Das Geldmuseum in Seoul, das überraschend viel Spaß macht
Seoul hat kein Defizit an Museen, da gibt es das Nationalmuseum, das Palastgelände von Gyeongbokgung, das War Memorial of Korea sowie unzählige weitere. Und doch gibt es eines mitten in Myeong-dong, das wahrscheinlich bei den wenigsten auf der Liste der Sehenswürdigkeiten in Seoul ganz oben steht. Das Geldmuseum der Bank of Korea, auf Koreanisch 한국은행 화폐박물관.

Genau deshalb hat mich das Bank of Korea Money Museum neugierig gemacht. Mitten zwischen den Einkaufsstraßen von Myeong-dong, wo die meisten Leute nur ans Shoppen, Streetfood und Kosmetik denken, steht ein historisches Gebäude, an dem viele Besucher einfach vorbeilaufen. Hinter den schweren Türen dreht sich alles um Geld, Banknoten, Münzen und die Geschichte der koreanischen Wirtschaft.
Das klingt zunächst eher nach Schulunterricht als nach einem spannenden Ausflug, ist aber ganz anders. Das Museum schafft es, ein Thema, das jeder aus dem Alltag kennt, überraschend anschaulich und abwechslungsreich zu präsentieren. Gleichzeitig bekommt man einen Einblick in die Geschichte Koreas und entdeckt eines der prächtigsten historischen Gebäude im Zentrum von Seoul.
Ein Stück Geschichte zwischen modernen Hochhäusern
Noch bevor man das Museum betritt, fällt einem das Gebäude auf. Zwischen modernen Fassaden und den geschäftigen Straßen von Myeong-dong wirkt der ehemalige Hauptsitz der Bank of Korea fast wie eine Zeitkapsel.
Das dreistöckige Gebäude aus schwerem Granit wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Renaissancestil errichtet und gehört heute zu den bedeutenden historischen Bauwerken der Stadt. Die Architektur unterscheidet sich deutlich von vielen anderen Gebäuden in der Umgebung. Massive Steinmauern, hohe Fenster und die imposante Kuppel verleihen dem Bau einen ganz eigenen Charakter.

Gerade in Seoul verändert sich das Stadtbild oft schnell. Umso interessanter ist es, Orte zu entdecken, an denen sich die Geschichte der Stadt noch direkt erleben lässt. Schon allein für die Architektur lohnt sich deshalb ein kurzer Besuch.
Und noch ein Detail am Rande: Es war das erste Gebäude in Korea, das einen Fahrstuhl hatte. Seit 2001 ist hier das Geldmuseum untergebracht. Bevor wir reingehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf das koreanische Geld selbst.

Der Won und seine Geschichte
Die Geschichte des Geldes in Korea reicht weit zurück. Schon in der Goryeo-Zeit, ab dem 10. Jahrhundert, kursierten erste Münzen. Die ersten wirklich in Korea geprägten Münzen entstanden um 996 unter König Seonjeong. Jahrhunderte später kamen die Sangpyeongtongbo, die kupfernen Münzen der Joseon-Dynastie, ab 1678 die erste landesweite Währung Koreas. Den heutigen Won gibt es seit 1962.
Der Won, Symbol ₩, teilt seine Wurzeln mit dem chinesischen Yuan und dem japanischen Yen. Alle drei Namen gehen auf dasselbe Schriftzeichen zurück, das die runde Form alter Münzen beschreibt. Den Namen Won gibt es bereits seit 1902, als er den Yang als koreanische Währung ablöste. Während der japanischen Kolonialzeit war zeitweise eine andere Währung im Umlauf. Mit der Unabhängigkeit bekam Korea 1945 seinen Won zurück. Seitdem haben sich die Scheine mehrfach verändert. 2006 und 2007 lösten neue Scheine die alten ab, frischer im Design und besser gegen Fälschungen geschützt. 2009 kam der 50.000-Won-Schein als neuer höchster Schein dazu.
Warum Geld mehr über Korea erzählt, als man denkt
Im Inneren beginnt die eigentliche Reise durch die Geschichte des Geldes. Der Rundgang beginnt im Erdgeschoss mit der Geschichte und den Aufgaben der Bank of Korea selbst.

Das Museum zeigt, wie sich Zahlungsmittel in Korea über viele Jahrhunderte entwickelt haben. Zu sehen sind historische Münzen, alte Banknoten und verschiedene Zahlungsmittel aus unterschiedlichen Epochen. Dabei geht es nicht nur um Geld selbst, sondern auch um die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen, die dahinterstehen.
Besonders interessant sind die Bereiche, die erklären, wie modernes Geld überhaupt entsteht. Viele Menschen benutzen täglich Bargeld oder bezahlen inzwischen mit Karte und Smartphone. Die wenigsten machen sich jedoch Gedanken darüber, wie aufwendig die Herstellung von Banknoten ist oder welche Sicherheitsmerkmale verhindern sollen, dass Geld gefälscht wird.

Im Museum werden diese Prozesse verständlich erklärt. Besucher erfahren, wie Banknoten gedruckt werden, welche Techniken zum Einsatz kommen und warum sich Sicherheitsmerkmale im Laufe der Zeit ständig weiterentwickeln.

Dabei wird deutlich, wie viel Technologie hinter etwas steckt, das wir oft als selbstverständlich betrachten.
Weiter geht es im Geldmuseum mit den Themen Wirtschaft, Zinsen, Wechselkurse, Preise. Das klingt nach Schulstoff, ist es aber nicht. Sechs interaktive Spielstationen machen das Thema greifbar, und man merkt schnell, dass das alles mit dem eigenen Alltag zu tun hat.

Geld aus aller Welt entdecken
Im zweiten Stock wartet der Nachbau eines Tresorraums. Säcke und Kisten voller Geldattrappen stehen herum, die man anfassen und hochheben kann. Wie schwer echtes Geld ist, merkt man erst, wenn man selbst daran zieht.

Neben koreanischen Münzen und Banknoten werden Zahlungsmittel aus zahlreichen anderen Ländern gezeigt. Dadurch entsteht ein spannender Vergleich zwischen verschiedenen Kulturen und Epochen. Im Geldmuseum in Seoul gibt es Währungen aus rund 170 Ländern, sortiert in Schubladen, die sich aus der Wand herausziehen lassen.
Besonders cool ist auch eine Fotostation in dem Museum, und in einem Hightech-Land wie Korea überrascht das kaum. Auf koreanischen Geldscheinen erscheinen seit jeher große Persönlichkeiten wie König Sejong, Shin Saimdang und Yi Hwang. An der Station dreht sich das um: „Vielleicht erscheinst auch du eines Tages auf einer Banknote. Probier schon mal aus, wie das aussehen würde.“ Eine Maschine druckt das eigene Gesicht in Sekundenschnelle auf einen 50.000-Won-Schein. Und das Beste daran: Es kostet keinen einzigen Won. Ein Souvenir mit einem extrem hohen Erinnerungswert, das andere Museen weltweit im Souvenir-Faktor um Längen schlägt.

Praktische Informationen
Das Museum liegt an der Adresse 39 Namdaemun-ro, Jung-gu, Seoul. Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10:00 bis 17:00 Uhr, montags bleibt es geschlossen, ebenso an Feiertagen wie dem Mondneujahr und Chuseok.
An Wochenenden und Feiertagen ist eine Reservierung über die Website der Bank of Korea erforderlich.
Von Myeong-dong aus sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Auch der Namdaemun-Markt, das Rathaus von Seoul oder der Cheonggyecheon liegen nicht weit entfernt. Mit der U-Bahn kommt man am besten über die Linien 1 und 2 bis zur Haltestelle City Hall, Ausgang 7.
Dadurch eignet sich das Museum auch gut als kurzer Zwischenstopp, wenn man ohnehin in der Gegend unterwegs ist.
Ein Besuch, den man wirklich empfehlen kann
Das Bank of Korea Money Museum gehört wahrscheinlich nicht zu den bekanntesten Museen in Seoul. Genau deshalb wird das Geldmuseum häufig unterschätzt. Das Thema klingt deutlich trockener, als die Ausstellung tatsächlich ist. Wie hat man früher bezahlt? Wie entwickelt sich Geld über die Jahrhunderte? Warum sehen Banknoten heute anders aus als vor hundert Jahren? Und welche Rolle spielt eine Zentralbank überhaupt?

Wer Lust hat, etwas Neues zu entdecken, findet hier weit mehr als alte Münzen und Banknoten. Das historische Gebäude, die verständlichen Ausstellungen samt Spielecken für Kinder und die spannenden Einblicke in die Geschichte des Geldes, die eng mit der Geschichte Koreas verbunden ist, sind für Geschichtsinteressierte, neugierige Reisende oder einfach für einen regnerischen Nachmittag in Seoul eine gute Gelegenheit, eine Seite Koreas kennenzulernen, die viele Besucher übersehen.



