[Interview] K-Food Influencerin Yeseul Park zur K-Food Ambassador ernannt
Sie gehört zu den bedeutendsten Food-Influencerinnen in Deutschland und ist unangefochten die Nummer 1, wenn es um Korean-Food geht. Yeseul Park, 38 Jahre alt, Koreanerin aus Hessen, ist unter dem Namen Saebom das bekannteste Gesicht für koreanisches Essen im deutschsprachigen Raum. Mehr als eine Million Menschen abonnieren ihren YouTube-Kanal, fast 420.000 folgen ihr auf TikTok, und auf ihren beiden Instagram-Kanälen kommt sie zusammen auf über 186.000 Follower. Einzelne Videos wurden weit über 50 Millionen Mal gesehen.

Die Ernennung zur K-Food Ambassador
Die koreanische Küche hat in den letzten Jahren auf der ganzen Welt Begeisterung ausgelöst und die Republik Korea begleitet dies aktiv. Das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und ländlichen Raum ernennt deshalb weltweit K-Food Ambassadors: Köche, Influencer und Persönlichkeiten, die in ihren jeweiligen Ländern für koreanisches Essen stehen.
Am 24. Juni 2026 überreichte die Generalkonsulin der Republik Korea, Eunjeong Kim, ihr anlässlich der K-Food Fair in Frankfurt persönlich die Ernennungsurkunde zum „K-Food Ambassador der Republik Korea“.

Im Gespräch über ihre Ernennung und was sie bedeutet
Ich habe mich am 3. Juli 2026 mit Yeseul Park in einem Online-Meeting unterhalten und für Korea.net interviewt.
Manuel:
Yeseul, herzlichen Glückwunsch zur Ernennung. Du bist vom koreanischen Generalkonsulat zur K-Food Ambassador ernannt worden. Wie hast du diesen Moment erlebt?
Yeseul:
Innerlich hatte ich mir das ehrlich gesagt immer gewünscht. Ich habe immer gedacht: Ich könnte das doch eigentlich machen, warum fragt mich eigentlich noch keiner? Und dann kam die Auszeichnung, und war trotzdem überraschend.
Manuel:
Und was ist nun dein größter Wunsch als K-Food Ambassador?
Yeseul:
Ich würde mich so freuen, wenn jemand sagt: „Koreanische Küche gehört jetzt einfach zu meinem Alltag.“ Es muss nicht eins zu eins dasselbe sein. Wenn die Menschen sich Inspiration davon nehmen und Freude dabei haben und es ihnen schmeckt, dann habe ich genau das erreicht, wofür ich das alles mache.
Manuel:
Wie hat alles angefangen mit Deinen K-Food Clips?
Yeseul:
Ich hatte mit Social Media schon länger liebgeäugelt und mich aber nie ganz getraut. Dann kam die Pandemie und ich habe irgendwas gesucht, neben meinem Beruf, etwas, das mir gehört. Ich liebe koreanisches Essen wirklich, ich vergöttere es. Und mein damaliger Mitbewohner hat irgendwann gesagt: Warum machst du das nicht einfach? Warum teilst du nicht deine Leidenschaft fürs Essen? Da habe ich mir gedacht, er hat recht, und jetzt bin ich hier.

Der Erfolg als K-Food Influencerin
Heute betreibt Yeseul zwei Instagram-Kanäle und zwei YouTube-Kanäle. International erreicht sie auf YouTube über 1,13 Millionen Abonnenten, auf TikTok folgen ihr 419.000 Menschen. Ein einzelner Ramyeon-Clip wurde auf TikTok 20,8 Millionen Mal angesehen.
Manuel:
Du heißt Yeseul, aber deine Kanäle tragen alle den Namen Saebom. Wann und wie ist dieser Name entstanden?
Yeseul:
Als ich angefangen habe, habe ich gemerkt, dass ich eine zweite Identität brauche, die zu dem passt, was ich mache. Den Namen habe ich tatsächlich aus einem K-Drama. Ich weiß nicht, ob du „Happiness“ kennst. Das ist eine ältere Serie mit Zombies. Die Protagonistin heißt Saebom. Das ist ein rein koreanischer Name und bedeutet so viel wie Neujahr oder Frühling.
Manuel:
Gibt es ein Video, das dich wirklich überrascht hat, weil die Reaktion der Leute ganz anders war, als du gedacht hättest?
Yeseul:
Ja. Das war ein Video, in dem ich Weißkohl gedämpft habe und ihn als Ssam (쌈) benutzt habe, also zum Einwickeln von Reis. Ich habe mir dabei wirklich gar nichts gedacht an dem Tag. Ich wollte etwas ganz Einfaches zeigen, etwas Alltägliches, das viele noch nicht kennen. Wenn man in Korea zu Besuch ist, isst man eben nicht immer Tteokbokki und Bulgogi. Das Video hatte fast zwei Millionen Aufrufe. Viele haben es nachgekocht. Das hat mich wirklich überrascht und berührt.
Drei Lieblingsgerichte und ein Vater, der alle überraschte
Manuel:
Welche drei Gerichte zeigen am besten, wer du kulinarisch bist?
Yeseul:
Meine Top 3 sind Kimchi-Jjigae, also Kimchieintopf, am liebsten mit Thunfisch. Dann Cheonggukjang, das ist eine fermentierte Sojabohnenpaste, nicht die normale Doenjang, sondern die, die wirklich richtig stinkt. Und Sundae, die koreanische Blutwurst. Ich liebe Hausmannskost und alles, was mit Kimchi zu tun hat.
Manuel:
Du hast keine Kochausbildung und trotzdem kochst du für Millionen von Menschen. Wie geht das?
Yeseul:
Ich habe nur eine Expertise im Essen (und lacht). Ich habe Kochen nie formell gelernt. Ich habe als Kind immer meiner Mutter und Oma über die Schulter geschaut. Und als ich anfing, Kochvideos zu machen, habe ich gemerkt, wie viel ich dabei aufgesogen habe, ohne es zu wissen.
Manuel:
Deine Eltern spielen in vielen Videos von Dir eine feste Nebenrolle. Deine Mutter, die coole Köchin, und auch Dein Vater ist mittlerweile ein echter Star in deinen Videos. Was war das für ein Moment, als ihr gemerkt habt, dass er kochen kann?
Yeseul:
Bei uns in der Familie war das klassisch verteilt: Mein Vater arbeitet, meine Mutter kocht. Und dann hat er plötzlich angefangen zu kochen, und wir waren alle baff. Er hat ein wirklich gutes Gespür für Geschmack. Andererseits ist für meine Eltern Social Media generell nicht so greifbar. Ich muss sie zu ihrem Glück zwingen und sagen: Wollt ihr mal vor die Kamera? Weil es einfach lustiger ist, wenn man Familie hat, mit der man interagiert. Und dann entstehen immer diese echten Momente, wo man zusammen lacht. Sie geben ihr Bestes … wenn ich sie zwinge (hier lacht Yeseul im Interview herzhaft).

Bratwurst, Döner und die grüne Soße aus Hessen
Manuel:
Du bist als Kind nach Deutschland gekommen. War der Kulturschock beim Essen groß?
Yeseul:
Ja, auf jeden Fall. Mein Vater war ein paar Monate vor uns hier und hat uns in ein deutsches Restaurant mitgenommen. Er hat etwas bestellt, und dann kam ein Teller mit Wurst, Brot und Senf. Nur das. Ich habe gedacht: Hä? Bei koreanischem Essen wird ja alles aufgefahren, so richtig viel auf dem Tisch, alles auf einmal. Und dann nur dieser eine Teller. Und dann der erste Döner. Ich habe gedacht: Wie soll ein Mensch das alleine essen? Der ist riesig. Und natürlich die „Grie Soß“, die grüne Soße hier in Hessen. Das war wirklich ein Erlebnis.
Manuel:
Was ist denn aus deiner Sicht das größte Missverständnis über koreanisches Essen, das du immer wieder antriffst?
Yeseul:
In Europa denken viele, koreanische Küche sei vor allem fleischlastig und saucenlastig. Man denkt an Korean Barbecue oder Korean Fried Chicken. Das gibt es alles, und es schmeckt auch wunderbar. Aber das ist nicht der Kern. Im Kern ist koreanische Küche eigentlich gemüsebasiert. Korea besteht zu rund 80 Prozent aus Bergen und hat deshalb eine lange Tradition von Bergkräutern und Banchan, also den vielen kleinen Beilagen, die zu jeder Mahlzeit auf den Tisch kommen. Diese Vielfalt hat historische Wurzeln. In der Goryeo-Zeit, als der Buddhismus Staatsreligion war, spielte pflanzliche Kost eine zentrale Rolle. Das hat sich bis heute gehalten.
Manuel:
Koreanisches Essen ohne das richtige Getränk dazu wäre nur die halbe Geschichte. Was trinkst du am liebsten?
Yeseul:
Soju natürlich (und lacht wieder). Soju ist für mich so etwas wie koreanische Seele in einem Glas. Da sind so viele Emotionen drin. Und ich trinke das erste Glas immer noch auf nüchternen Magen, bevor ich irgendetwas gegessen habe. Das bereitet den Magen vor, finde ich. Aber ich liebe auch Makgeolli, den koreanischen Reiswein. Den trinke ich auch sehr gerne.

Für die Korea.net-Leserinnen und Leser
Manuel:
Was sollten Korea.net-Leser beim nächsten Koreabesuch auf keinen Fall verpassen?
Yeseul:
Frischer Tofu. Das ist meine Nummer eins. In Daegu gibt es den Palgongsan, einen Berg mit einem wunderbaren Tempel oben drauf. Auf dem Weg hoch gibt es einen kleinen Tofu-Shop, der Tofu und Pfannkuchen verkauft. Der Tofu wird wirklich frisch vor Ort gemacht. Dieser frische Tofu lässt mich bis heute nicht los. Er ist nussig, frisch, nicht zu weich. Vielleicht liegt es an den Sojabohnen, möglicherweise an der Luft dort oben. In Korea sagt man: Erst das Essen, dann die Landschaft. An diesem Berg habe ich beides auf einmal erlebt. Und dann noch Jeju. Korea ist von drei Seiten vom Meer umgeben, und Jeju ist die Vulkaninsel im Süden. Wer Meeresfrüchte mag, sollte unbedingt dorthin. Und Instant-Nudeln, die man dort mit Blick aufs Meer essen kann, sind noch einmal ein ganz anderes Erlebnis.
Manuel:
Möchtest Du den Korea.net-Lesern zum Abschluss des Interviews noch etwas sagen?
Yeseul:
Danke, dass ihr koreanische Kultur so sehr liebt. Als ich mit neun Jahren nach Deutschland kam, hätte ich niemals geträumt, dass Korea einmal so beliebt wird und koreanische Kultur so ankommt. Dass ihr K-Dramen schaut, koreanisches Essen so gerne esst und so mitfühlt, das ist wirklich schön. Es ist wundervoll, dass Essen und Kultur uns so verbinden können.

Yeseul Park macht einfach Lust auf Korea und K-Food
Yeseul Park macht keine polierten Food-Videos. Sie kocht in ihrer Küche, lacht über das Unerwartete, zwingt ihre Eltern freundlich vor die Kamera und erklärt, warum gedämpfter Weißkohl mit Reis ein vollständiges Essen ist. Ihre Art, über koreanisches Essen zu sprechen, tut etwas, was selten gelingt: Sie macht Lust auf mehr. Nochmals herzlichen Glückwunsch zur Ernennung.
Ihren deutschen Instagram-Account findet ihr hier: https://www.instagram.com/saebom2000/



