zu Gangnam, wirkt aber fast wie eine kleine Welt für sich. Ruhig, gepflegt und mit viel Grün bietet es eine Atmosphäre, die man in einer Metropole wie Seoul nicht sofort erwartet. Für mich hatte dieser Ort den Charme einer europäischen Stadt, manchmal erinnerte er mich an Paris, manchmal an Venedig.

Abend am Yangjaecheon mit Blick auf die Skyline und den Lotte World Tower in der Ferne

Ein Stadtteil mit eigenem Charakter
Dogok-dong ist ein Wohnviertel im Süden Seouls, offiziell Teil von Gangnam. Hier stehen nicht Sehenswürdigkeiten im Mittelpunkt, sondern das Leben der Menschen, die dort wohnen. Straßen, Parks und Plätze sind für den Alltag angelegt, und genau das verleiht dem Viertel seinen Charakter. Breite Gehwege, Bäume und kleine Grünflächen machen das Bild aus. Alles wirkt sauber und gepflegt, gleichzeitig lebendig.

Maebong-Station, umgeben von den Hochhäusern und den Tower Palace Türmen

Ich war dort mit einer Freundin unterwegs, die in Dogok-dong aufgewachsen ist. Sie zeigte mir die Wege, die sie seit ihrer Kindheit kennt, und erzählte kleine Erinnerungen dazu. Dadurch bekam der Stadtteil für mich eine persönliche Note, die ich allein so nicht erlebt hätte.

Bevor wir durch das Viertel spazierten, aßen wir gemeinsam ein Tteokbokki in einem kleinen Lokal. Scharf, würzig und so, wie es die einfachen Restaurants in Korea ausmacht. Dabei erzählte sie mir von ihrer Kindheit in Dogok-dong, wie sich das Viertel verändert hat und warum es für sie bis heute so besonders ist. Für mich war das ein Einstieg, der mich gleich näher an das Viertel heranbrachte.

Ursprünglich war Dogok-dong Teil der ländlichen Gemeinde Unju-myeon im Landkreis Gwangju-gun. 1963 wurde das Gebiet nach Seoul eingegliedert, seit 1975 gehört es zum neu entstandenen Bezirk Gangnam. Heute leben hier rund 40.000 Menschen.

Lebendige Straßen mit Restaurants und Lichtern, die den Stadtteil abends prägen

Architektur und Kulisse
Dogok-dong zählt zu den wohlhabenderen Gegenden Seouls. Das spürt man nicht an einem einzelnen Gebäude, sondern am Gesamtbild. Die Wohnanlagen sind modern, großzügig und gepflegt. Hoch darüber ragen die Samsung Tower Palace Türme auf. Diese sieben Hochhäuser mit 42 bis 72 Stockwerken, zwischen 2002 und 2004 erbaut, gehören zu den prestigeträchtigsten Adressen Seouls. Sie symbolisieren den Wohlstand des Viertels und prägen die Skyline.

Für viele sind sie ein Statussymbol, für mich waren sie an diesem Abend eher die Kulisse zu einem Viertel, das durch seine Atmosphäre lebendig wurde. Man lebt ruhig, hat aber die Möglichkeiten der Metropole direkt vor der Tür. Über die Metrostationen Dogok und Maebong kommt man schnell in andere Teile der Stadt. Auch Buslinien durchqueren das Viertel und machen die Anbindung unkompliziert.

Breite Hauptstraße in Dogok-dong, die typische Seite des modernen Gangnam zeigt

Der Fluss als Herz des Viertels
Ganz besonders wurde es, als wir zum Yangjaecheon kamen. Der Fluss entspringt am Gwanaksan und zieht sich über fast 19 Kilometer durch den Süden der Stadt und bringt Natur mitten nach Gangnam. In Dogok-dong wirkt er fast wie das eigentliche Zentrum. Breite Wege ziehen sich entlang des Wassers, gesäumt von Bäumen und abends dezent beleuchtet. Jogger laufen ihre Runden, Paare gehen Hand in Hand, Familien sitzen auf den Bänken, und Jugendliche machen Selfies vor der Kulisse aus Grün und Hochhäusern.

Lotte World Tower in der Ferne und stille Eindrücke am Yangjaecheon
Bewegung und Ruhe zugleich am Fluss, vom Training bis zum Abendspaziergang

Als ich auf einer Brücke am Fluss stand, war ich von der Weite und der Aussicht fasziniert. Das habe ich mitten in Seoul nicht erwartet. Der Blick öffnet sich, man sieht über die Wohnanlagen hinaus bis hin zum Lotte World Tower in der Ferne. Gleichzeitig bleibt die Stimmung ruhig, beinahe intim. Menschen bewegen sich langsamer, Gespräche klingen leiser, und das Rauschen des Wassers mischt sich mit den Stimmen.

Wie für fast alle Besucher in Dogok-dong, gilt auch für uns: Selfie-Time  am Fluss

Es war ein Abend, an dem ich verstand, warum viele hier leben möchten und es ein offenes Geheimnis ist, dass Dogok-dong auch ein bevorzugter Wohnort für Prominente ist. Die Nähe zur Natur, eingebettet in ein modernes Umfeld, gibt Dogok-dong eine besondere Qualität. Der Yangjaecheon ist mehr als eine grüne Ader, er ist das Bindeglied zwischen Alltag und Erholung.

Spazierweg am Fluss, der von Bäumen gesäumt und abends schön beleuchtet ist
Abendliche Wege durch Bäume, die eine fast dörfliche Atmosphäre schaffen

Ein Abend mit offenem Ende
Zum Abschluss des Abends gingen wir in einen Pub, den meine Freundin seit langem kennt. Dort gab es nicht nur koreanisches Bier, sondern auch internationale Sorten wie Guinness, Heineken und Paulaner Weißbier. Für mich war es ein gelungener Ausklang, denn auch in diesem Pub war die Stimmung ruhiger und entspannter als in einem koreanischen Bier-Hof.

Dieser Moment passte für mich zu Dogok-dong. Es ist ein Viertel, das mehrere Welten miteinander verbindet: moderne Hochhäuser und stille Straßen, Alltag und Entspannung, koreanische Atmosphäre und internationale Einflüsse. Alles liegt dicht beieinander und ergibt ein Bild, das man nicht planen kann, sondern einfach erlebt.

Fazit
Dogok-dong hat für mich gezeigt, dass Gangnam mehr ist als Hochhäuser und Geschäftigkeit. Hier findet man Ruhe, Grün und eine fast dörfliche Atmosphäre, ohne die Stadt zu verlassen. Der Fluss, die Seitenstraßen und die gepflegten Anlagen machen den Stadtteil zu einem Ort, an dem man Seoul von einer anderen Seite kennenlernt.

Wer einen Einblick in das alltägliche Leben abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten haben möchte, sollte einen Abend in Dogok-dong verbringen. Es ist ein Stück Seoul, das überrascht und im Gedächtnis bleibt.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Dogok-dong.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-21 14:59:572026-01-21 14:59:57Versteckte Oase in der Stadt: Dogok-dong, das Paris von Gangnam

[MISSION] Dokdo Day: Junge Koreaner erinnern mit Pop und Posts

Am 25. Oktober wird in Korea an Dokdo erinnert. Zwei kleine Felseninseln im Meer zwischen Korea und Japan, rau und kaum bewohnt. Auf Karten wirken sie unbedeutend, doch in der koreanischen Geschichte tragen sie großes Gewicht. Sie stehen für Selbstbehauptung, Verlust und Rückgewinnung.

Der Dokdo-Gedenktag ist kein offizieller Feiertag in Korea. Dennoch sprechen Schulen darüber, Museen zeigen Ausstellungen, manche Städte hissen Flaggen. Doch immer mehr junge Koreaner begehen ihn anders. Sie teilen Beiträge im Netz, posten kurze Videos oder Grafiken. So hat sich der Gedenktag auch in den sozialen Medien verbreitet. Besonders seit 2023 entsteht daraus eine wachsende Online-Bewegung, getragen von jungen Koreanern.

Ich habe beobachtet, dass sich dieser Tag verändert. Während offizielle Stellen ihn in Gedenkveranstaltungen würdigen, entsteht online eine neue Form des Erinnerns. Aus einem traditionellen Gedenktag ist ein digitales Ereignis geworden. Und so ist Dokdo für viele Koreaner weit mehr als nur eine Felseninsel: Sie steht für nationale Identität, historischen Stolz und Unabhängigkeit.

Geschichte und Bedeutung
Dokdo gehört geografisch zu Korea und besteht aus zwei kleinen Felseninseln im Japanischen Meer. In historischen Karten der Joseon-Dynastie wurde die Inselgruppe als Teil des koreanischen Territoriums verzeichnet. Im Jahr 1900 stellte König Gojong die Zugehörigkeit durch ein kaiserliches Dekret offiziell fest.

Während der japanischen Kolonialzeit geriet Dokdo unter japanische Verwaltung, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging die Kontrolle wieder an Korea über. Seit den 1950er Jahren wird die Inselgruppe von koreanischen Behörden verwaltet. Japan beansprucht sie bis heute ebenfalls, doch in Korea gilt Dokdo vor allem als Symbol für Geschichte, Kontinuität und Eigenständigkeit.

Im Jahr 2000 führte die Provinz Gyeongsangbuk-do den Dokdo-Gedenktag offiziell am 25. Oktober ein, in Erinnerung an König Gojongs Dekret. Der Tag erinnert an Geschichte, Eigenständigkeit und kulturelle Kontinuität.

Wenn Erinnerung viral wird
Auf Instagram, YouTube und TikTok erscheinen jedes Jahr im Oktober Tausende Beiträge unter #DokdoChallenge, #독도챌린지 oder #DokdoIsOurLand. Sie zeigen Tanzvideos, Zeichnungen oder einfache Selfies mit kurzen Botschaften.

Die Bewegung begann 2023, als eine politische Debatte über staatliche Budgets auf Dokdo Widerspruch auslöste. Viele meinten, man müsse den Tag selbst gestalten. Innerhalb weniger Tage entstand die Dokdo Challenge.

Sie nutzt das Lied „Dokdo ist unser Land” aus den 1980er Jahren. Junge Menschen kombinierten es mit Choreografien bekannter K-Pop-Gruppen. Die Videos wirken spontan, aber sie tragen eine klare Botschaft.

Ein Beispiel dafür ist ein Video des Kanals Dokdo Korea, in dem das bekannte Lied neu produziert und mit einer modernen Choreografie verbunden wurde.

Das Video stammt vom YouTube-Kanal Dokdo Korea, der regelmäßig Songs und Choreografien zum Thema Dokdo veröffentlicht. Der Kanal versteht sich als kulturelles Projekt, das koreanische Geschichte und Werte weltweit sichtbar machen will. Das Lied „Dokdo ist unser Land“ wurde mithilfe von KI-Technik neu produziert, dazu entstand eine Tanzversion im Stil aktueller K-Pop-Videos. In der Beschreibung heißt es: „Ein Volk, das seine Geschichte vergisst, hat keine Zukunft.“ Es geht nicht um Nostalgie, sondern um eine digitale Form von Erinnerungskultur.

Musik als Verbindung
Das Lied „Dokdo ist unser Land“ war ursprünglich feierlich und lehrreich. In den neuen Versionen wurde es zu etwas anderem, einem Pop-Remix, einer Bewegung. Künstler, DJs und YouTuber kombinierten es mit modernen Beats, einige mit Humor, andere mit Stolz.

Ich habe mir viele dieser Videos angesehen. Trotz ihrer Leichtigkeit bleibt der Kern spürbar. Es geht um Zugehörigkeit, nicht um Politik. Tradition wird nicht abgelehnt, sondern neugestaltet. Viele junge Koreaner empfinden politische Diskussionen als zu formal. Online können sie Haltung zeigen, ohne belehrend zu wirken. Ein Hashtag, ein Tanz oder ein Emoji reicht. Ich finde das faszinierend, denn es gibt keine offizielle Kampagne und keine zentralen Vorgaben. Alles entsteht dezentral, aus der Initiative der Beteiligten.

In den Kommentaren tauchen oft Sätze auf wie: „Ich bin stolz auf meine Kultur“ oder „Das ist Teil von uns.“ Es geht weniger um Abgrenzung als um Gemeinschaft.

Auch Schulen greifen das Thema inzwischen auf. Ein Beispiel ist ein Flashmob-Projekt aus der Provinz Chungnam, hochgeladen vom offiziellen Bildungskanal der Chungnam Education Office. Das Video zeigt Schülerinnen, die eine Choreografie zum Dokdo-Tag 2025 einüben. Es dient als Material für Unterricht und Freizeitaktivitäten und zeigt, wie Erinnerung heute Teil von Bildung und digitalem Alltag geworden ist.

Dokdo im Alltag
Der Name Dokdo taucht heute auch außerhalb des Netzes auf. Ein Beispiel ist der „1025 Dokdo Toner“ der Marke Round Lab. Die Zahl 1025 steht für den Dokdo-Tag. Das Produkt nutzt Wasser von Ulleungdo, der Nachbarinsel.

Ich erwähne es, weil es zeigt, wie tief Dokdo in der Alltagskultur verankert ist. Es geht nicht um Werbung, sondern um Symbolik. Geschichte ist Teil des täglichen Lebens geworden, sichtbar in Sprache, Design und Ritualen.

Ein weiteres Beispiel für diese Verbindung von Alltag und Erinnerung ist ein Tanzvideo der Lehrerin Seunghee Lee, das auf YouTube veröffentlicht wurde. Sie unterrichtet in mehreren Gemeindezentren in der Region Yongin und zeigt in ihrem Clip einen Gruppentanz zu „Dokdo ist unser Land“, gesungen von Huntrix. Die Tänzerinnen sind zwischen 40 und 60 Jahren. Es ist keine virale Challenge, sondern ein gemeinsames Projekt, das Musik, Bewegung und Erinnerung verbindet. In der Videobeschreibung verweist Seunghee Lee auf Tanzkurse und Tutorials, doch der Hashtag #DokdoKorea macht deutlich, dass auch hier der historische Bezug mitschwingt.

Fazit
Der Dokdo-Tag zeigt, wie Erinnerung neue Formen findet. Früher war sie an Denkmäler und Feiern gebunden, heute ist sie Teil des digitalen Alltags. Junge Koreaner erinnern nicht mit Reden, sondern mit Posts, Musik und Bildern. Ich sehe darin keine Abkehr von Tradition, sondern ihre Fortsetzung. Wenn jemand in Seoul ein Reel teilt und jemand in Berlin darauf reagiert, entsteht ein Netz von Erinnerungen, das über Grenzen hinausreicht.

Ein Beispiel dafür ist der Song „Dokdo Belongs to Korea (Golden ver.)“, der online schnell zum Soundtrack der Bewegung wurde. In dieser Version singt die KI-Stimme von Huntrix Golden mit überraschend viel Gefühl, fast wie ein echter Künstler. Die Musik verbindet traditionelle Elemente mit moderner Popästhetik und trifft genau den Ton, der viele junge Koreaner bewegt: stolz, emotional und zeitgemäß.

Der Dokdo-Tag steht für ein Stück Geschichte, das sich verändert hat. Aus staatlichem Gedenken wurde eine digitale Bewegung. Junge Menschen haben daraus ihre eigene Form der Erinnerung gemacht, ruhig, kreativ und nah. Erinnerung bleibt lebendig, wenn sie geteilt wird, auch digital, ohne an Tiefe zu verlieren.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/dokdo-day-03.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-21 08:36:062026-01-21 08:45:43[MISSION] Dokdo Day: Junge Koreaner erinnern mit Pop und Posts

Ein Ausflug an den Namhangang bei Danyang lohnt sich

Mitten in den Bergen der Provinz Chungcheongbuk-do liegt Danyang am Namhangang. Der breite Fluss gehört zu den großen Strömen Koreas und prägt die Landschaft, eingerahmt von Hügeln und Felsen, die je nach Jahreszeit ein anderes Bild zeigen. Viele Besucher kommen hierher, weil der Fluss und die markanten Felsen ein schönes Ausflugsziel bieten.

Die drei Felsen, die Dodamsambong Peaks sind in Korea auch ein beliebtes Fotomotiv auf Kalendern 

Drei Felsen, die dem Fluss ein Gesicht geben
Der bekannteste Blickfang sind die Dodamsambong Peaks. Drei Felsen stehen mitten im Wasser, jeder anders geformt, zusammen eine kleine Gruppe. Vom Ufer aus heben sie sich deutlich ab. Auf dem größten Felsen steht ein Pavillon, der je nach Standort klein oder deutlich sichtbar wirkt. Mit dem Stand der Sonne verändert sich die Szene spürbar: mal wirken Konturen schärfer, mal weicher, und die Berge im Hintergrund geben dem Ganzen Tiefe.

Malerisch sind die Dodamsambong Peaks in diesen Flussabschnitt eingebettet

Vom Schiff aus wirkt die Felsgruppe jedes Mal anders, sobald man ein Stück weiterfährt. Die Anordnung verschiebt sich, Abstände wirken größer oder kleiner, und der Pavillon tritt mal in den Vordergrund, mal rückt er zurück. Das ist ein tolles optisches Wechselspiel.

Der Namhangang präsentiert sich zu jeder Jahreszeit von seiner schönsten Seite

Eine Fahrt auf dem Namhangang
Am Anleger starten regelmäßig Ausflugsschiffe, die rund 90 Minuten auf dem Fluss unterwegs sind. Die Strecke führt an Buchten, steilen Wänden und offenen Abschnitten vorbei. Die Fahrt mit dem Ausflugsschiff war unglaublich. Ich habe bei jeder Biegung des Flusses eine neue Aussicht genossen. Mal spiegelten sich Wälder im Wasser, mal ragten die Felswände fast majestätisch hervor. Alleine schon für diese landschaftliche Abwechslung in diesem Flussabschnitt des Namhangang war für mich der Ausflug in die Region lohnend.

Die Anlegestelle der Ausflugsschiffe vor Ort

Begleitet wird die Tour mit Informationen aus dem Schiffslautsprecher, wie ein Audio-Guide. Die ausführlichen Informationen waren praktisch und richteten den Blick nicht nur auf die Dodamsambong Peaks, sondern auch auf den Fluss selbst, die Umgebung und Namen einzelner Formationen. Ein Hinweis beschrieb einen Felsen, der wie ein liegender Tiger aussehen soll. Ich habe erst genau hingeschaut, und tatsächlich konnte ich die Form nachvollziehen. Ohne diese Erklärung wäre mir das entgangen.

Unendliche Weiten auf dem Namhangang bei Danyang

Geschichten, die dazugehören
Zu den Dodamsambong Peaks gehört eine bekannte Legende. Sie erzählt von einem Mann, seiner Ehefrau und einer Konkubine. Der größte Felsen soll den Mann darstellen, die Frau steht an seiner Seite, und etwas abseits liegt die Konkubine. Weil sich Mann und Frau abgewandt zeigen, gilt die Anordnung als Sinnbild einer zerbrochenen Ehe.

Dodamsambong Peaks: Der Legende nach Mann, Frau und Konkubine etwas abseits

Diese Geschichte wurde während der Fahrt ebenfalls erwähnt. Einige Mitreisende deuteten auf die Felsen und suchten die Figuren.

Rund um die Anlegestelle Danyang am Ufer des Namhangang
Als ich an der Anlegestelle des Flussabschnittes war, war diese und auch die Region nicht überlaufen. Vielleicht ist das zu anderen Tages- oder auch Jahreszeiten anders. Ich war natürlich froh, dass es kein „Massen-Tourismus“ war, so konnte ich es wirklich genießen. Die meisten Besucher waren Koreaner, die in der Region Urlaub machen oder einen Tagesausflug unternehmen. Manche nutzten den Bereich, um spazieren zu gehen, andere saßen länger auf einer Bank und schauten in Ruhe auf den Fluss. Aber wie ich machten auch viele die Tour mit dem Ausflugsschiff, um noch mehr zu erleben.

Das Farbenspiel Wasser, Felsen, Bäume und Sonne hat alle Besucher in einen Bann gezogen

Etwas oberhalb liegt ein Pavillon, den man in wenigen Minuten erreicht. Von dort aus öffnet sich der Blick auf Fluss und Tal. Man sieht die Felsen im Zusammenhang mit den Hängen, die Siedlungen am Rand und die Brücken, die das Tal queren. Diese Perspektive ergänzt den Eindruck von unten gut.

Ein paar Minuten Fußweg von der Anlegestelle entfernt ein Pavillon, der eine perfekte Aussicht bietet 
Ich war vom Namhangang in dieser Region begeistert. Das typische Selfie darf dazu natürlich nicht fehlen

Am Ufer war eine angelegte Chrysanthemenwiese zu sehen, deren kräftiges Gelb sofort ins Auge sprang. Sie hat sich schön in die Landschaft eingefügt und viele Besucher blieben dort, um Fotos oder Selfies zu machen. Ich habe ebenfalls einige Aufnahmen gemacht, weil die Blumen zusammen mit der Umgebung und dem Fluss einfach wunderschön aussahen.

Die am Ufer angelegte Chrysanthemenwiese leuchtet im satten gelb

Die Region rund um Danyang
Danyang ist nicht nur wegen des Flusses ein Ziel. Die Umgebung ist reich an Natur und bietet mehrere Aussichtspunkte, Höhlen und Wanderwege. Besonders bekannt sind die acht Aussichtspunkte von Danyang, die verschiedene Panoramablicke über Fluss und Berge ermöglichen. Auch die Gosu-Höhle, die mitten in der Stadt liegt, zieht viele Besucher an. Sie ist leicht zugänglich und zeigt Tropfsteinformationen, die eindrucksvoll beleuchtet sind.

Die Stadt selbst ist überschaubar, mit kleinen Straßen, Cafés und Märkten. Auffällig ist, dass hier viel Wert auf regionale Produkte gelegt wird. Knoblauch gilt als Spezialität, ebenso Forelle, die frisch aus den klaren Flüssen kommt. Viele Restaurants werben damit direkt vor der Tür.

Neben einer Tour mit einem Ausflugsschiff gibt es auch die Möglichkeit eine Schnellboot-Tour zu machen

Praktische Informationen
Mit dem Auto ist Danyang gut erreichbar. Oder mit der Bahn: Von Seoul Station nach Danyang dauert die Fahrt knapp 2 Stunden. Ab Bahnhof Danyang fährt man am besten mit dem Taxi zur Anlegestelle, die nur ein paar Minuten entfernt ist.

Dodamsambong Peaks
Adresse: 644 Sambong-ro, Danyang-eup, Danyang-gun, Chungcheongbuk-do
Koreanischer Name: 도담삼봉
Zugang: Uferbereich frei zugänglich
Parken: am Anleger vorhanden

Schifffahrt
Dauer: ca. 90 Minuten, mehrere Abfahrten täglich
Tickets: Verkauf direkt am Anleger

Fazit
Ein Tag am Namhangang in Danyang zeigt, wie gut ein großer Fluss, markante Felsen und ruhige Uferwege zusammenpassen. Die Dodamsambong Peaks geben dem Ort ein klares Bild, die 90-minütige Schifffahrt eröffnet ständig neue Ansichten, und am Ufer sorgen Blumenflächen und kurze Wege für einfache Pausen. Mit den Hinweisen des Audio-Guides bekommt man Hintergrundwissen, ohne den Blick vom Wasser zu nehmen. Wer eine gut erreichbare Tour ins Landesinnere sucht, findet hier ein Ziel, das ohne großen Aufwand viel Ruhe und schöne Landschaft bietet.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Teaser-Am-Namhangang-bei-Danyang.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-21 08:33:212026-01-21 08:34:18Ein Ausflug an den Namhangang bei Danyang lohnt sich

[INTERVIEW] Selbstfahrender Shuttlebus startet am Cheonggyecheon

Am Cheonggyecheon in Seoul hat es eine Premiere gegeben. Zum ersten Mal in Korea fährt dort ein selbstfahrender Shuttlebus ohne Fahrersitz. Die Strecke verbindet den Cheonggye Plaza mit dem Gwangjang-Markt, und schon die ersten Fahrten haben gezeigt, wie stark das Interesse ist. Viele Passanten bleiben stehen, machen Fotos oder filmen den ungewohnten Anblick ohne Lenkrad.

Ein noch recht ungewöhnlicher Anblick: Selbstfahrender Shuttlebus in Seoul © Juliana Baron 

Am 24. September 2025 begann der offizielle Betrieb. Die Stadt verbindet mit dem neuen Angebot mehr als nur einen Versuch. Sie sieht darin einen Schritt in die Zukunft der Mobilität in Korea, hin zu einem Nahverkehr, der innovativ und zugleich nachhaltig sein soll. Dass dieser Start mitten in Seoul stattfindet und nicht am Rand, zeigt die Bedeutung, die dem Projekt beigemessen wird.

Interview mit Juliana Baron
Eine der ersten Mitfahrer war meine Bekannte Juliana Baron, Vice President & General Secretary der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft (DKG) in Bayern. Sie nutzte gleich am zweiten Einsatztag die Gelegenheit, mitzufahren.

Julina Baron war eine der ersten Fahrgäste mit dem selbstfahrenden Shuttlebus am Cheonggyecheon © Juliana Baron 

Wie war deine erste Fahrt mit dem neuen Shuttle?
„Ich stieg am Vormittag gemeinsam mit drei Koreanerinnen ein, die von der Jungfernfahrt im Fernsehen erfahren hatten. Schon beim Einsteigen fiel mir auf, dass es keinen Fahrersitz gab. Kein Lenkrad, kein gewohntes Cockpit. Ich checkte zwar mit der T-Money Transportation Card ein, bezahlen musste ich aber nichts. Noch ist die Nutzung kostenlos, und das machte es einfach, den Bus spontan zu nehmen.“

Wie hat sich der Bus im Verkehr verhalten?
„Zunächst ging es ruhig los, die Straße war leer. Doch bald wurde es voller: Autos kamen aus Seitenstraßen, Motorroller, wie man sie ständig von Lieferdiensten sieht, schlängelten sich vorbei. Plötzlich überquerte ein Fußgänger bei Rot die Fahrbahn. Da legte der Bus eine Vollbremsung hin. Insgesamt fuhr er gleichmäßig, aber in unerwarteten Momenten reagierte er abrupt.“

Welche Eindrücke hattest du im Innenraum?
„Die Anzeigen waren spannend, weil ich sehen konnte, wie der Bus Fußgänger, Autos und Hindernisse erfasst. Die Warngeräusche fielen mir sofort auf. Bei hohem Verkehrsaufkommen, wenn Motorroller dicht am Fahrzeug entlangschlängelten, ertönte ein lautes Piepen. Auf Dauer empfand ich das als anstrengend. Das System hielt zudem großen Sicherheitsabstand und bremste stark, sobald sich Fahrzeuge oder Fußgänger näherten.“

Gab es Situationen, in denen das Personal eingreifen musste?
„Einmal standen wir hinter einem Auto mit Warnblinker und kamen nicht vorbei. Plötzlich ertönte ein elektronisches Hupen. Ich fragte den Sicherheitsmitarbeiter, ob der Bus autonom hupen könne. Er lachte und sagte, dass er die Hupe selbst betätigt hatte. Das machte mir deutlich, dass das System noch nicht jede Lage allein löst.“

Wie reagierten die Menschen draußen auf den Shuttle?
„Viele blieben stehen, manche zückten das Smartphone und filmten. Andere winkten uns zu. Noch ist es ungewohnt, ein Fahrzeug ohne Fahrer zu sehen. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass sich einige Anwohner schon an den Anblick gewöhnt haben.“

Wie lautet dein persönliches Fazit?
„Die Fahrt erinnerte mich ein wenig an die mit einem Fahranfänger: vorsichtig, mit abrupten Bremsungen und viel Abstand. Aber sie vermittelte mir schon jetzt ein Gefühl dafür, wie autonome Fahrzeuge künftig zum Stadtbild gehören können. Noch ist es ein Pilotprojekt mit Ecken und Kanten, doch für mich zeigt es klar, wohin sich Mobilität entwickeln wird.“

Zum ersten Mal fährt ein Bus autonom durch Seoul
Der neue Shuttlebus ist vollständig für den autonomen Betrieb entwickelt. Er hat keinen Fahrersitz und kein Lenkrad. Stattdessen übernehmen Kameras, Radar und Lasersensoren die Steuerung. Das Fahrzeug fährt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde, wobei sich das Tempo an die Gegebenheiten der Strecke anpasst.

Der neue selbstfahrende Bus zieht nicht nur Touristen an, sondern interessiert auch Einheimische jeden Alters © Lee jeong woo (MCST)

Die Strecke umfasst 4,8 Kilometer zwischen Cheonggye Plaza und Gwangjang-Markt. Der Shuttle fährt werktags von 10 Uhr bis 16:50 Uhr im Halbstundentakt, mit einer Pause zur Mittagszeit. Am Wochenende pausiert der Betrieb, weil der Bereich am Cheonggyecheon dann als autofreie Zone genutzt wird. Damit ist der Einsatz klar eingegrenzt, aber für den Testbetrieb gut geeignet.

Jede Fahrt wird von einem Sicherheitsmitarbeiter begleitet. Er überwacht die Systeme und kann mit einem Steuergerät eingreifen, wenn es erforderlich ist. So wird die Technik erprobt, ohne dass die Sicherheit der Fahrgäste allein der Software überlassen bleibt.

Jede Fahrt wird von einem Sicherheitsmitarbeiter überwacht © Juliana Baron 

Im Bus beginnt ein neues Erlebnis
Der Bus bietet Platz für acht Personen. Die Sitze sind in U-Form angeordnet, sodass sich die Fahrgäste gegenüber sitzen. Damit bleibt der Innenraum übersichtlich und wirkt offen, obwohl er relativ klein ist. Eine Rampe erleichtert den Einstieg für Rollstuhlfahrer, klappbare Sitze schaffen zusätzlichen Raum.

Im Fahrzeug gilt Anschnallpflicht, Stehen ist nicht erlaubt. Diese Regeln geben den Fahrten Struktur und sorgen für Sicherheit. Gerade in dieser frühen Phase ist das für viele Mitfahrer beruhigend, weil sie sehen, dass die Abläufe klar vorgegeben sind.

Auf Displays erscheinen während der Fahrt Informationen zu Geschwindigkeit, Strecke und Ankunftszeit. Dazu kommt eine schematische Darstellung, wie das Fahrzeug die Umgebung erfasst. Fahrgäste können so nachvollziehen, wie die Technik arbeitet und welche Objekte erkannt werden.

Man hart nicht nur einen guten Ausblick, sondern kann auf dem Display Fahrtinformationen erhalten © Lee jeong woo (MCST)

Die Stadt testet Zukunft im Alltag

Mit dem Cheonggye A01 will die Stadt zeigen, dass autonomes Fahren mehr sein kann als eine technische Machbarkeitsstudie. Die Wahl des Cheonggyecheon als Standort ist bewusst getroffen: Hier sind täglich viele Menschen unterwegs, und der Bus wird unmittelbar Teil des Alltags.

Die Verbindung zwischen Cheonggye Plaza und Gwangjang-Markt ist nicht zufällig. Beide Orte sind stark frequentiert, und die Strecke liegt mitten in einem belebten Teil der Innenstadt. Damit erreicht das Angebot viele verschiedene Fahrgäste, vom Touristen bis zum Berufspendler.

Stecke, Entfernung und Haltestellen werden für Fahrgäste ansprechend präsentiert© Lee jeong woo (MCST)

In Zukunft ist eine Erweiterung des Betriebs vorgesehen. Geplant sind längere Betriebszeiten, zusätzliche Linien und eine bessere Integration in das bestehende Nahverkehrsnetz. Auch Echtzeitdaten in Apps und an Haltestellen sollen bald verfügbar sein. Damit könnte aus der Premiere ein dauerhafter Bestandteil des Nahverkehrs werden.

Der selbstfahrende Bus lässt viele Fahrgäste noch staunen © Lee jeong woo (MCST)

Fazit
Der Start des Shuttles am Cheonggyecheon ist mehr als ein technisches Experiment. Zum ersten Mal in Korea fährt ein Bus autonom im Stadtverkehr, und die Menschen können miterleben, wie sich eine neue Form der Mobilität in den Alltag einfügt.

Die Resonanz zeigt, dass das Interesse groß ist. Medien berichten ausführlich, in den sozialen Netzwerken werden Videos geteilt, und auf der Straße bleiben Passanten stehen, um den Bus zu sehen. Sichtbarer kann ein Anfang kaum sein. So wird deutlich, warum die Stadt von einem großen Schritt in eine nachhaltige Zukunft der Mobilität in Korea spricht.

Bei meinem nächsten Besuch in Seoul möchte ich das selbst auch ausprobieren und mitfahren.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/Bus-Teaser.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-21 08:32:592026-01-21 08:32:59[INTERVIEW] Selbstfahrender Shuttlebus startet am Cheonggyecheon

Suneung in Korea ist der wichtigste Tag der Schulzeit

Am 13. November ist in Korea die Suneung (수능), die zentrale Hochschulaufnahmeprüfung. Für Millionen von Schülern ist es der Tag, auf den sie seit zwölf Jahren hinarbeiten. Das Ergebnis bestimmt, ob sie eine Universität besuchen und welchen weiteren Weg sie einschlagen.

Bereits in den frühen Morgenstunden merkt man, dass dies kein gewöhnlicher Tag ist. Die Straßen um die Schulen werden gesperrt, und die Busse und Bahnen fahren häufiger. Die Polizei erhöht den Verkehrsdienst und hat Streifenwagen und Motorräder bereit, um in Einzelfällen verspätete Schüler bis zur Schule zu bringen. In den Hörverständnisteilen passen Flughäfen Start und Landung von Flugzeugen an, um Lärmstörungen zu vermeiden. Viele Unternehmen und Behörden starten später, damit Eltern ihre Kinder begleiten können. Vor den Schulen warten Familienangehörige, oft mit Glücksbringern, warmen Getränken oder stillen Gebeten.

Am Suneung-Tag berichten alle großen TV-Sender in Korea live (Screenshot Arirang TV)

Ich glaube, fast jeder, der sich für Korea interessiert, hat schon einmal eine Schulszene in einem K-Drama gesehen. Auch ich kannte den Unterricht, die typischen koreanischen Schuluniformen und den teilweise großen Lerndruck zunächst nur von dort. Erst als ich mich genauer mit dem koreanischen Schulalltag beschäftigte, wurde mir klar, wie intensiv die Vorbereitung auf das Suneung wirklich ist.

Eltern, Angehörige und Freunde begleiten die Prüflinge zur Schule und drücken die Daumen (Screenshot Arirang TV)

Der Weg zum Suneung
Um zum Suneung zu gelangen, durchläuft man ein einheitliches Schulsystem: sechs Jahre Grundschule, drei Jahre Mittelschule und drei Jahre Oberschule. Das sind insgesamt zwölf Jahre bis zur Hochschulaufnahmeprüfung. Nach neun Jahren, mit dem Abschluss der Mittelschule, ist die Schulpflicht beendet. In der Realität besuchen fast alle Jugendlichen die Oberschule und erhalten nach drei weiteren Jahren ihr Abschlusszeugnis. Bereits nach der Mittelschule wechseln nur wenige direkt in Ausbildung oder Beruf.

Das Suneung ist eine Hochschulzulassungsprüfung und kein Schulabschluss. In Deutschland dient das Abitur als Abschluss der Schule und als Berechtigung für den Zugang zur Hochschule. In Korea bekommt jeder, der die Oberschule beendet, ein Abschlusszeugnis. Ob man den Weg zu einer angesehenen Universität antreten kann, entscheidet einzig das Suneung. Deshalb nehmen viele Schüler den Test ein zweites Mal in Angriff, wenn die Ergebnisse nicht ausreichen. Das Suneung ist ein Meilenstein, der das Leben vieler Jugendlicher stärker beeinflusst als jedes andere Ereignis während ihrer Schulzeit.

Bei der Prüfung sind die Schüler hochkonzentriert. Sie wissen, dass hier die Zukunft entschieden wird (Screenshot Arirang TV)

Die Prüfung hat eine Dauer von fast neun Stunden. Die Pflichtfächer sind Koreanisch, Mathematik, Englisch und Koreanische Geschichte. Neben den Pflichtfächern gibt es, ähnlich wie beim deutschen Abitur, auch prüfungsrelevante Wahlfächer. Hierzu zählen in den Naturwissenschaften Biologie, Chemie oder Physik, in den Gesellschaftswissenschaften Fächer wie Geschichte, Politik oder Geografie.

Wenn die Prüfung vorbei ist, fällt die Anspannung spürbar ab. Viele Schüler gehen mit Freunden essen oder einfach spazieren. Für einen Moment ist der ganze Druck verschwunden, und sie können endlich durchatmen.

Mitschüler andererJahrgänge der Baemun Oberschule unterstützen die Prüflinge beim Suneung / CSAT (College Scholastic Ability Test) (Screenshot Arirang TV)

Der Alltag in der koreanischen Schule
In Korea startet ein Schultag um etwa acht Uhr. Zu diesem Zeitpunkt wird auch die Anwesenheit überprüft. Die Unterrichtsstunden sind auf fünfzig Minuten angesetzt, und dazwischen gibt es kurze Pausen von etwa zehn Minuten. Die einzige längere Unterbrechung ist die Mittagspause, die etwa vierzig bis fünfzig Minuten dauert. In dieser essen die Schüler gemeinsam in der Mensa oder im Klassenzimmer. Tagsüber bleibt man normalerweise auf dem Schulgelände.

Am Nachmittag kommen oft weitere Stunden hinzu, ergänzt durch Clubs oder Sportangebote. Der offizielle Unterricht endet meist gegen 15 oder 16 Uhr, doch viele Oberschulen haben am Abend zusätzliche Lernzeiten im Angebot. Wer bleibt, sitzt an Aufgaben, geht den Stoff noch einmal durch oder bereitet sich auf Prüfungen vor. Danach stehen Hausaufgaben oder der Besuch eines Hagwon auf dem Programm, denn fast alle Schüler gehen neben dem staatlichen Unterricht noch zu diesen privaten Nachhilfeinstituten, die Hagwons heißen. In diesen Fächern wie Englisch, Mathematik oder Naturwissenschaften erfolgt eine Vertiefung des Lernens. Hagwons, die man als kleine Schulen betrachten kann, haben feste Stundenpläne und Prüfungen. Weil sie fest an die Notwendigkeit glauben, dass nur zusätzliche Förderung den Weg zu einer guten Universität öffnet, stecken viele Familien viel Geld in diese Überzeugung. Für viele Schüler ist das herausfordernd, weil sie oft bis in die Nacht lernen.

Viele kommen mit dem koreanischen Schulalltag zum ersten Mal durch ein K-Drama in Kontakt, wie hier in „How to Buy a Friend“ (Photo: KBS Press)

Anders als in Deutschland ist es für Schüler ab der Mittelschule verpflichtend, Uniformen zu tragen. Eine Besonderheit ist die Verantwortung für die Sauberkeit: Klassen fegen die Böden, leeren die Mülleimer und wischen die Tafel. In Deutschland ist es nicht üblich, dass die Schüler Ihre Klassenrume putzen und den Mülleimer entleeren.

Koreanisch, Mathematik, Englisch und Naturwissenschaften stehen auf dem Stundenplan. Es gibt auch Fächer, die in Deutschland weniger verbreitet sind, wie zum Beispiel Moralunterricht. Bis zum Ende der Schulzeit ist Koreanische Geschichte ein Pflichtfach. Auch Sport, Musik und Kunst sind dabei. Vereine wie Chor, Theater, Tanz oder Basketball gehören zum festen Bestandteil des Schullebens. In Deutschland verbringen Schüler ihre Freizeit meist in Vereinen, während in Korea solche Aktivitäten stärker mit der Schule verbunden sind.

In diesem Umfeld haben Lehrer ein hohes Ansehen. Schüler empfangen sie mit Respekt. In Deutschland ist das Verhältnis deutlich informeller, während es hier viel formeller ist.

Wenn man den Aufwand und die Intensität des Lernens in Korea sieht, wird deutlich, wie stark Bildung das Leben prägt. Ich habe miterlebt, wie anspruchsvoll die Prüfungszeit sein kann. Meine Tochter hat 2024 Abitur gemacht und ein halbes Jahr lang fast jeden Abend zusätzlich gelernt, um gut vorbereitet zu sein. Wenn ich Berichte aus Korea lese, habe ich den Eindruck, dass der Lernaufwand dort noch intensiver ist und der Druck auf die Schüler deutlich größer. Auch meine eigene Schulzeit, die Prüfungen und das Studium waren fordernd, und ich bin froh, dass ich diese Phase heute nicht noch einmal durchlaufen muss.

Die Abitur-Verleihung ist in Deutschland von Schule zu Schule unterschiedlich, aber immer eine große festliche Feier (Photo: Manuel Guthmann)

Suneung und Prominente in Korea
Der Suneung prägt nicht nur das Leben vieler Schüler, sondern ist auch in der Öffentlichkeit ein Thema. Viele bekannte K-Pop-Stars und Schauspieler haben über ihre eigenen Erfahrungen mit der Prüfung gesprochen. Han Ga-in erzielte 384 von 400 Punkten und erzählte später, dass sie sich während der Schulzeit ganz auf das Lernen konzentriert habe. Auch Song Joong-ki und Park Jung-min berichteten in Interviews, wie stark der Wettbewerb war und wie intensiv sie sich auf den Suneung vorbereitet haben. Solche Einblicke zeigen, welchen hohen Stellenwert Bildung und Leistung in Korea haben, selbst bei Prominenten, deren Leben später ganz anders verlief.

Vielen Koreanern ist es wichtig an einer renommierten Universität, wie der Ewha Womans University oder Yonsei University in Seoul zu studieren (Photo Manuel Guthmann)

Im November 2024 nahmen einige K-Pop-Idole wie Park Ji-hoo (Evnne) und Eunseop (Lun8) am Suneung teil, während sich andere wie Haerin (NewJeans) bewusst auf ihre Karrieren konzentrierten. Viele Stars, vor allem aus der K-Pop-Szene, schicken jedes Jahr aufmunternde Botschaften an ihre Fans, die sich der Prüfung stellen. Damit wird deutlich, dass der Suneung längst auch kulturell eine Rolle spielt, als gemeinsamer Moment von Anstrengung, Erwartung und Zusammenhalt.

Das Fernsehen ist Live bei der Suneung Prüfung dabei (Screenshot Arirang TV)

Fazit
In Korea ist das Suneung die entscheidende Prüfung während der gesamten Schulzeit. Alles, was in den letzten zwölf Jahren im Unterricht passiert ist, kulminiert an diesem einen Tag. Er entscheidet, ob sich die Türen zu den Universitäten öffnen. Für die Schüler bedeutet das viel Anspannung, für ihre Familien Mitfiebern und Hoffen. Der 13. November ist ein Datum, das das Leben vieler Familien wie kaum ein anderes prägt.

Wer an diesem Tag im Prüfungsraum sitzt, hat Jahre intensiven Lernens hinter sich. Bereits in der Grundschule hört man den Begriff Suneung, und je näher der Termin rückt, desto größer wird der Druck. Für viele Schüler ist der geregelte Schulalltag mit langen Tagen, Hausaufgaben und zusätzlichem Unterricht selbstverständlich geworden, und doch mündet er schließlich in dieser einen Prüfung, die über den weiteren Weg entscheidet.

Am Suneung-Tag drücke ich allen Prüflingen fest die Daumen.
힘내요 (hwaiting/fighting)

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/teaser-1.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-21 05:38:432026-01-21 05:38:43Suneung in Korea ist der wichtigste Tag der Schulzeit

Die Kathedrale von Myeong-dong

Myeong-dong gehört zu den bekanntesten Stadtteilen Seouls. Die Straßen sind eng, voller Menschen, Läden und Verkaufsstände. Kosmetik, Mode und K-Pop-Artikel prägen das Bild genauso wie das Streetfood, das hier fast an jeder Ecke angeboten wird. Mitten in diesem Trubel steht die Kathedrale von Myeong-dong. Ihr roter Backstein und der hohe Turm fallen sofort ins Auge. Diese Kirche erinnert mich eher an Kirchen in Europa, ganz anders, als ich es in Korea erwartet hätte.

Als ich den Vorplatz betrat, fiel mir sofort auf, wie ordentlich und sauber hier alles wirkte. Das ist typisch für Korea und in Deutschland nicht immer der Fall.

Blick auf den Vorplatz der Kathedrale von Myeong-dong, links moderne Gebäude, rechts erhebt sich der neugotische Backsteinbau

Der Bau und die Bedeutung der Kathedrale
Die Kathedrale wurde zwischen 1892 und 1898 von der Pariser Missionsgesellschaft erbaut. Offiziell trägt sie den Namen Kathedrale zur Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria, wird aber meist einfach Myeong-dong Kathedrale genannt. Damals trug sie noch den Namen Jonghyeon-Kathedrale.

Der neugotische Baustil mit Spitzbögen, hohen Fenstern und dem schlanken Turm war für Korea ungewöhnlich. Die Kirche war die erste große katholische Kathedrale des Landes, und schon ihr Standort war ein Symbol: Myeong-dong war damals wie heute ein Zentrum von Handel und Begegnung. Dass sie im Herzen von Myeong-dong steht, zeigt, wie sehr der junge katholische Glaube damals sichtbar werden wollte.

links: Mariengrotte am Fuß der Kathedrale, ein Ort des stillen Gebets mitten im belebten Stadtteil
rechts: Die Kathedrale von Myeong-dong im Abendlicht, der Turm ist schon von weitem zu sehen

Die Kathedrale gilt bis heute als Zentrum des katholischen Glaubens im Land. Sie ist Sitz des Erzbischofs von Seoul und damit eines der wichtigsten religiösen Gebäude.

Auch politisch spielte sie eine Rolle. In den 1970er- und 1980er-Jahren bot die Kathedrale Demokratiebewegungen und Regimekritikern Schutz. Hier versammelten sich Menschen, die für Freiheit und Gerechtigkeit eintraten. Damit wurde sie zu einem Ort, der weit über den Glauben hinaus Bedeutung hatte.

Die Myeong-dong Kathedrale ist nicht einfach irgendeine Kirche. Sie gilt als das Zentrum des koreanischen Katholizismus. Heute besuchen nicht nur Gläubige die Kathedrale. Viele Touristen kommen her, und selbst wer nur durch Myeong-dong bummelt, bleibt oft für einen Moment auf dem Vorplatz stehen oder wirft einen Blick ins Innere.

Architektur und Innenraum der Kirche
Architektonisch unterscheidet sich die Kathedrale deutlich von dem, was ich sonst in Korea gesehen habe. Während Tempel oft aus Holz bestehen und farbenfroh bemalt sind, wirkt der neugotische Stil eher nüchtern. Der Bau Ende des 19. Jahrhunderts entstand in einer Zeit, in der Korea noch stark von ausländischen Einflüssen abgeschirmt war. Umso bemerkenswerter ist es, dass man damals den Mut hatte, so ein Gebäude zu errichten. Es war nicht nur eine Kirche, sondern auch ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass die katholische Gemeinde hier ihren Platz beansprucht.

Gemälde im Inneren: Der heilige Andreas Kim Taegon, erster koreanischer Priester, zusammen mit Märtyrern des 19. Jahrhunderts

Im Inneren überraschte mich die Atmosphäre. Viele alte Kirchenbauten sind dunkel und wirken eher bedrückend. Hier war es anders: hell, offen und freundlich. Besonders die Fenster mit ihren Darstellungen biblischer Szenen sind mir sofort aufgefallen. Das Licht, das durch sie einfällt, verändert den Charakter der Kirche je nach Tageszeit.

links: Blick in das Kirchenschiff, hohe Spitzbögen und buntes Glas prägen den Innenraum
rechts: Der Altarraum der Kathedrale mit reich gestalteten Glasfenstern

Interessant fand ich, dass es nicht nur eine Lautsprecheranlage gab, damit die Gläubigen den Pfarrer gut hören können, wie man es auch in Deutschland kennt. Zusätzlich hängen überall große Bildschirme, die den Altarraum während des Gottesdienstes übertragen. So können auch die hinteren Reihen und die seitlichen Plätze alles gut mitbekommen, fast wie bei einer Fernsehübertragung.

links: Die große Orgel über dem Eingang begleitet regelmäßig die Gottesdienste
rechts: Monitore übertragen den Gottesdienst, damit auch Gläubige in den hinteren Reihen alles mitverfolgen können

Beim Gehen durch die Seitengänge sind mir auch Bilder aufgefallen, die ehemalige Missionare oder Geistliche zeigen. Anders, als erwartet tragen sie darauf keinen Talar, sondern Hanbok, den traditionellen koreanischen Anzug, und oft auch den typischen Hut aus der Joseon-Zeit. Das macht deutlich, wie sehr sich der katholische Glaube hier mit der koreanischen Kultur verbunden hat.

links: Innenraum der Kathedrale mit farbiger Fensterrose und Statue
rechts: Porträt von Andreas Kim Taegon im traditionellen Hanbok. Er gilt als Schutzpatron Koreas

Unterhalb der Kathedrale befindet sich eine Krypta, die oft weniger beachtet wird, aber einen wichtigen Teil der Geschichte erzählt. Hier liegen die Gebeine katholischer koreanischer Märtyrer, die im 19. Jahrhundert wegen ihres Glaubens verfolgt und getötet wurden.

links: Die Kathedrale am Abend, erleuchtet und ruhig wirkt sie wie ein Gegenpol zum Trubel von Myeong-dong
rechts: Die breite Treppe führt vom Einkaufsviertel hinauf zum Vorplatz der Kathedrale

Praktische Informationen
Die Kathedrale ist leicht zu erreichen. Von der U-Bahn-Station Myeong-dong sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Die Kirche ist tagsüber geöffnet, der Eintritt ist frei. Wer an einer Messe teilnehmen möchte, findet vor Ort Hinweise auf die Uhrzeiten. Besucher sollten beachten, dass während der Gottesdienste keine Besichtigung möglich ist. Wer aber zwischen den Messen kommt, kann sich frei im Innenraum bewegen und die Kirche in Ruhe anschauen. Fotografieren ist in den meisten Bereichen erlaubt, außer während Gottesdiensten.

Seitlicher Blick auf die Kathedrale von Myeong-dong mit ihrem markanten roten Backstein

Besonders schön ist der Besuch am späten Nachmittag. Dann fällt das Licht durch die Glasfenster in den Innenraum, und auch draußen auf dem Vorplatz wird die Atmosphäre ruhiger. Viele Menschen nutzen die Gelegenheit, noch einmal zu sitzen, bevor sie zurück ins geschäftige Myeong-dong gehen.

Fazit
Die Kathedrale von Myeong-dong ist nicht nur ein architektonisches Denkmal, sondern auch ein Stück koreanischer Geschichte. Mich hat sie durch ihre europäisch wirkende Bauweise und durch die Verbindung zur koreanischen Kultur im Inneren überrascht. Wer in Seoul unterwegs ist, sollte die Kathedrale unbedingt besuchen und einen Moment innehalten.

https://dev.korea-inside.net/wp-content/uploads/2026/01/teaser.png 500 800 Manuel Manuel2026-01-21 05:20:472026-01-21 05:23:24Die Kathedrale von Myeong-dong
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