Ramyeon gehört in Korea einfach dazu
In Korea gehört Ramyeon zum Alltag. Auch bei mir vergeht kaum ein Aufenthalt in Korea, ohne dass ich mindestens ein paar Packungen davon esse. Egal ob im Convenience Store, abends am Hangang-Ufer oder mal im Restaurant, Ramyeon ist für mich ein fester Bestandteil meiner Zeit in Korea. Nicht, weil es schnell geht, sondern weil es einfach gut schmeckt. Und weil es mehr ist als nur ein paar Instant-Nudeln.

Warum Ramyeon in Korea so beliebt ist
Ramyeon ist in Korea viel mehr als nur eine praktische Mahlzeit. Es steht für Bequemlichkeit, Wärme, Würze und ein Stück Alltagskultur. Besonders in den Jahren nach dem Koreakrieg war Ramyeon eine einfache und günstige Möglichkeit, satt zu werden. Die erste koreanische Marke kam 1963 auf den Markt, inspiriert von japanischem Ramen, aber mit eigenem Charakter. Sie war schärfer, unkomplizierter und auf koreanische Vorlieben zugeschnitten.
In den 1970er- und 1980er-Jahren fand Ramyeon seinen Weg in die Supermärkte, Schulmensen und Haushalte. Unterstützt durch Werbung und die neue Convenience-Kultur wurde es rasch zum festen Bestandteil des Alltags. Bis heute gilt es als unkomplizierte Lösung für zwischendurch, als schnelles Abendessen oder als kulinarische Kindheitserinnerung, die man gerne mit anderen teilt.

Im Unterschied zum japanischen Ramen, das meist frisch gekocht und mit aufwendiger Brühe serviert wird, basiert koreanisches Ramyeon fast immer auf Instant-Produkten. Die Zubereitung geht schnell, die Würzung ist kräftig, und der Zugang ist einfach, ob zu Hause, im Supermarkt oder im nächsten Convenience Store.
Ramyeon am Fluss
Einer meiner Lieblingsorte für eine Schale Ramyeon ist das Hangang-Ufer. Sobald es dämmert und die Lichter der Stadt angehen, zieht es mich an einen der Convenience Stores am Ufer. Dort gibt es kleine Kochstationen, an denen man das Ramyeon direkt zubereiten kann. Kurz warten, und schon steigt der würzige Dampf aus dem Becher. Ich setze mich dann nah ans Ufer, oder auf die Wiese oder auch einen der vielen Tische nahe der Ramyeon-Stationen. Der Blick über den Fluss, die warme Nudelsuppe in der Hand – das sind die Momente, die ich mit Korea verbinde.


Nachtessen im Convenience Store
Ramyeon ist in Korea auch ein typisches Nachtessen. Wenn ich spät unterwegs war und noch Hunger bekomme, gehe ich oft in einen der vielen Convenience Stores. Dort finde ich nicht nur meine Lieblingssorte, sondern auch Toppings wie ein gekochtes Ei oder etwas Kimchi. Ich koche die Nudeln direkt im Store und setze mich auf einen der kleinen Plätze am Fenster. Während draußen das Leben weiterzieht, genieße ich drinnen mein Essen. Das hat fast schon etwas Beruhigendes.
Ramyeon im Restaurant
Wer denkt, Ramyeon sei nur ein günstiger Snack, hat die koreanischen Restaurants noch nicht erlebt. Dort wird Ramyeon oft frisch zubereitet und mit Zutaten wie Ei, Käse, Meeresfrüchten oder Fischkuchen ergänzt. Die Brühe ist kräftiger, die Nudeln etwas dicker, und das Ganze wirkt wie eine richtige Mahlzeit. Ich bestelle es besonders gerne an kühleren Tagen, wenn ich etwas Warmes brauche.

Welche Sorten es gibt
In Korea gibt es eine enorme Auswahl an Ramyeon. Die bekannteste Marke ist Shin Ramyeon von Nongshim. Es ist scharf, aber nicht übertrieben. Für mich der Klassiker. Wer es extremer mag, greift zu den Buldak Bokkeum Myeon von Samyang, auch als Fire Noodles bekannt. Diese Nudeln sind so scharf, dass sie schon fast Kultstatus erreicht haben. Jin Ramyeon von Ottogi ist etwas milder und in zwei Varianten erhältlich, scharf und mild. Neoguri wiederum bringt einen leicht fischigen Geschmack mit und hat dicke Nudeln, die fast wie Udon wirken.

Viele dieser Marken bekommt man inzwischen auch in Deutschland. Ich finde sie in Asia-Läden oder in koreanischen Supermärkten. Der Geschmack ist vergleichbar, aber ich bilde mir ein, dass sie in Korea immer etwas besser schmecken. Vielleicht liegt das an der Umgebung, vielleicht am Wasser, vielleicht ist es einfach die Stimmung.
Ramyeon in K-Dramen
In vielen K-Dramen taucht Ramyeon immer wieder auf. Es wird spätabends gekocht, oft in stillen Momenten oder in Szenen mit romantischer Spannung. Der Satz „Willst du Ramyeon bei mir essen?“ hat längst einen doppeldeutigen Bezug und ist inzwischen fester Bestandteil koreanischer Popkultur.
Kochen mit Technik
Auch wenn Ramyeon einfach aussieht, schwören viele Koreaner auf ihre ganz eigene Zubereitungsmethode. Manche kochen die Nudeln extra lange, andere geben das Pulver erst später dazu. Ich habe auch schon Varianten gesehen, bei denen Käse, Tofu, Wurst oder sogar Tteok hinzugefügt werden. Das Ganze wird dann zum kleinen Kochprojekt. Ich selbst halte es eher klassisch, aber ein Ei kommt bei mir fast immer dazu oder mal eine Scheibe Käse.

Warum Ramyeon für mich dazugehört
Ich esse Ramyeon nicht, weil ich keine Alternativen habe. Ich esse es, weil es für mich zu Korea gehört. Es ist unkompliziert, würzig, überall verfügbar und immer genau das Richtige, wenn der Moment passt.
Wer es noch nicht probiert hat, sollte es unbedingt nachholen, in Deutschland oder, noch besser, direkt vor Ort in Korea.



